In Asien - Terzani, Tiziano

Tiziano Terzani 

In Asien

Mentalität - Kultur - Politik

Übersetzer: Liebl, Elisabeth
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In Asien

Auf dem asiatischen Kontinent war Tiziano Terzani zu Hause. Über ein Vierteljahrhundert hat er in Fernost gelebt und als Auslandskorrespondent des SPIEGEL unser Bild von Asien mitgeprägt. Er berichtet von abenteuerlichen Erlebnissen in Vietnam, Kambodscha, Thailand und Birma, von besonderen Ereignissen in Japan, Südkorea oder China sowie von bewegenden Begegnungen mit dem Dalai Lama oder Mutter Teresa. Wie kaum einem westlichen Betrachter gelingt es Terzani über die Jahre, die asiatischen Länder und ihre Menschen von innen heraus zu verstehen und uns näher zu bringen.

Singapur, Tokio, Shanghai sind heute Synonyme für einen Erdteil im Aufbruch. Die wirtschaftliche Dynamik, die von den Boom-Regionen Asiens ausgeht, lässt viele ahnen, dass dieser Kontinent das 21. Jahrhundert prägen und wahrscheinlich an die Stelle der Weltmacht USA treten wird. Der Journalist und Schriftsteller Tiziano Terzani hat 30 Jahre lang für den SPIEGEL aus Asien berichtet. 'In Asien' ist die Essenz seiner Erfahrungen. Immer vor Ort berichtet der Spiegel-Journalist in seiner eigenen hintergründigen Art, u.a. vom militärischen Engagement der USA in Vietnam, dem Fall Pnom Penhs, von der Niederschlagung des Aufstands am Platz des himmlischen Friedens, von der Übergabe Hongkongs an die Chinesen oder dem Phänomen der indischen 'Räuberhauptfrau' Phoolan Devi. Persönliche Porträts von Mutter Teresa, dem Dalai Lama, vom japanischen Kaiser Hirohito und dem chinesischen Machtpolitiker Deng Xiao Ping verdeutlichen das weite Spektrum asiatischer Lebenserfahrung. Schöne und grausame Eindrücke entfalten sich: die Friedfertigkeit thailändischer Buddhisten neben der Schreckensherrschaft der Roten Khmer und dem gnadenlosen Kodex japanischer Geheimgesellschaften.Terzani schildert, welche Faszination die westliche Lebensweise auf den Osten ausübt, wie viele Menschen aber auch dafür kämpfen, ihre kulturelle Identität zu bewahren. Seine Betrachtungsweise lässt Mentalitäten und Religionen verständlich werden und bringt Licht in die Hintergründe dieser Weltregion mit ihren Konfliktherden Afghanistan, Kaschmir und Tschetschenien.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 569 S.
  • Seitenzahl: 576
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15310
  • Deutsch
  • Abmessung: 183mm x 123mm x 38mm
  • Gewicht: 465g
  • ISBN-13: 9783442153107
  • ISBN-10: 3442153107
  • Best.Nr.: 23327117
Stimme aus dem Verlag

"Dieses Buch gehört zweifellos zum Besten, was man über das Asien der Gegenwart lesen kann. Terzanis Reportagen aus seinen über 25 Jahren an den Brennpunkten Asiens spannen ein komplexes und lebensnahes Szenario der jüngsten Geschichte Asiens auf. Terzani doziert nicht und hält sich wohltuend zurück mit dem Anspruch, zu urteilen und Schlüsse zu ziehen. Desto plausibler und eindrucksvoller fängt er Hintergründe, Mentalitäten und Stimmungen ein, als ruhiger, einfühlsamer Beobachter und als Freund des asiatischen Kontinents und seiner Menschen."
(Werner Lord, Lektor, Riemann Verlag)


Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Tiziano Terzanis Band mit zwischen 1972 und 1997 für das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" verfassten Berichten aus Asien hat den mit dem Kürzel "us" zeichnende Rezensent nicht überzeugt. Die Anordnung der Texte ist ihm zu sprunghaft für eine vertiefte Auseinandersetzung, viele Urteile Terzanis über Asien findet er überholt. Sein Hauptvorwurf ist aber, dass bei Terzani allzu vieles klischeehaft bleibt. Terzani liebe die griffige Formel, kritisiert der Rezensent, er schreibe mit plakativen Sätzen und Verkürzungen, die kaum Raum ließen für eine differenzierte Darstellung von geschichtlichen, sozialen und kulturellen Hintergründen. "Das Buch", so der Rezensent vernichtend, "strotzt von billigem Voyeurismus, der die Menschen und Gesellschaften, über die berichtet wird, zu Exoten degradiert."

