Warum Frauen große Sonnenbrillen und winzige Hunde brauchen - Freeman, Hadley

Warum Frauen große Sonnenbrillen und winzige Hunde brauchen

Ein Leitfaden

Hadley Freeman 

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Warum Frauen große Sonnenbrillen und winzige Hunde brauchen

'Für alle Style-Queens, Glamour-Ladies, It-Girls und Fashionistas gibt es ein neues Buch, das den grauen Herbst in die vielleicht heißeste Zeit des Jahres verwandelt'." -- Bieler Tagblatt

"Amüsanter Leitfaden [...] von A wie Accessoires bis V wie Vintage." -- In - Das Starmagazin

"Legt die Geheimnisse und den Wahnsinn der Mode bloß." -- Vogue UK

Der unverzichtbare Leitfaden von A wie Accessoires bis V wie VintageIn diesem amüsanten Buch trennt die preisgekrönte Modekolumnistin Hadley Freeman mit Witz, Charme und Geschmack die Spreu vom Weizen in Sachen Mode und zeigt, dass man sich durchaus in eine It-Bag verlieben kann ohne notwendigerweise den IQ eines It-Girls zu haben. Auf unterhaltsame Art beschreibt sie, wie man Shorts trägt, ohne wie ein Statist in Hamlet auszusehen, warum Botox wie Kokain ist und weshalb nur Harfenistinnen Samt tragen sollten. Vor allem aber zeigt sie, dass man weder dünn noch jung, groß oder reich sein muss, um Spaß an Mode zu haben - man braucht lediglich eine gesunde Portion Humor.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 352 S.
  • Seitenzahl: 352
  • Goldmann Taschenbücher Bd.17213
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 125mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783442172139
  • ISBN-10: 3442172136
  • Best.Nr.: 29690706
Hadley Freeman wurde in New York geboren. Ihr ist zwar bis heute nicht klar, warum Grün und Blau nicht zusammengehen sollen, aber sie ist die stellvertretende Leiterin des Moderessorts beim Guardian und freie Redakteurin bei der Vogue. Sie lebt in London.

Leseprobe zu "Warum Frauen große Sonnenbrillen und winzige Hunde brauchen"

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Ach, es geht doch nichts über ein Zitat prominenter Zeitgenossen - all jenen lieb und teuer, die sich zu Themen äußern, bei denen es mehr auf die persönliche Meinung als auf wissenschaftlich objektive Fakten ankommt. Leiten wir also dieses Buch ganz im Sinne dieser vorzüglichen Tradition mit solch einem handlichen Aufhänger ein. Wie schon Coco Chanel einmal so schön sagte (ja, ich weiß, das haben Sie jetzt kommen sehen): "Mode ist dazu da, unmodern zu werden." Das ist nicht nur eine gefällige Weisheit, die es den Designern ermöglicht, alle Welt davon zu überzeugen, dass das, wovon sie vor sechs Monaten versprachen, es sei so fantastisch, dass es das ganze Leben verändern würde, nun einfach scheußlich ist und durch etwas noch Fantastischeres aus ihrer jüngsten Kollektion ersetzt werden muss, und zwar dalli. Es ist ebenso eine unheilkündende Mahnung an alle, die es wagen, ein Buch über Mode zu schreiben. Nimm dich in Acht, tapfere kleine Stil-Expertin, magst du auch noch so geistreich in dein superflaches McBook Air ticker-tackern und dazu Stellung nehmen, welches der standesgemäße Nagellack ist und warum Pilotenbrillen einfach ein zeitloser Klassiker sind - diese Worte werden dich in spätestens sechs Monaten einholen, lass es dir gesagt sein.

Im Gegensatz zu den klugerweise kurzfristig erscheinenden Zeitschriften, die ihre aufklärerischen Statements über "gut" und "schlecht" im sicheren Wissen darüber abgeben können, dass sie, ehe auch nur irgendjemand daran dächte, sie zur Rechenschaft zu ziehen, innerhalb eines Monats ohnehin zum Müllcontainer getragen werden, sind Modebücher lästigerweise so langlebig, dass sie auch nach ein paar Jahren noch im Umlauf sind. Daher bekommt der Ton unanfechtbarer Aufrichtigkeit, mit dem die Verfasser darin unbekümmert erklären, dass Grün gut und Gelb schlecht ist, etwas weit weniger beeindruckend Gebieterisches, wenn - oh Graus! - Gelb gemäß Balenciaga und Prada inzwischen die neue Farbe der Saison ist.

Da dieses Buch erstmals im Winter 2008 auf Englisch erschienen ist, hat es in der Zwischenzeit selbstverständlich ein paar Veränderungen in der sonnenbeschienenen Landschaft der Modewelt gegeben. Darunter dürfte die größte die jüngste Wirtschaftskrise sein, die bestimmt Einfluss auf das Kaufverhalten der Leute hatte, auch wenn sich niemand ganz sicher ist, ob die Kunden deshalb verstärkt superbillige Sachen gekauft haben oder lieber teure Kleidung - als Investition gewissermaßen, um diesen gern verwendeten Ausdruck zu gebrauchen. Manch einer mag der Meinung sein, erst die Tatsache, dass die Leute gar kein Geld mehr ausgeben, sei ein sicheres Zeichen für eine allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung; wer jedoch das Pech hatte, sich an einem Samstagnachmittag in der Innenstadt aufzuhalten, kann bezeugen, dass das bislang nicht der Fall ist.

Und wo wir schon beim Thema Einkaufsstraßen sind - eine weitere Entwicklung in letzter Zeit sind die scheinbar wöchentlich erscheinenden Enthüllungen darüber, welche Modemarken und -ketten von der Ausbeutung indischer und chinesischer Kinder abhängig sind, die ihre Waren herstellen. Begleitet werden diese Berichte von den unabdingbar entsetzt nach Luft schnappenden Konsumenten. Ich bitte Sie! Weiterhin Kleidungsstücke zu kaufen, die so viel kosten wie ein Päckchen Kaugummi, und dann schockiert zu sein, dass sie nicht von den Webstühlen wohlgemuter Modeschöpfer stammen, die ihre Waren von Hand nähen, derweil sie in ihren Pariser Ateliers auf seidenen Decken lagern, scheint doch schon etwas mehr als ein bisschen naiv zu sein. Irgendjemand muss dafür bezahlen. Und da es nicht die Käufer sind und höchstwahrscheinlich nicht die Händler (die meisten Läden zeigen eine gewisse Abneigung dagegen, ihre Kleider billiger zu verkaufen, als sie sie eingekauft haben - sie sind da ein wenig eigenwillig), ist es eventuell jemand anderes. Irgendein Zehnjähriger vielleicht. Das ist so ähnlich wie mit diesen Diäten, die einem versprechen, man könne doppelt dick mit Käse über- backene Pizza und Trüffeltorte verspeisen und dabei trotzdem abnehmen. So ist das Leben aber nicht.

