Leseprobe zu "Drachenbrut / Die Feuerreiter Seiner Majestät Bd.1"
Im unruhigen Seegang hob und senkte sich das vom Blut der Kämpfenden glänzende Deck des französischen Schiffes in Besorgnis erregendem Maße. Ein Hieb konnte den Mann, der ihn ausführte, ebenso leicht selbst zur Strecke bringen wie das anvisierte Ziel. Im Eifer des Gefechts blieb Laurence keine Zeit, sich über das Ausmaß des Widerstandes zu wundern, doch selbst durch den betäubenden Schleier des Schlachtfiebers und das Durch einander von Klingen und Pistolenrauch bemerkte er den gequälten Ausdruck auf dem Gesicht des französischen Kapitäns, während dieser seine Männer anfeuerte. Er war auch noch zu erkennen, als sie kurze Zeit später an Deck zusammentrafen und der Mann äußerst widerstrebend seinen Degen übergab: Im letzten Augenblick noch schloss sich seine Hand halb um die Klinge, als wolle er sie wieder zurückziehen. Laurence blickte empor, um sicherzugehen, dass die Fahne gesetzt worden war, dann nahm er den Degen mit einem stummen Kopfnicken entgegen. Er selbst beherrschte kein Französisch, und so würde jedes weitere Gespräch warten müssen, bis sein Dritter Leutnant anwesend wäre - jener junge Mann, der im Augenblick unter Deck damit beschäftigt war, die französischen Kanonen zu sichern. Mit dem Versiegen der Kampfhandlungen ließen sich die überlebenden Franzosen buchstäblich an Ort und Stelle zu Boden sinken. Laurence bemerkte, dass es weniger waren, als er an Bord einer Fregatte mit sechsunddreißig Kanonen erwartet hatte. Er schüttelte den Kopf und musterte den französischen Kapitän missbilligend: Der Mann hätte sich nie auf einen Kampf einlassen sollen. Abgesehen von der schlichten Tatsache, dass die Reliant selbst im günstigsten Fall der Amitié an Waffen und Männern leicht überlegen gewesen wäre, war die Besatzung offenkundig durch Krankheit oder Hunger dezimiert worden. Obendrein befanden sich die Segel über ihnen in einem traurigen Zustand, was nicht der Schlacht, sondern dem Sturm, der erst heute Morgen nachgelassen hatte, zuzuschreiben war. Nur mühsam war es ihnen gelungen, überhaupt eine einzige Breitseite abzufeuern, ehe die Reliant herangekommen war und sie das Schiff geentert hatten. Der Kapitän war augenscheinlich tief bestürzt angesichts der Niederlage, doch er war kein junger Mann mehr, der sich von Übermut hatte hinreißen lassen: Er hätte seinen Männern einen besseren Dienst erweisen sollen, als sie in einen so aussichtslosen Kampf zu schicken.
"Mr. Riley", sagte Laurence, um die Aufmerksamkeit seines Zweiten Leutnants auf sich zu lenken, "sorgen Sie dafür, dass unsere Männer die Verwundeten unter Deck bringen." Er hakte den Degen des Kapitäns an seinen Gürtel, denn er war nicht der Ansicht, dass dem Mann die Ehre gebührte, ihn wiederzubekommen, obwohl Laurence normalerweise die Klinge zurückgegeben hätte. "Und schicken Sie nach Mr. Wells."
"Sehr wohl, Sir", erwiderte Riley und gab umgehend die notwendigen Anweisungen. Laurence trat an die Reling und schaute hinab, denn er wollte prüfen, welchen Schaden der Rumpf genommen hatte. Dieser wirkte vergleichsweise unbeschadet, weil Laurence seine Männer angewiesen hatte, Schüsse unterhalb der Wasserlinie zu vermeiden. Mit Befriedigung dachte er, dass es keine Schwierigkeiten bereiten sollte, das Schiff in den Hafen zu bringen.
Seine Haare hatten sich aus seinem kurzen Zopf gelöst und fielen ihm nun in die Augen, während er sich vorbeugte. Ungeduldig strich er sie beim Umdrehen zurück und verwischte dabei Blut auf seiner Stirn und seinem sonnengebleichten Haar. Dies, seine breiten Schultern und der ernste Gesichtsausdruck, mit dem er seine Beute in Augenschein nahm, verliehen ihm ohne sein Wissen ein wildes Äußeres, das seinen gewöhnlich nachdenklichen Gesichtszügen vollkommen unähnlich war.
