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| Bewertung von kapitan kloss aus Strausberg am 19.05.2011 | |
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Heiner Müller spricht auf vier CDs über seine Zeit als Künstler in der DDR und im Nach-Wende-Deutschland. Es ist zu befürchten, dass Hörer, die die DDR nur aus der gegenwärtigen Mediendarstellung kennen, nicht viel damit anfangen können oder sehr überrascht sind. Man muss sich viel Zeit nehmen und die Gepräche auf sich wirken lassen, erhält aber viel Gelegenheit zum Nachdenken über seine und unsere Zeit. Heiner Müller ist kein Zyniker. Zynisch waren die Zeitumstände, denen er ausgesetzt war. Ob sich daran etwas geändert hat, muss der Hörer für sich entscheiden. Selten findet man solch vielfältige Einladungen zum Selbstdenken. Hier einige Proben: "Mich stört ein bisschen die Vorstellung, dass es harmonische Persönlichkeiten gibt. Ich kann mir das nicht wünschen, eigentlich." " Man kann's auf eine Formel bringen: In 50 Jahren ist nicht wichtig, wo und wann ich mich wie ein Schwein verhalten habe. Es ist wichtig, wo ich wie ein Schwein geschrieben habe." "Wenn ich gesagt hätte, ich reise nicht, bevor nicht alle reisen können, hätte ich eine ganze Menge Dinge nicht schreiben können, die ich geschrieben hab, weil ich reisen konnte. Und meine erste moralische Verpflichtung ist die meiner Arbeit gegenüber." "Das einzige Territorium, was mich interessiert, bin ich." "Ich zitiert mal jetzt was ganz Schlimmes, einen Satz von Bloch, den ich immer sehr einleuchtend fand, aus der Zeit, als er noch hier war: "Die moralische Überlegenheit des Kommunismus beruht darin, dass er für den Einzelnen keine Antwort hat." Das finde ich einen sehr guten Satz. "Was spricht eigentlich gegen ein schlechtes Gewissen als Schreibimpuls oder als ein Schreibimpuls? Das gehörte zu diesem Erfahrungsdruck in der DDR, und das schlechte Gewissen schärft auch den Blick für das eigene Bewusstsein oder Gefühlsleben und auch den Blick für gesellschaftliche Strukturen." "Und ich finde positiv auf jeden Fall, dass bei uns die Scheidungsquote so hoch ist, das ist ein sehr gutes Zeichen, und dass die meisten Scheidungsanträge von Frauen ausgehen. Das spricht sehr für die DDR, glaube ich. " "Wir haben eine ungeheure Selbstmordquote in der DDR, das spricht einmal für die Dynamik unserer Entwicklung und so, auch die Selbstmordquote. Spricht auch für einiges andere, ist auch klar. Andererseits ist das eigentlich schon beinah ein gesunder Instinkt, finde ich, dass das bei uns nicht so ernst genommen wird, diese Selbstmordquote." |
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