Die Zeitwaage - Seiler, Lutz

Lutz Seiler 

Die Zeitwaage

Erzählungen. Ausgezeichnet mit dem Deutschen Erzählerpreis 2010

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Die Zeitwaage

Mit der Ruhe eines Seiltänzers bewegt sich dieser Träumer auch durch das Nachwende-Berlin. Zu den Dingen, die dabei in seinen Besitz geraten, gehört eine einzigartige Uhr, in deren Ticken er die Geschichte hören kann, die ihm geschehen ist.

Lutz Seilers lange erwartetes neues Buch enthält neben Turksib, für die er mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde, dreizehn neue Erzählungen. Ob in der Geschichte einer gespielten Erschießung oder im alltäglichen Drama einer wirklichen Trennung - in allen Texten des Bandes Die Zeitwaage geht es um prägende Wendepunkte, um das Groteske im Leben und unser häufig vergebliches Ringen um einen anderen Verlauf.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 284 S.
  • Seitenzahl: 284
  • Best.Nr. des Verlages: 42115
  • Deutsch
  • Abmessung: 204mm x 128mm x 27mm
  • Gewicht: 386g
  • ISBN-13: 9783518421154
  • ISBN-10: 3518421158
  • Best.Nr.: 26390835

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Rezensent Helmut Böttiger stellt mit Freude und Erleichterung fest, dass Lutz Seilers Erzählband  "Die Zweitwaage" hält, was seinerzeit die Leseprobe beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2007 versprochen hat. Dort hatte ihn die Erzählung "Turksib" über eine Zugfahrt durch Kasachstan, die im vorliegenden Band enthalten ist, bereits durch ihre zeitlos-mythische Atmosphäre fasziniert. Die restlichen 12 Erzählungen sind in Ton und Sujet ganz unterschiedlich, sie reichen von einer zweiteiligen Trennungsgeschichte bis zu Erzählungen aus der DDR-Kindheit und Jugend und greifen viele Motive aus der Lyrik des Autors auf, erzählt der Rezensent. Nicht selten fühlt er sich in den Motiven und im Ton zudem an Wolfgang Hilbig erinnert, dem er in Seilers Erzählungen "gehuldigt" sieht. Unter anderem greift der begeisterte Böttiger die titelgebende Erzählung "Die Zeitwaage" heraus, die ihm sehr gefallen hat. Sie schildert auf beeindruckende Weise eine persönliche Umbruchzeit des Erzählers in den Monaten vom Mauerfall bis zur D-Mark-Einführung und bringt so diese beiden Ereignisse, ohne die politische Situation überhaupt zu benennen, zur Deckung, so Böttiger fasziniert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 13.10.2009

Maschinist für Seifenblasen
Endlose Inspektion, immerwährende Durchsicht: In „Lichtwaage” erzählt Lutz Seiler von einer proletarischen Idealzeit, die es nie gab und die doch zu Ende ging Von Helmut Böttiger
Im Jahr 2007 geschah beim Klagenfurter Ingeborg-Bachmann-Wettlesen etwas Ungewöhnliches. Wie immer lasen Autoren und Autorinnen eine Prosa, die nicht weiter auffiel und von der man ahnte, dass man sie nach kurzer Zeit wieder vergessen haben würde. Dann aber kam Lutz Seiler an die Reihe, und nach wenigen Worten erfüllte ein fast unbekanntes Gefühl den Saal, wie wenn man plötzlich an die Literatur selbst gerührt hätte. Seilers Erzählung „Turksib” entfaltete etwas Zeitlos-Mythisches, hier eröffneten die Worte einen ganz eigenen Raum. Eine Zugfahrt in den entlegenen Weiten Kasachstans, ein Heizer, ein Lied von Heinrich Heine, und der Geigerzähler, der leitmotivisch auftaucht und die Radioaktivität misst, kündet von der untergründigen Bedrohung der gesamten Szene.
„Turksib” ist eine der dreizehn Erzählungen, die Seiler nun in einem Band vorlegt. Ob die anderen Texte dieses Versprechen, diese große Suggestion aufrechterhalten könnten, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.10.2009

Schirmmützen stehen dem Arbeiter nicht

Als wär's die letzte Stimme in der Welt: Die Erzählungen von Lutz Seiler sind Fragmente eines autobiographischen Romans.

Von Hans-Jürgen Schings

Lutz Seiler, bekannt geworden als Lyriker mit schmalem Werk und vielen Preisen, erinnert an jenen Riesen, dem nur strikte Bodenhaftung Stärke verleiht. Sobald er das Terrain seiner Herkunft nicht mehr unter den Füßen spürt, kommt das Unheil, stellen sich Katastrophen ein. Allerdings gibt es dann auch einen Gewinn: die Autorschaft. Der erste größere Band mit Erzählungen, den der gebürtige Geraer, Jahrgang 1963, jetzt vorlegt, zeigt dies in einem Dutzend Variationen, die allesamt um das Thema der verlorenen Ursprünge kreisen, verhalten, ja spröde und doch eindrucksvoll sie alle, darunter ein oder zwei von herausragender Qualität.

Reisen jedenfalls tut nicht gut. Kalifornien, Los Angeles und der Pazifik zum Beispiel: Mehr kann man nicht fremdeln als der Erzähler, der schon Basecaps und Sonnenbrillen nicht mag. Die Empfindlichkeit dieses Reisenden ist rasch überfordert. Überäugig, von Details bedrängt und verkrampften Herzens glaubt er zu …

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"Lutz Seiler hat durch seine Gedichtbände Aufsehen erregt und zuletzt Essays veröffentlicht, die den Essay als eine verdichtete, hoch poetische Form ausweisen. Dass er sich nun der Prosa zuwendet, wurde in literarischen Kreisen aufmerksam verfolgt, schien er doch ein Dichter sui generis zu sein. ... Seiler erweist sich in dieser Prosa als ein Autor, der sehr konzentriert schreibt, der in den Details, die er nennt, immer eine tiefere Dimension mitschwingen lässt. In fast allen Szenen liegt etwas Allegorisches, eine zeitlos anmutende Erfahrung."<br />Helmut Böttiger Deutschlandradio Kultur

»Es ist ein Buch der Bilder. Prosa eines Dichters. Das merkt man jedem dieser klingenden Sätze an. … Seilers Texte thematisieren die kleinen, ganz alltäglichen Beschädigungen, die sich beiderseits der Mauer ereignet haben. Sie machen Seilers Erzählungen zu einem Erlebnis.«

»Es ist ein Buch der Bilder. Prosa eines Dichters. Das merkt man jedem dieser klingenden Sätze an. … Seilers Texte thematisieren die kleinen, ganz alltäglichen Beschädigungen, die sich beiderseits der Mauer ereignet haben. Sie machen Seilers Erzählungen zu einem Erlebnis.«
Lutz Seiler, geboren 1963, lebt und arbeitet als Schriftsteller in Wilhelmshorst bei Berlin. Er erhielt u.a. den Kranichsteiner Literaturpreis (1999) und 2007 den Bachmannpreis.

Inhaltsangabe

Frank Im Geräusch Turksib Der Kapuzenkuß Die Schuldamsel Der Stotterer Der Badgang Schachtrilogie Und jetzt erschießen wir dich, du alter Mann Na? Die Zeitwaage

Inhaltsangabe

Frank
Im Geräusch
Turksib
Der Kapuzenkuß
Die Schuldamsel
Der Stotterer
Der Badgang
Schachtrilogie
Und jetzt erschießen wir dich, du alter Mann
Na?
Die Zeitwaage

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