Es geht hier nicht darum, dass Sie nur noch Designer-Kleidung kaufen sollen, die wirklich von seidengelagerten Couturiers stammt. Aber so wie die sinnvollste Art der Ernährung darin besteht, normale Portionen von halbwegs anständigem Essen zu sich zu nehmen - weder Sterneküche noch schmierigen, minderwertigen Kram aus Massentierhaltung -, und das in vertretbaren Zeitabständen, so besteht die beste Art des Shoppings im gelegentlichen Kauf einiger hochwertiger Kleidungsstücke. Vielleicht nicht unbedingt Versace, aber doch etwas, das mehr kostet als eine Tüte M & Ms.

Aber was ist dann mit den Modetrends, wollen Sie wissen?

Ja, gut, auch hier hat es ein paar Neuerungen gegeben. Ballerinas wurden von Loafers abgelöst, weil halt ein blondes Model sie trägt und, na ja, ein paar TV-Moderatorinnen. Genug davon. Schmale Absätze kommen auf alle Fälle wieder, und doch, ja, rot ist im Augenblick ganz unglaublich "in". (Wahrscheinlich, weil es die aktuelle Wirtschaftslage widerspiegelt. Vielleicht auch nicht.) Was die neuen Trends angeht, ist mit Romantischem ebenso zu rechnen wie mit puristisch geometrischen Schnitten, und lange Beine sind von Vorteil, da der Minirock ein Must ist, zu dem man neben Schaft-Sandalen auch gern Clogs trägt.

Aber eigentlich gründet sich dieses Buch vor allem auf persönliche Ansichten - und zwar als Gegenpol zu den Aussichten auf neue Trends, und egal wie oft einem auch die Bilder von Agyness Deyn in ihren Loafers begegnen mögen, muss man uns doch erst noch davon überzeugen, dass sie etwas anderes sind als das Schuhwerk von Sloanes (der Schickeria aus Londons noblem Stadtteil Chelsea) und Erdkundelehrern mittleren Alters. Auch wenn der Modebranche regelmäßig vorgeworfen wird, dass sie die ansonsten hohlen Köpfe mancher Leute mit müßigen Meinungen füllt, fand ich persönlich immer, dass sie mich in den Ansichten, die ich bereits hatte, nur bestätigt hat. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich angesichts endloser Fotostrecken von der Freundin irgendeines Popstars in klobigen flachen Schuhen, von denen Tratschund Modemagazine im ganzen Land zum Überdruss behaupten, sie seien der Inbegriff des edgy style, den etwas selbstgefälligen Fehltritt mit zierlichen Ballerinas zu erlauben.

Es wird mittlerweile so viel Geschrei um "Hot or not" gemacht; es gibt kaum ein People-, Film-, Musikmagazin oder entsprechendes Fernsehformat, das nicht sein Scherflein zu dieser eifrigen Debatte beitrüge - ganz zu schweigen vom kontinuierlich anwachsenden Markt der Modemagazine. Offen gesagt würde wohl nur eine Person, die 973 Kleidungsstücke auf einmal trüge, allem gerecht, was nach offizieller Meinung gerade "in" ist, und das ließe sie wohl eher obdachlos als modebewusst aussehen. Ab einem gewissen Punkt ist das Überangebot an Meinungen und Modetipps so gewaltig, dass es einen zu der Einsicht bringt, dass man sich letztlich nur auf die eigene Meinung verlassen kann.

Dieses Buch war niemals als Ratgeber für etwas derart Persönliches gedacht. Es soll nur eine Orientierung bieten, was es zu bedeuten hat, wenn jemand einen Mantel mit großen Tupfen trägt, warum Fäustlinge an Personen, die vor 1999 geboren wurden, wirklich unpassend sind, und warum zum Teufel Leute, die "Vintage" kaufen, so verdammt eingebildet sind. Diese grundlegenden, unbestreitbaren und für sich selbst stehenden Wahrheiten bleiben selbstverständlich für alle Zeiten so unwiderlegbar wie heute, was dieses Buch für die Launen der Mode so unanfechtbar macht wie ein Wikingerschiff, das standhaft und unerschütterlich der tosenden Brandung trotzt. Insofern ist es eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Loafers nun wirklich ganz und gar nicht gehen. Das sieht man doch.

Einführung In einer typischen, wenn auch besonders weitsichtigen Folge der Serie South Park,, die 2004 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, taucht Paris Hilton in der Zeichentrickwelt des namengebenden Bergstädtchens in Colorado auf; sie will dort ein Geschäft eröffnen, um bei den naturverbundenen achtjährigen Mädchen ihren unverwechselbaren Look zu vermarkten. Dies wirft ungeachtet der ästhetischen oder sonstigen Verdienste dieses Konzepts einige interessante Fragen auf: Verleiht es - wie eine der Figuren behauptet - Mädchen und Frauen größeres Selbstbewusstsein, wenn sie darin bestärkt werden, sich in einem bestimmten Stil zu kleiden, oder macht es sie, wie eine andere Figur entschieden meint, zu verzogenen und verblödeten Schlampen? Hier müssen wir aus Gründen des gebotenen Anstands leider darauf verzichten, weiter aus South Park zu zitieren, aber ich denke, es ist klar, worum es geht.

Natürlich lässt sich relativ leicht entscheiden, ob man sich nun speziell wie Paris Hilton kleiden sollte, aber mit Hinblick auf die Mode an und für sich ist es, nach den Argumenten zu urteilen, die manche Leute mit der Unnachgiebigkeit russischer Olympioniken vortragen, doch komplizierter. Ist Mode eine einzige hässliche, anachronistische und frauenfeindliche Verschwörung, dazu erdacht, dass Frauen sich unzulänglich fühlen, oder verhilft sie einem dazu, sich auf angenehme und sehr zufriedenstellende Weise selbst auszudrücken?

