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Willy Werchow ist Direktor einer großen SED-eigenen Druckerei in der thüringischen Provinz. Zähneknirschend fügt er sich den Vorgaben der Partei, geht mehr und mehr Kompromisse ein. Mit seiner Frau und den drei Kindern Britta, Erik und Matti gerät er in einen Strudel von Konflikten. Ob durch die Zwänge des politischen Systems der DDR, ob durch persönliche Fehltritte – die Familie droht auseinanderzubrechen. "Brüder und Schwestern" ist ein großes deutsches Gesellschaftspanorama, das bis in den letzten Winkel voller Leben steckt. Die ungleichen Ängste, Hoffnungen und Träume der Werchows…mehr

Produktbeschreibung
Willy Werchow ist Direktor einer großen SED-eigenen Druckerei in der thüringischen Provinz. Zähneknirschend fügt er sich den Vorgaben der Partei, geht mehr und mehr Kompromisse ein. Mit seiner Frau und den drei Kindern Britta, Erik und Matti gerät er in einen Strudel von Konflikten. Ob durch die Zwänge des politischen Systems der DDR, ob durch persönliche Fehltritte – die Familie droht auseinanderzubrechen. "Brüder und Schwestern" ist ein großes deutsches Gesellschaftspanorama, das bis in den letzten Winkel voller Leben steckt. Die ungleichen Ängste, Hoffnungen und Träume der Werchows kulminieren in den Ereignissen von 1989. Doch ihre Geschichte ist damit noch lange nicht zu Ende.
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Best.Nr. des Verlages: 505/24119
  • 3. Aufl.
  • Seitenzahl: 699
  • 2013
  • Ausstattung/Bilder: 704 S. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 154mm x 43mm
  • Gewicht: 857g
  • ISBN-13: 9783446241190
  • ISBN-10: 3446241191
  • Best.Nr.: 36890660
Autorenporträt
Birk Meinhardt, 1959 in Berlin geboren, war Sportjournalist bei verschiedenen Zeitungen und Reporter bei der Süddeutschen Zeitung. Er erhielt zweimal den Egon-Erwin-Kisch-Preis. Er lebt als Schriftsteller bei Berlin. Zuletzt erschien 2007 der Roman Im Schatten der Diva.
Rezensionen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Über die Nominierung des Buches für den Preis der Leipziger Buchmesse kann Oliver Jungen sich nur wundern. Beginnt Birk Meinhardts Familien- und Gesellschaftsporträt aus der DDR für Jungen lebensprall detailliert und leuchtet anfangs auch gut die Spannungen zwischen individueller Entwicklung und Zwangssystem aus - wobei Jungen erkennt, dass nicht alles zwangsläufig hätte schieflaufen müssen mit dem realexistierenden Sozialismus, hätte es nur die Mauer und die Entmündigung nicht gegeben -, so rauscht der Text im Verlauf der Handlung immer mehr in Richtung Trivialroman. Was fehlt, Jungen sagt es deutlich: erzählerisches Raffinement und Tiefe. Bei 700 Seiten, meint er, ist das ein bedeutender Posten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Besprechung von 21.03.2017
Ein Lastkahn zieht vorbei, am Ufer grünt die Birke
Betulichkeit ist manchmal auch eine Tugend: Birk Meinhardt kehrt nach Thüringen zurück und eint die Brüder wie die Schwestern
Als vor vier Jahren der erste Band von Birk Meinhardts groß angelegter DDR- und Familienchronik „Brüder und Schwestern“ erschien, war die Kritik wenig begeistert (der Vorwurf lautete auf „Unterhaltungsliteratur“), viele Leser waren es aber schon. Genau so habe es sich angefühlt, das Leben in der späten DDR, stand in mehr als einem Leserkommentar. Birk Meinhardt ist keiner von denen, die, wie vielleicht Reinhard Jirgl oder Wolfgang Hilbig, dem System mit hochliterarischer Sprödigkeit getrotzt haben. Sein lebensfroher Realismus umspannt bruchlos die erzählte Zeit von 1973 bis 2001 und nimmt auch an der Wende von 1989 keinen nennenswerten Schaden. Die Zeiten ändern sich vielleicht, sogar dramatisch, und sie stellen die handelnden Personen auf manche harte Probe, aber erzählerisch, literarisch und auch mental scheint alles zu sein, wie es immer war.
Der erste Band spielte noch vorwiegend im Thüringischen und kreiste um Willy Werchow, den VEB-Druckereidirektor und dessen ewiges, manchmal opportunistisches Ringen mit der Obrigkeit. Im neuen Buch geht es nun um seine Kinder, Erik, Matti und Britta, und darum, was der November 1989 mit ihnen angerichtet hat. Erik, schon in der DDR als Reklamefachmann tätig, staunt bei seiner ersten Westvisite in der Nacht des Mauerfalls über die üppige Westwerbung und findet dann zügig Anstellung als PR-Manager einer westdeutschen Pharmafirma. Matti, Poet und Binnenschiffer, verdient richtig viel Geld mit einem Buch und verwandelt seinen Lastkahn in ein fest verankertes Berliner Kneipenschiff. Britta, eben noch als Zirkuskünstlerin gefragt, wird plötzlich nicht mehr gebucht. Sie braucht viel Zeit, bis sie wieder auf die Beine kommt.
Dazu jede Menge weiterer Figuren, Ehefrauen, Lebensgefährten, Geliebte, Kinder und treue Sidekicks wie den Schiffskoch Peter, den Meinhardt so ausdauernd und lebensnah berlinern lässt, dass man sein trauriges Ende ernstlich bedauert. Den Brüdern und Schwestern des Romans ist die Wende nicht so schlecht bekommen. Zwar hat sie den einen oder die andere vorübergehend aus der Bahn geworfen, zwar misstrauen alle drei den Verlockungen des Westens (Produktmanagement, Systemgastronomie und dergleichen), aber Chancen gibt es zuhauf, jedenfalls dann, wenn man zur Generation von Willy Werchows Kindern gehört.
