Kill Your Friends - Niven, John

John Niven 

Kill Your Friends

Roman

Dtsch. v. Stephan Glietsch
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Kill Your Friends

'Ein Hooligan von einem Buch. Und jeder, der noch an das Gute in der Musik glaubt, kriegt-s hier mit einer mit Nägeln versehenen Baseballkeule besorgt! Für mich das Buch des Jahres!' Bela B.

"Das 'American Psycho' der Musikindustrie. Schade nur, dass sich auch die englischen Kollegen mittlerweile nicht mehr die beschriebene Menge Drogen leisten können." Tim Renner, Motor Entertainment

"In 'Kill your Friends' zeichnet Niven die schmutzigen Seiten des schmutzigen Geschäfts noch schmutziger, als wir es uns in unseren schmutzigsten Träumen vorstellen." TAZ


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 379 S.
  • Seitenzahl: 384
  • Heyne Bücher Nr.67544
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 137mm x 28mm
  • Gewicht: 395g
  • ISBN-13: 9783453675445
  • ISBN-10: 3453675444
  • Best.Nr.: 22840703

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Für Klaus Walter ist John Nivens "Kill Your Friends" der Roman zum Niedergang der Musikindustrie und zugleich ein hellsichtiger Blick in die "neuen Triebökonomien" im Gewand eines Splatterschockers. Der schottische Autor, der selbst als "artist and repertoire"-Manager einer großen Plattenfirma Karriere gemacht hat, stellt einen ebenso einflussreichen, dazu hoffnungslos zynischen Vertreter der Musikindustrie, Steven Stelfox, in das Zentrum seines Buches. Stelfox scheffelt Geld und interessiert sich ansonsten ausschließlich für Drogen und Sex, konstatiert der Rezensent. Dennoch werde die ewige Repetition von Drogenrausch und sexuellen Exzessen seltsamerweise nicht "langweilig", lobt der Rezensent. Dem faszinierten Walter kommen beim Lesen als Referenzgrößen Bret Easton Ellis und Hunter S. Thompson in den Sinn, nur dass, wie er betont, Niven neben den Drogenexzess die Pornografie stellt. Mit "Polytoxikomanie und Pornografie" sieht er denn auch die Säulen dieses Buches beschrieben. Dass Niven kleine Anachronismen unterlaufen, wie die Einführung von Viagra und Amateurpornografie, die ihre Hochzeit erst nach 1997, der Erzählzeit des Romans, erlebten, mindert die Faszination des Rezensenten kein bisschen.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Eine knüppelharte Satire auf die Welt der Reichen und Schönen." (ARD Morgenmagazin)<br/><br/>"Ein Hooligan von einem Buch. Und jeder, der noch an das Gute in der Musik glaubt, kriegt's hier mit einer mit Nägeln versehenen Baseballkeule besorgt! Für mich das Buch des Jahres!" (Bela B.)

"In 'Kill your Friends' zeichnet Niven die schmutzigen Seiten des schmutzigen Geschäfts noch schmutziger, als wir es uns in unseren schmutzigsten Träumen vorstellen."

"Mit Steven Stelfox hat John Niven eine der bösartigsten, grausamsten und hassenswertesten Romanfiguren aller Zeiten geschaffen. Ich konnte das Buch einfach nicht beiseitelegen." James Dean Bradfield, The Manic Street Preachers<br/><br/>"Schlichtweg brillant! Der dreckigste, schwärzeste, schockierendste und gleichzeitig unterhaltsamste Debütroman seit Jahren." India Knight
John Niven, geboren in Ayrshire im Südwesten Schottlands, spielte in den Achtzigern Gitarre bei der Indieband "The Wishing Stones", studierte dann Englische Literatur in Glasgow und arbeitete schließlich in den Neunzigern als A&R-Manager einer Plattenfirma, bevor er sich 2002 dem Schreiben zuwandte. 2006 erschien sein erstes Buch, eine halbfiktionale Novelle. John Niven schreibt außerdem Drehbücher und Romane. Er lebt derzeit in Buckinghamshire, England.

Leseprobe zu "Kill Your Friends" von John Niven

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Leseprobe zu "Kill Your Friends" von John Niven

Januar

Die Alben von Kula Shaker und Jamiroquai haben beide Doppelplatin-Status erreicht +++ Warner Brothers dominieren den Plattenhandel mit einem Marktanteil von 18,4 Prozent +++ "Say What You Want" von Texas ist die Platte mit den meisten Radioeinsätzen in der Geschichte des Landes +++ The Pecadilloes und Embrace sind die angesagten neuen Bands +++ Letztes Jahr hat die britische Musikindustrie erstmals über eine Milliarde Pfund eingenommen +++ Das neue Album von Gene heißt Drawn To The Deep End. Polydor A & R Director Paul Adams sagt: "Ich habe die große Hoffnung, dass ihnen mit dieser Platte der Durchbruch gelingt."

"A & R (Artist and Repertoire): die für die Entdeckung und Pflege neuer Talente zuständige Sparte der Musikindustrie."

Ich rauche und blicke aus meinem Bürofenster, während mir ein Typ, irgendein Manager, am Telefon das Ohr abkaut. Fünf Stockwerke unter mir lungert eine Gruppe schwarzer Jungs - vermutlich eine Band - auf dem Parkplatz rum. Das Glas ist getönt, honiggelb, und sie können mich nicht sehen.

Draußen herrscht eisiger Winter, und ihr kondensierter Atem verbindet sich mit dem Rauch der Spliffs, die kreisen. Sie sind von einer dichten bleigrauen Wolke umhüllt.

