130 Autoren, neun Bände in zwei Sprachen: Der Band Parallelen ist
die erste Veröffentlichung im Rahmen des größten gemeinsamen
deutsch-polnischen Projekts im Bereich der Geisteswissenschaften.
Die Herausgeber und Autoren der Deutsch-Polnischen
Erinnerungsorte/Polsko-niemieckie miejsca pamieci werfen einen
neuen Blick auf die nachbarschaftliche Beziehungsgeschichte beider
Länder.
Erinnerungsorte sind keine topographischen Orte, sondern
historische Bezugspunkte der kulturellen Identität einer
Gesellschaft. Dies können Personen, Ereignis se oder historische
Phänomene sein. Der hier erstmals angewandte bilaterale Ansatz der
Erinnerungsforschung hinterfragt nationale Vorstellungen und
entwickelt neue vergleichende Perspektiven.
Die zahlreichen Überschneidungen zwischen der deutschen und der
polnischen Geschichte ließen viele Orte in Mitteleuropa zu
gemeinsamen Erinnerungsorten werden. Auch wenn die Erinnerungen
meistens nicht identisch sind, geben sie Anlass zu intensiven
Dialogen, die Menschen über alle politischen Grenzen hinweg mit
einander verbinden. [...] Das Projekt des Zentrums für Historische
Forschung der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Berlin
verdient hohe Anerkennung. Es ist ein herausragendes
interdisziplinäres Forschungsvorhaben in den europäischen
Geisteswissenschaften. Man wünscht ihm viele Leser.
Prof. Dr. Rudolf von Thadden
Alle Bände der Deutsch-Polnischen Erinnerungsorte orientieren sich
an Max Webers universaler Definition von Kultur: "Kultur ist
ein vom Standpunkt des Menschen aus mit Sinn und Bedeutung
bedachter endlicher Ausschnitt aus der sinnlosen Unendlichkeit des
Weltgeschehens". Genauso verhält es sich mit der vorliegenden
Publikation. Sie verfolgt und analysiert die Mechanismen der
Transformation vergangener politischer Ereignisse, der Biographien
historischer Personen sowie kultureller Phänomene in
Erinnerungsorte, d.h. in Sinne und Zeichen, die von den beiden
nationalen Kulturen angewendet wurden.
Robert Traba, geb. 1958, ist Historiker und seit 1995 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Deutschen Historischen Institut Warschau. Seine Forschungsschwerpunkte sind die Mentalitätsgeschichte in Ostmitteleuropa, im deutsch-polnischen Grenzgebiet und in Ostpreußen im 19. und 20. Jahrhundert.
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