Patchworkfamilien in der Kinder- und Jugendliteratur der Gegenwart
Die Familie verändert sich nicht nur in der realen Welt, sondern
auch in der Literatur für Kinder- und Jugendliche. Sichtbar wird
dieser Prozess anhand zahlreicher Kinderromane, die dieses Thema
aufgreifen. Die Protagonisten und Protagonistinnen der neuesten
Kinder- und Jugendliteratur haben nicht nur Abenteuer zu bestehen,
sondern werden auch mit Konflikten und Problemen konfrontiert, die
sie lösen müssen. Diese Probleme stammen in dem hier dargestellten
Zusammenhang aus dem normalen Familienalltag: Sei es die Trennung
der Eltern, die von den Protagonisten emotional verarbeitet werden
muss oder die Auseinandersetzung mit neuen Elternteilen und
Geschwistern.
Entsprechend der Entstehungsphasen einer Patchworkfamilie gliedern
sich auch die einzelnen Kapitel des Buches - der ersten
wissenschaftlichen Anaylse zum Thema. So wird zunächst die
Auflösung der Kernfamilie behandelt, die zur Entstehung neuer
Familienkonstellationen führt. Daran anschließend wird die
Einelternfamilie in der Kinder- und Jugendliteratur vorgestellt,
die sich zu einer Stief- und später Patchworkfamilie erweitern
lässt. Als Sonderform der Patchworkfamilie wird außerdem noch die
Ersatz- bzw. die Adoptivfamilie in ausgewählten Beispieltexten
näher betrachtet.
Doch was macht Familie eigentlich aus? Warum verändert sich das
Gebilde Familie und was bedingt diesen Wandel? Diesen Fragen wird
als Basis für die Analyse und Interpretation der ausgewählten
Kinder- und Jugendromane unter Zuhilfenahme soziologischer
Forschungsergebnisse nachgegangen. Zudem werden die verschiedenen
Familienkonstellationen mit ihren spezifischen Merkmalen
vorgestellt und ein kurzer Abriss über die Entwicklung der Kinder-
und Jugendliteratur seit 1970 präsentiert, um die literarischen
Besonderheiten der neuesten Kinder- und Jugendliteratur einordnen
zu können.
"Die fundierte Darstellung ( ... ) sowie die Vielzahl und Vielfältigkeit der analysierten Literaturbeispiele empfehlen diese Studie allen, die sich sozialwissenschaftlich oder pädagogisch mit der Lebenssituation junger Menschen und deren Umfeld in den letzten vierzig Jahren auseinandersetzten." Franz Derdak, 1000 und 1 Buch. Das Magazin für Kinder- und Jugendliteratur, Nr.1, Februar 2011
Die fundierte Darstellung ( ) sowie die Vielzahl und Vielfältigkeit der analysierten Literaturbeispiele empfehlen diese Studie allen, die sich sozialwissenschaftlich oder pädagogisch mit der Lebenssituation junger Menschen und deren Umfeld in den letzten vierzig Jahren auseinandersetzten. Franz Derdak, 1000 und 1 Buch. Das Magazin für Kinder- und Jugendliteratur, Nr.1, Februar 2011
Britta Minges, geboren 1979 in Bamberg, studierte Germanistik mit dem Schwerpunkt Literaturvermittlung und Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und promovierte an der Leopold-Franzens-Universität in Innsbruck. Sie lebt und arbeitet sie in Stuttgart.
Inhaltsangabe
1. Einleitung und Fragestellung 2. Die Familie als Gegenstand der soziologischen Forschung 2.1. Die Familie als soziales System und gesellschaftliche Institution 2.2. Strukturwandel innerhalb der Familie 2.2.1. Lockerung der patriarchalischen Familienstruktur 2.2.2. Neue Rollenverteilung und Emanzipation des Kindes 2.3. Begriffsdefinition der neuen Familie 2.3.1. Einelternfamilie 2.3.2. Stief- und Patchworkfamilie 2.3.3. Nichteheliche Lebensgemeinschaften 3. Wandel der Kinder- und Jugendliteratur ab 1970 3.1. Entwicklung der Kinder- und Jugendliteratur 3.2. Veränderung der Familiendarstellung 4. Patchworkfamilien in der Kinder- und Jugendliteratur 4.1. Die Trennung der Eltern 4.1.1. Ulla Lundqvist: Chaos auf Probe 4.1.1.1. Eine Trennungsgeschichte 4.1.1.2. Bedeutung der Bezugspersonen 4.1.1.3. Fazit 4.1.2. Håkan Jaensson: Bolles toller Trick 4.1.2.1. Eine moderne Familie? 4.1.2.2. Hilfe zur Selbsthilfe oder Bolle greift ein 4.1.2.3. Fazit 52 4.1.3. Gisela Karau: Das kommt in den besten Familien vor 4.1.3.1. Konsequenzen der elterlichen Trennung 4.1.3.2. Prozess der Annäherung 4.1.3.3. Fazit 4.1.4. Christine Nöstlinger: Einen Vater hab ich auch 4.1.4.1. Getrennte vs. traditionelle/konservative Familie 4.1.4.2. Von der Mutter- zur Vaterfamilie 4.1.4.3. Fazit 4.1.5. Zusammenfassung 4.2. Einelternfamilien 4.2.1. Alleinerziehende Väter 4.2.1.1. Kirsten Boie: Verflixt ein Nix! 4.2.1.1.1. Vater und Sohn 4.2.1.1.2. Konsequenzen durch das Erscheinen der Fantasiefigur 4.2.1.1.3. Fazit 4.2.1.2. Antonia Michaelis: Hier bei uns in Ammerlo (Trilogie) 4.2.1.2.1. Luisa und Martin 4.2.1.2.2. Lukas und der Fischer 4.2.1.2.3. Fazit 4.2.1.3. Petter Lidbeck: Vinni macht Ferien 4.2.1.3.1. Sommervater 4.2.1.3.2. Aufarbeitung der Trennung 4.2.1.3.3. Fazit 4.2.1.4. Paul Maar: Herr Bello und das blaue Wunder 4.2.1.4.1. Vater-Sohn-Beziehung 4.2.1.4.2. Alltag und Veränderung der Einelternfamilie 4.2.1.4.3. Fazit 4.2.2. Alleinerziehende Mütter 4.2.2.1. Kirsten Boie: Nella Propella 4.2.2.1.1. Reaktionen auf die Eineltern- und Vergleich zur Kernfamilie 4.2.2.1.2. Mutter und Tochter 4.2.2.1.3. Fazit 4.2.2.2. Jaqueline Wilson: Charlies Doppelleben 4.2.2.2.1. Das familiäre Umfeld und Generationenkonflikt 4.2.2.2.2. Mutter-Tochter-Beziehung 4.2.2.2.3. Fazit 4.2.2.3. Sabine Neuffer: Das Papa-Projekt 4.2.2.3.1. Rollenverteilung und Zusammenleben 4.2.2.3.2. Einelternfamilie als Defizit