Wenn man danach geht, wie Mode in den Medien behandelt wird, sieht es freilich nicht so gut aus. Eine der gängigen Herangehensweisen der kostspieligeren Blätter ist es, beeindruckend ungerührt zu verkünden, diese 1500 Euro teure Handtasche sei ein Must-have und die einzig zulässige Art von Hose in dieser Saison die Jodhpur mit tiefem Schritt. Am anderen Ende der Skala machen die Empfehlungen der Modemagazine das Anziehen zu einer Art logischem Puzzlespiel: Ein langer Oberkörper mit zwei kurzen Armen ergibt ein Oberteil mit V-Ausschnitt und schräg geschnittenem Rock, und wer diese Regeln nicht beherzigt, muss sein Leben einsam und schlecht gekleidet in modischer Abgeschiedenheit fristen. Für diejenigen unter uns, die morgens kaum die Kaffeemaschine bedienen können, lässt der Gedanke, wir müssten erst noch diese bekleidungsmathematische Gleichung lösen, den dringlichen Wunsch aufkommen, uns den Warenhaus-Gutschein, den wir Weihnachten bekommen haben, in bar auszahlen zu lassen und uns in einem Kartoffelsack zu verkriechen.

Doch wenn man sich ansieht, wie die Frauen dieses Landes mit Mode umgehen, sieht die Sache schon anders aus. Weitestgehend dank des rasanten Aufstiegs der Modeketten (unter denen sich die Firma Topshop besonders auszeichnet), aber auch wegen der Scharen an jungen Designern, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Erscheinung getreten sind - insbesondere Marc Jacobs, Miuccia Prada, Comme des Garçons, Rei Kawakubo, Stella McCartney, die ehemalige Designerin bei Chloé: Phoebe Philo, Nicolas Ghesquière und Luella Bartley -, ist Mode mehr denn je etwas für die Frauen selbst und nicht für die Männer, die sie anschauen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Mehrheit der oben aufgezählten Designer Frauen sind, ebenso wie die Person, auf die die Verjüngungskur bei Topshop zurückgeht: Jane Shepherdson.

Zum Einfluss der Modeindustrie auf die Mode selbst lässt sich sagen, dass es nie zuvor so einfach und so preisgünstig war, gute Kleidung zu bekommen, und nie zuvor so viele Frauen in der Lage waren, sie von ihrem eigenen Geld zu kaufen. Die Klamotten aus den Fußgängerzonen unserer Tage haben nur noch wenig mit den kratzigen Bandeau-Tops, schlabberigen Jeans und ähnlich armseligen textilen Ausreden für Kleidungsstücke gemein, die man in den Achtzigern in diesen Läden verkaufte, ohne rot zu werden. Stattdessen kann eine Frau nun einen tadellos geschäftsmäßigen Hosenanzug fürs Büro ebenso bei Zara kaufen wie ein bezauberndes Tunikakleid zum Wohlfühlen. Gehen Sie an einem Samstag zu H&M (was ich normalerweise nicht empfehlen würde - schonen Sie Ihre Gesundheit, und gehen Sie lieber an einem freien Tag unter der Woche hin), und Sie werden kichernde Grüppchen von Teenagern ebenso antreffen wie Freundinnen reiferen Alters, die schweigsam in konzentrierter Beflissenheit das Angebot hübscher Blusen und überaus dezenter Kleider durchsehen, sich im Spiegel bewundern und ihr eigenes Geld für Dinge ausgeben, an denen sie Spaß haben. Manch einer mag darin die albtraumhafte Ausgeburt der materialistischen Hölle sehen, aber sofern ich nicht eine entscheidende Stunde im Leistungskurs Geschichte verpasst habe, ist die westliche Welt nicht unter kommunistische Herrschaft geraten, und es ist einer Frau durchaus möglich, sich ganz zum eigenen Vergnügen etwas zu kaufen, das sie am nächsten Morgen beim Blick in den Kleiderschrank beschwingt lächeln lässt.

Das übliche Gegenargument lautet, dass der einzige Grund für dieses erfreute Lächeln darin zu finden sei, dass die Modemagazine die Frauen einer Gehirnwäsche unterzogen haben und sie deshalb glauben, sie bräuchten dieses Kleid und jene Clutch für ihr persönliches Glück, und dass diese Zufriedenheit daher künstlich, vergänglich und anerzogen sei. Dies ist eine interessante Debatte, und es würde sich beinahe lohnen, auf dieses Argument einzugehen, wenn es nicht so häufig mit der Auffassung einherginge, dass Frauen kindische Dummerchen seien, die vor der großen furchterregenden Vogue beschützt werden müssten, die wie ein feiger Strauchdieb die lebenslangen Ersparnisse vertrottelter, gutgläubiger Frauen im ganzen Land stiehlt.

Was eine Frau ausmacht, ist weit mehr als das, was sie trägt oder wie sie aussieht - ganz klar. Aber ich sehe nicht ein, dass ein scharfer Verstand und ein starkes Selbstbewusstsein nicht damit vereinbar sein sollen, auf sein Erscheinungsbild zu achten und Gefallen daran zu finden. Letzteres braucht sicher mehr Ermutigung. Abgesehen davon, dass ein kleines bisschen Narzissmus in der menschlichen Natur liegt, muss man sich doch andererseits auch fragen, wie es dazu kommen konnte, dass eine ganze Generation junger Frauen sich weigert, sich als Feministinnen zu bezeichnen, weil sie "Feminismus" mit extremer Körperbehaarung statt mit Gleichberechtigung verbinden.

Das Gegenstück zum Anti-Mode-Argument, die Mode mache die Frauen zu glücklich, lautet, sie mache die Frauen zu unglücklich.

