Ostersonntag - Köhler, Harriet

Harriet Köhler 

Ostersonntag

Roman

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Ostersonntag

Dies ist eine ordentliche Familie - hier spricht man nicht miteinander In ihrem beeindruckenden Debüt erzählt Harriet Köhler von vier Menschen, die ihre Familie am liebsten loswerden würden. Aber es bleiben die Wut, das Unverständnis, die Angst vor dem Altwerden und die Sehnsucht nach Anerkennung und Anteilnahme. Heiner war immer nur klug, früher einmal Professor für Insektenkunde. Jetzt sitzt er zu Hause vor dem Discovery Channel und versucht vergeblich zu verbergen, dass das Ende bereits angefangen hat. Er beobachtet erste Anzeichen einer Demenz an sich. Eine Katastrophe für jemanden, der sich hinter seiner Klugheit immer bestens verstecken konnte - vor dem Leben und den Ansprüchen, die eine Familie stellt. Ulla war immer nur schön. Sie war das, was man eine perfekte Professoren-Gattin nennt. Gekonnt richtete sie das Leben für sich und ihre Familie ein - mit Tipps aus »Feinschmecker« und »Elle Bistro«. Seit Heiner den ganzen Tag zu Hause ist, kostet sie das immer mehr Kraft - ihre gelegentlichen Affären sind da nur ein billiger Trost. Aber zu Ostern, wenn die Kinder nach Hause kommen, soll noch einmal alles perfekt sein. Linda hatte immer schon viel Talent. Sie ist erfolgreiche Kolumnistin. Von ihrer Familie will sie nicht viel wissen, sie war ihr immer schon peinlich. Auch ihrem kleinen Bruder Ferdinand geht sie lieber aus dem Weg. Ferdinand, der gerade wieder bei einer Frau rausfliegt oder ein Studium schmeißt, treibt durch Berlin - bis die Nacht ihn vor die Füße einer Ex-Freundin spült. Maria nimmt ihn mit, und als sie ihm am nächsten Morgen alte Post übergibt, ist da ein Brief von seiner Schwester Friederike. Friederike, die bei einem Unfall tödlich verunglückt ist.


Produktinformation

  • Abmessung: 211mm x 137mm x 24mm
  • Gewicht: 340g
  • ISBN-13: 9783462037647
  • ISBN-10: 3462037641
  • Best.Nr.: 22501252
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 11.03.2007

Gibt es denn keine Welt da draußen?
In der deutschen Literatur des Frühjahrs warten alle darauf, dass etwas passiert - und plötzlich liegt ein Ohr unter dem Tisch

Wenn man sich so hindurchliest durch die deutschen Bücher der Saison, kann einem schon etwas schummrig werden. Irgendwie so leer und nach innen gekreiselt, festgehakt in einer tiefen, schwarzen Schlucht. Und nach einiger Zeit, nach einigen Büchern fühlt man einen immer stärker werdenden Drang, hinauszusehen aus dem Fenster, um sich zu versichern, ob die Welt da draußen noch da ist, ob die Menschen noch da sind oder ob alles erstarrt ist in einem Zwischenreich der Melancholie, der Kälte und der Erstarrung. In einem Zwischenreich der Erwartung. In dem jederzeit alles passieren könnte. Aber eben jetzt noch nicht. Jetzt passiert eben leider noch gar nichts. Die deutsche Literatur Frühjahr 2007 wartet ab. Sie hofft. Und sie hat Angst. Die Zukunft kann alles bringen. Den Terror, die Befreiung, die Liebe, die Flucht. Im Moment ist Melancholie. Der Terror der Melancholie. Oder die Schönheit.

