Die Jahre 1945 bis 1949 spiegeln sich in Victor Klemperers
Tagebuchnotizen als eine höchst dramatische Zeit wider. In seinem
persönlichen wie im politischen Leben werden jetzt die Weichen
gestellt. Klemperer stürzt sich in die Arbeit, er kann wieder
lehren aber muss sich auch entscheiden, wo künftig sein Platz ist.
Mit Besorgnis registriert er Fehlentwicklungen in der deutschen
Politik, gleichzeitig kämpft er verzweifelt um die schwierige
Bewältigung des Alltags. Als akribischer Chronist hält er die
Entfremdung der politschen Lager fest: bis zur Gründung von zwei
deutschen Staaten
Victor Klemperer wurde 1881 in Landsberg/Warthe als achtes Kind eines Rabbiners geboren. 1890 übersiedelte die Familie nach Berlin, wo der Vater zweiter Prediger einer Reformgemeinde wurde. Er studierte von 1902 bis 1905 Philosophie, Romanistik und Germanistik in München, Genf, Paris, Berlin. Bis er 1912 das Studium in München wieder aufnahm, lebte er in Berlin als Journalist und Schriftsteller. 1940 erfolgte eine Zwangseinweisung in ein Dresdener Judenhaus. Nach seiner Flucht aus Dresden im Februar 1945 kehrte Klemperer im Juni aus Bayern nach Dresden zurück. 1950 wurde Abgeordneter des Kulturbundes in der Volkskammer der DDR und erhielt 1952 Nationalpreis III. Klasse. 1960 verstarb Victor Klemperer in Dresden. Geschwister-Scholl-Preis 1995.