Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert - Calic, Marie-Janine

Marie-Janine Calic 

Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert

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Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert

Marie-Janine Calic schlägt in diesem Buch analytische Schneisen in die faszinierende Geschichte Jugoslawiens und legt die erste Gesamtdarstellung in deutscher Sprache seit der Auflösung des Vielvölkerstaates vor.
Warum ist Jugoslawien zerfallen? War der gewaltsame Untergang unvermeidlich? Warum hat der heterogene Staat dann überhaupt so lange überlebt? Dieses Buch analysiert, warum und unter welchen Umständen Jugoslawien entstand, was den Vielvölkerstaat über siebzig Jahre zusammenhielt und weshalb er sich schließlich gewaltsam auflöste. Im Mittelpunkt stehen die um die Wende zum 20. Jahrhundert einsetzenden fundamentalen Wandlungsprozesse, die die Ideologien, politischen Systeme, wirtschaftlich-sozialen Beziehungen sowie die Lebensweisen in ganz Europa nachhaltig prägten und auch Jugoslawien im Laufe des 20. Jahrhunderts von einer Agrar- in eine moderne Industriegesellschaft verwandelten. Dadurch wird die jugoslawische Geschichte in die europäische Geschichte mit all ihren wechselseitigen Verflechtungen eingebettet und das Klischeebild des rückständigen, mit unauflösbaren Nationalitätenkonflikten belasteten Balkans korrigiert.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 415 S. m. 6 Ktn.
  • Seitenzahl: 415
  • Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 144mm x 32mm
  • Gewicht: 575g
  • ISBN-13: 9783406606465
  • ISBN-10: 3406606466
  • Best.Nr.: 28998343

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Für Lothar Höbelt strotzt Marie-Janine Calics Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert vor gedanklichen Widersprüchen, naiven Verkürzungen und Fehlurteilen, und er signalisiert nur an wenigen Stellen verhaltene Zustimmung zur Darstellung. Kritischen Umgang mit den Quellen vermisse er bei der Autorin ebenso, wie eine Reflexion ihrer "nationaler Stereotypen", die sie andernorts ablehne, moniert der Rezensent. Den marxistisch-leninistischen Jargon, den Calic nach seinem Dafürhalten an den Tag legt, findet der der FPÖ nahe stehende Historiker schwer goutierbar, und allein die "postindustrielle Gesellschaft" für den Zerfall Jugoslawien verantwortlich zu machen, reicht ihm bei Weitem nicht aus. Immerhin, den, wie er betont, auf eigenen Forschungen beruhenden, sozialgeschichtlichen Überlegungen der Autorin kann er einiges abgewinnen, wenn sie ihm auch nicht weit und tief genug gehen, und Calics Schilderung der historischen Atmosphäre des19. Jahrhunderts sind für ihn zumindest "interessant". Am Ende signalisiert Höbelt zwar Nachsicht für die von ihm kritisierten sprachlichen Schwächen des Buches, immerhin sei die Autorin keine deutsche Muttersprachlerin. Bei aller Emphase, die Calic in ihre Darstellung gelegt habe, könne sie aber wegen ihres "naiven Pathos" selbst dort nicht überzeugen, wo sie im Prinzip richtig liege, so der Rezensent ablehnend.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.12.2010

Warum Jugoslawien in den neunziger Jahren im Bürgerkrieg unterging
Mit der Schlacht auf dem Amselfeld hatte es jedenfalls nichts zu tun – Marie-Janine Calic zeigt die wahren Gründe, die zu den ethnischen Kämpfen führten 
Endlich, so möchte man sagen, ein Buch, welches eine stringente Gesamtdarstellung Jugoslawiens bietet – von seiner ersten Gründung im Jahre 1918 über seine erste Auflösung nach Hitlers Einmarsch 1941, von seiner Neugründung durch Titos Kommunisten 1945 bis zu seinem unabänderlichen Zerfall in den 1990er Jahren. Und endlich eine historische Interpretation, die nicht, wie das oft geschieht, „balkannotorische Unverträglichkeit“ und „ewigen Völkerhass“ – so sagt die Autorin Marie-Janine Calic – ungeprüft übernimmt.
Stattdessen konstatiert die Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas in ihrer bemerkenswerten Analyse: „Wer, warum, unter welchen Umständen und wie ethnische Identität und Diversität zu einem Konfliktgegenstand machte“, sei „die zentrale Frage dieses Buches“. Es gehe darum „Interessen, Weltauffassungen und Motive der Handelnden“ darzulegen, „sozialökonomische Entwicklungen“ …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.01.2011

Und immer wieder nur Patrioten . . .
Eine leidenschaftliche Geschichte Jugoslawiens im 20. Jahrhundert mit manchen Widersprüchen

Die Reihe "Europäische Geschichte im 20. Jahrhundert" soll Differenzen und Ähnlichkeiten im Kontext der europäischen Entwicklung sichtbar machen. Dieser innereuropäische Vergleich ist zweifelsohne lohnend, setzt aber Kenntnisse über die Geschichte so ziemlich aller "anderen" Staaten voraus, über die kaum ein Autor verfügt. Dieses Unterfangen ist besonders kompliziert, wenn es sich - wie im vorliegenden Fall - gar nicht um eine Nationalgeschichte handelt, sondern um einen Vielvölkerstaat, der keiner sein wollte, und um eine Nationsbildung, die innerhalb des stokavischen Dialekts entlang konfessioneller Bruchlinien verläuft. "Alles, was religiös ist, ist gleichzeitig auch national." Jedoch wird dieses Thema nicht systematisch aufgegriffen.

Nationen eigne "keine transhistorische Existenz", man könne sie deshalb auch nicht einfach zurückprojizieren - so heißt es eingangs. Doch kaum ist diese Pflichtübung beendet, verfällt die Darstellung in schon fast wieder unterhaltsamer Weise in die soeben noch verdammten …

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Marie-Janine Calic ist Professorin für Geschichte Ost- und Südosteuropas an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

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