Mode sollte dazu dienen, dass die Menschen sich in ihrer Haut wohlfühlen: sich selbstbewusst, attraktiv und einzigartig fühlen. Aber irgendwo unterwegs sind ein paar lästige parasitäre Begleiterscheinungen hinzugekommen, namentlich die Körperbesessenheit. Es ist eine verdammte Schande, dass Mode, die ausdrücklich dazu da ist, den Frauen mehr Selbstbewusstsein zu schenken, zu etwas geworden ist, in dem viele Leute genau das Gegenteil sehen. Ganz ohne Frage muss die Branche ihre Vorstellung vom körperlichen Ideal erweitern, oder genauer, ihre diesbezügliche Besessenheit aufgeben. Aber angesichts der Tatsache, dass das die nächsten - hmm, na, sagen wir mal - zehn Jahre etwa nicht der Fall sein wird, müssen die Frauen selbst die Entscheidung treffen: Entweder lassen sie zu, dass ein paar aufgetakelte Designer und faschistische Redakteurinnen ruinieren, was eigentlich ein schöner Zeitvertreib sein könnte. Oder sie schicken sie zum Teufel und verklickern ihnen, sie sollen sich lieber um die wichtigen Dinge im Leben kümmern, also zum Beispiel darum, ob ein Ballon-Minirock sie nach einer grandiosen Hommage an die Achtziger aussehen lässt oder doch eher so, als trügen sie ein aufblasbares Scherzkissen.

Ich bin ohnehin nicht recht davon überzeugt, dass Frauen sich so unterdrückt fühlen, wie die mäkeligen Medien uns weismachen wollen. Denken Sie an ein paar der erfolgreichsten Trends der letzten paar Jahre: Tunika-Kleider, Ballerinas, Leggings, Shorts, Empire-Taille bei Kleidern und Tops, klobige Keilabsätze, Stiefel über den Jeans, Handtaschen, die so riesig und ausstaffiert sind, dass die NASA sie auch prima als Basiscamp auf dem Mars benutzen könnte. Es sind Kleidungsstücke, die man gerne trägt, die aber garantiert niemanden dünner oder größer aussehen lassen, und das scheint den Frauen, den unzähligen Damen nach geurteilt, die sich neuerdings in hautenge Hosen pressen, gar nichts auszumachen. Wo die Mode in der Vergangenheit immer noch auf ermüdende Art anderweitige Zwecke verfolgte - die Schulterpolster der Achtziger, die einen am Arbeitsplatz männlicher aussehen lassen sollten; Wespentaillen in den Fünfzigern, die ein Bild von Weiblichkeit erzeugen sollten, das Barbie in seiner Realitätsferne deutlich Konkurrenz machte -, tragen Frauen heute (mit ein paar Ausnahmen a la Elizabeth Hurley und ihrer Vorliebe für enge Klamotten) mehr denn je einen Stil, der in diesem Buch mit der Beschreibung "Mode, die Jungs nicht kapieren, aber Mädchen schon" recht genau umrissen wird. Manchmal ist das ästhetisch zu ihrem Vorteil (ich weigere mich zu glauben, eine Frau, die sich in einem Tunika-Kleidchen fröhlich auf der Tanzfläche dreht, sei weniger attraktiv als eine Frau, die sich mühsam in etwas hineingequetscht hat, in dem sie bestenfalls noch die Bewegungsfreiheit hat, einen jammervollen Klagelaut auszustoßen), manchmal nicht (Shorts mit Strumpfhosen lassen eine Frau leider wirklich danach aussehen, als gäbe sie eine mittelmäßige Darstellung eines transsexuellen Hamlet - unter Garantie). In jedem Fall ist es eine wundervolle Entgegnung auf das andere bevormundende Argument, dass Frauen nicht in der Lage seien, die Fantasien der Modewelt von der Realität ihres eigenen Lebens zu unterscheiden.

Schließlich geht es, trotz des unergründlichen Befehlstons, der die Mode beherrscht - Rot? Gut! Blau? Schlecht! -, um eine absolut persönliche Angelegenheit. Diese Art von Rechthaberei ist vermutlich einer der Gründe, warum einige Frauen die Mode immer noch als einschüchternd und abschreckend empfinden. Beachten Sie die Nörgler nicht weiter, und haben Sie Vertrauen in Ihren eigenen Geschmack: Ob Ihnen etwas gefällt ist alles, worauf es ankommt. Sollte irgendjemand daran noch Zweifel hegen, wird dieses Buch selbstlos und unerschrocken den Beleg für die Gültigkeit dieses Grundsatzes erbringen. Dies ist natürlich keinesfalls ein erschöpfender Wegweiser durch die Modewelt. Er gründet sich vollkommen auf persönliche Vorlieben und Abneigungen, statt im Detail zu beschreiben, welches Accessoire bei welcher Gelegenheit getragen werden sollte. Gut, manchmal ist diese Art von Tipps hilfreich. Aber nach einer Weile, so scheint mir, untergraben sie bloß das bisschen Selbstvertrauen, das manche Frauen bereits für ihr Stilgefühl entwickelt hatten.

Es gibt eine Fülle von Büchern, die lang und breit die biografischen Details jedes einzelnen Designers liefern, der jemals hinter einer Singer-Nähmaschine gesessen hat. Stattdessen beschränkt sich dieses Buch darauf, in jedem Kapitel jeweils über einen Designer oder ein Label zu sprechen, die aus verschiedenen Gründen am besten ihre Stadt repräsentieren: Marc Jacobs für New York, Topshop für London, Prada für Mailand und Karl Lagerfeld für Chanel in Paris. Es wird Leute geben, die mit dieser Auswahl nicht einverstanden sind, andere, die nicht einmal mit der Auswahl der Modestädte einverstanden sind - was ist mit Bombay, Shanghai, Berlin und Madrid, die durchaus mithalten können? Aber es werden schließlich auch nicht alle mit den Auffassungen dieses Buches übereinstimmen, dass Pelze falsch und Keilabsätze richtig sind und dass jeder, der älter ist als fünf und irgendetwas von Gap Kids trägt, höchst suspekt ist. Deutlicher kann man schließlich nicht zeigen, wie passé man ist.

Absätze - die hohen, die niedrigen und wann dick besser ist als dünn enn man das Thema der Absatzhöhe mal außer Acht C'^'V/lässt, ist die Absatzweite jüngstens zu einer ziemlich großen Sache geworden, wörtlich und, hm, inhaltlich. Kurz gesagt - und genießen Sie den Satz, der nun kommt, ausgiebig, denn Sie werden ihn in Sachen Mode wohl in keinem anderen Zusammenhang zu hören bekommen -, dick ist plötzlich besser als dünn.

