Seelenstände der Psychoanalyse - Derrida, Jacques

Jacques Derrida 

Seelenstände der Psychoanalyse

Das Unmögliche jenseits der Grausamkeit. Vortrag vor der Etats generaux de la Psychoanalyse am 10. Juli 2000 im Grand Amphitheatre der Sorbonne in Paris

Übersetzer: Gondek, Hans-Dieter
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Seelenstände der Psychoanalyse

"Derridas fast zweieinhalbstündigen Gruß an die Generalstände der Psychoanalyse wird niemand, der dabei war, je vergessen." Frankfurter Allgemeine Zeitung

In einer Lektüre Freudscher Texte, die sich um den Begriff der "Grausamkeit" ranken, erkundet Derrida mögliche Antworten auf die Frage, worin die Krise der Psychoanalyse heute besteht. Ausgehend von der These, daß die Psychoanalyse der Name dessen sein könnte, was sich ohne jegliches Alibi dem Eigensten der psychischen Grausamkeit zuwendet, versucht Derrida die Möglichkeit zu denken, wie jenseits der Logik des Todestriebes Recht, Politik, und vielleicht sogar eine Ethik begründet werden könnten, die der psychoanalytischen Revolution wie auch den Ereignissen Rechnung tragen, die einen grausamen Wandel der Grausamkeit darstellen - den technischen, wissenschaftlichen, juridischen, ökonomischen, ethischen und politischen Veränderungen unserer Zeit.



Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 102 S.
  • Seitenzahl: 102
  • Best.Nr. des Verlages: 58319
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 124mm x 12mm
  • Gewicht: 156g
  • ISBN-13: 9783518583197
  • ISBN-10: 3518583190
  • Best.Nr.: 10272468
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.05.2002

Wie die Träume der Revolution wohl zu deuten wären
Der Grausamkeitstrieb hat kein Gegenteil: Jacques Derrida verkündet das „künftige psychoanalytische Denken”
Mit der Einberufung der Generalstände dürfte, zumindest in Frankreich, jedes Schulkind den Auftakt zur Revolution, zur Enthauptung des Königs und zu Diktatur und Terror des Wohlfahrtsausschusses verbinden. Hundert Jahre nach Erscheinen von Freuds „Traumdeutung” in der revolutionären Hauptstadt zu „Generalständen der Psychoanalyse” einzuladen darf und sollte daher wohl auch, von der Wortspielerei abgesehen, als politischer Akt verstanden werden. Damals, am 10. Juli 2000, griff der als Gastredner geladene Jacques Derrida Titel und Thema der Veranstaltung in einem Grußwort auf, das sich jetzt auch in deutscher Sprache nachlesen lässt.
War die Einberufung von „Generalständen” zunächst ein usurpatorischer Akt im zersplitterten Reich der Psychoanalyse, in das die zerstrittenen berufsständischen Vereinigungen sich teilen, so erzeugte die revolutionäre Inszenierung einen politischen Überschuss, auf den hin Derrida die Situation beleuchtet. In seiner hintergründigen Rede ruft er die …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Ausgehend von Freuds Gedanken zum Todestrieb wirft Jacques Derrida die Frage auf, ob sich die "unmögliche Sache" eines "Jenseits der Grausamkeit" denken lässt, erklärt Hans-Jürgen Heinrichs in seiner überwiegend referierenden Rezension. Die Psychoanalyse bietet Derrida zufolge die Möglichkeit, den archaischen und modernen Formen der Grausamkeit ins Gesicht zu sehen, "ohne zu werten, abzuwerten und zu diskreditieren", berichtet Heinrichs. Psychoanalytisches Wissen stehe "als Wissen in der Neutralität des Unentscheidbaren" (Derrida) und müsse darin bleiben. Ethik, Rechtsprechung und Politik, so Heinrichs, sollten sich nach Derrida das Wissen der Psychoanalyse zunutze machen. Allerdings hat sich die Psychoanalyse der Grausamkeit dem Prinzip nationalstaatlicher Souveränität und der Todesstrafe noch nicht ausreichend zugewandt, mahne der Philosoph. Hier sieht Derrida die Psychoanalyse in der Pflicht, hält Heinrichs fest: nur sie vermöge die "schier endlos scheinenden Formen der Grausamkeit und ihrer Rechtfertigungen, im Namen einer angemaßten institutionellen Souveränität, und die gleichzeitig entstehenden Gegenbewegungen einer Manifestierung der Menschenrechte" wertungsfrei zu deuten.

© Perlentaucher Medien GmbH

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Jacques Derrida wurde am 15. Juli 1930 in El-Biar in der Nähe von Algier als Sohn jüdischer Eltern geboren und starb am 8.Oktober 2004 in Paris. Während seiner Schulzeit war er antisemitischen Repressionen ausgesetzt. Ab 1949 lebte er in Frankreich und besuchte das Lycée Louis-le-Grand in Paris. Von 1952 bis 1954 studierte er an der École Normale Supérieure, wo er Vorlesungen bei Louis Althusser und Michel Foucault besuchte und sich mit Pierre Bourdieu anfreundete. 1956 gewann er ein Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Harvard University. Während seines Militärdienstes von 1957 bis 1959 lehrte er Englisch und Französisch in Algerien. Von 1960 bis 1964 war er wissenschaftlicher Assistent an der Sorbonne. Ab 1965 bis 1984 bekleidete er eine Professur für Geschichte der Philosophie an der École Normale Supérieure. 1981 gründete er die Gesellschaft Jan Hus (eine Hilfsorganisation für verfolgte tschechische Intellektuelle). Im selben Jahr wurde er in Prag verhaftet und erst nach einer energischen Intervention François Mitterrands und der französischen Regierung von der Tschechoslowakei freigelassen. 1983 gründete er das Collège international de philosophie , zu dessen erstem Direktor er gewählt wurde.

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