Mit freundlichen Küssen - Voosen, Jana

Mit freundlichen Küssen

Roman. Originalausgabe

Jana Voosen 

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Mit freundlichen Küssen

Keine Zeit, dem Liebsten einen Strauß Rosen zu schicken oder ein Gedicht zu schreiben? Oder ein Romantikwochenende in London zu planen? Die frisch verlassene und frisch gefeuerte Viviane hat die zünde Idee, eine Liebesdienst-Agentur aufzumachen und sich um das Beziehungsleben von gestressten Führungskräften zu kümmern. Vivis neue Firma liefert prompt und diskret. Doch als eine junge Frau Liebeserklärungen an Vivis Ex Simon schicken lassen will, kommen Vivi leise Zweifel an der Brillanz ihrer Idee ...


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 317 S.
  • Seitenzahl: 317
  • Heyne Bücher Nr.40571
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 118mm x 25mm
  • Gewicht: 265g
  • ISBN-13: 9783453405714
  • ISBN-10: 3453405714
  • Best.Nr.: 23330318
Jana Voosen, Jahrgang 1976, studierte Schauspiel in Hamburg und New York. Es folgten Engagements an Hamburger Theatern. Daneben war sie in TV-Produktionen wie "Tatort", "Stahlnetz" und "Im Tal der wilden Rosen" zu sehen. Jana Voosen lebt und arbeitet in Hamburg.

Leseprobe zu "Mit freundlichen Küssen" von Jana Voosen

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Kapitel 1

Montagmorgen, 5.35 Uhr:

Wie vom Donner gerührt stehe ich mitten im Flur unserer Hamburger Altbauwohnung, bekleidet nur mit meinem bunten Badehandtuch, mit bloßen Füßen und tropfnassen Haaren. Ich befinde mich Auge in Auge mit einem dicken, weißhaarigen Mann. Bitte nicht, schießt es mir durch den Kopf. Nicht schon wieder! Er trägt eine rote Mütze und einen weiten Mantel in derselben Farbe, das rundliche Gesicht fast völlig verdeckt von einem dichten, weißen Vollbart. Sein Blick ruht vorwurfsvoll auf mir, die ich halbnackt vor ihm stehe und voller schlechten Gewissens die Augen niederschlage. Mir läuft ein Schauer den Rücken herunter. Sicher, er kann mir nichts tun. Er ist bloß sechzig Zentimeter groß, zudem aus Pappe und mit einem Nagel an die Schlafzimmertür gepinnt. Dennoch hätte mir der Weihnachtsmann keinen größeren Schrecken einjagen können, wenn er leibhaftig vor mir stünde.

"Nun, Viviane, warst du etwa ein böses Mädchen", scheint er mich zu fragen, und meine Schultern wandern noch ein Stückchen höher, sodass mein Hals nahezu vollkommen zwischen ihnen verschwindet. Verlegen trete ich von einem Fuß auf den anderen und schiele dabei verstohlen auf die dicke Weidenrute in der Hand von Santa Claus.

"Warst du ein faules Mädchen?", forscht er weiter. Empört reiße ich meinen Blick von den Holzdielen zu meinen Füßen hoch und sehe dem Pappkameraden vor mir direkt in die Augen. Ein faules Mädchen? Ich? Man kann mir vieles nachsagen, ja, aber das lasse ich nicht auf mir sitzen. Ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal Urlaub gemacht habe. Seit über vier Jahren arbeite ich nicht weniger als sechzig Stunden die Woche. Ich habe es bis zur Managerin gebracht, seit ich bei "Wisenberg Consulting", einer der größten Unternehmensberatungen weltweit, angefangen habe. Feindselig schaue ich den Weihnachtsmann an, doch der sieht plötzlich gar nicht mehr so böse aus. Im Gegenteil. Sein linkes Auge sitzt etwas höher als das rechte, wodurch er ein bisschen schielt. Unter dem mächtigen weißen Schnauzer biegen sich seine roten Lippen zu einem herzlichen Lächeln nach oben. Ach so, jetzt war also plötzlich alles nicht mehr so gemeint, ja? Er zuckt die Schultern und schüttelt mit einem unschuldigen Augenaufschlag den Kopf, dass die vierundzwanzig roten, rosa und weißen Päckchen, die an seinem Körper herunterbaumeln, nur so klimpern.