Wells kam an Deck geklettert, um Laurence' Ruf Folge zu leisten, und trat an dessen Seite. "Sir", sagte er, ohne darauf zu warten, dass er zum Sprechen aufgefordert wurde. "Ich bitte um Entschuldigung, doch Leutnant Gibbs sagt, es befände sich etwas Sonderbares zwischen der Fracht."
"Oh. Das werde ich mir ansehen", antwortete Laurence. "Bitte teilen Sie diesem Gentleman mit", er deutete auf den französischen Kapitän, "dass er mir für sich und seine Mannschaft sein Ehrenwort geben muss, denn sonst müssten sie eingesperrt werden."
Der französische Kapitän antwortete nicht sofort; er betrachtete seine Männer mit einem kläglichen Gesichtsausdruck. Natürlich würde es ihnen viel besser ergehen, wenn sie über das Unterdeck verteilt werden konnten, und jede Rückeroberung des Schiffes war unter den gegebenen Umständen ohnehin praktisch unmöglich. Und doch zögerte er, ehe er den Kopf senkte und schließlich mit rauer Stimme mühsam hervorbrachte "Je me rends", wobei sein Blick noch jämmerlicher wurde.
Laurence nickte knapp. "Er kann in seine Kabine gehen", sagte er, an Wells gerichtet, und wandte sich ab, um in den Frachtraum hinunterzusteigen. "Tom, werden Sie mich begleiten? Sehr gut."
Mit Riley auf den Fersen kletterte er hinunter, wo er auf seinen Ersten Leutnant traf, der dort auf ihn wartete. Gibbs' rundes Gesicht glänzte noch immer vor Schweiß und Aufregung: Er würde die Prise in den Hafen bringen, und da es sich bei dem Schiff um eine Fregatte handelte, würde er mit ziemlicher Sicherheit selbst zum Kapitän befördert werden. Laurence war darüber nur mäßig erfreut. Auch wenn Gibbs seine Pflichten zuverlässig erledigt hatte, war ihm dieser Mann doch von der Admiralität aufgezwungen worden, und sie waren nie richtig miteinander warm geworden. Er hatte Riley auf dem Posten des Ersten Leutnants haben wollen, und wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre es nun Riley, der seine Chance erhielte. Doch so lief es im Dienst der Marine, und er missgönnte Gibbs sein Glück auch nicht. Trotzdem war er nicht so aus vollem Herzen erfreut, wie er es gewesen wäre, wenn Riley sein eigenes Schiff erhalten hätte.
"Nun gut, was gibt es?", fragte Laurence jetzt. Die Matrosen waren um ein merkwürdig platziertes Schott gedrängt, das sich in den Bereich achternaus öffnete, und vernachlässigten ihre Arbeit, die Fracht des aufgebrachten Schiffs in Listen zu verzeichnen.
"Sir, wenn Sie bitte herüberkommen wollen", sagte Gibbs. "Machen Sie Platz hier", befahl er, und die Matrosen zogen sich zurück, sodass Laurence nun einen Durchstieg erkennen konnte, der in eine Wand eingelassen war, welche den hinteren Teil des Frachtraums abtrennte. Dies konnte erst vor kurzem geschehen sein, denn das Holz war deutlich heller als bei den Planken, die den Einstieg umrahmten.
Er duckte sich, um durch die niedrige Tür zu gelangen, und fand sich in einer kleinen Kammer wieder. Die Wände waren mit dickem Metall verstärkt worden, was dem Schiff viel unnützes Gewicht eingebracht haben musste, und den Boden hatte man mit altem Segeltuch bedeckt. Darüber hinaus gab es einen kleinen Kohleofen in einer Ecke, der allerdings im Augenblick nicht benutzt wurde. Der einzige Gegenstand, der in diesem Raum verstaut worden war, war eine große Kiste, die einem Mann ungefähr bis zur Hüfte reichte und ebenso breit war. Man hatte sie mithilfe von dicken, an Metallringen befestigten Tauen am Boden und an den Wänden gesichert.
Laurence konnte sich nicht helfen: Er verspürte lebhafteste Neugier, und nachdem er diese einen Augenblick lang niederzukämpfen versucht hatte, gab er ihr nach. "Mr. Gibbs, ich denke, wir sollten einen Blick hineinwerfen", sagte er und gab den Weg frei. Der Deckel der Kiste war sorgfältig festgenagelt, löste sich schließlich jedoch unter der Einwirkung vieler williger Helferhände. Sie nahmen den Deckel ab und holten die oberste Schicht des Füllmaterials heraus, dann beugten sich viele Köpfe gleichzeitig vor, um hineinspähen zu können.
