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Was wird getestet?
Obwohl es also nicht den Einstellungs- oder Eignungstest gibt, der für die Besetzung aller Ausbildungsplätze gleichermaßen gut geeignet ist, sind in den Tests bestimmte Inhalte immer wieder enthalten. Es gibt Testelemente und Aufgabentypen, die schon seit Jahrzehnten regelmäßig eingesetzt werden. Testkandidaten, die sich bereits im Vorfeld einen ersten Überblick verschaffen und sich mit bestimmten Aufgabentypen auseinandersetzen, sind damit klar im Vorteil. Denn wer vorher weiß, was ihn erwartet, braucht im Ernstfall nicht lange herumzuraten, sondern kann die knappe Zeit lieber dafür verwenden, die richtige Lösung unverzüglich aufzuschreiben.
Wissen, Intelligenz, Konzentration, Persönlichkeit
Einstellungstests lassen sich in die vier großen Blöcke Wissenstests, Intelligenztests, Konzentrationstests und Persönlichkeitstests unterteilen. In der folgenden Übersicht haben wir für Sie aufgeführt, welche Testinhalte die jeweiligen Blöcke umfassen.
Inhalte von Einstellungstests
Wissenstests
Allgemeinbildung
Rechtschreibung
praktische Mathematik
Fremdsprachen (meist Englisch)
Berufswissen
Intelligenztests
logisches Denken
räumliches Vorstellungsvermögen
sprachliche Intelligenz
Konzentrationstests
Aufmerksamkeit
Merkfähigkeit
Persönlichkeitstests
Motivation
Selbsteinschätzung
Kommunikation (beispielsweise Teamfähigkeit, Überzeugungskraft, Einfühlungsvermögen, Problemlösungsfähigkeit, Begeisterungsfähigkeit)
Wissenstests: In diesem Block wird Schulwissen aus den Bereichen Allgemeinbildung, Rechtschreibung und praktische Mathematik abgeprüft. Gelegentlich werden auch die Englischkenntnisse der Bewerber getestet, beispielsweise von Firmen, die ihre Kunden europa- oder weltweit beliefern und betreuen, also ihre Geschäftsbeziehungen auf Englisch pflegen. Neuerdings wird auch häufiger konkretes Berufswissen abgefragt, beispielsweise, was typische Aufgaben im Wunschberuf sind.
Intelligenztests: Wie Sie bereits im Kapitel "Sieben populäre Test-Irrtümer" gesehen haben, werden in Einstellungstests zwar einzelne Aufgaben aus Intelligenztests eingestreut, komplette Intelligenztests werden aber eher selten eingesetzt. Daher ist eine Aussage über den Intelligenzquotienten der Kandidaten in der Regel nicht möglich. Auf Ausbildungsplatzsuchende warten im Einstellungstest aber dennoch regelmäßig Aufgaben, die überprüfen sollen, wie es um das logische Denken, das räumliche Vorstellungsvermögen und die sprachliche Intelligenz bestellt ist.
Konzentrationstests: Die Firmen haben aus verständlichen Gründen ein großes Interesse daran, Auszubildende zu finden, die in der Lage sind, auch über einen längeren Zeitraum aufmerksam, konzentriert und möglichst fehlerfrei zu arbeiten. Daher enthalten Einstellungstests häufig Elemente aus Konzentrationstests. Man möchte feststellen, wie sorgfältig die Kandidaten unter belastendem Zeitdruck Aufgaben lösen. In eine ähnliche Richtung gehen Testaufgaben zur Überprüfung der Merkfähigkeit, also der Gedächtnisleistung.
