Als meine Seele dunkel wurde - Leonhardt, Merle

Merle Leonhardt 

Als meine Seele dunkel wurde

Geschichte einer Depression

Broschiertes Buch
 
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Als meine Seele dunkel wurde

Depression: Vokskrankheit Nr. 1 - Merle Leonhardts entwaffnend ehrlicher Umgang mit einem Tabuthema.

Merle Leonhardt ist 26 und hat gerade ihr Psychologiestudium abgeschlossen, als sie ohne äußeren Anlass die Freude an allem verliert. Der massive Stimmungseinbruch zieht körperliche Schwäche, Vernichtungsängste, Panikattacken, Auflösungsgefühle bis hin zu Selbstmordabsichten nach sich. Eine ambulante Therapie bleibt ohne Wirkung, schließlich kommt es zur Einweisung in eine psychiatrische Klinik. Es dauert lange, die Depression in den Griff zu bekommen. Doch es gelingt. Ihr Blick zurück ist analytisch und berührend zugleich.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 219 S.
  • Seitenzahl: 219
  • dtv Taschenbücher Bd.34660
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 126mm x 19mm
  • Gewicht: 218g
  • ISBN-13: 9783423346603
  • ISBN-10: 3423346604
  • Best.Nr.: 32591261
»Atemlos verfolgt der Leser, wie die Autorin ihre Ohnmacht erkennt, kämpft und wieder zurück ins Leben findet. Diese Geschichte einer Depression gewährt schonungslos Einblick in die neue Volkskrankheit.« <em>Hör Zu 24.06.2011</em>

"Atemlos verfolgt der Leser, wie die Autorin ihre Ohnmacht erkennt, kämpft und wieder zurück ins Leben findet. Diese Geschichte einer Depression gewährt schonungslos Einblick in die neue Volkskrankheit."<br />Hör Zu 24.06.2011 <br />

»Merle Leonhardt hat ihr Buch geschrieben, als sie schon ihre Ausbildung als Therapeutin abgeschlossen hatte. Also in voller (Fach-)Kenntnis dessen, was da vor sich gegangen ist. Das ist überaus dankenswert.« E. Rittmeyer, ERC-Praxis Newsletter Juli 2011

»Merle Leonhardt hat ihr Buch geschrieben, als sie schon ihre Ausbildung als Therapeutin abgeschlossen hatte. Also in voller (Fach-)Kenntnis dessen, was da vor sich gegangen ist. Das ist überaus dankenswert.« E. Rittmeyer, ERC-Praxis Newsletter Juli 2011
Merle Leonhardt studierte Psychologie in Norddeutschland und den USA. Heute arbeitet sie als Psychologische Psychotherapeutin.


Leseprobe zu "Als meine Seele dunkel wurde" von Merle Leonhardt

Von Schmetterlingen, Fröschen und Elefanten (S. 138-139)

Frühjahr 2003

Ich kam nach Hause und begann sofort, mir eine neue Wohnung zu suchen. In zwei Monaten wollte ich umziehen und danach endlich meine Ausbildung zur Psychotherapeutin fortführen. Während eines Sonntagnachmittag-Spazierganges auf dem Stadtwall fühlte ich mich zum ersten Mal seit Jahren glücklich. Richtig glücklich. Als hätte ich eins dieser kleinen Aufziehautos verschluckt und es brummte, summte und kribbelte fröhlich in meinem Bauch. Ich träumte von der Zukunft. Bereits nach zwei Wochen hatte ich eine Wohnung gefunden. Holzfußboden, große Küche, Balkon, keine zehn Minuten von der Innenstadt entfernt und doch ruhig.

Perfekt. Ich hatte das Gefühl, mein neues Leben begann unter einem guten Stern. Die fünfzig Stunden Therapie, die wir beantragt hatten, gingen ihrem Ende entgegen. Zumindest fühlte sich das für mich so an. Der letzte Termin würde zwar erst im Mai oder Juni sein, aber für mich war das praktisch morgen. Viel zu bald. Ich begann, Abschied zu nehmen. Und wollte vorbereitet sein auf die Zeit ohne Herrn Jonathan, um nicht erneut abzustürzen.

