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Das Standardwerk zur Wirtschaftsgeschichte Kaum eine Frage ist umstrittener und stärker mit Ideologie befrachtet als die, warum manche Länder wirtschaftlich äußerst erfolgreich sind, während andere unfähig scheinen, aus ihrer Armut herauszufinden. Liegt es am Klima? An der Kultur? An der Politik In seiner umfassenden Geschichte über die Weltwirtschaft der letzten sechshundert Jahre entwickelt David Landes Antworten auf diese Fragen und bietet zugleich ein Standardwerk zur Geschichte der Weltwirtschaft. …mehr

Produktbeschreibung

Das Standardwerk zur Wirtschaftsgeschichte

Kaum eine Frage ist umstrittener und stärker mit Ideologie befrachtet als die, warum manche Länder wirtschaftlich äußerst erfolgreich sind, während andere unfähig scheinen, aus ihrer Armut herauszufinden. Liegt es am Klima? An der Kultur? An der Politik? In seiner umfassenden Geschichte über die Weltwirtschaft der letzten sechshundert Jahre entwickelt David Landes Antworten auf diese Fragen und bietet zugleich ein Standardwerk zur Geschichte der Weltwirtschaft.

  • Produktdetails
  • Verlag: Pantheon
  • Seitenzahl: 688
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 683 S. m. Ktn.
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 136mm x 45mm
  • Gewicht: 728g
  • ISBN-13: 9783570551028
  • ISBN-10: 3570551024
  • Best.Nr.: 26332669

Autorenporträt

David Landes, geboren 1924 in New York, ist einer der führenden amerikanischen Wirtschaftshistoriker. Er lehrte bis zu seiner Emeritierung an der Harvard University. Zu seinen großen Werken zählen "Der entfesselte Prometheus" (deutsch 1973) und "Revolution in Time: Clocks and the Making of a Modern World" (1983). Mit seinem 1999 bei Siedler erschienenen Buch "Wohlstand und Armut der Nationen" löste Landes eine Debatte aus, die weit über die Grenzen seines Fachs hinausging.