Das scheint zunächst einmal keinerlei Sinn zu ergeben. Die ganze Theorie hinter Absätzen - tatsächlich die einzige wirkliche Entschuldigung für sie - ist die, dass Männer sie angeblich sexy finden. Dies ist nun nicht der Zeitpunkt, allzu sehr in die Tiefe zu gehen, warum Männer eine mühsam voranstolpernde Frau mit einem übermäßig ausgeprägten, an Barbie erinnernden Spann attraktiv finden sollten (vielleicht ist die Frage damit auch schon beantwortet). Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass dem so ist, müssen wir aber auch akzeptieren, dass ein dünner, feiner Absatz definitiv sexier ist als ein plumper, grober Klotz.Ein nadeldünner Stift bewahrt die Illusion, die Frau sei ein federleichtes, elfenhaftes Wesen, das gleichsam durch die Luft schwebt und nur von Zahnstochern unter seinen Füßen getragen wird, weil sie so leicht ist - eine zarte Blume, die niemals schwitzt, rülpst oder blutet.

Ach, es geht doch nichts über ein Zitat prominenter Zeitgenossen - all jenen lieb und teuer, die sich zu Themen äußern, bei denen es mehr auf die persönliche Meinung als auf wissenschaftlich objektive Fakten ankommt. Leiten wir also dieses Buch ganz im Sinne dieser vorzüglichen Tradition mit solch einem handlichen Aufhänger ein. Wie schon Coco Chanel einmal so schön sagte (ja, ich weiß, das haben Sie jetzt kommen sehen): "Mode ist dazu da, unmodern zu werden." Das ist nicht nur eine gefällige Weisheit, die es den Designern ermöglicht, alle Welt davon zu überzeugen, dass das, wovon sie vor sechs Monaten versprachen, es sei so fantastisch, dass es das ganze Leben verändern würde, nun einfach scheußlich ist und durch etwas noch Fantastischeres aus ihrer jüngsten Kollektion ersetzt werden muss, und zwar dalli. Es ist ebenso eine unheilkündende Mahnung an alle, die es wagen, ein Buch über Mode zu schreiben. Nimm dich in Acht, tapfere kleine Stil-Expertin, magst du auch noch so geistreich in dein superflaches McBook Air ticker-tackern und dazu Stellung nehmen, welches der standesgemäße Nagellack ist und warum Pilotenbrillen einfach ein zeitloser Klassiker sind - diese Worte werden dich in spätestens sechs Monaten einholen, lass es dir gesagt sein.

Im Gegensatz zu den klugerweise kurzfristig erscheinenden Zeitschriften, die ihre aufklärerischen Statements über "gut" und "schlecht" im sicheren Wissen darüber abgeben können, dass sie, ehe auch nur irgendjemand daran dächte, sie zur Rechenschaft zu ziehen, innerhalb eines Monats ohnehin zum Müllcontainer getragen werden, sind Modebücher lästigerweise so langlebig, dass sie auch nach ein paar Jahren noch im Umlauf sind. Daher bekommt der Ton unanfechtbarer Aufrichtigkeit, mit dem die Verfasser darin unbekümmert erklären, dass Grün gut und Gelb schlecht ist, etwas weit weniger beeindruckend Gebieterisches, wenn - oh Graus! - Gelb gemäß Balenciaga und Prada inzwischen die neue Farbe der Saison ist.

Da dieses Buch erstmals im Winter 2008 auf Englisch erschienen ist, hat es in der Zwischenzeit selbstverständlich ein paar Veränderungen in der sonnenbeschienenen Landschaft der Modewelt gegeben. Darunter dürfte die größte die jüngste Wirtschaftskrise sein, die bestimmt Einfluss auf das Kaufverhalten der Leute hatte, auch wenn sich niemand ganz sicher ist, ob die Kunden deshalb verstärkt superbillige Sachen gekauft haben oder lieber teure Kleidung - als Investition gewissermaßen, um diesen gern verwendeten Ausdruck zu gebrauchen. Manch einer mag der Meinung sein, erst die Tatsache, dass die Leute gar kein Geld mehr ausgeben, sei ein sicheres Zeichen für eine allgemeine wirtschaftliche Verunsicherung; wer jedoch das Pech hatte, sich an einem Samstagnachmittag in der Innenstadt aufzuhalten, kann bezeugen, dass das bislang nicht der Fall ist.

Und wo wir schon beim Thema Einkaufsstraßen sind - eine weitere Entwicklung in letzter Zeit sind die scheinbar wöchentlich erscheinenden Enthüllungen darüber, welche Modemarken und -ketten von der Ausbeutung indischer und chinesischer Kinder abhängig sind, die ihre Waren herstellen. Begleitet werden diese Berichte von den unabdingbar entsetzt nach Luft schnappenden Konsumenten. Ich bitte Sie! Weiterhin Kleidungsstücke zu kaufen, die so viel kosten wie ein Päckchen Kaugummi, und dann schockiert zu sein, dass sie nicht von den Webstühlen wohlgemuter Modeschöpfer stammen, die ihre Waren von Hand nähen, derweil sie in ihren Pariser Ateliers auf seidenen Decken lagern, scheint doch schon etwas mehr als ein bisschen naiv zu sein. Irgendjemand muss dafür bezahlen. Und da es nicht die Käufer sind und höchstwahrscheinlich nicht die Händler (die meisten Läden zeigen eine gewisse Abneigung dagegen, ihre Kleider billiger zu verkaufen, als sie sie eingekauft haben - sie sind da ein wenig eigenwillig), ist es eventuell jemand anderes. Irgendein Zehnjähriger vielleicht. Das ist so ähnlich wie mit diesen Diäten, die einem versprechen, man könne doppelt dick mit Käse über- backene Pizza und Trüffeltorte verspeisen und dabei trotzdem abnehmen. So ist das Leben aber nicht.

Es geht hier nicht darum, dass Sie nur noch Designer-Kleidung kaufen sollen, die wirklich von seidengelagerten Couturiers stammt. Aber so wie die sinnvollste Art der Ernährung darin besteht, normale Portionen von halbwegs anständigem Essen zu sich zu nehmen - weder Sterneküche noch schmierigen, minderwertigen Kram aus Massentierhaltung -, und das in vertretbaren Zeitabständen, so besteht die beste Art des Shoppings im gelegentlichen Kauf einiger hochwertiger Kleidungsstücke. Vielleicht nicht unbedingt Versace, aber doch etwas, das mehr kostet als eine Tüte M & Ms.

