Ziel des Buches ist es, alle Personen, die mit der Konzeption,
praktischen Durchführung und Evaluation von Begabtenfördermaßnahmen
betraut sind, über Fördermöglichkeiten begabter Schüler und deren
Wirksamkeit zu informieren. Nach einer theoretischen Einführung zur
Evaluation von Begabtenfördermaßnahmen werden die Ergebnisse der
Evaluationsforschung zu verschiedenen Maßnahmen vorgestellt. Ob
Begabte in der Schule eher integrativ oder separiert zu fördern
sind, wird differenziert erörtert. Weitere Schwerpunkte sind die
Interventionen Akzeleration und Enrichment. Zu diesen Formen der
Begabtenförderung werden verschiedene konkrete Ansätze, wie z. B.
die vorzeitige Einschulung oder Begabten-AGs, vorgestellt. Da eine
gelungene Auswahl der begabten Schüler wesentlich zum Erfolg dieser
Maßnahmen beiträgt, werden die Möglichkeiten der Identifikation
begabter Schüler ausführlich dargestellt. Mit der Ausbildung von
geeigneten Lehrkräften wird abschließend eine weitere zentrale
Voraussetzung
erfolgreicher Begabtenförderung thematisiert.
Der Band bietet einen umfassenden Überblick über Maßnahmen der
schulischen Begabtenförderung im deutschen Schulsystem wie auch im
internationalen Rahmen.
Ziel des Buches ist es, alle Personen, die mit der Konzeption,
praktischen Durchführung und Evaluation von Begabtenfördermaßnahmen
betraut sind, über Fördermöglichkeiten begabter Schüler und deren
Wirksamkeit zu informieren. Nach einer theoretischen Einführung zur
Evaluation von Begabtenfördermaßnahmen werden die Ergebnisse der
Evaluationsforschung zu verschiedenen Maßnahmen vorgestellt. Ob
Begabte in der Schule eher integrativ oder separiert zu fördern
sind, wird differenziert erörtert.Weitere Schwerpunkte sind die
Interventionen Akzeleration und Enrichment. Zu diesen Formen der
Begabtenförderung werden verschiedene konkrete Ansätze, wie z. B.
die vorzeitige Einschulung oder Begabten- AGs, vorgestellt. Da eine
gelungene Auswahl der begabten Schüler wesentlich zum Erfolg dieser
Maßnahmen beiträgt,werden die Möglichkeiten der Identifikation
begabter Schüler ausführlich dargestellt. Mit der Ausbildung von
geeigneten Lehrkräften wird abschließend eine weitere zentrale
Voraussetzung erfolgreicher Begabtenförderung thematisiert.
Professorin Dr. Franzis Preckel leitete von 2004 bis 2006 die Begabungspsychologische Beratungsstelle der Ludwig-Maximilians-Universität München. Seit 2006 ist sie Leiterin der Abteilung Hochbegabtenforschung und -förderung im Fach Psychologie an der Universität Trier.
Leseprobe zu "Förderung Hochbegabter in der Schule"
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Leseprobe zu "Förderung Hochbegabter in der Schule"
3 Akzeleration ( S. 51)
3.1 Akzelerationsmaßnahmen Als Akzeleration bezeichnet man nach Heinbokel (1996) „jede Maßnahme, die es einer Schülerin oder einem Schüler ermöglicht, den vorgesehenen Lehrplan oder Teile davon früher zu beginnen, zu beenden oder schneller zu passieren, als es teils üblich, teils gesetzlich vorgesehen ist" (S. 1). Dabei soll der Begriff Akzeleration jedoch nicht nahe legen, diese Maßnahme ziele auf eine quasi künstliche Beschleunigung der natürlichen Entwicklung.
Der Lehrplan wird flexibel gestaltet und orientiert sich an den Fähigkeiten und nicht am Alter der Schülerin bzw. des Schülers (Paulus, 1984). Optimalerweise wird durch Akzeleration das für den jeweiligen Schüler angemessene Ausmaß an Herausforderung erreicht, gleichzeitig wird die insgesamt notwendige Zeit für das Absolvieren des üblichen Curriculums verkürzt.
Lubinski und Benbow (2000) schlagen als alternativen Begriff zu Akzeleration daher auch die Bezeichnung „entwicklungsangemessene Platzierung" (appropriate developmental placement) vor. Ziel einer Akzeleration ist es also, die Schülerin bzw. den Schüler auf einer Ebene zu unterrichten, z. B. durch den Wechsel in eine höhere Klassenstufe, die seiner Begabung und seiner Motivation entspricht (Feldhusen, 1989).
Einer schulischen Unterforderung kann mit Akzelerationsmaßnahmen vorgebeugt werden bzw. es kann eine schon bestehende Unterforderungssituation entschärft werden. Von allen Fördermaßnahmen für hochbegabte Schülerinnen und Schüler ist die Akzeleration am besten durch empirische Studien gestützt (Colangelo, Assouline &, Gross, 2004, Benbow, 1992).
Einige Autorinnen und Autoren argumentieren, es handele sich bei der Akzeleration im Grunde nicht um eine Fördermaßnahme für Hochbegabte im engeren Sinne, sondern eher um eine rein formale Anpassung der Schulstufe an die vorhandenen Fähigkeiten (z. B. Jost, 1999, Fels, 1999). Darüber hinaus reiche diese Maßnahme allein häufig nicht aus, da das allgemein erhöhte Lerntempo hochbegabter Schülerinnen und Schüler sehr bald wieder zu einer Diskrepanz zwischen eigenen Fähigkeiten und schulischen Anforderungen führe.
Dennoch besteht in der wissenschaftlichen Literatur weitgehend Konsens darin, dass Akzeleration ein wichtiger Schritt sein kann, den Bedürfnissen Hochbegabter besser zu entsprechen. Akzelerationsmaßnahmen können auf allen Altersstufen während der Kindheit und Jugend ansetzen. In der Literatur wird von verschiedenen Akzelerationsmaßnahmen berichtet, die häufig auf das amerikanische Schulsystem zugeschnitten sind.
Die im deutschen Schulsystem am häufigsten eingesetzten Formen sind:
• vorzeitige Einschulung,
• Überspringen von Schulklassen (individuell oder in Gruppen) und
• Akzeleration ganzer Schulklassen.
Neben diesen klassenstufenbezogenen Formen der Akzeleration, in denen eine Schülerin oder ein Schüler in eine fortgeschrittene Lerngruppe, bzw. auf eine höhere Lernstufe – sei es in der Grundschule, der weiterführenden Schule oder der Universität – wechselt, gibt es weitere Formen der Akzeleration, die Southern und Jones (1991) als individuelle Akzeleration bezeichnen.
Eine Möglichkeit der individuellen Akzeleration ist die fachspezifische Akzeleration, in der die Schülerin oder der Schüler in einem oder mehreren Fächern am Unterricht einer höheren Klasse teilnimmt, formal aber in seiner Klassenstufe verbleibt. Eine weitere Möglichkeit der individuellen Akzeleration ist ein vorzeitiger Besuch von Universitätsveranstaltungen vor dem Erreichen des Schulabschlusses.
Diese Möglichkeit ist in den USA seit den 1950er Jahren in Form von Advanced Placement (AP)-Programmen, in denen Schülerinnen und Schüler der Highschool spezielle College-Kurse besuchen können, weit verbreitet.
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