"Ich habe doch gar nichts gesagt", meint er und lächelt mich unschuldig an, "ich hänge friedlich an deiner Schlafzimmertür, um dir eine fröhliche und beschauliche Adventszeit zu wünschen. Bald nun ist Weihnachtszeit, fröhliche Zeit...", trällert er hinter mir her, während ich ins Schlafzimmer stürme, den Kleiderschrank öffne und hektisch nach einem Outfit zu kramen beginne. Da hängt mein dunkelblauer Hosenanzug, frisch aus der Reinigung und noch in durchsichtiger Folie. Erneut packt mich das schlechte Gewissen, denn ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal selbst dort war. Das übernimmt nämlich mein Freund Simon für mich. Ohne ihn wäre ich vermutlich mehr als nur einmal Montagmorgens nackt in den Flieger gestiegen. Und nebenher bastelt er mir auch noch in liebevoller Kleinarbeit einen Adventskalender. Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass der Weihnachtsmann an meiner Schlafzimmertür von der weißen Troddel seiner Zipfelmütze bis hinunter zu den braunen, überdimensionalen Stiefeln von Simon selbst entworfen, ausgeschnitten und zusammengeklebt worden ist. Und in jedem seiner vierundzwanzig in Glanzpapier eingeschlagenen Päckchen befindet sich eine wohlüberlegte romantische Kleinigkeit, die mein Herz zur Morgenstunde erfreuen soll. Leider steht für mich auf jedem Geschenk vor allem in greller Leuchtschrift geschrieben: SIEH MAL, WIE AUFMERKSAM DEIN FREUND IST, NACH ALL DEN JAHREN. UND WAS IST MIT DIR?

Ja, was ist mit mir? Nach einem schnellen Blick auf den Radiowecker neben unserem Bett entscheide ich mich wie fast jeden Morgen, auf die Bodylotion zu verzichten. Wie lange meine Haut bei dermaßen stiefmütterlicher Behandlung noch so weich und glatt sein wird wie jetzt, bleibt abzuwarten. Vermutlich nicht mehr sehr lange. Ab jetzt werde ich früher aufstehen, schwöre ich mir, und wo ich schon mal beim Schwören bin, verspreche ich hiermit auch hoch und heilig, im nächsten November einen Adventskalender für Simon zu basteln. Eigenhändig! Zugegeben, das habe ich bereits vor einem Jahr geschworen, als ich mich auf dem Weg aus der Dusche beinahe mit der goldenen Schnur und den vierundzwanzig Päckchen stranguliert habe, die plötzlich in unserem Flur hingen. Die daran befestigten Glöckchen riefen zum Glück Simon auf den Plan, der mich vor dem sicheren Erstickungstod rettete.

