Dossier K. - Kertesz, Imre

Imre Kertesz 

Dossier K.

Eine Ermittlung

Aus d. Ungarischen v. Kristin Schwamm
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Dossier K.

Imre Kertész´ Autobiographie - der Schlüssel zu seinem Lebenswerk

Imre Kertész gilt heute unangefochten als einer der großen künstlerischen und denkerischen Deuter der Welt nach Auschwitz. Sein Werk wird als autobiographisch gelesen, doch ist es notwendig komponiert durch die Gesetze von Stil und Fiktion. Wie steht es mit seinem Leben in Verbindung? Unter welchen Umständen ist es entstanden?

Mit "Dossier K." legt Kertész nunmehr eine Art Autobiographie vor, eine skrupulöse (Selbst-)Befragung im Dienste persönlicher und historischer Wahrhaftigkeit. Sie erschließt nicht nur die intimen Zusammenhänge von Leben und Werk mitsamt ihren poetologischen Voraussetzungen, sondern ist, im besten Sinne des Wortes, Zeitzeugenschaft - von Kertész´ familiären Wurzeln in der versunkenen jüdischen Kultur Vorkriegsungarns über die Schrecken des Nationalsozialismus bis hin zu einem politisch bewussten Leben zwischen stalinistischen Schauprozessen, Aufstand und Diktatur.



Produktinformation

  • Verlag: ROWOHLT, REINBEK
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 238 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 132mm x 22mm
  • Gewicht: 320g
  • ISBN-13: 9783498035303
  • ISBN-10: 3498035304
  • Best.Nr.: 14121944
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2006

Zufällig hat keinen Sinn
Kunst der Selbstbefragung: Imre Kertész’ „Dossier K. Eine Ermittlung”
Auf jede gute Frage, die gestellt werden kann, kommen Dutzende, die schlecht sind, mal sind sie tautologisch, mal deplaziert. Zur ersten Sorte gehört die  Frage, die jedem siegreichen Sportler präsentiert wird: „Wie fühlen Sie sich jetzt?” Die Sportler antworten dann „sehr gut”. Zur zweiten Sorte gehören alle Fragen, die an den Befragten ganz und gar vorbeigehen. Beispiele für diese Kategorie gibt das Feuilleton, dasauch jene Schriftsteller um Kommentare zur politischen Lage bittet, die sich garnicht in der Lage befinden, einen engagierten oder informierten Kommentar abzugeben. Wie man Fragen stellt, zeigt Imre Kertész in seiner Selbstbefragung „Dossier K. Eine Ermittlung.” Der Titel ist hübsch gewählt, entspricht indes nicht dem Text: „Dossier K.” ist keine kühle Einvernahme, sondern ein exemplarisches Beispiel dafür, wie man ein Interview führt. Das Buch ist ein Zwiegespräch. Kertész, der Fragende, hat ein gutes Gespür dafür, wann er nachhaken muss und wann er in Kertész, den Antwortenden, nicht weiter dringen darf. „Dossier …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Ich bin, sagt K., mein eigener Gegenmensch
Diamanten im Bergwerk der Erinnerung: Imre Kertész erzählt sein Leben als fiktives Gespräch / Von Andreas Kilb

Den Anstoß zu diesem Buch, erzählt Imre Kertész in seiner Vorbemerkung zu "Dossier K.", hätten die Tonbandabschriften eines Interviews gegeben, das ein befreundeter Lektor mit ihm in den Jahren 2003 und 2004 geführt habe. "Als ich die ersten Sätze gelesen hatte, legte ich den Manuskriptpacken beiseite und öffnete, sozusagen mit einer unwillkürlichen Bewegung, den Deckel meines Computers..." Das klingt zu lässig, zu beiläufig, um wahr zu sein, zumal bei diesem Autor.

Und wenn man die dann folgenden, akribisch durchkomponierten 230 Seiten gelesen hat, klingt es noch unwahrscheinlicher. Dennoch sollte man das kleine Vorwort nicht einfach beiseite schieben. Denn es enthält eine genaue Anleitung, wie dieses Buch zu lesen ist. Das Gespräch mit dem Freund hat es wirklich gegeben, auch wenn Kertész es anschließend neu erfunden hat - so, wie es das Leben des Imre Kertész wirklich gab und gibt, auch wenn es in seinen Büchern zum Gegenstand seiner Imagination wird. Daß der "Roman eines …

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Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Mit seiner "unerbittlich klugen Autobiografie" hat Imre Kertesz Rezensentin Ina Hartwig außerordentlich beeindruckt. Sie hat "Dossier K" einerseits als Einführung ins Kertesz' Werk und andererseits als Resümee seines Lebens gelesen. Ausgesprochen "erkenntnisfördernd" findet es die Rezensentin, die "Dossier K." den Aufmacher der FR-Buchmessenbeilage widmet, dass dieses ungewöhnliche Erinnerungsbuch fast zeitgleich mit den Memoiren von Günter Grass und Joachim Fest erschienen ist. Kertesz habe jedoch eine unübliche Form, nämlich die eines Frage-und-Antwort-Spiels gewählt. Sein Gegenüber sei ein wesentlich jüngerer Mann, ein Christ außerdem. Die Form weckt in der Rezensentin Assoziationen an Platonische Dialoge, stalinistische Verhöre und vor allem Kafkas "Prozess". So ist das Buch aus ihrer Sicht auch der Versuch, Werk und Leben, Fiktion und Wirklichkeit einander anzunähern. Die Rezensentin bewundert im Übrigen Kerteszs "glasklaren Hochmut", der ihn sich sogar mit Theodor W. Adorno anlegen lässt und seiner These biografische Nahrung gibt, dass "jede einmalige Geschichte Kitsch" und der Mensch an sich schicksallos sei.

© Perlentaucher Medien GmbH

"Dies ist das einzige meiner Bücher, das ich eher auf äußere Veranlassung als aus innerem Antrieb geschreiben habe: eine regelrechte Autobiographie." - Imre Kertesz
Imre Kertesz, 1929 in Budapest geboren, wurde 1944 nach Auschwitz deportiert und 1945 in Buchenwald befreit. Er gilt seit dem späten Erfolg seines "Roman eines Schicksallosen" als einer der großen europäischen Schriftsteller. Die jahrelange Arbeit an diesem Roman, der 1975 in Ungarn erschien, finanzierte er durch Musicals und Unterhaltungsstücke. Er betätigte sich als Übersetzer von Freud, Nietzsche, Hofmannsthal, Canetti, Wittgenstein und anderen. 2000 erhielt er den "Welt"-Literaturpreis, 2002 den Nobelpreis für Literatur und 2004 den Ehrenpreis des Bayerischen Ministerpräsidenten und den Corine - Internationaler Buchpreis 2004 für sein Lebenswerk. 2009 wurde Imre Kertesz mit dem Jean Améry-Preis für Essayistik geehrt.

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