Niemand sprach ein Wort; schweigend starrte Laurence auf die glänzende Rundung der Eierschale, die aus dem Strohhaufen herausragte: Es war kaum zu glauben. "Schicken Sie nach Mr. Pollitt", sagte er schließlich, und seine Stimme klang ein wenig angespannt. "Mr. Riley, bitte stellen Sie sicher, dass diese Halterungen festsitzen."
Riley antwortete nicht sofort; zu sehr war er in staunendes Starren versunken. Dann riss er sich von seiner Betrachtung mit einem Ruck los, sagte hastig: "Ja, Sir" und beugte sich vor, um die Befestigungen zu überprüfen.
Laurence trat erneut näher heran und blickte auf das Ei hinab. Was seine Natur anging, konnte es kaum einen Zweifel geben, auch wenn er es nicht aus eigener Erfahrung mit Bestimmtheit sagen konnte. Die ersten Augenblicke der Überraschung waren verflogen, und so streckte er zögernd die Hand aus, um sehr vorsichtig die Oberfläche zu befühlen: Sie war glatt und fest unter seiner Berührung. Um gehend zog er die Hand wieder zurück, denn er wollte nicht das Risiko eingehen, womöglich Schaden anzurichten.
Auf seine üblich linkische Weise kam Mr. Pollitt hinunter in den Frachtraum, wobei er sich mit beiden Händen an den Seiten des Niedergangs festhielt und blutige Spuren darauf hinterließ. Er war kein echter Seemann, denn er war erst im späten Alter von dreißig Jahren, nach einigen nicht näher bekannten Misserfolgen an Land, zum Schiffsarzt geworden. Doch dessen ungeachtet war er ein höchst fähiger Mediziner, der bei der Mannschaft wohlgelitten war, auch wenn er am Operationstisch nicht immer die ruhigste Hand hatte. "Ja, Sir?" Dann fiel sein Blick auf das Ei. "Gütiger Herr im Himmel."
"Dann ist es also ein Drachenei", stellte Laurence fest. Es kostete ihn einige Anstrengungen, den Triumph in seiner Stimme zu mäßigen.
"Oh ja, in der Tat, Kapitän, allein die Größe beweist das."
Mr. Pollitt hatte seine Hände an der Schürze abgewischt und war bereits damit beschäftigt, weiteres Stroh zu entfernen, um das ganze Ausmaß des Eies abschätzen zu können. "Herrje, es hat sich bereits ziemlich verhärtet; ich frage mich, was sie sich dabei gedacht haben, jetzt noch so weit vom Land entfernt zu sein."
Dies klang nicht sehr viel versprechend. "Verhärtet?", fragte Laurence alarmiert. "Was hat das zu bedeuten?"
"Nun, es heißt, dass der Drache bald schlüpfen wird. Ich werde in meinen Büchern nachschlagen müssen, um sicher zu sein, doch ich glaube, dass Badkes Bestiarium mit Bestimmtheit sagt, wenn die Schale vollständig verhärtet ist, erfolgt das Schlüpfen innerhalb von einer Woche. Was für ein prächtiges Exemplar, ich muss meine Messschnur holen."
Er eilte davon, und Laurence tauschte einen Blick mit Gibbs und Riley. Daraufhin rückten sie näher zusammen, damit sie sprechen konnten, ohne von den herumstehenden Gaffern belauscht zu werden. "Bei gutem Wind mindestens drei Wochen bis Madeira, wollen Sie sagen?", fragte Laurence leise.
"Im günstigsten Fall, Sir", bestätigte Gibbs mit einem Nicken.
"Ich kann mir nicht vorstellen, wie es dazu kam, dass sie sich mit dem Ei an Bord an dieser Stelle des Meeres befinden", sinnierte Riley. "Was sollten wir Ihrer Meinung nach tun, Sir?"
Laurence' anfängliche Zufriedenheit schlug nach und nach in Unbehagen um, als ihm klar wurde, wie ausgesprochen verzwickt sich die Lage gestaltete. Mit leerem Blick starrte er auf das Ei. Selbst im schummrigen Licht der Laterne glänzte es in dem warmen Ton von feinem Marmor. "Verflucht, wenn ich das nur wüsste, Tom. Doch ich schätze, ich werde dem französischen Kapitän seinen Degen zurückgeben. Nach all dem, was wir gesehen haben, ist es kein Wunder, dass er so erbittert gekämpft hat."