Nächstes Jahr, nächstes Jahr, wiederhole ich wie ein Mantra, nächstes Jahr wird alles anders. Nächstes Jahr mache ich den schönsten, aufwendigsten und romantischsten Kalender der ganzen Welt für Simon. Ich darf es nur nicht vergessen. Wo ist mein Blackberry? Ich greife nach dem Mini-Computer auf meinem Nachtschrank und trage für den fünften November des nächsten Jahres die Notiz "ADVENTSKALENDER FÜR SIMON" mit höchster Priorität ein. Danach geht es mir ein bisschen besser. Ich schließe den obersten Knopf meiner weißen Bluse und mustere mich kritisch in der verspiegelten Tür des Kleiderschrankes. Die schmal geschnittene Hose sitzt schon wieder lockerer am Bund, irgendwie komme ich bei all dem Stress in der Firma nie dazu, anständig zu essen. Ansonsten gefällt mir die schlanke, hochgewachsene Frau mit den kinnlangen rotbraunen Haaren, die mir aus dem Spiegel entgegenblickt. Kompetent sieht sie aus, eine, die sich in der von Männern beherrschten Unternehmensberaterwelt durchsetzen kann. Nur die Schatten unter meinen hellgrünen Augen sollte ich dringend noch wegschminken. Während ich ein ganz dezentes Tages-Make-up auflege, höre ich Simon in der Küche rumoren, und als ich wenig später ins Wohnzimmer mit der offenen, modernen Küchenzeile trete, steht er dort und quetscht mit der elektrischen Saftpresse Orangen aus. Ich bleibe einen Moment lang im Türrahmen stehen und betrachte seine schlaksige, fast eins neunzig große Gestalt in den knallgrünen Boxershorts. Irgendwie hat er sich kein bisschen verändert seit der Zeit, als wir uns vor sieben Jahren in der Mensa um den letzten verbliebenen Schoko-Muffin gestritten haben. Von einem Streit kann eigentlich keine Rede sein, er verzichtete sofort heldenhaft, aber ich wollte das nicht annehmen. Mit Ritterlichkeit hatte ich schon immer ein Problem. In meinem Job kann man sich solche Gesten von Kollegen nicht gefallen lassen. Hält dir einer die Tür auf, schnappt er dir im nächsten Moment einen Auftrag vor der Nase weg, denn man ist plötzlich nur noch Frau und damit nicht mehr ernst zu nehmen. Den Muffin habe ich mir schließlich doch aufdrängen lassen, und keine zwei Wochen später waren Simon und ich ein Paar: Die aufstrebende BWLerin und der angehende Studienrat (Englisch und Geschichte). Seine dunkelbraunen Haare sind seit damals vielleicht an der Stirn ein kleines bisschen lichter geworden, aber sie stehen immer noch kreuz und quer in alle Richtungen, reichen weit über die Ohren und im Nacken noch weiter über den Hemdkragen, wenn er denn jemals ein Hemd tragen würde. Aber Simon kauft seine Klamotten nach wie vor am liebsten in Secondhand-Läden. Und diese grässlichen, verwaschenen grünen Unterhosen hat er, glaube ich, schon seit ich ihn kenne. Aber der Po darin ist noch so knackig wie früher. Ich versuche mich daran zu erinnern, wann ich ihn das letzte Mal unverpackt gesehen habe.

"Guten Morgen", ich zucke ertappt zusammen, als Simon sich zu mir umdreht.

"Guten Morgen", nuschele ich und schaue schnell in eine andere Richtung, aber da kommt er schon grinsend auf mich zu.

"Na, wo hast du denn da gerade so interessiert hingeschaut?" fragt er, legt seine Hände auf meine Hüften und zieht mich zu sich heran. Sein schmales, jungenhaftes Gesicht mit den grünbraunen Augen ist jetzt ganz dicht an meinem, ich sehe seinen Mund mit der etwas breiteren Oberlippe, die ihm immer ein leicht schmollendes Aussehen gibt, auf mich zukommen. Ich hebe den Kopf, unsere Lippen treffen sich, und ich schließe kurz die Augen. Hmm, das fühlt sich gut an. Simons Hände wandern an meiner Taille hinauf und beginnen damit, meine Bluse aus der Hose zu ziehen. Alarmiert öffne ich die Augen wieder und sehe den Kranz dunkler Wimpern über seinen genießerisch geschlossenen Augen. Eine Hand wandert hoch zu meinem Nacken und streichelt leicht darüber. Mir läuft ein wohliger Schauer den Rücken hinunter, doch dann fällt mein Blick auf die Küchenuhr. Zehn vor sechs.

"Simon", nuschele ich abwehrend.

