Weiße Magie - Müller, Lothar

Lothar Müller 

Weiße Magie

Die Epoche des Papiers. Ausgezeichnet mit dem Preis zur Förderung exzellenter geistes- und sozialwissenschaftlicher Publikationen 2012

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Weiße Magie

Man kann darauf drucken und schreiben, man kann es zerreißen, knicken und falten: Papier ist eine magische Substanz, die wie keine andere zur Entwicklung der modernen Welt beigetragen hat. Als Wechsel und Papiergeld war es unentbehrlich für die Ökonomie. Als Briefpapier wurde es zum Schauplatz der modernen Seele, als Zeitungspapier zum Schauplatz der Politik. Lothar Müller erzählt, wie das aus China stammende Papier von Ägypten nach Europa kam und zum Grundstoff der modernen Zivilisation wurde. Seine Kronzeugin ist die Literatur von Rabelais und Grimmelshausen, von James Joyce bis Paul Valéry. Wir glauben das "Gutenberg-Zeitalter" zu kennen. Aber wir verstehen es besser, wenn wir seine Hintergrundwelt entdecken: die Epoche des Papiers.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 382 S. m. Abb.
  • Seitenzahl: 382
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23911
  • Deutsch
  • Abmessung: 216mm x 141mm x 35mm
  • Gewicht: 595g
  • ISBN-13: 9783446239111
  • ISBN-10: 3446239111
  • Best.Nr.: 34520998
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.03.2012

Weiße Magie
Von SZ-Autoren: Lothar Müller
über die Geschichte des Papiers
Dass wir in einer medialen Übergangszeit leben, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Während die hellen und dunklen Zukunftsbilder der digitalen Vernetzung sich überlagern, scheint über unsere mediale Herkunftswelt Einigkeit zu bestehen: Wir nennen sie das „Gutenberg-Zeitalter“, datieren ihren Beginn auf die Erfindung der Buchdruckkunst und begreifen dabei das Papier als eine Art Benzin der Druckerpresse.
Lothar Müller, Redakteur im Feuilleton der SZ, erzählt die Geschichte anders. In seinem Buch „Weiße Magie“ ist das Papier nicht passives Objekt, dem die schwarzen Lettern aufgeprägt werden, sondern selber ein starkes Medium, älter als die Druckerpresse und nicht nur mit ihr im Bunde, wenn es in Ökonomie und Bürokratie, privatem Briefverkehr, in den Gelehrtenstuben und Zeitungshäusern zum unentbehrlichen Grundstoff der modernen Zivilisation wird, zum universellen Vernetzungsmedium der analogen Welt. Als Chronistin des Papiers befragt der Autor die neuzeitliche Literatur: von Rabelais über Cervantes bis zu James Joyce, von Daniel Defoe über Honoré de Balzac bis …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.03.2012

Unser liebstes Lumpengesindel

So soft kann Hardware sein: Lothar Müller erzählt die Kulturgeschichte des Papiers als Speicher- und Zirkulationsmedium.

Von Helmut Mayer

Papier ist ein besonderer Stoff. Das gilt zwar auch für viele andere Materialien, die als Voraussetzung für die Entfaltung von fundamentalen Kulturtechniken in großen Gesellschaften namhaft gemacht werden können. Und doch lässt sich am Papier, noch bevor man seine Funktionen ins Auge fasst, gleich eine ganz spezielle Eigenschaft hervorheben. Denn sosehr man unwillkürlich dazu neigt, es Rohstoffen zur Seite zu stellen: Tatsächlich ist Papier über den weitaus größten Zeitraum seiner Geschichte aus der Wiederverwendung von durch und durch kulturellen Erzeugnissen hervorgegangen - aus den Lumpen und Hadern, den ausgeschiedenen Geweben aller Art.

Dass der kulturelle "Rohstoff" par excellence ein Abfallprodukt ist, hat deutliche Spuren in Texten hinterlassen, in denen - auf Papier - vom Papier die Rede ist. Im christlichen Kontext war der Einladung kaum zu widerstehen, die Verwandlung von schmutzigen Lumpen in Papier allegorisch zu überhöhen. Auferstehung wird zum …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Ina Hartwig hört es noch immer Rauschen im Blätterwald nach der faszinierenden Lektüre von Lothar Müllers Studie über das Papier und sein weltschaffendes Potential. Zunächst gefällt ihr, dass Müller nicht mit dem Buchdruck beginnt, sondern das Papier in den Vordergrund stellt, das Material, Buch, Zeitung, Geld, Karte etc., das er sodann mit Geschichte verbindet, fließend, bis zu der These, dass die Digitalisierung das Papier gar nicht verdrängen kann. Über die Geschichte der Papiergewinnung erfährt Hartwig Aufschlussreiches, über Marx und das Papier und erfrischende Analogien mehr, schließlich auch, wie Literatur- und Geistesgeschichte den Gang der weißen Magie spiegeln, bei Balzac, bei Joyce. Außer durch handfeste Daten, Technik-, Medien- und Wirtschaftsgeschichte besticht die Arbeit für Hartwig nicht zuletzt durch den gelassenen Ton und eine kluge Ökonomie der Darstellung.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Man möchte vieles an diesem Buch loben... Aber vor allem dies: Dass eine an Medien und Materialien interessierte Darstellung auch Lust darauf macht, sich in die herangezogenen Autoren zu vertiefen. So etwas ist man gar nicht mehr gewohnt." Helmut Mayer, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.03.12 "Ein ungemein materialreiches, aber leichtfüßiges und - wie soll man sagen? - listiges Buch." Valentin Groebner, Neue Zürcher Zeitung, 21.03.12 "Man muss die kluge Ökonomie bewundern, mit der Lothar Müller uns digital-analoge Zwitterwesen durch die glücklicherweise unabgeschlossene Epoche des Papiers navigiert." Ina Hartwig, Deutschlandfunk, 05.06.12
Lothar Müller, geboren 1954, Redakteur im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung sowie Honorarprofessor an der Humboldt-Universität zu Berlin. Den Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik erhielt er im Jahr 2000, im Jahr 2008 den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay.

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