Aber was ist dann mit den Modetrends, wollen Sie wissen?

Ja, gut, auch hier hat es ein paar Neuerungen gegeben. Ballerinas wurden von Loafers abgelöst, weil halt ein blondes Model sie trägt und, na ja, ein paar TV-Moderatorinnen. Genug davon. Schmale Absätze kommen auf alle Fälle wieder, und doch, ja, rot ist im Augenblick ganz unglaublich "in". (Wahrscheinlich, weil es die aktuelle Wirtschaftslage widerspiegelt. Vielleicht auch nicht.) Was die neuen Trends angeht, ist mit Romantischem ebenso zu rechnen wie mit puristisch geometrischen Schnitten, und lange Beine sind von Vorteil, da der Minirock ein Must ist, zu dem man neben Schaft-Sandalen auch gern Clogs trägt.

Aber eigentlich gründet sich dieses Buch vor allem auf persönliche Ansichten - und zwar als Gegenpol zu den Aussichten auf neue Trends, und egal wie oft einem auch die Bilder von Agyness Deyn in ihren Loafers begegnen mögen, muss man uns doch erst noch davon überzeugen, dass sie etwas anderes sind als das Schuhwerk von Sloanes (der Schickeria aus Londons noblem Stadtteil Chelsea) und Erdkundelehrern mittleren Alters. Auch wenn der Modebranche regelmäßig vorgeworfen wird, dass sie die ansonsten hohlen Köpfe mancher Leute mit müßigen Meinungen füllt, fand ich persönlich immer, dass sie mich in den Ansichten, die ich bereits hatte, nur bestätigt hat. Es gibt doch nichts Schöneres, als sich angesichts endloser Fotostrecken von der Freundin irgendeines Popstars in klobigen flachen Schuhen, von denen Tratschund Modemagazine im ganzen Land zum Überdruss behaupten, sie seien der Inbegriff des edgy style, den etwas selbstgefälligen Fehltritt mit zierlichen Ballerinas zu erlauben.

Es wird mittlerweile so viel Geschrei um "Hot or not" gemacht; es gibt kaum ein People-, Film-, Musikmagazin oder entsprechendes Fernsehformat, das nicht sein Scherflein zu dieser eifrigen Debatte beitrüge - ganz zu schweigen vom kontinuierlich anwachsenden Markt der Modemagazine. Offen gesagt würde wohl nur eine Person, die 973 Kleidungsstücke auf einmal trüge, allem gerecht, was nach offizieller Meinung gerade "in" ist, und das ließe sie wohl eher obdachlos als modebewusst aussehen. Ab einem gewissen Punkt ist das Überangebot an Meinungen und Modetipps so gewaltig, dass es einen zu der Einsicht bringt, dass man sich letztlich nur auf die eigene Meinung verlassen kann.

Dieses Buch war niemals als Ratgeber für etwas derart Persönliches gedacht. Es soll nur eine Orientierung bieten, was es zu bedeuten hat, wenn jemand einen Mantel mit großen Tupfen trägt, warum Fäustlinge an Personen, die vor 1999 geboren wurden, wirklich unpassend sind, und warum zum Teufel Leute, die "Vintage" kaufen, so verdammt eingebildet sind. Diese grundlegenden, unbestreitbaren und für sich selbst stehenden Wahrheiten bleiben selbstverständlich für alle Zeiten so unwiderlegbar wie heute, was dieses Buch für die Launen der Mode so unanfechtbar macht wie ein Wikingerschiff, das standhaft und unerschütterlich der tosenden Brandung trotzt. Insofern ist es eigentlich unnötig zu erwähnen, dass Loafers nun wirklich ganz und gar nicht gehen. Das sieht man doch.

Einführung In einer typischen, wenn auch besonders weitsichtigen Folge der Serie South Park,, die 2004 zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, taucht Paris Hilton in der Zeichentrickwelt des namengebenden Bergstädtchens in Colorado auf; sie will dort ein Geschäft eröffnen, um bei den naturverbundenen achtjährigen Mädchen ihren unverwechselbaren Look zu vermarkten. Dies wirft ungeachtet der ästhetischen oder sonstigen Verdienste dieses Konzepts einige interessante Fragen auf: Verleiht es - wie eine der Figuren behauptet - Mädchen und Frauen größeres Selbstbewusstsein, wenn sie darin bestärkt werden, sich in einem bestimmten Stil zu kleiden, oder macht es sie, wie eine andere Figur entschieden meint, zu verzogenen und verblödeten Schlampen? Hier müssen wir aus Gründen des gebotenen Anstands leider darauf verzichten, weiter aus South Park zu zitieren, aber ich denke, es ist klar, worum es geht.

Natürlich lässt sich relativ leicht entscheiden, ob man sich nun speziell wie Paris Hilton kleiden sollte, aber mit Hinblick auf die Mode an und für sich ist es, nach den Argumenten zu urteilen, die manche Leute mit der Unnachgiebigkeit russischer Olympioniken vortragen, doch komplizierter. Ist Mode eine einzige hässliche, anachronistische und frauenfeindliche Verschwörung, dazu erdacht, dass Frauen sich unzulänglich fühlen, oder verhilft sie einem dazu, sich auf angenehme und sehr zufriedenstellende Weise selbst auszudrücken?

Wenn man danach geht, wie Mode in den Medien behandelt wird, sieht es freilich nicht so gut aus. Eine der gängigen Herangehensweisen der kostspieligeren Blätter ist es, beeindruckend ungerührt zu verkünden, diese 1500 Euro teure Handtasche sei ein Must-have und die einzig zulässige Art von Hose in dieser Saison die Jodhpur mit tiefem Schritt. Am anderen Ende der Skala machen die Empfehlungen der Modemagazine das Anziehen zu einer Art logischem Puzzlespiel: Ein langer Oberkörper mit zwei kurzen Armen ergibt ein Oberteil mit V-Ausschnitt und schräg geschnittenem Rock, und wer diese Regeln nicht beherzigt, muss sein Leben einsam und schlecht gekleidet in modischer Abgeschiedenheit fristen. Für diejenigen unter uns, die morgens kaum die Kaffeemaschine bedienen können, lässt der Gedanke, wir müssten erst noch diese bekleidungsmathematische Gleichung lösen, den dringlichen Wunsch aufkommen, uns den Warenhaus-Gutschein, den wir Weihnachten bekommen haben, in bar auszahlen zu lassen und uns in einem Kartoffelsack zu verkriechen.