Rezensionen

Besprechung von 20.06.2009
Wirtschaftsbuch
Zum Thema
Ein wenig Historie
Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute. Verlag C. H. Beck, München 2009, 255 Seiten, 14,95 Euro.
Der Greifswalder Historiker hat seine vor 25 Jahren erschienene Geschichte des Geldes bis heute fortgeschrieben.
Arm und reich
David S. Landes: Wohlstand und Armut der Nationen. Warum die einen reich und die anderen arm sind. Siedler Verlag, Berlin 1999, 683 Seiten.
Geld spielt in dieser opulenten Geschichte der Weltwirtschaft der letzten 1000 Jahre eine Rolle. Aber David Landes geht es vor allem um die Frage, warum Armut und Wohlstand zwischen den Nationen so ungleich verteilt sind.
Die Geschichte des Geldes
Niall Ferguson, renommierter Geschichtsprofessor an der noch renommierteren Harvard University, ist ein ungemein produktiver Autor. Es vergeht kaum ein Jahr, in dem er nicht ein umfängliches Buch veröffentlicht, das mit einer provokanten These die Aufmerksamkeit erregt. Insofern fällt sein neuestes Buch etwas aus dem Rahmen.
Es umfasst nur gut 300 großzügig gesetzte Seiten Text. Und es fehlt eine provokante These – es sei denn, man fühlte sich durch die Behauptung provoziert, Geld sei „die Wurzel beinahe allen Fortschritts”. Fergusons um Anschaulichkeit und Verständlichkeit bemühte Geschichte des Geld- und Finanzwesens ist dennoch lesenswert. Sie bietet erhellende Einblicke in die Funktionsweise des Geldes und der nac und nach entstandenen Finanzmärkte, und das hilft, die gegenwärtige Finanzkrise zu verstehen.
Ferguson hat sein Buch systematisch organisiert, indem er nacheinander die „Hauptelemente des modernen Finanzsystems” vorstellt. Zunächst widmet er sich der Entstehung des Geldes und des Geldverleihens. Bis ins zweite Jahrtausend vor Christus zurückblendend, erläutert er anhand vieler Beispiele und Abbildungen die wichtigsten Funktionen des Geldes als Tauschmittel, Verrechnungseinheit und Wertspeicher.
Dann beschreibt er den Rentenmarkt: Die „Geburt der Anleihe” nennt Ferguson die „zweite große Revolution” nach der Einführung des Kredits durch die Banken. Im dritten Kapitel stehen die Aktienmärkte, im vierten die unterschiedlichen Arten des Risikomanagements in Versicherungen im Mittelpunkt. Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit dem Immobilienmarkt und dürfte vor allem für amerikanische Leser und Leserinnen lehrreich sein. Im sechsten Kapitel analysiert Ferguson das Auf und Ab des globalen Finanzsektors.
Dabei geht er ausführlich auf die Hedgefonds ein, deren Rolle er – ungeachtet skrupelloser Spekulanten und Investoren – positiv beurteilt. Abschließend urteilt er, dass sich die Finanzmärkte keineswegs zu einem „Monster” entwickelt hätten, wie es selbst Bundespräsident Horst Köhler gelegentlich beklagt, sondern dass sie vielmehr „der Menschheit einen Spiegel vorhalten”, der enthülle, „inwieweit wir uns selbst und die Ressourcen der Welt wertschätzen”.
Man merkt dem Buch deutlich an, dass es auf den amerikanischen Markt und seine Leser zielt. Die meisten der zur Illustration herangezogenen Beispiele stammen aus der amerikanischen Geschichte. Andere Finanzsysteme, wie etwa das islamische, kommen erst gar nicht vor. Und man merkt ebenfalls deutlich, dass das Buch abgeschlossen wurde, bevor die Finanzkrise sich zu einer weltweiten Wirtschaftskrise auswuchs. Die Hoffnungen auf Stabilisierung, die Ferguson beispielsweise in Länder wie China oder Russland setzte, sind mittlerweile zerstoben.
Mag also manches schon überholt sein, seine drei wesentlichen Erkenntnisse bleiben bedenkenswert: Erstens ist Armut demnach nicht die Folge von Ausbeutung durch gewissenlose „Kredithaie”, sondern des Fehlens funktionstüchtiger und für jedermann zugänglicher Finanzinstitutionen. Zweitens eröffne das Zusammenwachsen der Finanzmärkte den in finanziellen Dingen lernwilligen und -fähigen Menschen neue Chancen. Und drittens lässt sich die Finanzgeschichte als „klassisches Beispiel von tätiger Evolution” begreifen. Die Antwort auf eine grundsätzliche Frage lässt Ferguson unbeantwortet: Ob es Alternativen zu dem permanenten Auf und Ab an den Finanzmärkten gibt und ob die dem marktwirtschaftlichen System innewohnenden Krisen und Verwerfungen zwangsläufig wohl der Preis für den relativen Wohlstand sind. Werner Bührer
Niall Ferguson:
Der Aufstieg des Geldes.
Die Währung der Geschichte.
Econ Verlag, Berlin 2009,
367 Seiten, 24,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
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Besprechung von 12.10.1999
Was hat über Nacht das Land reich gemacht?
Eine Quelle nie versiegenden Vergnügens: David Landes über die Entwicklung des Wohlstands / Von Franziska Augstein

Am Anfang war die Frage nach dem Zufall. In der klassischen Malerei sind Zufälle jene Partien eines Bildes, die von einem Lichtschein herausgestellt werden. Der europäische Kontinent hat wenigstens ein halbes Jahrtausend lang im Schein des Schicksalslichts gelegen, das weise Leute auch den Zufall nennen.

Aber David Landes sieht das so nicht. Je größer die Fragen, desto weniger mag er sie dem Mutwillen der Fortuna überlassen. Eine große Frage ist zum Beispiel diese: Warum war Europa einige Jahrhunderte lang Meister der Welt und allen anderen Landstrichen so überlegen, dass diese wohl oder übel dem europäischen Beispiel folgen mussten? Auf der Suche nach einer Antwort ist Landes erstaunlich weit auf dem Erdball herumgekommen. Seine Studie über "Wohlstand und Armut der Nationen" ist nicht nur ideenreich, sondern auch erstaunlich gut geschrieben und zudem ausgezeichnet übersetzt.