Persönlichkeitstests: In Persönlichkeitstests geht es um die Bewerberpersönlichkeit. Hier wird gerne die Motivation, die Ihrer Entscheidung für den angestrebten Ausbildungsberuf zugrunde liegt, auf den Prüfstand gestellt. Manchmal werden Selbsteinschätzungen der Kandidaten mithilfe von Fragebögen gefordert. Und verstärkt werden neuerdings Kennenlerntage, die auch Assessment-Center oder Praxistag heißen, durchgeführt. Die Kandidaten müssen beim Kennenlerntag mit praktischen Übungen rechnen, bei denen es um den persönlichen Auftritt und den Umgang mit anderen geht. Zu diesem Zweck werden unter anderem Gruppendiskussionen und Gruppenarbeiten veranstaltet. Daneben stehen sprachliche Fähigkeiten, das soziale Verhalten und die Eigeninitiative der Kandidaten im Zentrum der Beobachtung. Die Firmen wollen auf diese Weise feststellen, wie ausgeprägt vorher festgelegte Persönlichkeitsmerkmale - beispielsweise Teamfähigkeit, Überzeugungskraft, Einfühlungsvermögen, Problemlösungs- oder Begeisterungsfähigkeit - bei den künftigen Auszubildenden sind.
Ihr Trainingsprogramm
Die eingangs aufgeworfene Frage "Was wird getestet?" haben wir Ihnen beantwortet. Sie sind nun vertraut mit der Unterscheidung von Wissenstests, Intelligenztests, Konzentrationstests und Persönlichkeitstests sowie den dazugehörigen Teilbereichen. Jetzt geht es um die praktische Nutzung Ihrer neuen Erkenntnisse. In einem strukturierten Trainingsprogramm - wie im Folgenden dargestellt - werden wir Sie im weiteren Verlauf mit klassischen und neuen Aufgaben aus allen vier Testbereichen vertraut machen.
Persönlichkeitstest: Motivation der Bewerbung, ab Seite 22
Wissenstest: Allgemeinbildung, ab Seite 28
Wissenstest: Rechtschreibung, ab Seite 60
Wissenstest: praktische Mathematik, ab Seite 65
Wissenstest: Englisch, ab Seite 70
Wissenstest: Berufswissen, ab Seite 74
Intelligenztest: logisches Denken, ab Seite 78
Intelligenztest: räumliches Vorstellungsvermögen, ab Seite 93
Intelligenztest: sprachliche Intelligenz, ab Seite 103
Konzentrationstest: Aufmerksamkeit, ab Seite 108
Konzentrationstest: Merkfähigkeit, ab Seite 118
Persönlichkeitstest: Selbsteinschätzung, ab Seite 122
Persönlichkeitstest: Kommunikation (Kennenlerntag, Assessment-Center), ab Seite 127
Dabei steht der Persönlichkeitstest "Motivation der Bewerbung" ganz bewusst an erster Stelle. Wir haben diesen Test deshalb nach vorne gerückt, weil hier neuerdings immer mehr Firmen einen Schwerpunkt setzen, und zwar sowohl beim klassischen Einstellungstest mit Einzelübungen als auch beim Kennenlerntag mit Gruppenübungen.
Vor dem Hintergrund, dass etwa 20 Prozent aller Ausbildungen vorzeitig abgebrochen werden, ist dies auch verständlich. Die Firmen sind nämlich sehr stark daran interessiert, diejenigen Bewerberinnen und Bewerber zu finden, die von Anfang an wissen, worauf sie sich mit ihrem Ausbildungswunsch eingelassen haben und was ihre Stärken sind. Eine überzeugende Beantwortung der Frage "Warum wollen Sie gerade diese Ausbildung machen?" ist also wesentlich für die Einstellungsentscheidung der Firmen.
Lassen Sie sich nun erklären, mit welchen Argumenten Sie die Firmenseite überzeugen können, damit auch Sie zum gefragten Wunschbewerber werden.
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Persönlichkeitstest: Motivation der Bewerbung (S. 22-23)
Worum geht es?
Wenn Auszubildende zum Testtag eingeladen werden, kommt es immer häufi ger vor, dass die Motivation der Bewerber gründlich hinterfragt wird. Nach Angaben von Ausbildungsbetrieben brechen immerhin bis zu 20 Prozent eines Jahrgangs die Ausbildung ab. Die Firmen möchten aber auf jeden Fall vermeiden, dass sie an Auszubildende geraten, die sich nur mangels besserer Angebote, aus einer Laune heraus oder auf Wunsch der Eltern bei ihnen bewerben. Kurz gesagt: Mit Tests zur Motivation will man herausbekommen, wie ernst Sie es mit Ihrem Ausbildungswunsch meinen.
