Unerkannt durch Freundesland

Unerkannt durch Freundesland

Illegale Reisen durch das Sowjetreich

Hrsg. v. Cornelia Klauß u. Frank Böttcher
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Unerkannt durch Freundesland

Reisen war in der DDR ein heikles Thema. Der Westen war sowieso tabu, aber auch Richtung Osten gab es vielerlei Einschränkungen. Nicht einmal in die Sowjetunion, den vielbeschworenen Retter und großen Bruder, durfte man ohne offizielle Erlaubnis und den Geleitschutz einer Reisegruppe besuchen. Doch gerade das Verbotene lockte. Unangepasste junge Leute unternahmen mit Hilfe eines Transitvisums, das nur für drei Tage galt, wochenlange riskante Expeditionen in ein Riesenreich, das elf Klimazonen umfasste und gigantische Landschaften versprach. Wer sich derart illegal und unerkannt durch Freundesland bewegte, konnte alle Absurditäten des sowjetischen Alltags und der Bürokratie kennenlernen, die kein normaler Tourist mitbekam. Zugleich kam die deutsch-sowjetische Freundschaft in den unvermutetsten Situationen zum Tragen. Fast alle Reisenden erlebten eine schier unglaubliche Gastfreundschaft.
Das illegale Reisen durch die Sowjetunion ist heute weder im Osten noch im Westen Deutschlandsbekannt. Wie viele solcher Fahrten unternommen wurden, ist statistisch nicht erfasst, aber die Zahl geht in die Tausende.
Das Buch berichtet von jenen, die im Land bleiben wollten und dennoch die Ferne suchten. Von denen, die die Propaganda von der Völkerfreundschaft beim Wort nahmen und auf eigene Faust kreuz und quer durch die riesige Sowjetunion reisten immer auf der Flucht vor dem KGB und der Miliz. In zahlreichen Zeitzeugen interviews, ergänzt durch essayistische Betrachtungen, werden wahrhaft verwegene Reisen rekonstruiert, die bis in die entlegensten Winkel dieser Welt führten. Dorthin, wo manchmal nicht einmal mehr der Sozialismus regierte, sondern nur noch die Gesetze der Natur und des Überlebens herrschten. Die Abenteurer fanden, wo sie die politischen und bürokratischen Grenzen zu überwinden vermochten, ihre innere Freiheit.


Produktinformation

  • Verlag: Lukas Verlag
  • 2011
  • 3., erw. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 500 S. m. zahlr. z. Tl. farb. Abb. im Text u. auf Taf.
  • Seitenzahl: 445
  • Deutsch
  • Abmessung: 241mm x 158mm x 35mm
  • Gewicht: 1090g
  • ISBN-13: 9783867320764
  • ISBN-10: 3867320764
  • Best.Nr.: 28310356

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Erstaunliches über ein bislang wenig bekanntes Kapitel der DDR-Geschichte erfährt der Rezensent Jochen Temsch in diesem Sammelband. Es geht darin nämlich, in Berichten, Interviews und anderen Textformen um die Individual-Reisen, die DDR-Bürger ins befreundete kommunistische Ausland unternahmen. Legal war das nicht, dank zwei Tage lang gültiger Durchreisevisa durch die Ukraine in Richtung Rumänien allerdings möglich. Manch einer nutzte das Visum und büchste aus zwecks staatlich unerwünschter (und keineswegs ungefährlicher) Horizonterweiterung im Ferneren Osten. Besonders spektakulär der Bericht von einer wochenlangen Radreise durch die Sowjetunion, Teilname an einem Triathlon inklusive. Aber auch über diese besonders spektakulären Fälle hinaus sei das ein überaus lesenswerter Band, urteilt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.03.2011

Hinter dem Horizont geht es weiter
Ein Sammelband mit Berichten über illegale Reisen von DDR-Bürgern durch die Sowjetunion dokumentiert den
Triumph derjenigen, die die Welt angeschaut haben, über eine engstirnige Weltanschauung Von Jochen Temsch
Die Wachtposten waren verwirrt. Im Sommer 1988 hielten zwei ostdeutsche Radfahrer am Grenzstreifen zwischen Polen und der UdSSR, präsentierten Transitvisa und gaben vor, über die Sowjetunion nach Rumänien reisen zu wollen. Die Grenzer sagten Njet. Mit Fahrrädern ging das ja wohl nicht, das hatte schließlich noch nie jemand gemacht. Aber direkt verboten war es auch nicht, und so kamen Mathias Jahnke und sein Freund am Ende durch. Aber statt in Richtung Rumänien radelten die Studenten nach Kiew, von dort nach Odessa am Schwarzen Meer und nach Varna in Bulgarien – 3000 Kilometer, auf Mifa-Rädern mit Dreigangschaltung und selbst eingezogenen, extradicken Speichen. Ersatzteile würde es unterwegs nicht geben, das war eins ihrer zwei großen Probleme. Das andere war: Sie hielten sich illegal im Land auf, weil sie die vorgeschriebene Transitroute verlassen hatten.
Gleich in der ersten Stadt nach der Grenze …

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