Alles Emotionale oder die Identität Betreffende hat freilich im Osten sein Domizil, nicht in Ostberlin, sondern im heimischen Gerberstedt am Ufer der Schworba in Thüringen, wo das Elternhaus steht. Die DDR-Vergangenheit und die neue gesamtdeutsche Gegenwart mit ihren Härten und dem, was die Erinnerung schon schöngefärbt hat, ist nur die eine und nicht die dominante Seite des Romans. Das Wichtigere sind familiäre Altlasten, die nach Aufklärung und Verarbeitung verlangen und die in einer Überraschung kulminieren, auf die der Roman 600 Seiten hinarbeitet. Danach kann er auch getrost ein Ende finden, nicht weil wir 2001 noch als eine Art Epochenjahr schreiben, sondern weil am Ende dieser Jahre die Geschwister mit ihren Familien, mit sich und auch mit der Welt im Reinen zu sein scheinen.
Band zwei von „Brüder und Schwestern“ ist „literarisch“ wahrscheinlich kein besseres Buch als der erste Band. Meinhardt ist selten um Stilblüten verlegen („Derart bebend, pflegte er sich Catherine zu nehmen. Ernst und dringlich fiel er fast jeden Tag in sie ein“), er verliert sich mitunter seitenlang in Monologen oder in Komplettwiedergaben von Briefen. Selten folgt der Erzähler dem einmal von einer Figur geäußerten Vorsatz: „Ich werde mich straffen, mich und meine Rede.“
Es gibt allerlei Langatmigkeiten und Umständlichkeiten in diesem Roman, aber sie sind der Reflex einer realen, wenn auch untergegangenen Sprach- und Erzählwelt, in der einer ruhig auch mal länger ausholen durfte, weil Zeit im Übermaß zur Verfügung stand. Mit der Gemächlichkeit eines Binnenschiffs bewegt sich der Roman durch seine Landschaft, und er hat Zeit, dabei auf die Jahreszeiten oder das Wachstum der Pflanzen am Ufer zu achten. „Am verwaisten Ufer prägte die Natur jetzt ungehindert Farben und Formen aus. Schmale weiße Birken sprossen aus kleinen sandigen Kuhlen zwischen dunklen Betonplatten.“ Man spricht Meinhardts Roman nicht von Schwächen frei, wenn man als eine seiner Tugenden die Betulichkeit ausmacht, oder anders, die Bereitschaft oder Gabe seiner Figuren, sich ihre Sorgen und Nöte sprachlich mitzuteilen, sich, auch wenn es dauert, einander verständlich zu machen.
Die Katharsis, auf die der Roman zuläuft, kommt durch behutsames, redundantes Reden zustande. Man wüsste dann schon noch gerne, wie es nach 2001 mit Erik, Matti und Britta und den anderen weitergegangen ist. Ob ihr Thüringer Familienpatriotismus auch im neuen Jahrtausend Bestand hatte, welche neuen Überraschungen das Leben seitdem für sie parat hielt. Ist nicht der Wunsch zu wissen, wie es mit den Figuren weitergeht, ein untrügliches Zeichen von „Unterhaltungsliteratur“? So gesehen, ist Birk Meinhardt ein bemerkenswertes Stück Unterhaltungsliteratur gelungen.
CHRISTOPH BARTMANN
Birk Meinhardt: Brüder und Schwestern. Die Jahre 1989–2001. Roman. Carl Hanser Verlag, München 2017. 672 Seiten, 26 Euro. E-Book 19,99 Euro.
Ein Fall von Familienpatriotismus:
Man wüsste allzu gern, wie es
mit diesen Menschen weitergeht
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"Als Reporter hat Meinhardt einen untrüglichen Blick fürs sprechende Detail. Als Romancier vermag er eine große, ergreifende Geschichte über 'Brüder und Schwestern' und ihr untergegangenes Land zu erzählen." Knut Cordsen, Deutschlandradio Kultur, 25.01.2013 "Ein geradezu unverschämt gut lesbares Buch, das in mancherlei Hinsicht Tellkamps 'Turm' Konkurrenz macht ... So lebensprall, mit so viel Liebe fürs sprechende Detail, mit so einem ausgeprägten Gespür für Sprache ist bisher noch nicht über die 'mächtige Dreieinigkeit aus Heuchelei, Phrasendrescherei und Schurigelei' in der DDR geschrieben worden." Knut Cordsen, BR.de, 30.01.2013 "Da gibt es keine losen Enden, da werden unzählige Geschichten geschickt miteinander verbunden und episch ausgefaltet. Wie keinem anderen Autor bisher geht es Meinhardt dezidiert um die Darstellung der politischen und ökonomischen Wirklichkeit der DDR in ihrem Endstadium." Claus-Ulrich Bielefeld, Die Welt, 09.02.13 "Manchmal ist das so: Wenn das Schreiben Spaß macht, macht das Lesen Spaß. Er sei uns gegönnt." Ulrich Seidler, Frankfurter Rundschau, 09./10.03.13 "Meinhardt gelingt ein gut gemachter Unterhaltungsschmöker." Alexander Cammann, Die Zeit, 28.02.2013 "Ihm glücken Passagen von eindrucksvoller Präzision, mit glänzendem, plaudernd-leichtem, ironischem Tonfall, der doch sehr kunstvoll ist." Mark-Christian von Busse, Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 12.04.2013 "So schreibt man Literatur!" Thomas Neumann, literaturkritik.de, 28.03.13