Der Wirtschaftshistoriker hat vor seiner Emeritierung im amerikanischen Harvard gelehrt. Und er protestiert gegen die neue Sitte der Forschung, den Interessen der sogenannten Minderheiten (die zahlenmäßig so bescheiden nicht sind) nach dem Munde zu reden. Das fängt damit an, dass der Gedanke von der ehemaligen Vorherrschaft Europas heutzutage keine Selbstverständlichkeit mehr ist. War nicht China um da Jahr 1000 das fortschrittlichste Reich der Welt? Hat nicht der spanisch-britische Historiker Felipe Fernández-Armesto uns daran erinnert, dass Mali im fünfzehnten Jahrhundert ein mächtiges afrikanisches Reich gewesen ist?

Angesichts solcher Beispiele mag es in dem Milieu von Harvard ernstlich mutig sein, trotzdem darauf zu beharren, dass die Alte Welt anderen Kontinenten zuzeiten überlegen war. Landes kommt sich denn auch vor wie Galilei: Und es dreht sich doch alles um Europa. In immer neuen Anläufen schildert er die Industrialisierung bestimmter Länder und die Gründe für ihr Ausbleiben anderswo. Warum Europa - warum nicht China, Indien, das Inka-Reich?

Der große Erfolg war dem Abendland nicht in die Wiege gelegt. Es haben die alten Athener nicht eine einzige bedeutende Erfindung gemacht. Dafür hatten sie schon ein helles Verständnis dafür, an der Spitze der Zivilisation zu stehen. Von der Antike bis ins neunzehnte Jahrhundert haben die Europäer sich auf ihre glückliche geographische Lage berufen. Je nachdem, ob man etwa im etwas kühleren England oder im wärmeren Frankeich lebte, erklärte man die Breitengrade des eigenen Landes zu den vom Glück begünstigten, die die Herausbildung einer überragenden Zivilisation nachgerade unvermeidlich machten. Subtiler, wenn auch im Kern verwandt, sind die Argumente, die heute vorgebracht werden: Europa besaß gute Böden, nützliche Haustiere und war mit vergleichsweise regelmäßigen Niederschlägen gesegnet. Es war eine Region, in der die Tatkraft des Einzelnen sich bezahlt machte - ganz im Gegensatz zu Ländern wie China oder Altägypten, deren politische Systeme darauf angelegt sein mussten, alle Untertanen auf die gemeinsame Arbeit in der Wasserwirtschaft zu verpflichten. In Europa war der Reichsgedanke gewissermaßen ein historischer Luxus, andere Länder waren auf eine zentrale Autorität angewiesen.

Landes ist nicht der Erste, der diese Gedanken vorbringt. Vor kurzem hat Jared Diamond in "Guns, Germs and Steel" (deutsch "Arm und reich", F.A.Z. vom 24. März 1998) Ähnliches geschrieben, und schon seine Thesen waren nicht so sehr neu als vielmehr gut vorgetragen. Anders als Diamond will Landes die Geographie nicht als "etwas Schicksalhaftes" betrachten. Im Sinne von Harvards Ethik trifft sich das gut, denn sonst müsste er zumindest verbuchen, dass die weißhäutigen Nationen es im Ganzen besser getroffen haben als andere. Aber den materialistischen Argumenten, die für Diamond so wichtig sind, misst Landes allenfalls die Bedeutung von günstigen Begleitumständen zu. Um nicht über die Fallstricke des geographisch-klimatischen Determinismus zu stolpern, hat er sich auf wirtschafts- und kulturgeschichtliche Zusammenhänge konzentriert.

"Wohlstand und Armut der Nationen" ist im Ansatz ein ideologisches Buch. Landes hält die Vorherrschaft Europas gewissermaßen für eine Kopfgeburt: Den großen Bogen der Weltgeschichte sieht er gleichsam als eine Kurve, die sich aus den jeweils vorherrschenden Wertvorstellungen, Haltungen und Ideen ergibt.

