Wann darf ich klatschen? - Hope, Daniel

Daniel Hope 

Wann darf ich klatschen?

Ein Wegweiser für Konzertgänger

Mit Wolfgang Knauer
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Wann darf ich klatschen?

Dieses Buch ermöglicht einen vergnüglichen und lehrreichen Blick hinter die Kulissen der Musikwelt mit den Augen eines Weltstars unter den Violinisten.
"Eine kurze, amüsante und treffende Einführung in den klassischen Konzertbetrieb."(Hamburger Abendblatt)
Aus dem Inhalt:
Wozu Konzerte?
Einladung ins Konzert
Schnellkurs in Musikgeschichte
An der Abendkasse
Der Countdown läuft
Das Orchester kommt
Der Dirigent tritt auf
Der Solist macht sich bereit
Mit und ohne Noten
Spiel, Satz und Sieg
Es darf geklatscht werden


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 253 S. m. 11 Zeichn. v. Christina Thrän. 190 mm
  • Seitenzahl: 253
  • rororo Taschenbücher Nr.62575
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 125mm x 19mm
  • Gewicht: 232g
  • ISBN-13: 9783499625756
  • ISBN-10: 349962575X
  • Best.Nr.: 29882291
Konzert und Geheimnis

Ein Geiger berät seine Hörer

Als Geiger spielt er zwar nicht in der allerersten Liga, in Sachen Marketing aber ist er ganz vorne dabei. Der südafrikanische Violinsolist Daniel Hope, der das seltene Glück hatte, dass seine Mutter Sekretärin von Yehudi Menuhin war, scheint neuerdings seine CD-Neuerscheinungen mit Buch-Veröffentlichungen zu kombinieren, wobei man nicht genau weiß, welches Medium dem anderen die Steigbügel halten soll.

In dem nun erschienenen Titel „Wann darf ich klatschen?”, der laut Untertitel ein Wegweiser für Konzertgänger sein soll, laut Einführung ein Schwellensenker für Nicht-Konzertgänger, fühlt man sich ein bisschen so, als wäre man versehentlich in eine Kaffeeklatsch-Runde ältlicher Tanten geraten, die durchweg davon überzeugt sind, dass ihr Leben das aufregendste war, das es zu leben gab, dass all ihre Erlebnisse rund um ihr kleines Städtchen die wesentlichsten Erfahrungen sind, die man als Mensch machen kann. Aber ganz so skurril und unfreiwillig schaurig wie im Leben wird es im Buch von Daniel Hope dann doch nicht. Es bleibt bei gefälligem Talk über alle möglichen Themen der klassischen Musik und des Konzertbetriebes, angereichert mit gut abgehangenen Musikerwitzen: „Wie komme ich zur Carnegie Hall? – Üben, mein Junge, fleißig üben!”

Manchmal enden die Anekdoten abrupt und ohne Pointe, wie zum Beispiel die Beschreibung des Concertgebouw-Saales in Amsterdam: „Vor kurzem gab ich dort ein Konzert mit der Tabla-Legende Zakir Hussain – und wie üblich unter indischen Musikern gingen wir die Treppen barfuß hinab.” Tolle Sache, aber was erklärt uns dies über den Saal und seine phänomenale Akustik, die mit keinem Wort erwähnt ist? Es geht in diesem knappen Kapitel mit noch knapperen Abhandlungen über eine kleine Auswahl der berühmtesten Konzertsäle wohl auch darum, dass der Autor vor Ort gewesen ist.

Dieser divenhafte Grundton der Selbstvergewisserung, der das ganze Buch wie ein leises, aber penetrantes Störgeräusch durchzieht, verhindert letztlich das Ziel, anderen von den Geheimnissen um das Entstehen eines Konzertes und das Funktionieren des globalen Betriebes informativ und unterhaltsam zu berichten. Die Themen sind auch oft zu allgemein und beinahe schon historisch: Wann darf ich klatschen? Muss ich einen Frack anziehen? Muss ich Experte sein? Oder auch: Was in der Zeitung steht. Das klingt beleidigt: Symptomatisch sei für Hope eine Begegnung mit einem ehemaligen Studienfreund gewesen, der jetzt Kritiken für eine große Zeitung schreibe. Nach einem Konzert habe er ihn gefragt, wie er es gefunden habe und was er darüber schreiben wolle, und statt einer Antwort habe der Studienfreund ihn gebeten, ihm zu helfen, weil er nicht wisse, was er schreiben solle.

„Solche ,Kritiker‘”, so Hope, „Studenten wie in diesem Fall und Azubis, die wenig von Musik verstehen und sich aus lauter Verzweiflung dann über irgendwelche Nebensächlichkeiten auslassen, werden am Ende zu einer Gefahr für die Musikwelt.” Aber welche Welt meint Hope? Die relativ hermetische Welt der Bühnenmusiker? Manche von ihnen sind wohl froh, dass einige Kritiker nichts von Musik verstehen und lieber über Garderobe und Bühnenbeleuchtung schreiben. Im Durchschnitt wird ja doch viel mehr zu Unrecht gelobt als verrissen, was gerade Daniel Hope ehrlicherweise anmerken müsste. HELMUT MAURÓ

Daniel Hope

Wann darf ich klatschen?

Rowohlt Verlag, Reinbek 2009.

253 Seiten, 19,90 Euro.

SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de

Der Geigenvirtuose Daniel Hope wurde 1974 in Durban/Südafrika geboren und ist in London aufgewachsen. Er nahm Unterricht u. a. bei Yehudi Menuhin. Von 2002 bis 2007 war er Mitglied des Beaux Arts Trios. Ausgezeichnet mit zahlreichen Preisen, darunter mehrfach mit dem Klassik-Echo.

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