Gefangene Gesellschaft - Bretschneider, Falk

Falk Bretschneider 

Gefangene Gesellschaft

Eine Geschichte der Einsperrung in Sachsen im 18. und 19. Jahrhundert. Vorw. v. Jacques Revel. Diss.

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Gefangene Gesellschaft

Wie entstand die moderne Freiheitsstrafe? War sie das Ergebnis einer sich überall ausbreitenden ominösen Disziplinarmacht? Und waren die seit der Frühen Neuzeit entstehenden Zuchthäuser und Strafanstalten abgeriegelte »totale Institutionen«, in denen sich das Leben nur nach vorgegebenen Regeln bestimmte? Solchen Fragen geht Falk Bretschneiders Studie nach. Sie untersucht gesellschaftliche Diskurse und Veränderungen des Rechts ebenso wie institutionelle Praktiken, durch die es gelang, die Anstalten über die Zeit hinweg zu verstetigen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Alltag der Einsperrung und seinen materiellen Voraussetzungen: Das Zusammenleben von Insassen und Personal wird als ein von Verflechtungen geprägtes soziales Miteinander geschildert, zu dem Gewaltausübung und Zwang ebenso gehörten wie sexuelle Kontakte, Tauschbeziehungen, Aneignungen und Überschreitungen von Strukturen und Grenzen, Widerstand und kreative Umgehungen aufgestellter Regeln. In der Einsperrung, so das Ergebnis der Analyse, wurde unter den spezifischen Bedingungen eines institutionellen Ordnungsarrangements und unter der Voraussetzung ungleich verteilter Handlungschancen Macht behauptet und bestritten, Herrschaft ausgeübt und bezweifelt, diszipliniert und eigensinnig gelebt. Hier fand »gefangene Gesellschaft« statt.

Die vorliegende Studie untersucht die Entstehung der modernen Strafanstalt und überschreitet dabei die Epochenschwelle um 1800. Sie beginnt bei den Versuchen des frühmodernen Territorialstaats, mit der Errichtung von Zucht- und Arbeitshäusern Armut und abweichendes Verhalten in den Griff zu bekommen, und verfolgt die Wandlungsprozesse, aus denen die Strafanstalt modernen Zuschnitts hervorging. Die Studie nimmt gesellschaftliche und rechtliche Diskurse und die institutionellen Prozesse der Anstaltsgestaltung in den Blick. Einen besonderen Schwerpunkt legt sie auf die Alltagspraxis der Einsperrung.


Produktinformation

  • Verlag: Uvk
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 636 S.
  • Seitenzahl: 636
  • Konflikte und Kultur, Historische Perspektiven Bd.15
  • Deutsch
  • Abmessung: 218mm x 147mm x 39mm
  • Gewicht: 820g
  • ISBN-13: 9783896696243
  • ISBN-10: 3896696246
  • Best.Nr.: 23331769
Bretschneiders Studie und ihre Ergebnisse dürften für die Erforschung der Geschichte der Einsperrung hierzulande Modellcharakter haben. An ihr wird bei der Beschäftigung mit dem Thema niemand mehr vorbeikommen. Innovativ wie fundiert vermag es der Verfasser, ein doch grundlegend anderes Bild von der Einsperrung im 18. und 19. Jahrhundert als das bisher vorherrschende zu zeichnen. Gewissermaßen en passant wird man zudem informiert über die Einbettung der Strafanstalten in die allgemeine sächsische Geschichte. Insgesamt sind nicht nur seine Ergebnisse neu, sondern auch sein methodisch-theoretisches Instrumentarium kann zur Nachahmung empfohlen werden, etwa auch für die Betrachtung jüngerer Vollzugssysteme. Die Kombination aus Struktur und Diskursanalyse sowie Untersuchung von sozialer Praxis wird stringent durchgehalten und ist durchweg überzeugend. Dem Leser werden die Untersuchungsergebnisse zudem in einem Schreibstil und mit einer sprachlichen Ausdruckskraft offeriert, die an keiner Stelle Langeweile aufkommen oder gar die nötige Präzision vermissen lassen. Darüber hinaus ist ein reichhaltiger Anhang vorhanden: Karten, Übersichten und Grafiken, Bildtafeln, ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein Sachregister runden den überaus positiven Gesamteindruck ab. (H-Soz-u-Kult, 17.12.2008) Ein Standardwerk der Gefängsnisgeschichte im deutschsprachigen Raum liegt damit vor. (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschhichte, 3/2009) >Gefangene Gesellschaft< bietet sich somit auch als lesenswerte Einführung in die Geschichte gesellschaftlicher Ordnungsbefindlichkeiten des 18. und 19. Jahrhunderts an. Die Lektüre ist uneingeschränkt zu empfehlen. (Jahrbuch für Regionalgeschichte, 27/2009) Bretschneider has written an important contribution to prison history. (Francia-Recensio auf perspectivia.net, 21.09.2010)

Bretschneiders Studie und ihre Ergebnisse dürften für die Erforschung der Geschichte der Einsperrung hierzulande Modellcharakter haben. An ihr wird bei der Beschäftigung mit dem Thema niemand mehr vorbeikommen. Innovativ wie fundiert vermag es der Verfasser, ein doch grundlegend anderes Bild von der Einsperrung im 18. und 19. Jahrhundert als das bisher vorherrschende zu zeichnen. Gewissermaßen en passant wird man zudem informiert über die Einbettung der Strafanstalten in die allgemeine sächsische Geschichte. Insgesamt sind nicht nur seine Ergebnisse neu, sondern auch sein methodisch-theoretisches Instrumentarium kann zur Nachahmung empfohlen werden, etwa auch für die Betrachtung jüngerer Vollzugssysteme. Die Kombination aus Struktur und Diskursanalyse sowie Untersuchung von sozialer Praxis wird stringent durchgehalten und ist durchweg überzeugend. Dem Leser werden die Untersuchungsergebnisse zudem in einem Schreibstil und mit einer sprachlichen Ausdruckskraft offeriert, die an keiner Stelle Langeweile aufkommen oder gar die nötige Präzision vermissen lassen. Darüber hinaus ist ein reichhaltiger Anhang vorhanden: Karten, Übersichten und Grafiken, Bildtafeln, ein umfangreiches Literaturverzeichnis sowie ein Sachregister runden den überaus positiven Gesamteindruck ab. (H-Soz-u-Kult, 17.12.2008) Ein Standardwerk der Gefängsnisgeschichte im deutschsprachigen Raum liegt damit vor. (Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschhichte, 3/2009) Gefangene Gesellschaft
Falk Bretschneider ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Ecole des hautes études en sciences sociales (EHESS) und DAAD-Fachlektor am Centre interdisciplinaire d études et de recherches sur l Allemagne (CIERA) in Paris.

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