Von den Anfängen in der Antike bis zum 20. Jahrhundert
Der Westen - seit dem Zeitalter der Entdeckungen ist er gleichsam
das welthistorische Maß aller Dinge. Er hat mit einer
unvergleichlichen Dynamik fremde Reiche erobert und ganze
Kontinente unterworfen, die Erde bis in ihre entlegensten Winkel
erschlossen, die modernen Naturwissenschaften und das Zeitalter der
Technik hervorgebracht, die Menschen- und Bürgerrechte, die
Herrschaft des Rechts und die Demokratie erfunden. Aber er hat auch
oft genug gegenüber den nichtwestlichen Teilen der Welt seine Werte
verraten, Freiheit gepredigt und Habgier gemeint und mit dem
Kapitalismus eine Ökonomisierung aller Lebensverhältnisse
entfesselt, die bis heute die Menschheit in Atem hält.
Mit seltener Meisterschaft verknüpft Heinrich August Winkler die
lebendige historische Erzählung mit einem klaren Blick für die
großen Entwicklungslinien der westlichen Welt. Sein Buch ist keine
ermüdende Aufzählung von Haupt- und Staatsaktionen, sondern eine
historische Selbstvergewisserung des Westens, seinerWerte und
Ideale. Für sie darf, ja muss der Westen auch im 21. Jahrhundert
werben. Glaubhaft kann er das aber nur tun, wenn er sich auch den
dunklen Seiten seiner Geschichte stellt.
Nicht weniger als ein "Meisterwerk der Geschichtsschreibung" ist Heinrich August Winklers weit gefasste Übersicht über die "politische Geschichte des Westens" in der Neuzeit nach Einschätzung des Rezensenten Wilhelm von Sternburg. Der Band ist in seinen Augen eine Fortführung und Erweiterung von Winklers vor neun Jahren veröffentlichter Geschichte der Deutschen und ihrem Weg nach Westen, diesmal geht es um die gesamte westliche Welt. Auch wenn er damit thematisch ein riesiges Feld beackert, bietet diese Form der Darstellung in Sternburgs Augen einen großen Vorteil. Diese Perspektive ermöglicht es dem Leser, die "Gesamtbewegung der Geschichte" zu erkennen. Winkler zeigt Vergangenes nach Meinung des Rezensenten "sehr realistisch als Chance und Untergang" und besitzt neben seinem historischen Sachverstand auch die Gabe des guten Erzählens.
Heinrich August Winkler, geb. 1938 in Königsberg, studierte Geschichte, Philosophie und öffentliches Recht in Tübingen, Münster und Heidelberg. Er habilitierte sich 1970 in Berlin an der Freien Universität und war zunächst dort, danach von 1972 bis 1991 Professor in Freiburg. Seit 1991 ist er Professor für Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin.
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