"Vivi", murmelt er zärtlich und drängelt mich gegen die Arbeitsplatte. Ich beende den Kuss mit einem lauten Schmatzer und schiebe Simon von mir weg.

"Simon, bitte", sage ich und finde mich selber schrecklich. Ich klinge wie eine Gouvernante. Mit dieser Meinung stehe ich scheinbar nicht alleine da. Mit einem resignierten Schulterzucken wendet er sich wieder dem Orangensaft zu und reicht mir ein Glas.

"Hier."

"Danke." In wenigen Schlucken stürze ich das Getränk herunter, während ich zum Aquarium hinübergehe, um meinem Goldfisch Tristan einen Guten Morgen zu wünschen. Er kommt freudig angeschwommen und klappt grüßend das Maul auf und zu. Eigentlich wollte ich immer eine Katze oder einen Hund haben, aber das ist in meinem Job völlig ausgeschlossen. Wenn es Simon nicht gäbe, würde auch Tristan elendig verhungern, denn während der Woche bin ich momentan immer in München. Ich streue etwas Fischfutter in das Wasser und beobachte, wie er sich daraufstürzt. Mein Blick wandert durch das große, rechteckige Aquarium. Hinten links steht das Felsenhaus mit den fünf Löchern, in das Tristan sich zurückziehen kann, rechts ein wahrer Urwald von Zierpflanzen. Ein bisschen fühle ich mich wie eine berufstätige Mutter, die ihr Kind aus schlechtem Gewissen mit Spielzeug überhäuft. "Bis Freitag", sage ich leise und tippe noch einmal grüßend gegen die Glaswand. Dann wende ich mich Simon zu, der gerade den Entsafter in seine Einzelteile zerlegt und diese unter fließendem Wasser abspült. "Das ist so lieb von dir, aber du brauchst doch wirklich nicht mit mir aufzustehen um diese Zeit", sage ich wie jeden Montagmorgen, und wie jedes Mal antwortet er:

"Sonst bekomme ich dich doch gar nicht mehr zu Gesicht." Die gleichen Worte wie immer. Jedes einzelne ein Vorwurf. Zumindest empfinde ich es so. Ich weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann. Ich weiß, dass ich mir zu wenig Zeit für Simon, für unsere Beziehung nehme, aber woher soll ich die nehmen? Der Tag hat ja kaum genug Stunden, um meinen Job zu erledigen. "Du, Simon, vielen Dank für den Adventskalender." "Gern geschehen."

"Ich kann es nicht fassen, dass bald schon wieder Weihnachten ist", sage ich verlegen und nippe an dem Milchkaffee, der ebenfalls schon für mich bereitsteht. In einem hohen Glas mit hübscher Milchschaumkrone obendrauf. Wie jeden Montagmorgen.

"Ja, die Zeit fliegt", antwortet mein Freund ein bisschen steif. Apropos fliegen, verdammt, ich muss los. Just in diesem Moment klingelt es dann auch an der Wohnungstür. Das ist das Taxi, das ich gestern Abend schon bestellt habe. Hilflos stehe ich da, den halb vollen Kaffee in der Hand, und sehe Simon an, der jetzt mit verschränkten Armen am Kühlschrank lehnt und mich erwartungsvoll ansieht. Aber was soll ich sagen? Ihm versprechen, dass alles anders wird? Das habe ich schon so oft gesagt, aber was ist passiert? Vor allem seit meiner Beförderung zur Managerin vor sechs Monaten? Noch mehr Arbeit, noch weniger Zeit. Verdammt, was soll ich denn machen? Plötzlich bin ich furchtbar wütend auf Simon, auf den Weihnachtsmann aus Pappe, den er mir gebastelt hat und auf das Herz aus Kakao auf meinem Milchschaum. Nicht jeder hat einen Job am fünfzehn Autominuten entfernt gelegenen Gymnasium, der um vierzehn Uhr endet, möchte ich Simon am liebsten anschreien. Gleichzeitig möchte ich ihn in den Arm nehmen und sagen, dass es mir Leid tut und dass ich ihn liebe und dass ich ihm nächstes Jahr den schönsten und kreativsten Adventskalender basteln werde, den die Welt je gesehen hat. Ich tue weder das eine noch das andere. Die Türklingel schellt erneut, diesmal länger.