Doch wenn man sich ansieht, wie die Frauen dieses Landes mit Mode umgehen, sieht die Sache schon anders aus. Weitestgehend dank des rasanten Aufstiegs der Modeketten (unter denen sich die Firma Topshop besonders auszeichnet), aber auch wegen der Scharen an jungen Designern, die in den vergangenen zwei Jahrzehnten in Erscheinung getreten sind - insbesondere Marc Jacobs, Miuccia Prada, Comme des Garçons, Rei Kawakubo, Stella McCartney, die ehemalige Designerin bei Chloé: Phoebe Philo, Nicolas Ghesquière und Luella Bartley -, ist Mode mehr denn je etwas für die Frauen selbst und nicht für die Männer, die sie anschauen. Es ist sicher kein Zufall, dass die Mehrheit der oben aufgezählten Designer Frauen sind, ebenso wie die Person, auf die die Verjüngungskur bei Topshop zurückgeht: Jane Shepherdson.

Zum Einfluss der Modeindustrie auf die Mode selbst lässt sich sagen, dass es nie zuvor so einfach und so preisgünstig war, gute Kleidung zu bekommen, und nie zuvor so viele Frauen in der Lage waren, sie von ihrem eigenen Geld zu kaufen. Die Klamotten aus den Fußgängerzonen unserer Tage haben nur noch wenig mit den kratzigen Bandeau-Tops, schlabberigen Jeans und ähnlich armseligen textilen Ausreden für Kleidungsstücke gemein, die man in den Achtzigern in diesen Läden verkaufte, ohne rot zu werden. Stattdessen kann eine Frau nun einen tadellos geschäftsmäßigen Hosenanzug fürs Büro ebenso bei Zara kaufen wie ein bezauberndes Tunikakleid zum Wohlfühlen. Gehen Sie an einem Samstag zu H&M (was ich normalerweise nicht empfehlen würde - schonen Sie Ihre Gesundheit, und gehen Sie lieber an einem freien Tag unter der Woche hin), und Sie werden kichernde Grüppchen von Teenagern ebenso antreffen wie Freundinnen reiferen Alters, die schweigsam in konzentrierter Beflissenheit das Angebot hübscher Blusen und überaus dezenter Kleider durchsehen, sich im Spiegel bewundern und ihr eigenes Geld für Dinge ausgeben, an denen sie Spaß haben. Manch einer mag darin die albtraumhafte Ausgeburt der materialistischen Hölle sehen, aber sofern ich nicht eine entscheidende Stunde im Leistungskurs Geschichte verpasst habe, ist die westliche Welt nicht unter kommunistische Herrschaft geraten, und es ist einer Frau durchaus möglich, sich ganz zum eigenen Vergnügen etwas zu kaufen, das sie am nächsten Morgen beim Blick in den Kleiderschrank beschwingt lächeln lässt.

Das übliche Gegenargument lautet, dass der einzige Grund für dieses erfreute Lächeln darin zu finden sei, dass die Modemagazine die Frauen einer Gehirnwäsche unterzogen haben und sie deshalb glauben, sie bräuchten dieses Kleid und jene Clutch für ihr persönliches Glück, und dass diese Zufriedenheit daher künstlich, vergänglich und anerzogen sei. Dies ist eine interessante Debatte, und es würde sich beinahe lohnen, auf dieses Argument einzugehen, wenn es nicht so häufig mit der Auffassung einherginge, dass Frauen kindische Dummerchen seien, die vor der großen furchterregenden Vogue beschützt werden müssten, die wie ein feiger Strauchdieb die lebenslangen Ersparnisse vertrottelter, gutgläubiger Frauen im ganzen Land stiehlt.

Was eine Frau ausmacht, ist weit mehr als das, was sie trägt oder wie sie aussieht - ganz klar. Aber ich sehe nicht ein, dass ein scharfer Verstand und ein starkes Selbstbewusstsein nicht damit vereinbar sein sollen, auf sein Erscheinungsbild zu achten und Gefallen daran zu finden. Letzteres braucht sicher mehr Ermutigung. Abgesehen davon, dass ein kleines bisschen Narzissmus in der menschlichen Natur liegt, muss man sich doch andererseits auch fragen, wie es dazu kommen konnte, dass eine ganze Generation junger Frauen sich weigert, sich als Feministinnen zu bezeichnen, weil sie "Feminismus" mit extremer Körperbehaarung statt mit Gleichberechtigung verbinden.

Das Gegenstück zum Anti-Mode-Argument, die Mode mache die Frauen zu glücklich, lautet, sie mache die Frauen zu unglücklich.

Mode sollte dazu dienen, dass die Menschen sich in ihrer Haut wohlfühlen: sich selbstbewusst, attraktiv und einzigartig fühlen. Aber irgendwo unterwegs sind ein paar lästige parasitäre Begleiterscheinungen hinzugekommen, namentlich die Körperbesessenheit. Es ist eine verdammte Schande, dass Mode, die ausdrücklich dazu da ist, den Frauen mehr Selbstbewusstsein zu schenken, zu etwas geworden ist, in dem viele Leute genau das Gegenteil sehen. Ganz ohne Frage muss die Branche ihre Vorstellung vom körperlichen Ideal erweitern, oder genauer, ihre diesbezügliche Besessenheit aufgeben. Aber angesichts der Tatsache, dass das die nächsten - hmm, na, sagen wir mal - zehn Jahre etwa nicht der Fall sein wird, müssen die Frauen selbst die Entscheidung treffen: Entweder lassen sie zu, dass ein paar aufgetakelte Designer und faschistische Redakteurinnen ruinieren, was eigentlich ein schöner Zeitvertreib sein könnte. Oder sie schicken sie zum Teufel und verklickern ihnen, sie sollen sich lieber um die wichtigen Dinge im Leben kümmern, also zum Beispiel darum, ob ein Ballon-Minirock sie nach einer grandiosen Hommage an die Achtziger aussehen lässt oder doch eher so, als trügen sie ein aufblasbares Scherzkissen.

