Die Maske der Verräter - Schweikert, Ulrike

Die Maske der Verräter

Ulrike Schweikert 

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Die Maske der Verräter

Ein historischer Krimi der Meisterklasse

Würzburg im Jahr 1453: Zu später Stunde preschen drei maskierte Reiter in höchster Eile in die Schmiede von Meister Buchner und verlangen ein neues Hufeisen für eines ihrer Tiere. Der Schmiedelehrling Jos gerät in eine lebensgefährliche Verschwörung, als er zufällig die Unterredung der drei belauscht. Ein Mordanschlag wird geplant und ein Armbrustschütze soll der Täter sein. Doch wem gilt der Anschlag? Warum wird kurz darauf einer der Verschwörer tot aufgefunden? Und was haben der unheimliche Henker der Stadt und seine schöne junge Frau Rebecca mit den Morden zu tun? Jos und seiner Freundin Sara wird schnell klar, dass die Täter es auf die allerhöchsten politischen Kreise abgesehen haben - und dass ihr Verrat Stadt und Land erschüttern wird.
- Überzeugende Charaktere, mitreißende Schilderungen, atemlose Spannung bis zur letzten Seite
- Das spannungsreiche 15. Jahrhundert: Ein faszinierendes Stück Geschichte wird lebendig

"Die Autorin beweist ein besonderes Geschick beim Beschreiben der Charaktere: Alle, bis in die kleinste Nebenfigur, haben mich als Menschen aus Fleisch und Blut überzeugt." Brigitte extra

"Mit dem sechzehnjährigen Jos, seiner Freundin Sara und der geächteten Henkerstochter hat die Autorin starke und eigenwillige Protagonisten entworfen, mit denen sich jugendliche Leser beiderlei Geschlechts identifizieren können - keine Helden, sondern glaubwürdige Charaktere, die gerade in ihren Konflikten, Unsicherheiten und Widersprüchen zu überzeugen vermögen . (...) Liebevoll recherchiert, perfekt konstruiert und fesselnd bis zum Schluss: So macht Geschichtsunterricht Spaß!" Pressemitteilung Hansjörg Martin Kinder- und Jugendkrimipreis 2004

"Ein gelungener, anschaulicher Historienkrimi!"Brigitte Young Miss zu " Die Tochter des Salzsieders"

"Die Autorin versteht es, die Spannung zu halten, immer wieder neue Fäden zu spinnen. Und glaubt man endlich am Ziel zu sein, ergibt sich wieder eine neue Wendung, die Spannung bleibt bis zum Schluss."

Rolf Brockschmidt / Tagesspiegel "Ulrike Schweikert überzeugt durch mitreißende Schilderungen und interessante Charaktere. Mit ihnen erleben die Leser hautnah das 15. Jahrhundert, die Armut des Volkes und die Machtgier der Oberen."

Gisela Esser / Generalanzeiger "Der historische Roman aus dem spätmittelalterlichen Würzburg verbindet geschickt die Vorzüge eines unterhaltsamen, spannenden Reißers mit solider und farbiger kulturhistorischer Schilderung."Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendliteratur / Prof. Dr. Kurt Franz


Produktinformation

  • Verlag: Cbj
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 479 S.
  • Seitenzahl: 479
  • Altersempfehlung: ab 12 Jahren
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 750g
  • ISBN-13: 9783570129678
  • ISBN-10: 3570129675
  • Best.Nr.: 20943338
Ulrike Schweikert, geb. 1966, arbeitete nach einer Banklehre als Wertpapierhändlerin und studierte Geologie und Journalismus. Sie ist eine der erfolgreichsten deutschen Autorinnen historischer Romane. Aber auch das fantastische Genre beherrscht sie meisterhaft. Ulrike Schweikert lebt und schreibt in der Nähe von Stuttgart.

Leseprobe zu "Die Maske der Verräter"

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Leseprobe zu "Die Maske der Verräter" von Ulrike Schweikert

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Leseprobe zu "Die Maske der Verräter" von Ulrike Schweikert

Und, habt Ihr schon einen Plan? Wie sollen wir vorgehen?"

Die beiden Männer saßen sich in dem prächtigen Gemach gegenüber, tranken schweren roten Wein und lehnten sich behaglich in den dicken Kissen der Ruhebänke zurück.

"Ein sauberer Schuss, das ist das Einfachste", sagte der Gast und goss sich Wein nach.

"Ein Schuss kann fehlgehen", gab der Hausherr zu bedenken. "Wir dürfen kein Risiko eingehen."