"Ich muss los", sage ich hastig, mache einen Schritt auf Simon zu, stelle mich auf die Zehenspitzen und küsse ihn zum Abschied auf die Lippen. Mein Kuss bleibt unerwidert. Ich schlinge meine Arme um ihn, doch er bleibt stocksteif. "Es tut mir Leid", flüstere ich ihm ins Ohr, bevor ich hektisch in den Flur laufe. "Ja doch, ich komme runter", brülle ich in die Gegensprechanlage, bevor der Taxifahrer mit seiner Sturmklingelei noch den letzten unserer Nachbarn aus dem Bett holen kann. Ich schnappe mir meinen langen, schwarzen Wintermantel und mein Bordcase, das schon fertig gepackt an der Wohnungstür auf mich wartet. Die Hand an der Klinke zähle ich langsam bis fünf und schiele in Richtung Wohnzimmer, ob Simon vielleicht doch noch mal um die Ecke kommt, um mir ein Zeichen der Versöhnung zu geben. Aber nichts rührt sich.

"Tschüss", rufe ich so fröhlich wie möglich, "ich rufe dich heute Abend an." Keine Antwort. Na, dann eben nicht, denke ich nun ebenfalls eingeschnappt und stürme die Treppe hinunter.

Als ich die Haustür öffne, weht mir ein kalter Wind ins Gesicht. Dicke Schneeflocken tanzen durch die Luft, und die dunkle, von Altbauten gesäumte Straße schimmert wie mit Puderzucker bestäubt. Auch die kahlen Linden haben ein weißes Kleid bekommen. Die rundliche Verkäuferin aus der Bäckerei gegenüber winkt mir fröhlich zu, während sie die Tür aufschließt, ansonsten wirkt unser Stadtteil zu dieser nachtschlafenden Zeit noch wie ausgestorben. Einmal ausschlafen, denke ich seufzend, während ich in meinen halbhohen Pumps vorsichtig auf das wartende Taxi zustöckele.

Schneeränder an meinen Schuhen kann ich wirklich nicht gebrauchen. Der dunkelhaarige Taxifahrer steht lässig an sein Fahrzeug gelehnt und raucht eine Zigarette, die er jetzt im Aschenbecher ausdrückt, um mir meinen Koffer abzunehmen.

"Dann wollnwer ma, wa?", fragt er gut gelaunt und öffnet mir mit Schwung die Tür.

"Ja, danke!" Ich nehme auf dem Rücksitz Platz. "Zum Flughafen, bitte."

"Allet klar!" Mit quietschenden Reifen geht die Fahrt los, während ich zu unserer Wohnung im zweiten Stock hochsehe. Doch die roten Vorhänge rühren sich nicht. Seufzend lehne ich mich in den Sitz zurück und schließe die Augen. Was für ein Montagmorgen. Aber es wird trotzdem eine gute und erfolgreiche Woche werden, bete ich vor mich hin. Ich darf mich jetzt nicht ablenken lassen, denn in München leite ich zur Zeit mein erstes Projekt als Managerin für "Wisenberg Consulting". Das Rechnungswesen der Vereinsbank wird auf internationale Rechnungslegung umgestellt, unsere Vorstudien stehen kurz vor dem Abschluss, und bis zur Präsentation ist noch eine Menge zu tun. Während sich das Taxi seinen Weg durch die kreuz und quer parkenden Autos bahnt, warte ich auf den aufgeregten Hüpfer in der Magengegend, der sich früher immer eingestellt hat, wenn ich an meinen Job dachte. Stattdessen spüre ich Übelkeit aufsteigen. Was ist denn nur los mit mir? Ich liebe doch meinen Job, ich lebe für ihn. Seit Jahren widme ich ihm all meine Energie. Wenn Simon doch bloß verstehen würde ...