Fünf Jahre ist es her, dass der Journalist und Schriftsteller Kolja Mensing, 36, ein …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

"Jeder Satz ein Volltreffer" feiert Rezensent Martin Krumbholz dieses "glänzende Debüt" der dreißigjährigen Autorin. Das Wunderbare an Harriet Köhlers "messerscharfen Sentenzen" ist für den Rezensenten, "dass sie in keiner Weise angestrengt" wirken. Dabei klinge der Plot des Romans im "Kurzreferat" zunächst nach "einer Anhäufung altbekannter kleinfamilienkritischer Dekonstruktionsmotive": ein älteres Ehepaar, dass sich mit den erwachsenen Kindern auf das Osterfest vorbereitet, welches dann mit der Entlarvung der Familienidylle ein schlimmes Ende nimmt. Doch weil Köhler mit virtuosen Stilmitteln ihren Roman nicht nur multiperspektivisch auffächere, sondern mit Hilfe einer "brennend" intensiven Sprache ihren Protagonisten "gewissermaßen die Haut vom Leib" ziehe, glänzt die Geschichte als minutiöses Porträt heilloser Charaktere. Besonders fasziniert Krumbholz, dass Köhler ihren Roman in der zweiten Person Singular erzählt. Das hat für ihn die erstaunliche Wirkung, dass die erzählerische Anamnese dieses "so offensichtlich desolaten und himmelschreiend" wunden Personals "mit dem Auftragen einer Heilsalbe" durch ihre "begütigende Ansprache" vermittels der Erzählstimme im Grunde "in eins" fallen würden.

© Perlentaucher Medien GmbH

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Mit "Ostersonntag" legte Harriet Köhler Anfang des Jahres ein beeindruckendes Debüt vor - einen Roman, durchgängig in der zweiten Person Singular und abwechselnd aus der Sicht der vier verkorksten Mitglieder einer Familie geschrieben. Einen Roman, der die perfekte Vorlage für ein Hörbuch ist: Vier Sprecher lesen mit verteilten Rollen die vier Familienmitglieder, die direkte Ansprache springt den Zuhörer förmlich an, und ihm bleibt nichts anderes übrig, als sich mit mindestens einem der Protagonisten zu identifizieren. Da ist Heiner, der sich sein Leben lang durch seine Intelligenz definierte und der kurz nach der Pension erste Anzeichen von Demenz an sich bemerkt. Seine Frau Ulla kämpft derweil gegen den körperlichen Verfall - mit Diäten, Antifaltencremes, Pillen, Sport und Sex. Die Kinder Linda und Ferdinand haben sich und ihren Eltern nicht mehr viel zu sagen, leiden stattdessen einsam unter ihrer eigenen Unzulänglichkeit. Und irgendwo über dem Ganzen schwebt ein totgeschwiegenes Familiengeheimnis. Uli Krohm, Liane Rudolph, Katrin Fröhlich und David Nathan empfehlen sich allesamt als ausgezeichnete Sprecher und verleihen der fesselnden Geschichte Köhlers durch ihre Lesung zusätzliche Intensität. (jul)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.03.2007

Tu nicht so, als sähest du geschminkt besser aus!
Achtung, hohe Pointendichte! – Harriet Köhlers Romandebüt „Ostersonntag”
„Nur Mut, Baby, Kleine, komm schon, es tut nicht weh, zumindest nicht mehr als alles andere. Na los doch, tu es, aber erschrick nicht.” Kein Gesetz der Welt schreibt vor, dass Autoren ihre Figuren lieben müssen. Dennoch ist man verblüfft, wenn eine junge Autorin ihre Figuren derart rüde ins Rampenlicht ihres ersten Romans schiebt. Woran nehmen wir teil? An einer Entjungferungsszene von kühler Brutalität oder an der routinierten Anfeuerung eines pornographischen Foto-Shootings? Weder noch: Eine Frau steht allein vor dem Spiegel. Und der mit ihr spricht, ist niemand anderes als der Erzähler bzw. die Erzählinstanz, die in einer Mischung aus Animations- und Gouvernantenton von Anfang an präsenter ist als die Figuren. Eine Dringlichkeit wird aufgebaut, eine Dringlichkeit des Tons. Mit schriller, manchmal beeindruckender Präzision spießt Harriet Köhler alles auf, was ihr unter die Feder kommt. Auch die Figuren. Wie tote Schmetterlinge werden sie im Schaukasten dieses Familienromans ausgestellt: als Exemplare einer Gattung, aus der …