"Ich spreche ja nicht von diesen neumodischen Büchsen!", erwiderte der Besucher. "Ich halte nichts von Krach und Pulverdampf. Außerdem sind sie zu unförmig und schwer und müssen irgendwo aufgelegt werden. Ich spreche von einem kleinen, gut platzierten Armbrustbolzen. Wir werden in dieser Stadt doch einen passenden Schützen auftreiben!"

"Ich weiß nicht", sagte der Hausherr gedehnt und rückte sich die Kissen in seinem Rücken zurecht. "Ich möchte die Sache aus der Welt geschafft haben - sicher und endgültig -, und zwar bald! Ich bin für eine Klinge in den Rücken, glatt und schnell."

Sein Gegenüber lachte. "Ja, das kann ich mir denken. Und gewiss habt Ihr jemanden bei der Hand, der sich für dieses Vorhaben anbietet. Ihr glaubt doch nicht etwa, er würde mit dieser Tat davonkommen? Nein, wenn wir es auf Eure Weise machen.

"Ja, sicher." Der Hausherr nickte und gähnte gelangweilt. Er strich sich durch sein dichtes graues Haar. "Schließlich haben weder Ihr noch ich vor, selbst eine Klinge in die Hand zu nehmen. Für große Taten muss man immer Opfer bringen!"

Die Frau, die vor der Tür stand und ihr Ohr an den Spalt presste, schürzte voll Abscheu die Lippen.

Opfer bringen, ja, das müssen stets die anderen, und das Blut auf ihre Hände und ihre Seele kommen lassen, während sich die großen Herren ihre Finger höchstens mit teurem Wein beschmutzen!

Schritte näherten sich von der Treppe her. Die junge Frau war so sehr darauf konzentriert, jedes Wort zu verstehen, das hinter der Tür gesprochen wurde, dass sie erst aufschreckte, als eine Stimme sie anrief.

"He, was machst du da?"

Sie drehte sich nicht nach dem Sprecher um, so viel Geistesgegenwart besaß sie noch. Stattdessen raffte sie ihre Röcke und rannte den Gang entlang davon.

"Bleib stehen! Bleib sofort stehen!" Der Mann lief ihr nach.

Hatte er sie erkannt? Ihr Herz schlug wild. Immerhin rief er sie nicht bei ihrem Namen und er hatte sie mit dem vertraulichen "Du" angesprochen. Wie lange jedoch konnte es dauern, bis er den Kreis der möglichen Lauscherinnen so eingegrenzt hatte, dass er unweigerlich auf ihren Namen stieß? So viele Frauen gingen in diesem Haus nicht aus und ein! Was würde dann mit ihr geschehen?

Sabina lief um zwei Ecken herum, riss die Tür zu der schmalen Treppe der Bediensteten auf und eilte die Stufen hinunter. Im Hof war es dunkel. Sie ließ sich nicht die Zeit, sich nach ihrem Verfolger umzusehen. Sie wusste, dass er ihr noch auf den Fersen war. Hier, innerhalb der Mauern des Hofes, würde sie ihm nicht entgehen. Sabina rannte durch das Tor hinaus, hastete ein paar Gassen entlang und drückte sich dann in eine Nische hinter eine Scheune. Ihr Atem ging schnell und in ihrer Seite stach es. Sie versuchte, über ihren Herzschlag hinweg etwas zu hören. Näherten sich Schritte auf der Gasse? Folgte er ihr noch immer? Außer den üblichen abendlichen Geräuschen der Stadt war nichts zu hören.

Langsam beruhigten sich Herzschlag und Atem, doch ihr Geist blieb in Aufruhr. Er trug nun ein tödliches Geheimnis in sich - tödlich für andere und vielleicht auch für sie selbst. Sie hatte die Stimme des Dienstmannes erkannt, der sie beim Lauschen erwischt hatte. Es war der Leibdiener des Hausherrn. Er machte nicht den Eindruck, als wäre er sonderlich hell im Kopf. Die Frage aber war: Würde er seinem Herrn von diesem Vorfall erzählen? Sie konnte nur hoffen und beten, dass der Diener zu große Angst vor dem Zorn des Herrn hatte und daher lieber schwieg. Denn der Herr war unberechenbar und wusste seinen Verstand wohl zu gebrauchen. Allein der Blick aus seinen kalten blauen Augen ließ alle erschaudern. Es war, als könne er die geheimsten Gedanken lesen und den Menschen bis in die Seele sehen. Sabina liebte ihn nicht gerade und ging ihm, wann immer es möglich war, aus dem Weg. Dabei konnte er durchaus angenehm sein. Wenn er seine Stimme freundlich klingen ließ, dann trat ein glückliches Leuchten in das Antlitz der Angesprochenen, und sie beeilten sich, seinen Wünschen Folge zu leisten. Ja, sie waren sogar dankbar, ihm dienen zu können. Sabina hatte sich in den vergangenen Monaten oft gefragt, ob es ein Engel oder ein Dämon der Hölle war, der ihm diese Gabe verlieh. Heute wäre sie bereit gewesen zu schwören, dass es nur ein Höllenfürst sein konnte.