Trotz allem war ihm selbstverständlich klar, dass es nur eine denkbare Lösung gab, so unangenehm es auch war, sie in Betracht zu ziehen. Mit düsterer Miene sah Laurence zu, wie das Ei, noch immer in seiner Kiste, auf die Reliant hinübergeschafft wurde: Wenn man von den französischen Offizieren absah, war er der einzige grimmig dreinblickende Mann an Bord. Er hatte ihnen freie Bewegung auf dem Achterdeck gewährt, und sie beobachteten nun von der Reling aus trübsinnig den bedächtigen Vorgang. Überall um sie herum waren die Gesichter aller Matrosen von einem Lächeln verklärt - in sich gekehrte, verzückte Mienen -, und bei den am Umzug nicht Beteiligten gab es viel Gedränge und etliche unnötige Warnungen und Ratschläge, die der schwitzenden Gruppe von Männern, welche mit dem eigentlichen Transport beschäftigt war, zugerufen wurden.
Als das Ei sicher an Deck der Reliant abgeladen worden war, verabschiedete sich Laurence in aller Form von Gibbs. "Ich werde die Gefangenen bei Ihnen lassen; es hat keinen Sinn, ihnen Anlass für einen verzweifelten Versuch zu geben, doch wieder in den Besitz des Eies zu gelangen", sagte er. "Bleiben Sie in meiner Nähe, so gut es Ihnen möglich ist. Falls wir unverhofft getrennt werden sollten, werden wir uns in Madeira wiedertreffen. Meinen herzlichsten Glückwunsch, Kapitän", fügte er hinzu und schüttelte Gibbs die Hand.
"Vielen Dank, Sir, und darf ich Ihnen sagen, dass ich sehr bewegt ... sehr dankbar ..." Doch hier versagte Gibbs' Redegewandtheit, die ohnehin nie besonders ausgeprägt gewesen war. Er gab es auf und beschränkte sich darauf, Laurence und die ganze Welt, die ihm so wohlgesonnen schien, breit anzustrahlen.
Das Schiff war längsseits gebracht worden, um die Kiste rüberhieven zu können; Laurence musste kein Boot nehmen, sondern sprang einfach hinüber, als sich das Schiff auf einem Wellenkamm befand. Riley und der Rest seiner Offiziere waren bereits dabei abzudrehen. Er gab den Befehl, die Segel zu setzen, und ging schnurstracks unter Deck, um sich dort ungestört mit dem anstehenden Problem zu befassen; es offenbarte sich ihm jedoch auch während der Nacht keine denkbare Alternative. Am nächsten Morgen akzeptierte er schließlich das Unausweichliche und gab seine Befehle. Kurze Zeit darauf drängten sich die Oberfähnriche und die Leutnants in seiner Kajüte, geschniegelt und nervös in ihrem besten Zwirn. Einen solchen Massenappell hatte es bislang noch nicht gegeben, und die Kajüte war leider nicht geräumig genug, um allen bequem Platz zu bieten. Laurence bemerkte auf vielen Gesichtern den ängstlichen Ausdruck, der zweifellos von einem geheimen schlechten Gewissen herrührte, aufgeregte Mienen bei anderen. Nur Riley schaute besorgt, und vielleicht ahnte er bereits etwas von Laurence' Vorhaben.
Laurence räusperte sich; er stand bereits, denn er hatte veranlasst, dass sein Schreibtisch und sein Stuhl entfernt würden, um mehr Platz zu schaffen. Doch er hatte sein Tintenfass und seine Feder ebenso wie mehrere Blätter Papier zurückbehalten, die nun auf dem Sims der Achterschiffsfenster hinter ihm lagen. "Gentlemen", begann er, "Sie alle haben inzwischen gehört, dass wir ein Drachenei an Bord der Prise gefunden haben; Mr. Pollitt hat es für uns zweifelsfrei als ein solches identifiziert."
Viele lächelten breit und stießen sich heimlich mit den Ellenbogen an; der kleine Oberfähnrich Battersea quäkte in seiner Sopranstimme: "Glückwunsch, Sir!", und ein rasches, zustimmendes Gemurmel lief durch die Kabine.