Hinter ihnen, die Themse hoch, an der Hammersmith Bridge, hängt ein gigantisches Plakat dieses Labour-Heinis, Tony Blair. Dort, wo seine Augen sein müssten, brennen aus einem Schlitz, den jemand quer durch das Gesicht gerissen hat, ein Paar rote Augen - höllische, dämonische Augen - aus dem Plakat heraus.

Unten auf dem Parkplatz lehnt sich gerade einer der Jungs an meinen Wagen, die Hände in den Taschen und seinen Rücken gegen den silbernen Saab gestützt, als wäre er die Theke seines angestammten Kentucky Fried Chicken. Ich behalte ihn im Auge, während meine Gedanken zurück zu der Stimme am Telefon wandern. Sie sagt Sachen wie:

"Und EMI, Virgin und Chrysalis. Warner Chapell machen das Publishing, und sie haben, nun, ich sollte das jetzt nicht sagen, aber ..."

Erzähl mir nicht, sie hätten eine fette TV-Werbekampagne zugesichert!

"Sie haben eine fette TV-Werbekampagne so gut wie zugesichert."

"Wow", sage ich völlig ausdruckslos.

"Aber du weißt, wir stehen auf dich", sagt der Kretin.

"Ja, ist gut, schick's rüber."

"Es ist ein Rough-Mix. Sieh zu, dass es niemand sonst zu hören bekommt." "Na klar."

"Prima, mach's gut, Steven."

"Ciao." Ich überlege einen Moment. "Alter."

Als ich auflege, kommt Rebecca herein. Es ist kurz vor elf, für uns also fast noch Morgengrauen. "Guten Morgen", sagt sie, während sie einen Packen Post auf den Beistelltisch, neben einen Stapel mit Demotapes von neuen Bands - Cuff, Fling, Santa Cruz, Magic Drive, Montrose Avenue - legt, die mir Warren, einer der Scouts, zum Durchhören dagelassen hat.

"Rebecca", sage ich, ohne mich vom Fenster wegzudrehen.

"Mmmm?"

"Was immer du gerade machst, könntest du bitte damit aufhören, die Treppe rauf- und runterzurennen und dafür sorgen, dass die Security diesen verfickten Riesenbimbo von meinem Wagen entfernt." Sie kreischt, als wäre sie entsetzt, und kommt zu mir ans Fenster.

"Oh Gott, was in aller Welt ist das für ein Haufen?", sagt sie und kaut auf einer Strähne ihres dünnen, blonden Haars.

"Weiß der Teufel, möglicherweise ein geplantes Signing von Schneider. Der Jude benutzt den schwarzen Mann als Waffe, Rebecca. Gegen uns."

"Du bist wirklich furchtbar." Sie schubst mich mit dem Ellbogen, als sie sich zur Tür wendet, erfreut darüber, dass ich so guter Laune bin.

"Da ist deine Post. Vergiss nicht, dass du um zwölf ein Business-Affairs-Meeting hast." Rebecca ist groß, mit vollen puterroten Lippen. Tolle Beine. Anständiger Vorbau. Aber ihr Gesicht beginnt zu vergehen - kleine Krähenfüße um die Augen, Furchen in den Mundwinkeln. Sie ist ein paar Jahre älter als ich, entsetzlich alleinstehend und geht gefährlich auf die Dreißig zu. Sie muss das in den Griff kriegen, und das weiß sie. Heute trägt sie einen karierten Schotten-Mini, höchstens dreißig Zentimeter lang, Turnschuhe und ein enges schwarzes T-Shirt, auf dem "Whore" steht, geschrieben mit kleinen, diamantenen Nieten. Wie allen Mädels, die hier arbeiten - abgesehen von Nicky, unserer Head of International, die so hässlich ist, dass es mich schon rasend macht, mit ihr in einem Raum zu sein -, sind Rebecca die nuttigen Klamotten wie auf den Leib geschneidert.

"Rebecca", sage ich, als sie nach der Türklinke greift.

"Mmmm?", sagt sie und dreht sich herum.

"Das Hotel?" Ich bin nächste Woche in Cannes bei der MIDEM. Je nachdem, wem ich glauben soll, hat es entweder Rebecca oder unser nichtsnutziges Reisebüro vergeigt, mir ein angemessenes Hotel zu buchen.

"Ich bin dran, Steven. Entspann dich." Sie wendet sich ab, um zu gehen.

Ich glaube ihr. Weil Rebecca es liebt, wie die meisten Mädchen, Dinge für einen zu organisieren. Sie ist erst dann richtig glücklich, wenn sie das Reisebüro auf der einen Leitung, British Airways auf der anderen und Ausgaben von The World's Great Hotels, Zagat und Haiden's vor sich auf dem Schreibtisch ausgebreitet hat. Mir ist es ziemlich suspekt, dass sie es genießt, diese Trips für mich zu planen, denn sie spielt weder eine Rolle darin, noch profitiert sie auch nur im Geringsten davon. Etwas zu planen, von dem man nichts hat, ist mir unbegreiflich. Vermutlich ist es eine Eigenart des weiblichen Gehirns, Vergnügen aus dem Wissen zu ziehen, dass der Flug rechtzeitig für die Reservierung im Restaurant ankommt und das Hotel pompös und extraordinär sein wird.

"Und, Rebecca?" Sie dreht sich nochmals um, unterdrückt ein Seufzen.

"Du siehst heute gut aus." Zuckerbrot und Peitsche.

"Danke", erwidert sie schüchtern lächelnd. So schüchtern wie ein Mädchen eben lächelt, dass letztes Jahr Minimum dreißig Schwänze gelutscht hat. "Du auch."

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