Bei ihr allerdings ging der Herr stets sparsam mit seiner einschmeichelnden Stimme um. Der jungen Frau wurden meistens nur seine schroffen Befehle zuteil, die jeden, der sie hörte, den Kopf ein wenig tiefer zwischen die Schultern ziehen ließen. Wenn er erfuhr, dass sie seinen schrecklichen Plan belauscht hatte, was würde er dann mit ihr machen? Waren ihr Name und ihre Herkunft Schutz genug? Oder würde er entscheiden, dass das Risiko, sie am Leben zu lassen, zu groß für ihn wäre? Würde er kalt lächelnd den Befehl geben, ihr ein Messer ins Herz zu stoßen oder ihr den Giftbecher zu reichen? Würde er den Mord gar selbst ausführen? Wäre das Letzte, was sie auf dieser Erde sehen würde, seine Gestalt? Groß und aufrecht, wie ein König, Silberfäden im dichten Haar, die Haut im Gesicht noch straff. Und diese blauen Augen, aus denen er sie ansah, ohne auch nur einmal mit den Wimpern zu zucken.

Sabina schloss gequält die Lider. Für einen Moment erwog sie, nicht mehr zum Hof zurückzukehren. Wohin jedoch sollte sie sich dann wenden? Gab es andere Verwandte, bei denen sie Unterschlupf finden konnte? Würden sie sie nicht zurückschicken, wenn sie die Wahrheit nicht kannten? Oder würde er sie selbst verfolgen und zurückholen?

Bedauernd kam sie zu dem Schluss, dass es in dieser Welt keinen Platz gab, zu dem sie fliehen konnte. Vielleicht hatte der Diener sie ja gar nicht erkannt, versuchte sie, sich Mut zuzusprechen. Dann würde sie mit einer Flucht den Stein erst ins Rollen bringen. Jede Minute, die sie dem Hof länger fernblieb, erhöhte das Risiko, dass man sie suchen und nicht finden würde. Wie sollte sie ihre Abwesenheit erklären? Nein, es blieb ihr nichts anderes übrig. Sie musste zurück.

Sorgfältig ordnete Sabina ihre Röcke und machte sich gemessenen Schrittes auf den Weg. Sie schlüpfte durch eine Seitentür in den verlassenen Hof und schlich ins Haus. Als Erstes wechselte sie ihr Gewand und verstaute ihr blondes Haar in einem bestickten Netz. Dann wandte sie sich mit einem bemüht sorglosen Lächeln ihrer Handarbeit zu.

Kapitel 1

Die Schmiede in der Hörrleingasse

Das Pferd schnaubte nervös. Es war eine schöne Fuchsstute, hochgewachsen, mit schlanken Beinen und weißen Fesseln. Ihr Besitzer schlug mit der Gerte gegen ihre Hinterflanke.

"Nun stell dich nicht so an!", schimpfte der Mann, der ein edles Gewand trug. "Steh still, du Teufelsvieh!" Doch die Stute rollte mit den Augen und wich zur Seite aus, sodass sie ihrem Herrn fast die Zügel aus der Hand riss.

Jos blieb stehen und sah von Reiter und Pferd zu dem Mann, der nun aus dem Halbdunkeln der Schmiede trat. Der war kaum mittelgroß. Unter seiner Lederschürze wölbte sich ein dicker Wanst. Seine Füße steckten in groben Holzschuhen. Seine nackten Arme waren muskulös und von dunklem Haar bedeckt, sein Gesicht glänzte schweißig und war stark gerötet.

