Eva und Adam - Flasch, Kurt

Kurt Flasch 

Eva und Adam

Wandlungen eines Mythos

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Eva und Adam

Dieses Buch handelt vom Ursprung der Menschheit, von Gott und der Erschaffung Evas; es erzählt vom Paradies und der Erbsünde. Es rückt Eva ein wenig in den Vordergrund und zeigt erneut die Macht des männlichen Blicks auf die Frau. Das Buch betrachtet Eva und Adam als Themen der westlichen Kunst, des westlichen Glaubens und Wissens. Es teilt - so heiter und so kurz wie möglich - ein paar wenig bekannte Einzelheiten mit aus dem Grenzgelände zwischen Kunst- und Ideengeschichte.
Kurt Flasch redet als Historiker von Bildern und Ideen. Er erzählt als Reisender, der Eva und Adam oft begegnet ist, an der Bernwardstür in Hildesheim, an der Fassade von Notre Dame und am Adamportal in Bamberg, in der Brancacci-Kapelle in Florenz und in der Sistina im Vatikan. Noch öfter hat er sie angetroffen in alten Texten.
Sein Buch hat zwei Teile. Im ersten Teil präsentiert Flasch die Bilder und Erzählungen, ihre Umformungen und Auslegungen. Im zweiten Teil gibt er einen Eindruck von der europäischen Denkarbeit an dem ursprünglich orientalischen Stoff und stellt die Doktrinen und Denkgebäude vor, die von der Paradieserzählung motiviert wurden - das große christliche Dauerthema von Erbsünde und Rettung.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2005
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 110 S. m. meist farb. Abb.
  • Seitenzahl: 110
  • Deutsch
  • Abmessung: 223mm x 156mm x 12mm
  • Gewicht: 258g
  • ISBN-13: 9783406527630
  • ISBN-10: 3406527639
  • Best.Nr.: 13292734

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "opulenten philologischen Meta-Kommentar zur Geschichte der Kommentare des Paradiesmythos" würdigt Hans Ulrich Gumbrecht dieses Buch über Wandlungen des Mythos von Adam und Eva, das Kurt Flasch vorgelegt hat. Wie Gumbrecht berichtet, verfolgt Flasch die fast dreitausendjährige Arbeit am Paradiesmythos des Alten Testaments, wobei er nicht die theologischen und philosophischen Themen in den Vordergrund stellt, auch nicht die allegorischen Deutungen, sondern die wörtlichen Interpretationen der Geschichte. So schreibe Flasch etwa über die "keineswegs trockenen" Spekulationen zur Formung Adams aus Lehm und Evas aus der Rippe, von Augustinus’ Vorstellung des Geschlechtsverkehrs im Paradies oder über die Rätsel, welche die vom Ur-Paar nach dem Sündenfall entdeckte Nacktheit den Exegeten aufgab. Gumbrecht hebt die heitere Gelassenheit von Flaschs Tonfall hervor, die denkbar weit von der herablassenden Ironie entfernt sei, "mit der sich die westlichen Intellektuellen der letzten Jahrhunderte zumal über die wörtlichen Deutungen der Bibel erheben zu können glaubten."

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2005

Macht beim Sündenfall
Kurt Flasch bewirbt sich als Eva-Beauftragter der Kulturgeschichte / Von Jürgen Kaube

Die Sache mit der Frauenherkunft wird auch in diesem Buch nicht abschließend geklärt. Ex costa viri - aus des Mannes Rippe sei die Eva hervorgegangen, das, betonte die Kirchengeschichte mehr als tausend Jahre lang, sei buchstäblich zu nehmen. Also hatte Adam dreizehn Stück davon, bevor ihm die eine folgenreich entnommen wurde? Warum aber zeigen so viele Bildwerke die beiden mit Bauchnabeln? Genügt eine Rippe überdies, um eine ganze Frau daraus zu schaffen? Sind Frauen auch darum so zart, weil gar nicht genug Substanz für sie da war und es einer starken Verdünnung (rarefactio) bedurfte, um sie zu formen? Und weshalb ausgerechnet aus der Rippe? Weil die politisch korrekt in der Mitte des Körpers sitzt (Meister Eckhart), oder weil es auf eine mehr oder weniger nicht ankommt? John Miltons Urvater Adam in "Paradise Lost" jedenfalls fand, es sei ihm vielleicht doch ein bißchen zu viel weggenommen worden, "so absolute she seems / and in herself complete". Aber das blieb eine Mindermeinung.

Mit einer Wendung A. N. Whiteheads mag man …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.03.2005

Unheil und andere Ordnungswidrigkeiten
Kurt Flaschs Buch über „Eva und Adam” ist geistvoll, gelehrt und unterhaltsam - aber auch ein billiges Vergnügen
Jacques-Bénigne Bossuet, der fromme und gelehrte Bischof von Meaux, begann seinen 1681 erschienenen „Diskurs über die Universalgeschichte”, ein für den französischen Königssohn bestimmtes Lehrbuch, mit dem Satz: „Die allererste Epoche bietet ein großes Schauspiel: Gott erschafft durch sein Wort Himmel und Erde und den Menschen nach seinem Bilde - 4004 vor Christus”. Noch glaubte man an die Übereinstimmung von Bibel und historischer Zeitrechnung. Bossuet fuhr fort: „In einem einzigen Menschen lässt Gott uns alle Menschen sehen, und sogar dessen Frau wird aus ihm herausgezogen”. Er spricht von dem „Sündenfall Adams und Evas” als dem „Unheil für all ihre Nachkommen”. Bossuets „Discours” war der letzte Versuch in der Nachfolge von Augustinus’ „Gottesstaat”, die Universalgeschichte als Heilsgeschichte zu schildern und mit dem mosaischen Schöpfungsbericht beginnen zu lassen.
Achtzig Jahre später wird Voltaire, der sich als Jesuitenschüler in theologischen Fragen auskannte, …

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Kurt Flasch, geboren 1930 in Mainz, studierte Philosophie, Geschichte, Gräzistik und Germanistik in Bonn und Frankfurt, wo er 1956 promovierte und 1969 habilitierte. Von 1970 bis 1995 war er Ordinarius für Philosophie im Philosophischen Institut der Ruhr-Universität Bochum. Darüber hinaus hielt er zahlreiche Gastvorlesungen, u.a. an der Sorbonne in Paris. Kurt Flasch verfasste zahlreiche Publikationen und wurde mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, u.a. dem "Sigmund-Freud-Preis" für wissenschaftliche Prosa (2000) der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, dem "Hannah- Arendt-Preis" (2009) und dem "Joseph-Breitbach-Preis" (2012).

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