Was erwartet Sie?
Die Motivation von Ausbildungsplatzsuchenden wird mithilfe von Aufsätzen, Kurzvorträgen vor allen Kandidaten und Firmenvertretern oder gezielten Fragen im persönlichen Gespräch überprüft. Eine typische Aufgabenstellung für Aufsätze wäre: »Begründen Sie schriftlich auf einer DIN-A4-Seite, warum Sie sich für eine Ausbildung zur Versicherungskauffrau entschieden haben!«. Beim Kurzvortrag könnte die Aufgabe lauten: »Sie möchten bei uns eine Ausbildung zum Industriekaufmann beginnen. Bitte erläutern Sie zwei Minuten lang vor der Gruppe Ihre Motivation!«. Und typische Fragen im Interview wären: »Seit wann wissen Sie, dass Sie eine Ausbildung zur Arzthelferin machen möchten?« oder »Wenn wir Ihre Freunde zu Ihrem Ausbildungswunsch zum KFZ-Mechatroniker befragen würden: Wären sie der Meinung, dass diese Ausbildung zu Ihnen passt?«.
Wie können Sie Punkte sammeln?
Sämtliche Übungen zur Motivation des Ausbildungswunsches lassen sich hervorragend zu Hause vorbereiten. Überzeugen Sie mit guten Argumenten, indem Sie auf Ihre Erfahrungen aus Praktika verweisen. Erklären Sie, wo Sie sich über die Ausbildung informiert haben und seit wann Sie diesen Berufswunsch haben. Ganz wichtig: Lassen Sie durchblicken, dass Sie wissen, was auf Sie zukommt. Dies gelingt Ihnen, indem Sie drei bis vier Tätigkeiten aus der Ausbildung nennen und schildern, bei welchen Gelegenheiten Sie diese in der Vergangenheit bereits kennen gelernt haben, beispielsweise im Praktikum, in der Schule oder in der Freizeit.
Aufsatz zur Motivation
In dieser Übungseinheit werden Sie lernen, wie Sie Ihre Motivation in schriftlicher Form überzeugend darstellen und mit Ihrem Aufsatz Ausbildungsverantwortliche beeindrucken können. Um Ihnen zu zeigen, auf was Sie dabei achten müssen, stellen wir Ihnen nun zunächst ein Negativbeispiel und anschließend ein Positivbeispiel einschließlich unserer Bewertung vor.
Negativbeispiel: Aufsatz zur Motivation
Wird ein Bewerber für einen Ausbildungsplatz zum Kaufmann im Groß- und Außenhandel aufgefordert, seine Motivation in Aufsatzform darzulegen, sollte sie auf keinen Fall so formuliert werden:
Unvorbereiteter Testkandidat
Ich beende im Sommer die Schule, deswegen muss ich mich jetzt um einen Ausbildungsplatz kümmern. Beim Arbeitsamt hat man mir gesagt, dass Sie ausbilden. Deswegen habe ich eine Bewerbung an Sie geschickt und bin nun hier zum Testtag eingeladen worden. Ich wäre eigentlich lieber Bankkaufmann geworden, aber dafür sind meine Noten nicht gut genug. Aber Ihre Ausbildung interessiert mich auch. Ich bin nämlich teamfähig, leistungsbereit, motiviert und kundenorientiert. Meine Hobbys sind Computerspiele und das Internet.
In seinem viel zu kurzen Aufsatz schießt der Schulabgänger ein Eigentor nach dem nächsten. Schon die ersten Sätze klingen schief: Schließlich beendet jeder Schüler irgendwann einmal die Schule. Dies ist aber noch lange kein Grund für eine Firma, ihm einen Ausbildungsplatz zu geben.
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