Ich bin ohnehin nicht recht davon überzeugt, dass Frauen sich so unterdrückt fühlen, wie die mäkeligen Medien uns weismachen wollen. Denken Sie an ein paar der erfolgreichsten Trends der letzten paar Jahre: Tunika-Kleider, Ballerinas, Leggings, Shorts, Empire-Taille bei Kleidern und Tops, klobige Keilabsätze, Stiefel über den Jeans, Handtaschen, die so riesig und ausstaffiert sind, dass die NASA sie auch prima als Basiscamp auf dem Mars benutzen könnte. Es sind Kleidungsstücke, die man gerne trägt, die aber garantiert niemanden dünner oder größer aussehen lassen, und das scheint den Frauen, den unzähligen Damen nach geurteilt, die sich neuerdings in hautenge Hosen pressen, gar nichts auszumachen. Wo die Mode in der Vergangenheit immer noch auf ermüdende Art anderweitige Zwecke verfolgte - die Schulterpolster der Achtziger, die einen am Arbeitsplatz männlicher aussehen lassen sollten; Wespentaillen in den Fünfzigern, die ein Bild von Weiblichkeit erzeugen sollten, das Barbie in seiner Realitätsferne deutlich Konkurrenz machte -, tragen Frauen heute (mit ein paar Ausnahmen a la Elizabeth Hurley und ihrer Vorliebe für enge Klamotten) mehr denn je einen Stil, der in diesem Buch mit der Beschreibung "Mode, die Jungs nicht kapieren, aber Mädchen schon" recht genau umrissen wird. Manchmal ist das ästhetisch zu ihrem Vorteil (ich weigere mich zu glauben, eine Frau, die sich in einem Tunika-Kleidchen fröhlich auf der Tanzfläche dreht, sei weniger attraktiv als eine Frau, die sich mühsam in etwas hineingequetscht hat, in dem sie bestenfalls noch die Bewegungsfreiheit hat, einen jammervollen Klagelaut auszustoßen), manchmal nicht (Shorts mit Strumpfhosen lassen eine Frau leider wirklich danach aussehen, als gäbe sie eine mittelmäßige Darstellung eines transsexuellen Hamlet - unter Garantie). In jedem Fall ist es eine wundervolle Entgegnung auf das andere bevormundende Argument, dass Frauen nicht in der Lage seien, die Fantasien der Modewelt von der Realität ihres eigenen Lebens zu unterscheiden.

Schließlich geht es, trotz des unergründlichen Befehlstons, der die Mode beherrscht - Rot? Gut! Blau? Schlecht! -, um eine absolut persönliche Angelegenheit. Diese Art von Rechthaberei ist vermutlich einer der Gründe, warum einige Frauen die Mode immer noch als einschüchternd und abschreckend empfinden. Beachten Sie die Nörgler nicht weiter, und haben Sie Vertrauen in Ihren eigenen Geschmack: Ob Ihnen etwas gefällt ist alles, worauf es ankommt. Sollte irgendjemand daran noch Zweifel hegen, wird dieses Buch selbstlos und unerschrocken den Beleg für die Gültigkeit dieses Grundsatzes erbringen. Dies ist natürlich keinesfalls ein erschöpfender Wegweiser durch die Modewelt. Er gründet sich vollkommen auf persönliche Vorlieben und Abneigungen, statt im Detail zu beschreiben, welches Accessoire bei welcher Gelegenheit getragen werden sollte. Gut, manchmal ist diese Art von Tipps hilfreich. Aber nach einer Weile, so scheint mir, untergraben sie bloß das bisschen Selbstvertrauen, das manche Frauen bereits für ihr Stilgefühl entwickelt hatten.

Es gibt eine Fülle von Büchern, die lang und breit die biografischen Details jedes einzelnen Designers liefern, der jemals hinter einer Singer-Nähmaschine gesessen hat. Stattdessen beschränkt sich dieses Buch darauf, in jedem Kapitel jeweils über einen Designer oder ein Label zu sprechen, die aus verschiedenen Gründen am besten ihre Stadt repräsentieren: Marc Jacobs für New York, Topshop für London, Prada für Mailand und Karl Lagerfeld für Chanel in Paris. Es wird Leute geben, die mit dieser Auswahl nicht einverstanden sind, andere, die nicht einmal mit der Auswahl der Modestädte einverstanden sind - was ist mit Bombay, Shanghai, Berlin und Madrid, die durchaus mithalten können? Aber es werden schließlich auch nicht alle mit den Auffassungen dieses Buches übereinstimmen, dass Pelze falsch und Keilabsätze richtig sind und dass jeder, der älter ist als fünf und irgendetwas von Gap Kids trägt, höchst suspekt ist. Deutlicher kann man schließlich nicht zeigen, wie passé man ist.

Absätze - die hohen, die niedrigen und wann dick besser ist als dünn enn man das Thema der Absatzhöhe mal außer Acht C'^'V/lässt, ist die Absatzweite jüngstens zu einer ziemlich großen Sache geworden, wörtlich und, hm, inhaltlich. Kurz gesagt - und genießen Sie den Satz, der nun kommt, ausgiebig, denn Sie werden ihn in Sachen Mode wohl in keinem anderen Zusammenhang zu hören bekommen -, dick ist plötzlich besser als dünn.

Das scheint zunächst einmal keinerlei Sinn zu ergeben. Die ganze Theorie hinter Absätzen - tatsächlich die einzige wirkliche Entschuldigung für sie - ist die, dass Männer sie angeblich sexy finden. Dies ist nun nicht der Zeitpunkt, allzu sehr in die Tiefe zu gehen, warum Männer eine mühsam voranstolpernde Frau mit einem übermäßig ausgeprägten, an Barbie erinnernden Spann attraktiv finden sollten (vielleicht ist die Frage damit auch schon beantwortet). Wenn wir jedoch davon ausgehen, dass dem so ist, müssen wir aber auch akzeptieren, dass ein dünner, feiner Absatz definitiv sexier ist als ein plumper, grober Klotz.Ein nadeldünner Stift bewahrt die Illusion, die Frau sei ein federleichtes, elfenhaftes Wesen, das gleichsam durch die Luft schwebt und nur von Zahnstochern unter seinen Füßen getragen wird, weil sie so leicht ist - eine zarte Blume, die niemals schwitzt, rülpst oder blutet.

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