Indem Landes in der europäischen Kultur die Ursache für Europas Aufstieg zur Weltherrschaft erblickt, gibt er seine eigenen Werturteile zu erkennen. Nicht umsonst nennt er sich einen Eurozentristen, und das bedeutet, dass er ein eher altmodisches Verständnis von Erfolg hat. Der ist für ihn nicht an soziale Kompetenz oder ein reges Mythenleben, sondern an Macht und Wohlstand gebunden. Dementsprechend setzt er große Stücke auf den technisch-industriellen Fortschritt. Erfindungen pflastern den historischen Königsweg: Das Wasserrad, die Uhr, die Brille (samt Teleskop und Mikroskop), das Schießpulver, der Buchdruck. Damit fing es an. Das Wechselspiel von Forschergeist und Güternachfrage habe das Abendland vorangebracht. Dem politisch-korrekten Geist seiner eigenen Zeit kommt Landes immerhin insofern entgegen, als er den so genannten "komparativen Vorteil" groß schreibt. Früher gab es nur einen "ordentlichen" Weg der Industrialisierung: Macht es wie die Briten, anders wird nichts draus. Mittlerweile haben die Wirtschaftswissenschaftler - und Landes mit ihnen - sich besonnen und lassen atypische, landesspezifische Entwicklungswege gelten. Das ist der "komparative Vorteil" bei der Industrialisierung. Landes erwähnt ihn recht oft, scheint in Wahrheit aber nicht daran zu glauben, denn "alle Einzelexemplare (der Industrialisierung) stammen, ungeachtet ihrer Unterschiede, von dem gemeinsamen britischen Vorfahren ab". Die einzige Ausnahme ist Japan: Diese Nation, glaubt Landes, hätte auch ohne das britische Vorbild ihren Weg gemacht.

Bescheiden erklärt er, diese Vermutung "nicht beweisen zu können". Immerhin gibt er eine Begründung, und die ist nicht bloß eurozentristisch, sondern nachgerade alteuropäisch: Landes rehabilitiert Max Webers These von der Bedeutung der protestantischen Ethik für die Industrialisierung. Als Japans Herrscher sich in den sechziger Jahren des neunzehnten Jahrhunderts zur Modernisierung entschlossen hatten, sei die landeseigene Version der ökonomischen Heilslehre dem Projekt sehr zunutze gekommen. Landes zufolge hat der Patriotismus jene Stelle eingenommen, die in Europa die Gottgefälligkeit innehatte: Patriot ist, wer "sich im alltäglichen Leben diszipliniert, in der eigenen Familie Ordnung hält und seiner Verantwortung bei der Arbeit voll und ganz nachkommt".

Im Kontext der europäischen Geschichte ist Webers These längst der Boden entzogen. Aber Landes schickt die protestantische Geschäftstüchtigkeit eben nicht gegen katholische Weltfremdheit ins Feld, sondern gegen die - in der Theorie - geschäftsschädigenden Kräfte fremdester Kulturen. Wenn man ihn da nicht widerlegen kann, heißt das aber nicht, dass man ihm glauben müsste. Es stimmt schon: Konfuzius verachtete die Kaufleute. Aber ist das ein guter Grund dafür, dass die Industrialisierung nicht in China begann? Aus ähnlich großer Distanz gesehen, hätte das barmherzige Christentum den Bau der ersten Fabrik verhindern müssen. Post festum liegt es nahe, die jüdisch-christliche Tradition mit der Heraufkunft des Individualismus in Zusammenhang zu bringen. Landes nennt die "jüdisch-christliche Achtung vor der Handarbeit", die dieser Kultur eigene Neigung, sich die Natur zu unterwerfen und den linearen Zeitbegriff als drei Elemente, welche der vierten und wichtigsten Voraussetzung der Industrialisierung den Boden bereiteten: Das war "der Markt". Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, und wo die Nachfrage einmal besteht, da stellt eine neue Produktionstechnik sich ein. Das sei nicht mit chinesischer Seide, wohl aber mit Baumwolle zu machen gewesen, noch ein Grund, warum China "das Rennen" um die Weltgeltung nicht gemacht habe. Baumwolle hingegen konnte in Massen verarbeitet werden, und zudem war sie weicher und bequemer als die herkömmlichen europäischen Wollstoffe: "Hier war eine Ware", schreibt Landes, "die auf eine so breite und erweiterbare Nachfrage stieß, dass sie einer industriellen Revolution als Motor dienen konnte."