Laurence runzelte die Stirn, obwohl er ihre Freude nachfühlen konnte, und wenn die Umstände auch nur ein wenig anders lägen, hätte er sie mit ihnen geteilt. Das Ei würde das Tausendfache seines Gewichtes in Gold wert sein - wenn es denn gelang, es sicher an Land zu bringen. Jeder Mann an Bord wäre an der Belohnung beteiligt, und als Kapitän würde ihm der größte Teil des Betrages zufallen.
Die Logbücher der Amitié waren über Bord geworfen worden, doch die Matrosen hatten sich - ganz im Gegensatz zu ihren Offizieren - als weniger verschwiegen erwiesen, und so hatte Wells aus ihren Beschwerden genug erfahren, um sich nur allzu deutlich zu erklären, wie es zu der Verzögerung gekommen war: ein Fieber unter der Besatzung, eine Flaute, die sie zurückgeworfen und fast einen Monat angedauert hatte, ein Leck in den Wassertanks, sodass die Wasserrationen knapp geworden waren, und dann zuletzt auch noch der Sturm, dem sie selbst vor so kurzer Zeit getrotzt hatten. Es war eine Abfolge von außergewöhnlich unglücklichen Umständen gewesen, und Laurence wusste, dass die abergläubischen Gemüter seiner Männer bei der Vorstellung verzagen würden, dass die Reliant nun das Ei trug, welches zweifellos der Grund für all dieses gewesen war.
Selbstverständlich würde er dafür Sorge tragen, dass diese Informationen der Mannschaft nicht zu Ohren kämen; es wäre bei weitem besser, wenn sie nichts von der langen Reihe von Unglücksfällen hörte, unter der die Amitié zu leiden gehabt hatte. Und so sagte Laurence lediglich, als wie der Ruhe eingekehrt war: "Unglücklicherweise hatte die Prise eine Menge Widrigkeiten zu bewältigen. Bereits vor einem Monat hätte sie Land erreichen sollen, wenn nicht noch eher, und die Verzögerung hat dazu geführt, dass wir nun den Fall haben, sofort Maßnahmen bezüglich des Eies treffen zu müssen." Auf den meisten Gesichtern zeichneten sich daraufhin Verwunderung und Unverständnis ab, auch sorgenvolle Blicke wurden gewechselt, und so beendete er seine Ansprache mit den Worten: "Um es kurz zu machen, meine Herren: Es steht kurz vor dem Schlüpfen."
Wieder war ein leises Murmeln zu hören, das dieses Mal enttäuscht klang, und hie und da stöhnte auch so manch einer. Gewöhnlich hätte er sich die Störenfriede gemerkt, um sie sich später zur Brust zu nehmen, doch so, wie die Dinge lagen, ließ er es dieses Mal durchgehen. Schon bald würden sie noch viel mehr Grund zum Murren haben. Bis jetzt hatten sie offenbar noch gar nicht begriffen, was seine Ankündigung bedeutete; sie hatten nur im Kopf ausgerechnet, wie sich die Belohnung für einen wilden kleinen Drachen verringerte, der weit weniger wertvoll war als ein ungeschlüpftes Ei.
"Vielleicht sind Sie sich nicht alle der Tatsache bewusst", fuhr er fort, nachdem er mit einem einzigen Blick alles Flüstern zum Verstummen gebracht hatte, "dass sich England in einer äußerst bedrohlichen Lage befindet, was das Luftkorps angeht. Natürlich ist unsere Manövrierfähigkeit unübertroffen, und das Korps ist in der Luft jeder anderen Nation der Welt überlegen, doch was die Zuchtrate angeht, übersteigt die der Franzosen unsere Erfolge um das Doppelte, und es lässt sich unmöglich abstreiten, dass sie mehr Abwechslung in ihren Blutlinien haben. Ein vernünftig ans Geschirr gewöhnter Drache ist für uns mindestens so viel wert wie hundert der besten Kanonen, selbst wenn es nur ein gewöhnlicher Gelber Schnitter oder ein dreitonniger Winchester wären. Mr. Pollitt glaubt, nach der Größe und der Farbe des Eies zu urteilen, könnte es sich bei diesem Schlüpfling um ein Exemplar erster Güte und wahrscheinlich eines der seltenen, großen Rassen handeln.""Oh!", entfuhr es Oberfähnrich Carver, als er begriff, was Laurence damit andeutete. Augenblicklich lief er hochrot an, weil er die Blicke auf sich zog, und schloss den Mund sogleich wieder.