Sara trat dicht zu Jos heran. "Er ist ein Hufschmied", sagte sie leise, obwohl das jeder auf den ersten Blick sehen konnte. Sie schauderte leicht. "Was nun?", flüsterte sie und sah fragend zu Jos hoch. Der schlacksige Siedersknecht aus der freien Reichsstadt Hall war gut einen Kopf größer als seine Begleiterin. Er war schmal und sehnig, hatte ein waches Gesicht, braunes Haar, das stets widerspenstig nach allen Seiten stand, und erste zögerliche Bartstoppeln an seinem Kinn.

"Tu was!", drängte Sara. "Jetzt! Du hast gesagt, du willst bei einem Hufschmied in die Lehre gehen. Sind wir nicht deshalb nach Würzburg gekommen? Jos antwortete der hübschen blonden Magd an seiner Seite nicht, sondern hielt seinen Blick auf die beiden Männer und die Stute gerichtet. Dennoch konnte er es nicht verhindern, dass seine Gedanken kurz zu der aufregenden Zeit zurücksprangen, die hinter ihnen lag. Sie hatten ihre Heimatstadt Hall verlassen, ihre Familien und Freunde, um sich in Würzburg ein neues, ein besseres Leben zu schaffen. Die Zukunft war ungewiss - trugen sie doch nichts bei sich als ein wenig Geld und ein Empfehlungsschreiben an einen Meister, bei dem Jos lernen könnte. Aber Sara war freiwillig mit ihm in die Fremde gegangen, weil sie ihn liebte, daran zweifelte Jos nicht. Ihr war es gleich, ob sie in Hall oder hier in Würzburg als Magd arbeitete. Hauptsache, sie konnte in Jos' Nähe bleiben.

Jetzt fuhr sich der Schmied mit der Hand durch das zipfelige Haar und den schon leicht ergrauten Bart und ließ einen Schmutzstriemen auf seiner Wange zurück. "Was kann ich für Euch tun, Herr?", fragte er und beugte das Haupt. "Neue Eisen?"

Der Vornehme schüttelte den Kopf. "Sie wurde erst vor einer Woche beschlagen, aber jetzt lahmt sie."

"Hm." Der Schmied nahm ihm die Zügel aus der Hand, zog das Pferd auf die Gasse hinaus, ließ es ein paar Schritte gehen und führte es dann wieder auf den schmalen, gepflasterten Hof vor der Schmiede zurück. Jos und Sara sahen, dass die Stute sich scheute, den rechten Hinterhuf aufzusetzen.

Der Schmied zog das Halfter durch einen Eisenring und verknotete es. Er spuckte den Strohhalm aus, auf dem er bis dahin gekaut hatte. "Ja, da stimmt was nicht", pflichtete er dem Edlen bei. "Das Eisen muss runter und dann mal sehen. Könnt Ihr mir aufhalten?"

Der Reiter wich zurück. "Ich? Habt Ihr denn keinen Gesellen oder Lehrling, der Euch hilft, Meister ...?"

"Eßwurm, Cuntz Eßwurm, Herr" stellte sich der Schmid vor und verbeugte sich noch einmal knapp. "Nun ja, für gewöhnlich schon, aber meinen Gesellen habe ich zu Besorgungen geschickt, und der Lehrjunge hat gestern von einem verrückten Gaul einen Tritt in die Rippen bekommen, dass er sich nicht mehr rühren kann. Heute Morgen ist er nicht von seinem Strohsack runtergekommen und hat gar verlangt, ihm einen Bader zu holen! Ich habe ihm zwar angedroht, ihn die Treppe runterzuprügeln, wenn er weiterhin so faul tut, doch nicht mal das hat ihn auf die Beine gebracht." Der Schmied lachte und ließ eine Reihe fauliger Zähne sehen.

Sara knuffte Jos in die Seite. "Los, sag was! Das ist die Gelegenheit."

Jos wusste, dass seine Begleiterin recht hatte, dennoch zögerte er, bis Sara ihn zum zweiten Mal in die Seite stieß.

"Worauf wartest du?"

Endlich trat Jos vor, räusperte sich und verbeugte sich vor den beiden Männern. "Ich kann den Huf halten, wenn Ihr es wünscht, Meister Eßwurm." Er klang zuversichtlicher, als er sich fühlte. Jos hatte zwar schon fast sein sechzehntes Lebensjahr vollendet, und er war seit Jahren daran gewöhnt, hart zuzupacken, um Geld für die Mutter und die jüngeren Geschwister zu verdienen, bisher jedoch war seine Arbeit die eines Haalknechts gewesen. Er hatte das Feuer schüren, Holz hacken und die eisernen Sudpfannen auswaschen müssen, in denen das Salzwasser eingedampft und das Salz gewonnen wurde. Beim Beschlagen eines Pferdes hatte er noch nie geholfen.

