Die tintenblauen Eidgenossen - Matt, Peter von

Peter von Matt 

Die tintenblauen Eidgenossen

Über die literarische und politische Schweiz

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Die tintenblauen Eidgenossen

Einst waren heroische Legenden wie die eines Wilhelm Tell ein "realpolitischer Faktor von existenzieller Bedeutung" für die politische Befindlichkeit der Schweiz, dem auch die kritische Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts nicht beikommen konnte. Noch in den 1930er Jahren stärkte der Rückgriff auf Heldenfabeln den Widerstand gegen das faschistische Europa, bis sie in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts der Lächerlichkeit preisgegeben wurden.
Keiner der Schweizer Dichter ist unpolitisch: Jeremias Gotthelf steht für die 1830er Revolution, Gottfried Keller trommelte für die von 1848 in Versen, C. F. Meyer wurde 1870/71 mit einer Hymne auf Bismarck berühmt. Auf bekannt elegante Weise schlägt der Autor den Bogen von Wilhelm Tell zu Fritz Zorn, von Lavater zu Peter Bichsel, und führt vor Augen, wie eng Literatur und Geschichte der Schweiz verbunden sind, untereinander, aber auch in Austausch und Verflechtung mit der europäischen Geschichte und der deutschsprachigen Literatur insgesamt.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2008
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 318 S.
  • Seitenzahl: 318
  • dtv Taschenbücher Bd.34094
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 136mm x 19mm
  • Gewicht: 360g
  • ISBN-13: 9783423340946
  • ISBN-10: 3423340940
  • Best.Nr.: 12440780
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.11.2001

Hohle Gassen, breite Wege
Peter von Matts patriotische Kritik / Von Hermann Kurzke

Warum gibt es kein Grab von Max Frisch? Weil einige Monate nach seinem Tod eine Freundesschar in Berzona des Verstorbenen gedachte, feierte, zechte, ein Feuer entzündete und es sich planlos ergab, daß einer die Urne brachte, in den Krug faßte, eine Aschenfahne in die Flammen warf, andere ebenfalls hineingriffen, "und Wurf um Wurf, langsam, feierlich und fröhlich, wehte die Asche des Dichters erneut in das prasselnde Element und tanzte in den Flammen und schoß mit ihnen hinauf zum lautlosen, schwarzen Himmel". Der die Erstarrung des Lebens im Bildnis immer bekämpft hatte, wurde wunschgemäß im Tode unfaßbar, körperlos, grenzenlos und flüchtig-wandelbar wie lebendige Luft.

Mythen sind notwendig: Das ist einer der Grund-Sätze des Zürcher Germanisten und Essayisten Peter von Matt, der diese Geschichte erzählt in einer Sammlung geschliffener Aufsätze über die literarische und politische Schweiz. Mythen sind fatal: So lautet der zweite Grundsatz. Wie geht beides zusammen? Einerseits betreibt von Matt das traditionelle Literatengeschäft mythenentlarvender …

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"Wer die Schweiz, die Schweizer, ihre Politik, Literatur, ihre Komplexe und Motive verstehen will, wird kaum irgendwo bessere Auskunft finden als hier."
Frankfurter Rundschau
Peter von Matt, geboren 1937 in Luzern, ist Professor für Neuere Deutsche Literatur an der Universität Zürich. Er hat große Studien und zahlreiche Aufsätze zur Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts verfasst. 2006 erhielt Peter von Matt den Heinrich-Mann-Preis und 2007 den Brüder-Grimm-Preis. Im Jahr 2011 wurde ihm der Jahrespreis der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB) verliehen.

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