Meditationen - Descartes, René

René Descartes 

Meditationen

Mit sämtlichen Einwänden und Erwiderungen

Hrsg., übers. u. m .e. Vorw. v. Christian Wohlers
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Meditationen

In den "Meditationes de prima philosophia" (1642) geht es Descartes um eine neue Grundlegung der Metaphysik. Dieser Neuanfang in der Philosophie, den Descartes wie wohl kaum ein anderer propagiert und durchführt, hat jedoch einen konservativen Zug: Gerade Descartes besteht darauf, daß seine Philosophie die älteste ist, die es überhaupt geben kann, und diese Aussage hat nur Sinn, wenn Metaphysik als Rekonstruktion der ursprünglichen Fragen verstanden wird, die anfänglich das philosophische und insbesondere metaphysische Geschäft ins Rollen gebracht hatten.
Mit Descartes beginnt deshalb nicht etwa nur jenes systematische Philosophieren, dem es um die Beantwortung der Fragen selbst geht, sondern auch ein Philosophieren, das die Behandlung der Fragen selbst in der Auseinandersetzung und mit dem Material jener Positionen vollzieht, die es zu überwinden versucht. Die zentrale Innovation der Meditationen liegt also weder in der bloß scheinbaren Unabhängigkeit von aller vorherigen Metaphysik, noch in einer neuen Terminologie, sondern in einer völligen Neuordnung des vorhandenen Materials.
Descartes agiert souverän in der Terminologie des Aristoteles und der scholastischen Metaphysik, greift nicht weniger souverän die Themen dieser Tradition auf und fügt sie zu einem völlig neuen Gebäude zusammen. Das Neue an Descartes' Metaphysik ist, daß er mit der hergebrachten Metaphysik agiert, nicht in ihr.
Diese Ausgabe bietet - anders als die 2008 vorgelegte zweisprachige Ausgabe (PhB 597), die sich auf die Wiedergabe der sechs von Descartes verfaßten Meditationen beschränkt - auch den Text der Einwände und Erwiderungen der Gelehrten seiner Zeit, die Descartes vor Drucklegung seines Werks eingeholt und der Erstausgabe von 1641 als Anhang beigefügt hatte.


Produktinformation

  • Verlag: Meiner
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 651 S. 190 mm
  • Philosophische Bibliothek Bd.598
  • Deutsch
  • Abmessung: 197mm x 130mm x 28mm
  • Gewicht: 510g
  • ISBN-13: 9783787321957
  • ISBN-10: 3787321950
  • Best.Nr.: 33345770
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.11.2009

Vom vielgescholtenen Vater der modernen Philosophie
Die "Meditationen" des René Descartes in einer neuen Übersetzung mit allen Einwänden und Erwiderungen

Vor einem Jahr erschien in der "Philosophischen Bibliothek" des Felix Meiner Verlags eine neue Übersetzung der "Meditationen über die Erste Philosophie" und damit des Textes, den die Wirkungsgeschichte zum philosophischen Hauptwerk von René Descartes (1598 bis 1650) befördert hat. Nun folgte auch die erweiterte Fassung samt den in der Erstausgabe von 1641 mitabgedruckten Begleittexten, nämlich den Einwänden gegen die Meditationen, die Thomas Hobbes und einige andere Zeitgenossen formuliert hatten, sowie Descartes' Repliken darauf.

Eine Arbeit, mit der man wissenschaftliches Neuland zu betreten oder zu erschließen glaubt, derart "eingebettet" zu publizieren, das verrät ein stabiles Selbstbewusstsein, woran es Descartes ersichtlich nicht fehlte. Kaum minder erstaunlich ist jedoch, dass die eingeladenen Kritiker sich auf dieses neue Format einließen. Denn eine Gelegenheit zur Duplik hatten sie nicht. Mit Recht macht der Herausgeber und Übersetzer Christian Wohlers in seiner Einleitung …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Christian Wohlers Neuübersetzung von Rene Descartes' "Meditationen" samt sämtlicher Einwände und Erwiderungen von Thomas Hobbes und anderen hält Hans-Peter Schütt für ein Geschenk. Nicht nur Wohlers Einleitung, in der die Umstände der Erstausgabe von 1641 erläutert werden, findet Schütt hilfreich. Auch die neue Übersetzung der Texte ist für ihn eine Wohltat, da sie die Mängel der bisher vorliegenden Buchenauschen Übersetzung "erfolgreich behebt". Und dass nicht alles, was der Herausgeber einleitend in Sachen Metaphysik zu sagen hat, unwidersprochen bleiben wird, wie Schütt prophezeit, ist in den Augen des Rezensenten kein Nachteil, sondern eher so eine Art Herzschrittmacher für klassische Texte schlechthin.