"Oh nein", schreie ich plötzlich und reiße die Augen auf. Mein Fahrer zuckt erschreckt zusammen und reißt das Lenkrad herum. Der Wagen beginnt bedrohlich zu schlenkern und hinter uns ertönt ein wahres Hupkonzert. Mit aufheulendem Motor überholt uns rechts ein schwarzer Mercedes, dessen Insasse sich unmissverständlich an die Stirn tippt und mit hochrotem Kopf Verwünschungen ausstößt. Ich sitze immer noch wie erstarrt mit kerzengeradem Rücken da, während der Taxifahrer entschuldigende Gesten in sämtliche Richtungen vollführt.

"Jute Frau", sagt er dann kopfschüttelnd, "watt brüllen Sie denn so?"

"Nichts, es tut mir Leid", flüstere ich atemlos.

"Sie sehn nich jut aus, kann ich Ihnen sagen", meint er besorgt, und unsere Augen treffen sich im Rückspiegel.

"Es ist alles in Ordnung", beeile ich mich zu versichern. Soeben passieren wir das Schild, das den Hamburger Flughafen ankündigt. Nur noch eineinhalb Kilometer. Eindeutig zu spät, um noch umzukehren, und das erste Päckchen meines Adventskalenders zu öffnen.

Kapitel 2

Als ich am selben Abend in mein Hotelbett sinke, ist es bereits nach ein Uhr nachts. Erschöpft schließe ich die Augen. Warum muss dieser dämliche Peter Krüger sich auch ausgerechnet jetzt einen Bandscheibenvorfall zuziehen? Nun bleibt noch mehr Arbeit an mir hängen, denke ich gereizt. Und Simon habe ich schon wieder nicht angerufen, und um diese Zeit sollte ich das vielleicht auch besser nicht mehr tun. Lieber eine SMS! Ich greife nach meinem Blackberry und überlege angestrengt. Soll ich mich dafür entschuldigen, dass ich (mal wieder) mein Versprechen an ihn nicht gehalten habe? Oder einfach eine zärtliche Gute-Nacht-SMS schreiben?

Irgendwann muss ich wohl eingeschlafen sein, denn das Nächste, was ich höre, ist der penetrante Weckruf meines Blackberrys, das jetzt irgendwo unter meiner linken Brust vibriert. Kaum habe ich mich aus dem Laken gewühlt und einen Blick auf die begonnene Kurznachricht geworfen: "Liebster Simon, ich ...", sitzt mir auch schon das schlechte Gewissen im Nacken. Was ist bloß los mit mir? Eine kurze SMS an meinen Freund, das muss doch wohl drin sein. Ich schwöre, mir heute eine ganze Stunde für die Mittagspause freizuschaufeln, um wenigstens in Ruhe mit ihm telefonieren zu können. Mit diesem Vorsatz geht es mir ein wenig besser, und ich schwinge die Beine aus dem Bett.Leider muss ich auch diesen Plan gegen zwölf wieder über Bord werfen. Es gibt einfach zu viel zu tun, und meine Pause verbringe ich gemeinsam mit Benjamin Walsenfels am Schreibtisch. Benjamin hat am selben Tag wie ich bei "Wisenberg Consulting" angefangen und vorher eine ganz ähnliche Ausbildung absolviert: Studium der internationalen BWL, gefolgt von diversen Auslandspraktika. Schulter an Schulter haben wir den Job angetreten, wobei mir seine Schulter gerade mal bis zur Brust reichte. Ich bin nun mal eine große Frau und trug damals gern sieben Zentimeter hohe Schuhe zum viel zu kurzen Kostüm. Am Anfang waren wir uns nicht unbedingt sympathisch.

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