© Perlentaucher Medien GmbH
Tiziano Terzani, 1938 in Florenz geboren, in Europa und den USA ausgebildet, kannte Asien wie kaum ein anderer westlicher Journalist. Von 1972 bis 1997 war er dort Korrespondent des SPIEGEL – anfangs in Singapur, dann in Hongkong, Peking, Tokio und Bangkok. 1975 war er einer der wenigen westlichen Reporter, die in Saigon blieben, als Kommunisten die Stadt übernahmen. Terzani lebte bereits fünf Jahre in China, als er 1984 plötzlich verhaftet, antirevolutionärer Aktivitäten beschuldigt, einen Monat umerzogen und schließlich ausgewiesen wurde. Nach mehrjährigen Aufenthalten in Japan und Thailand zog er sich 1994 nach Indien zurück und hielt sich in den folgenden Jahren wechselweise in meditativer Abgeschiedenheit am Himalaja und in Italien auf. Im Sommer 2004 erlag Tiziano Terzani einer Krebserkrankung. Sein letztes Buch "Das Ende ist mein Anfang. Ein Vater, ein Sohn und die große Reise des Lebens" erschien 2007.

Leseprobe zu "In Asien" von Tiziano Terzani

Wie alles anfing

Journalist bin ich geworden, weil ich bei jedem Wettlauf grundsätzlich als Letzter ins Ziel kam. Damals besuchte ich in Florenz das Gymnasium und wollte partout bei jedem Laufwettbewerb mitmachen, der draußen in Cascine stattfand. Erfolg hatte ich mit meinen sportlichen Bemühungen nicht, abgesehen davon, dass ich damit bei meinen Kameraden wahre Heiterkeitsstürme auslöste. Eines Tages nun, ich durchlief gerade die Ziellinie, während das Publikum schon längst auf dem Heimweg war, kam ein etwa dreißigjähriger Herr auf mich zu und sagte: "Du bist Abiturient? Also, wenn du schon unbedingt bei solchen Wettkämpfen mitmischen willst, dann schreib doch lieber drüber." Das war meine erste Begegnung mit einem Journalisten, dem ich mit meinen sechzehn Jahren auch gleich meinen ersten Job verdankte: Ich wurde Sportjournalist für das Giornale del mattino, eine Florentiner Tageszeitung. Zuerst berichtete ich über Laufwettbewerbe, wechselte dann zum Radsport und landete schließlich beim Fußball. Am Sonntag ging ich nicht zu den diversen Tanzvergnügen, sondern tuckerte mit meiner Vespa 98 durch die Toskana, von Dorf zu Dorf und von Städtchen zu Städtchen.

"Macht Platz, da kommt unser Journalist!", riefen die Veranstalter, sobald sie mich kommen sahen. Ich war noch grün hinter den Ohren, und von Sport verstand ich wenig bis gar nichts. Aber vielleicht gerade deswegen bekam ich immer einen guten Platz auf den vordersten Rängen und am nächsten Tag eine Spalte für mein Artikelchen auf dem rosaroten Papier der Florentiner Zeitung - lange Beschreibungen, kurze Resümees, aber mein Name stand darüber. Diese zwei Dinge, die eigentlich Privilegien sind, haben mir zeit meines Lebens viel bedeutet. Der Beruf des Journalisten, der für mich zur Lebensform geworden ist, hat mich vor allem deshalb fasziniert, weil er mir die Möglichkeit gab, bei wichtigen Ereignissen immer in vorderster Linie zu stehen, jedermann die unmöglichsten Fragen zu stellen, den Mächtigen auf die Finger zu sehen und hinterher darüber zu berichten.

Dieses "Macht Platz, da kommt der Journalist" habe ich immer wieder vernommen, in den verschiedensten Ländern und in den verschiedensten Sprachen. Es hat mir Türen zu Räumen geöffnet, in denen Geschichte geschah, die meist traurige Geschichte meines Jahrhunderts. Ich war Augenzeuge sinnloser Kriege, fand mich vor Massengräbern wieder, in denen man die Toten grauenvoller Massaker verscharrt hatte, warf meinen Blick in menschenunwürdige Gefängnisse und auf weich gepolsterte Diktatorensessel. Stets hatte ich dabei das Gefühl, mit meinen Berichten eine Mission erfüllen zu müssen, für die Leser, die sich nicht selbst vor Ort ein Bild machen konnten, Auge, Ohr, Nase und Herz zu sein. Und nicht nur für die Leser.

Sicher, einerseits stimmt das Sprichwort: "Mit der Zeitung von gestern kannst du nur die Fische einwickeln." Andererseits aber ist es genauso richtig, dass der Journalismus an den Wurzeln der Geschichte steht. Und dieser Verantwortung war ich mir immer bewusst. Aus ihr speist sich mein Respekt für das Detail, mein Bemühen, Fakten, Zahlen und Namen so präzise wie möglich wiederzugeben. Wenn die Versatzstücke eines bestimmten Ereignisses, dessen Zeuge man war, nicht den Fakten entsprechen, wie soll dann das Puzzle, das jemand aus diesen Stücken zusammensetzt, ein richtiges Bild ergeben?