© Perlentaucher Medien GmbH

Leseprobe zu "Meditationen"

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Leseprobe zu "Meditationen" von René Descartes

III. Erläuterungen (S. 251-252)

Tatsächlich findet sich in den sechs Meditationen kein formeller Beweis für die Unsterblichkeit der Seele, sondern lediglich ein Beweis für die reale Unterschiedenheit von Körper und Geist. Zum Zusammenhang beider Beweisabsichten vgl. die ›Synopsis‹. Der Titel der zweiten Auflage ist insofern korrekter: ›René Descartes’ Meditationen über die Erste Philosophie, in denen die Existenz Gottes und die Unterschiedenheit der menschlichen Seele vom Körper bewiesen wird. Diesen beigefügt sind verschiedene Einwände gelehrter Männer gegen diese Beweise in Bezug auf Gott und die Seele, mit den Erwiderungen des Verfassers.

Zweite Ausgabe, um die noch nicht erschienenen siebten Einwände vermehrt. Amsterdam, bei Ludwig Elzevir, 1642‹. Die Erweiterung des Titels geht vermutlich auf Descartes’ Pariser Vertrauten Marin Mersenne zurück. Am 11.11.1640 schreibt Descartes an ihn: »ich schicke Ihnen endlich meine Schrift über Metaphysik, der ich keinen Titel gegeben habe, um Sie zu ihrem Paten zu machen und Ihnen die Macht zu überlassen, sie zu taufen. Ich glaube, dass man sie so nennen könnte, wie ich es Ihnen im vorigen Brief geschrieben habe, Meditationes de prima Philosophia; denn ich handle in ihr nicht nur von Gott und der Seele, sondern im Allgemeinen von allen ersten Dingen, die man beim Philosophieren in korrekter Ordnung erkennen kann« (AT III 238-39; vgl. auch AT III 235; 340; 350).

Das Vorwort des Verlegers ersetzt in der ersten Auflage der französischen Übersetzung (1647) das ›Vorwort an den Leser‹ und befindet sich unmittelbar nach dem Widmungsschreiben an die Gelehrten der Sorbonne. In der zweiten Auflage der französischen Übersetzung (1661) steht es nach dem Widmungsschreiben und dem ›Vorwort an den Leser‹ an dritter Stelle. Es wurde vermutlich verfasst von Pierre Le Petit (vgl. AT IX-1 1). 3 Louis Charles d’Albert Duc de Luynes (vgl. AT IX-1 2).

Claude Clerselier (ibid.). 5 Descartes, der bis dato in gutem Einvernehmen mit den Jesuiten stand, glaubte zunächst, seine Meditationes würden von jesuitischen Kreisen günstig aufgenommen werden. Als er aber kurz nach der Fertigstellung des Manuskripts von einem Angriff durch den Jesuiten Pierre Bourdin erfuhr, sah er darin einen öffentlichen Angriff durch die Societas Jesu: »Übrigens glaube ich, dass ich mit den Jesuiten in den Kriegszustand treten werde; denn ihr Mathematiker von Paris hat meine Dioptrik in seinen Thesen öffentlich abgelehnt. «

(Brief an Huyghens, 31. Juli 1640, AT III 752) Descartes entschloss sich daraufhin, sich an die Doktoren der Theologischen Fakultät der Universität zu Paris, ihres Zeichens ausgewiesene Gegner der Jesuiten, zu wenden mit der Bitte um Unterstützung: »[...] und wenn Ihr zustimmt, dann würde ich sie [sc. die Abhandlung der Meditationes] den Herren der Sorbonne in ihrer Gesamtheit widmen, um sie zu bitten, meine Unterstützer in der Sache Gottes zu sein. Denn ich muss Ihnen sagen, dass mich die Sophistereien von Pater Bourdin zu dem Entschluss brachten, mich von nun an mit der Autorität anderer zu rüsten so sehr ich nur kann, da die Wahrheit für sich selbst so wenig geschätzt wird.«

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