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"Das erstaunliche Debüt einer dreißigjährigen Autorin, deren Beobachtungsschärfe und sardonischer Witz den Leser in hohem Maß verblüffen." (Neue Zürcher Zeitung)

"Das erstaunliche Debüt einer dreißigjährigen Autorin, deren Beobachtungsschärfe und sardonischer Witz den Leser in hohem Maß verblüffen." Neue Zürcher Zeitung

"Harriet Köhler hat mit 'Ostersonntag' einen großartigen Debütroman vorgelegt, in dem die Figuren vom Leben alles wollen - nur nicht auf ihre Lebenslügen verzichten." ZDF

"Kraftvoll, grandios. Auf unprätentiöse Art ist Köhler mit diesem Debüt sehr nah an der überreizten Stimmung in Deutschland, heute: an dem Gefühl, sich mit den Wunschvorstellungen an das eigene Leben ständig selbst zu überfordern." KulturSpiegel

"Mit fulminanten Sprachgefühl, nicht ohne Witz und mit feinem Gespür für Zwischentöne. Ein beeindruckend genaues Bild menschlicher Befindlichkeiten. Von Harriet Köhler darf man noch einiges erwarten." Süddeutsche Zeitung

"Harriet Köhler entdeckt den Familienroman neu." Vanity Fair

"Köhler lässt ihre Leser nicht mehr aus den Klauen." Stadtrevue

"Köhlers Sprache ist einzigartig, von eindringlicher Melancholie und subtiler Psychologie. Ein beeindruckendes -Debüt." Freie Presse

"Was Harriet Köhler aus ihren Hauptfiguren heraushört, ist schon ungeheuerlich. Und sticht heraus aus einem Chor ungeheuerlicher Familie-ist-die-Hölle-Romane." Die Welt

"Es sind lebendige Bilder, die Harriet Köhler gestaltet hat. Szenen wie Bilder von Francis Bacon: drastisch, grotesk, stark und traurig und vor allem eines: leider wahr!" Saarländischer Rundfunk KulturRadio

"Am Literaturhimmel geht ein neuer Stern auf." Abendzeitung

"Harriet Köhlers Buch trifft einen Nerv." Sonntagszeitung

"Kraftvoll, grandios. Auf unprätentiöse Art ist Köhler mit diesem Debüt sehr nah an der überreizten Stimmung in Deutschland, heute: an dem Gefühl, sich mit den Wunschvorstellungen an das eigene Leben ständig selbst zu überfordern."
Harriet Köhler, geboren 1977 in München, hat Kunstgeschichte studiert und besuchte die Deutsche Journalistenschule. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

Leseprobe zu "Ostersonntag" von Harriet Köhler

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Kundenbewertungen zu "Ostersonntag" von "Harriet Köhler"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 1 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** schlecht)
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(1)
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Bewertung von Blacky (blacky-book@live.de) am 03.08.2012 ***** schlecht
Inhalt:
Heiner spürt, was er nicht wahrhaben will: Er wird alt. Seine Frau Ulla tut alles, um den schönen Schein zu wahren. Linda waren ihre Eltern schon immer peinlich, ihr Bruder Ferdinand verliert sich im nächtlichen Berlin. Vier Menschen, die aus ihrer eigenen Geschichte fliehen, die nichts teilen - außer, dass sie eine Familie sind.

Eine tieftraurige Geschichte bzw. ein tieftrauriger Einblick in ein paar Tage (ca 5) einer Familie.
Ich war doch sehr enttäuscht, dass sich selbst am Schluss nichts (aber auch gar nichts) verändert hatte. Es handelt sich um eine Momentaufnahme, die eine Familie "zeigt", die eigentlich gar keine ist. Diese "Familiensituation" finde ich zwar unerträglich, aber warum dieser Debütroman so toll sein soll habe ich nicht verstanden. Die ganze Geschichte ist einfach nur sinnlos. Ich kann dieses Werk auf gar keinen Fall weiter empfehlen und mir persönlich tut es leid überhaupt Geld dafür ausgegeben zu haben.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Audio CD

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