Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus - Crouch, Colin

Colin Crouch 

Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus

Postdemokratie II

Aus d. Engl. v. Frank Jakubzik
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Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus

Spätestens als Lehman Brothers im September 2008 Insolvenz anmelden mußte, hatte es für einen kurzen Moment den Anschein, als habe die letzte Stunde des Neoliberalismus geschlagen: Nachdem das Mantra vom Markt und von der Privatisierung seit den siebziger Jahren in aller Munde war, sollten nun die Regierungen eingreifen, um systemrelevante Banken zu retten. Die Kompetenz der Wirtschaftsführer stand massiv in Frage. Heute, nur drei Jahre später, bekommen die Manager wieder riesige Boni. Zur Refinanzierung der Rettungspakete werden Sozialleistungen gekürzt. Die Logik des radikalen Wettbewerbs und des unternehmerischen Selbst prägt nach wie vor unsere Mentalität.
Wie ist das möglich? Diese Frage stellt Colin Crouch in seinem großen neuen Essay. Der Autor des vielbeachteten Bestsellers "Postdemokratie" zeichnet die Ideengeschichte des Neoliberalismus nach und betont, daß der Konflikt Staat vs. Markt zu kurz greift: Es sind die gigantischen transnationalen Konzerne, unter denen die Demokratie "und" das Marktmodell leiden. Doch wir können uns wehren, indem wir uns auf unsere Werte und unsere Macht als Verbraucher besinnen. Das ist Crouchs optimistische Vision einer sozialen und demokratischen Marktwirtschaft.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 247 S.
  • Seitenzahl: 248
  • Best.Nr. des Verlages: 42274
  • Deutsch
  • Abmessung: 201mm x 122mm x 25mm
  • Gewicht: 330g
  • ISBN-13: 9783518422748
  • ISBN-10: 351842274X
  • Best.Nr.: 33379370

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Den Autor nennt Lutz Wingert ein echtes Leserglück. Weil Colin Crouch sich nicht mit Attitüden und vorgeschützter Objektivität begnügt, sondern das Problem des Neoliberalismus wirklich zu durchdringen versucht, kämpferisch Stellung bezieht und Lösungen anbietet. Da es bei Neoliberalen einfach kein Umdenken gibt, und sie einflussreiche Großkonzerne gewähren lassen, wie Crouch laut Wingert feststellt, fühlt sich der Autor dazu angespornt, nach Alternativen zu fahnden. Laut Wingert wird er fündig bei der moralischen Verfasstheit der Zivilgesellschaft und der sozialwirtschaftlichen Verantwortung der Unternehmen. Allerdings ohne darin ein Allheilmittel zu sehen, wie Wingert einräumt. Dazu sei der Autor einfach zu britisch.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.09.2011

Hört auf, im Staat den Übeltäter zu sehen!
Wie die riesigen Konzerne Demokratie und Markt bedrohen: In seinem neuen Essay beleuchtet der britische Soziologe Colin Crouch die Ideengeschichte des Neoliberalismus

Wer wissen will, warum genau es noch mal zur Finanzkrise kam und warum das alles immer noch weitergeht, der höre nicht auf die Banalytiker in Funk und Fernsehen, sondern lese Colin Crouchs neues Buch. "Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus", heißt es, und das ist eigentlich falsch. Denn befremdlich daran, dass eben das System, das die Finanzkrise zuließ oder besser: verursachte, in der Folge nicht nur nicht unterging, sondern gefestigter ist denn je zuvor, ist, genau betrachtet, gar nichts. Das sieht auch Crouch so. Aber dazu gleich mehr.

Zu Beginn seines Buchs schreibt der britische Politikwissenschaftler, er werde am Ende der 250 Seiten "die Ära des Neoliberalismus überwiegend negativ beurteilt" haben. Auch das stimmt nicht ganz. Crouch ist nämlich Liberaler genug, um überzeugt davon zu sein, dass sich die Menschen ein besseres Finanzsystem gäben, wenn sie denn ein besseres wüssten. Früher gab es mal das …

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"Wer wissen will, warum genau es noch mal zur Finanzkrise kam und warum das alles immer noch weitergeht, der höre nicht auf die Banalytiker in Funk und Fernsehen, sondern lese Colin Crouchs neues Buch."<br />Timo Frasch Frankfurter Allgemeine Zeitung

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.02.2012

Pferdewetten
ohne Rennen
Der Neoliberalismus sieht nur, was er sehen will.
Die Zivilgesellschaft muss helfen, sagt Colin Crouch
Galopprennbahnen und Finanzmärkte haben eines gemeinsam: Auf ihnen wird gewettet. Allerdings finden Pferdewetten ihr Ende, wenn die Pferde durchs Ziel gegangen sind. Das ist auf Finanzmärkten oft anders, wie der Handel mit Kreditausfallversicherungen zeigt, die immer weitergereicht werden und die vermeintlich nie ausgezahlt werden müssen. Es ist, „als würde man auf Pferde wetten, die niemals ein Rennen“ laufen, kommentiert der britische Politikwissenschaftler Colin Crouch dieses illusionsbehaftete Treiben.
Für Crouch, den Autor des bekannten Buches „Postdemokratie“, sind aber nicht nur Finanzmarktakteure, sondern auch die Verfechter des Neoliberalismus blind für einschneidende Erfahrungen mit der real existierenden kapitalistischen Wirtschaft. Woran liegt das und warum wurde der Neoliberalismus im Unterschied zu anderen politischen Utopien nicht beerdigt? Das sind zentrale Fragen des neuen Buches, das nahezu zeitgleich in England und Deutschland erschienen ist.
Der oberste neoliberale Grundsatz lautet: Auf …

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Colin Crouch beleuchtet in diesem informativen und sprachlich hervorragenden Buch, wie der Neoliberalismus entstanden ist, was er geleistet und mehr noch was er angerichtet hat. Crouch nennt die Reibungspunkte mit dem Keynesianismus, aber auch mit der neoklassischen Wirtschaftstheorie und dem klassischen Liberalismus. Obwohl manche Stellen ans Polemische grenzen, bleibt Crouch insgesamt fair. Anhand vieler Beispiele arbeitet er die Verstrickungen des Neoliberalismus heraus. Dabei vermeidet er es, in platte Phrasendrescherei zu verfallen, und gesteht der Theorie durchaus Vorteile zu. Im Konzept der Corporate Social Responsibility sieht er eine der Möglichkeiten, den – trotz Finanzkrise – offensichtlich nicht totzukriegenden Neoliberalismus einzudämmen. Gelegentliche Abschweifungen fallen kaum ins Gewicht; alles in allem berichtet Crouch stringent und verliert nie den roten Faden. getAbstract empfiehlt das Buch allen wirtschaftspolitisch und gesellschaftlich interessierten Zeitgenossen.
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»Kritiker des Neoliberalismus finden in Crouchs Buch eine brillante Analyse der gegenwärtigen Krisenerscheinungen und Fehlentwicklungen.«

»Sein Buch liefert keine Bastelanleitung zur Weltveränderung, sondern eine ebenso differenzierte wie originelle Analyse der politischen und ökonomischen Realität. Gerade das aber macht Colin Crouch neben Joseph Vogl (Das Gespenst des Kapitals) zu einem der anregendsten Denker in bewegten Zeiten.«
Colin Crouch lehrt Governance and Public Management an der University of Warwick.

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