Wilhelm Genazino - Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.)

Wilhelm Genazino

Zeitschrift für Literatur

Heinz Ludwig Arnold (Hrsg.) 

Begründer: Arnold, Heinz L.
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Wilhelm Genazino

Wilhelm Genazino (geb. 1943) wurde mit der Romantrilogie um den Büroangestellten Abschaffel bekannt, einer minutiösen Analyse des "Alltagsirrsinns" und des in einer durch Entfremdung gekenn-zeichneten Arbeitswelt vereinsamten Individuums. Abschaffels Neurosen und Idiosynkrasien kennzeichnen auch die Protagonisten der folgenden Texte, doch zersplitterte Genazinos Erzählen zu-nehmend in Fragmente und Prosaminiaturen. Aus den am ökonomischen Leben teilhabenden Figuren wurden Flaneure und Beobachter - Genazino konzentrierte sich auf ihre Innenwelt und ihre kritische Betrachtung der modernen Gesellschaft. Mit den Romanen der letzten Jahre erhielt das, gleichwohl reflexiv bleibende, Erzählen wieder mehr Gewicht und Genazinos Versuche, seinen Lesern "Schauplätze ihrer möglichen Individuation" zu erschließen, fanden großen Anklang.Die Beiträge des Hefts, das auch neue Texte von Genazino enthält, untersuchen unterschiedlichste Aspekte des Werks, von der Epiphanie des Gegenständlichen über den Zusammenhang von Erinnern und Erzählen bis hin zur Selbstreflexivität und zur Phänomenologie des Sehens. Eine Auswahlbibliografie beschließt das Buch. Mitarbeiter sind Wilhelm Amann, Roman Bucheli, Anja Hirsch, Marit Hofmann, Hans Joachim Jakob, Werner Jung, Hermann Korte, Hannes Krauss, Samuel Moser, Oliver Sill und Michael Töteberg.

Über die Reihe:
TEXT + KRITIK stellt mit jedem Heft eine wichtige Autorin oder einen wichtigen Autor der deutschsprachigen Literatur vor. Die Hefte und Sonderbände geben wertvolle Orientierungshilfen, zeigen Perspektiven für das Verständnis vor allem der literarischen Moderne auf, haben aber auch Autoren und Werke der älteren deutschsprachigen Literatur wieder ins Gespräch gebracht, manches aus versunkener Literaturgeschichte neu entdeckt.

TEXT + KRITIK bietet ein Forum für unterschiedlichste literaturwissenschaftliche Ansätze und Methoden: kritisch, undogmatisch, informativ und anregend. In den Beiträgen kommen namhafte Kritiker und junge Literaturwissenschaftler zu Wort, Schriftsteller schreiben über Schriftsteller-Kollegen. Bislang unveröffentlichte Texte der jeweiligen Autoren ergänzen die Interpretationen. Jedes Heft enthält außerdem eine ausführliche Bibliografie der Primär- und Sekundärliteratur.

TEXT + KRITIK erscheint vierteljährlich. Das Jahresabonnement kostet EUR 32,00 / SFr 70,00. Alle Hefte und Sonderbände können auch einzeln bezogen werden. Abonnenten erhalten zusätzlich den jährlich erscheinenden Sonderband zum Abopreis.


Produktinformation

  • Text + Kritik
  • H.162
  • Verlag: Edition Text Und Kritik
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 108 S.
  • Seitenzahl: 108
  • Text und Kritik
  • Deutsch
  • Abmessung: 229mm x 151mm x 9mm
  • Gewicht: 185g
  • ISBN-13: 9783883777559
  • ISBN-10: 3883777552
  • Best.Nr.: 12383660

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "profund" lobt der "kru." zeichnende Rezensent diesen "Text + Kritik"-Band, der dem diesjährigen Büchnerpreisträger Wilhelm Genazino gewidmet ist. Genazinos Helden und Ich-Erzähler nennt er "Virtuosen einer hochempfindlichen Wahrnehmung der Realität, die sie zu ertragen lernen müssen". Wilhelm Amann charakterisiere sie als "prekäre Existenzen", die "mit ihrer vagabundierenden Reflexionsbereitschaft" Widerstand leisteten "gegen die Zumutungen einer postmodernen Fassadenwelt". Werner Jung beschreibe Genazinos ästhetisches Verfahren als "Konstruktion des Textes aus dem wahrnehmenden Blick", während Marit Hofmann den Autor als "Beobachter zweiten Grades" verstehe. Samuel Moser wiederum begreife Genazinos Helden als "Experten der Sehnsucht", die sich kraft ihrer Selbstreflexivität im "Glanz der Glanzlosen" sonnen, dabei aber auch ein Leben "erfinden" müssen in einer Gesellschaft, "die sie entweder zu erdrücken oder an den Rand zu schleudern droht". Der Rezensent hebt hervor, dass Genazinos Romane auf der anderen Seite den Sinn für das Erinnerns- und Aufhebenswerte thematisierten, das vom Vergessen und vom Verschwinden bedroht sei. Einen Aspekt von Genazinos Schaffen sieht der Rezensent in vorliegendem Band allerdings vernachlässigt, seinen Humor.

© Perlentaucher Medien GmbH
Prof. Heinz Ludwig Arnold, geb. 1940, ist weit über die Grenzen Deutschlands hinaus als einer der besten Kenner der Gegenwartsliteratur bekannt. Er ist Herausgeber der Zeitschrift "TEXT + KRITIK", des "Kritischen Lexikons zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur" (KLG) und des "Kritischen Lexikons zur fremdsprachigen Gegenwartsliteratur" (KLfG).
- Wilhelm Genazino: Aus dem Tagebuch der Verborgenheit
- Hannes Krauss: Menschen - Dinge - Situationen. Wilhelm Genazinos "Abschaffel"-Romane
- Claudia Stockinger: Das Leben ein (Angestellten-)Roman. Wilhelm Genazinos Ästhetik der Wiederholung
- Oliver Sill: Moderne Zeiten. Wolf Peschek als Held der achtziger Jahre
- Samuel Moser: Isola INsula. Aspekte der Individuation bei Wilhelm Genazino
- Roman Bucheli: Die Begierde des Rettens. Wilhelm Genazinos Poetik des genauen Blicks
- Marit Hofmann: "Als könnte ich meinem eigenen Blick zuschauen". Beobachtete Bobachter in Wilhelm Genazinos Romanen
- Werner Jung: "Umhergehen und Zeitverschwenden". Skizze zu einer literarischen phänomenologie der Wahrnehmung
- Anja Hirsch: Zwischen Lust und Angst. Erzählen im Zeichen des Verschwindens
- Tilman Spreckelsen: Manche möchten lieber nicht. Gesellschaftliche Teilhabe und Initiation in den Romanen Wilhelm Genazinos
- Wilhelm Amann: "Doppelleben". Begründung von Autorschaft in Wilhelm Genazinos "Eine Frau, eine Wohnung, ein Roman"
- Hans-Joachim Jakob: Wilhelm Genazino - Auswahlbibliografie 1965-2004
- Notizen