Also machte ich mir Gedanken. So handhaben wir das in meiner Familie, um uns vorzubereiten: Wir machen uns Gedanken. Niemand liest vermutlich all die Gebrauchsanweisungen, auf denen steht: Unbedingt vor dem ersten Gebrauch lesen! In siebenundzwanzig Von Schmetterlingen, Fröschen und Elefanten Sprachen. Wir schon. Als ich mir einen Roller kaufte, ging ich in meine kleine Buchhandlung gleich um die Ecke und fragte nach einem Buch, das das Rollerfahren erklärt. Keinen technischen Schnickschnack. Die Basics. Gas geben. Um Kurven fahren. Wetterschutz.

Die Verkäuferin sah mich bedauernd an und sagte: »Nun, die meisten fahren wohl einfach los.« Ich nicht. Ich machte mir Gedanken. Außerdem bin ich Psychologin. Es ist mein Beruf, mir Gedanken zu machen. Über Abschiede. Beendigungen. Trennungen. Verlassenwerden. Nimmerwiedersehen. Also begann ich auch in diesem Fall lieber frühzeitig. Natürlich sprach ich nicht mit Herrn Jonathan darüber. Er sollte nicht denken, dass ich so eine Memme war, die nicht mal mit einem Therapieende klarkam. Ich hatte keinen konkreten Plan für meine Abschiedsvorbereitungen, aber wenn ich mich heute an die Therapiestunden aus dieser Zeit erinnere, scheine ich damals versucht zu haben, die losen Enden zu sortieren und möglichst schöne Schleifen daraus zu binden.

Bloß nichts Neues mehr beginnen. Möglichst viel noch von Herrn Jonathan einpacken und gebügelt und gefaltet in den Koffer legen, damit ich dann am Tag X bereit wäre zu gehen. Vielleicht noch ein paar schöne Fotos schießen, um hinterher nicht ganz ohne Erinnerung dazustehen. Ich begann daher, mich dem noch Ungelösten in der Therapie zuzuwenden. Immer wieder dachte ich darüber nach, was die Situationen zu bedeuten hatten, in denen ich hin- und hergerissen von widersprüchlichen Gedanken schließlich gar nichts mehr sagen konnte. Die Situationen, in denen Herr Jonathan vorsichtig von »nicht-ganz-anwesend« sprach. Wenn ich wütend und frustriert war. Warum verstand er nicht, was ich wollte?

Er sollte einfach nur bei mir bleiben. Mir Gebor´genheit geben, indem er bei mir saß und mich mit meiner Verwirrung aushielt. Warum wusste er nicht, dass er alles nur schlimmer machte, wenn er von mir erwartete, dass ich etwas sagte? Ich beobachtete jede seiner Handbewegungen, wusste, dass er das merkte, und ärgerte mich über die gemeinsame Anspannung. Das wollte ich nicht. Konnte er nichts dagegen tun? Ich hatte mich in den letzten Monaten bemüht, mich schneller aus diesen Gedankenkreisen herauszureißen. Wenigstens irgendetwas zu sagen. Doch das kostete mich enorme Kraft. Es waren einfach zu viele Gedanken und sie wechselten zu schnell. Ich konnte nie einen einzelnen herausgreifen.

Kundenbewertungen zu "Als meine Seele dunkel wurde" von "Merle Leonhardt"

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Bewertung von Soledira aus NRW am 18.03.2012 ***** ausgezeichnet
Hört man von anderen den Satz "Ich habe Depressionen", dann wird oft unbewusst zusammengezuckt und ein Schweigen legt sich wie ein Schleier über alles. Depressionen - das hört sich so bedrohlich an, so schwermütig, so Angst machend. Sich als nicht Betroffene/r in diese Situation hineinzuversetzen, ist eigentlich nicht möglich.
Doch Merle Leonhardt gelingt dieser Spagat, sie schildert ihre dunkle Zeit offen, schonungslos und gleichzeitig mit einem sympathischen Humor. Sie lässt den Leser teilnehmen, lässt ihn mit in ihr Leben und nimmt ihn als Begleiter mit auf ihre Reise zurück ins Licht.

Dieses Buch ist mitreißend, bestechend ehrlich und tief berührend. Wer ein Leben mit Depressionen verstehen und kennenlernen möchte, sollte dieses Buch lesen. Aber auch für Angehörige, Therapeuten und alle, die Menschen mit Depressionen begleiten, ist Merle Leonhardts Buch sehr zu empfehlen.

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