Damit will ich natürlich nicht behaupten, dass die folgenden Seiten frei sind von Irrtümern. Ich möchte nur deutlich machen, dass ich mein Möglichstes getan habe, um korrekt Bericht zu erstatten. Und dass ich nie etwas erfunden habe, um fehlende Informationen zu kaschieren oder die Story noch etwas aufzupeppen. Einige der folgenden Artikel sind schnell und unter großem Termindruck entstanden, bei anderen hatte ich Tage und Wochen Zeit für Recherchen und konnte mir alles gründlich durch den Kopf gehen lassen.

Ein paar präsentieren nur geschichtliche Fakten, andere wiederum bedienen sich ebendieser Fakten, um ein umfassenderes Bild einer Situation oder eines Landes zu zeichnen. Alle aber haben Asien zum Thema, denn Asien ist seit mehr als 25 Jahren die Bühne meines Vagabundenlebens.

Weshalb Asien? Zunächst einmal zog es mich dorthin, weil es weit weg war und weil mir schien, dass es dort noch einiges zu entdecken gab. Ich war auf der Suche nach dem "Anderen", nach einer Welt, die ich nicht kannte. Ich wollte Ideen, Menschen, Geschichten nachspüren, die ich nur aus Büchern kannte. Ich fing an, Chinesisch zu lernen, weil ich in China leben und den Maoismus höchstpersönlich kennenlernen wollte. Ich nahm einen Posten als Kriegsberichterstatter an, weil ich das Gefühl hatte, dass das, was damals in Vietnam vorging, mich direkt betraf. Danach entwickelten sich die Dinge fast von selbst, einschließlich der Wahl jener Länder, in denen wir leben wollten. Wir trafen solche Entscheidungen als Familie und immer, weil das fragliche Land uns interessierte, nie, weil man mich dorthin schickte oder weil "es sich anbot".

Der Vorteil des Journalistendaseins - im Vergleich zu einer Diplomatenexistenz zum Beispiel - liegt in seiner Ungebundenheit. Man ist nicht nur frei zu sagen, was man will, man kann auch den Arbeitgeber wechseln, wenn man mit den Arbeitsbedingungen nicht mehr einverstanden ist. Ein Botschaftsangestellter, der von einer Hauptstadt in die andere versetzt wird, kann nicht einfach sagen: "Nein, ich bleibe hier und vertrete ein anderes Land." Als Journalist hingegen kann man in einem solchen Fall die Zeitung wechseln. Ich hatte in dieser Hinsicht Glück. Ohne mir einen neuen Herausgeber suchen zu müssen, konnte ich immer dort leben, wo ich wollte: von 1971 bis 1975 in Singapur, von 1975 bis 1979 in Hongkong, von 1979 bis 1984 in China, danach wieder ein Jahr in Hongkong, von 1985 bis 1990 in Japan, danach vier Jahre in Thailand und seit 1995 in Indien.

Das lag daran, dass ich den richtigen Verleger gefunden hatte: Rudolf Augstein, Gründer und Herausgeber des Spiegel, der mir 1971, amüsiert vielleicht von diesem seltsamen "Gastarbeiter", der ihn da um Arbeit bat, anbot, zuerst als "Springer" und einige Monate danach als Auslandskorrespondent für sein Blatt zu arbeiten. Seit dieser Zeit war ich ein "deutscher Journalist". Dabei hatte ich durchaus versucht, für italienische Zeitungen zu schreiben, aber wie mit meinen läuferischen Ambitionen hatte ich damit keinen Erfolg gehabt. In den siebziger Jahren hatte kein einziges italienisches Blatt einen Auslandskorrespondenten in Asien und sah hierzu auch keine Notwendigkeit.

Dass ich in einer Sprache schreiben musste, die nicht die meine war, und für Leser, die ich nicht kannte, belastete mich manchmal. Daher sandte ich hin und wieder auch Artikel an italienische Zeitungen. Ich schrieb für Il Giorno, Il Messaggero, für den Espresso, die Repubblica und seit 1989 immer wieder für den Corriere della Sera. Die Tagebücher allerdings, aus denen später meine Bücher wurden, schrieb ich in Italienisch.

Die hier versammelten Artikel sind journalistische Arbeiten aus den letzten 25 Jahren, die in drei verschiedenen Sprachen entstanden sind - in Deutsch, Englisch und Italienisch. Ich habe mir erlaubt, daran nichts zu verändern. Die älteren Artikel erscheinen in der Form, wie ich sie als Telex an den Verlag geschickt habe, die jüngeren so, wie sie auf der Festplatte meines Computers gespeichert waren.In letzter Zeit heißt es immer häufiger, das Aufkommen der elektronischen Arbeitsmittel habe das journalistische Handwerk verändert, der Sensationsjournalismus untergrabe die ethischen Grundsätze unseres Berufes und Leute wie ich, die sich vor Ort auf die Suche nach ihrem Körnchen Wahrheit machen, gehörten zu einer aussterbenden Zunft. Das ist wahr, und ich bedauere das. 1993 zum Beispiel zeigte ich in einer Aufwallung von Zorn einen italienischen Kollegen beim Presserat an, weil er eine Serie von offenkundig falschen Artikeln veröffentlicht hatte.

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