Landes mag ein gläubiger Anhänger der freien Marktwirtschaft sein, aber an den Manchesterliberalismus, dessen modernes Derivat sich Neoliberalismus nennt, scheint er letztlich nicht zu glauben. Anderenfalls wiese er wohl nicht eigens darauf hin, dass selbst Adam Smith der Meinung war, der Staat könne bestimmte Aufgabenbereiche - wie die Verteidigung und Polizei - besser bewältigen als private Unternehmen.

Wovon Landes indes überzeugt ist, macht er auch klar: Das sind der demokratische Geist und der Individualismus einerseits sowie die abträglichen Auswirkungen von Despotie und ideologischer Umnachtung andererseits. So seien die alten Griechen der Willkürherrschaft Alexanders erlegen - kein Wunder, dass sie technisch nichts zuwege brachten. So habe das römische Imperium sich am Ende einer "östlichen Zivilisation" angenähert - es musste untergehen. Die Macht der Inka-Regierung war so groß, dass alle Untertanen dieselbe Sprache sprachen, aber "die Kultur raubte dem normalen Menschen Initiative, Unabhängigkeit und Persönlichkeit". In Indien wurde der Unterschied zwischen Mein und Dein gering geachtet, den Quellen zufolge traute sich niemand, seinen Reichtum zur Schau zu stellen. Und niemand kümmerte sich "um die Verbesserung von Produktionsmethoden und Arbeitsmitteln".

In Europa waren es "Intoleranz, Aberglaube und Unwissenheit", die von der Obrigkeit mancher Länder zu ihrem eigenen Schaden befördert worden seien. Landes nennt Beispiele: Spanien, Portugal, Sizilien. Dem Islam traut er gleichfalls nicht viel zu; dessen größter Fehler sei "die Ablehnung der Druckerpresse" gewesen.

Landes ist ein Freund krasser Urteile, sind sie simpel, gibt er ihnen eine Drehung. Obgleich er den Niedergang eines großen Reiches für ein Zeichen der Schwäche nimmt, kann er doch auch das Gute sehen, das daraus erwächst. Roms Untergang und der darauffolgende Zustand der territorialen Zersplitterung seien ein Glücksfall für Europa gewesen: Wo viele Herrscher miteinander ringen, wo Fürsten und Könige gegeneinander opponieren, ist eine autokratische Willkürherrschaft ausgeschlossen. "So viel", fügt Landes an, "zu dem Lamento, das Generationen von Altphilologen und Lateinlehrer" im Gedenken an Roms Untergang angestimmt haben. Auch der Individualismus ist für Landes kein Wert an sich: Die Briten etwa tadelt er dafür, dass sie nach dem Ersten Weltkrieg "die Produktivität der Tradition und der Individualität" geopfert hätten und auch noch "stolz darauf" gewesen seien.

Am Ende bleiben tatsächlich wenige Länder übrig, denen Landes all jene Eigenschaften zuspricht, die für dauerhaften Wohlstand nötig sind. Er macht nicht viel daraus, aber die Vereinigten Staaten scheinen eines von ihnen zu sein. Immerhin haben sie dort schon im neunzehnten Jahrhundert Fertighäuser gebaut. Man muß Landes nicht in allen Details zustimmen, aber für eine Ära, die sich global schimpft, hat er das passende Buch geschrieben: Der Versuch, durch Zeit und Raum den Umständen auf die Spur zu kommen, die den Wohlstand einer Nation begründen, ist allerdings ein Wagnis, dessen Gelingen auf den Zufall angewiesen bleibt.

David Landes: "Wohlstand und Armut der Nationen". Warum die einen reich und die anderen arm sind. Aus dem Amerikanischen von Ulrich Enderwitz, Monika Noll u. Rolf Schubert. Siedler Verlag, Berlin 1999. 704 S., 40 Abb., Karten, geb., 68,- DM.

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