Der Schmied betrachtete ihn mit zusammengeschobenen Augenbrauen. "Hast du so was schon mal gemacht?"

Jos schüttelte den Kopf und senkte betreten den Blick.

"Und wie kommst du dann auf den Gedanken, der Herr würde dich Hand an sein edles Ross legen lassen?"

"Ich möchte gerne Hufschmied werden", sagte Jos und spürte, wie ihm die Hitze in die Wangen stieg. Es ist mein größter Wunsch! Ich will ordentlich für Euch arbeiten und bitte Euch, mich als Euren Lehrjungen anzunehmen. Ich habe auch ein Empfehlungsschreiben vom Rat der freien Reichsstadt Hall!", fügte er hastig hinzu und begann, in seinem Bündel zu kramen.

Der Schmied winkte jedoch ab. "Ich habe einen Gesellen und einen Lehrbub, der hoffentlich bald wieder auf den Beinen ist, und was ein fremder Rat sagt, kümmert mich nicht. Was nützt mir ein Schreiben? Batzen will ich sehen, wenn ich mir die Mühe mache, einen solchen Burschen wie dich auszubilden. Außerdem scheinst du mir für einen Lehrjungen schon zu alt." Wieder sah er ihn aus den wässrigen Augen an, die fast in dem speckigen Gesicht zu versinken schienen. "Aber gut, wenn du mir ein paar Tage zur Hand gehen willst, dann fang gleich an, dich nützlich zu machen, und halte den Huf hoch, damit ich sehen kann, woran das Ross krankt."

Jos trat zaghaft hinter die Stute, beugte sich herab, umschloss die weiße Fessel mit beiden Händen und hob den Huf vom Boden. Einen Augenblick lang passierte nichts. Vielleicht war die Stute zu überrascht von dem dreisten Zugriff des Fremden. Dann aber riss sie ihr Bein mit einem Ruck los und trat Jos so hart gegen den Oberschenkel, dass er zwei Schritte nach hinten flog, mit dem Rücken gegen einen Stützbalken schlug und mit einem Schmerzensschrei zu Boden fiel. Die Stute schnaubte empört und warf den Kopf hin und her - soweit es der Riemen zuließ. Ihr Besitzer ließ die Gerte ein paarmal auf ihre Seite klatschen und fluchte unfein. Das Pferd schlug noch einmal aus, ehe es sich schnaubend gegen die Wand drückte.

"Tölpel!", schimpfte der Schmied und zerrte Jos unsanft auf die Füße. "Wie kann man sich nur so dumm anstellen?"

Meister Eßwurm trat neben die Stute, sorgsam darauf bedacht, dass sie nicht nach ihm ausschlagen konnte. Er strich an der Flanke entlang, griff mit der einen Hand nach der Fessel und drückte mit der anderen gegen das Kniegelenk. Wieder wehrte sich das Tier und versuchte aufzusteigen, wurde aber von dem kurzen Zügel daran gehindert. Der Schmied ließ den Fuß los und trat rasch zwei Schritte zur Seite.

"Das Tier hat wirklich einen Dämon im Leib", brummte er und spuckte aus. "Mal sehen, ob wir es mit der Bremse zähmen können!"

Er verschwand im Halbdunkel der Schmiedewerkstatt, die nur von der roten Glut in der Esse ein wenig erhellt wurde, und kam mit einem Gerät zurück, das aus zwei eisernen Stangen bestand, die man mit einem Seil und einer Querverbindung zusammendrehen konnte. Der Schmied schlang die Zügel noch kürzer um den Ring, sodass die Stute den Kopf kaum mehr bewegen konnte, dann stieß er die beiden Metallenden in ihre Nüstern und zog das Seil so fest, dass Oberlippe und Nase seltsam zusammengequetscht wurden. Die Stute schnaubte leise und verdrehte die Augen, blieb aber ruhig stehen. Die Ohren sanken herab. Ihr Kampfgeist schien erloschen.

"So, jetzt komm her!", befahl der Schmied und hob den Huf auf.

Jos humpelte heran. Es musste ein Stöhnen unterdrücken, als das Pferdebein gegen seinen schmerzenden Oberschenkel drückte. Mit beiden Händen umklammerte er die Fessel, während Meister Eßwurm mit einer Zange die vernieteten Nagelspitzen abzwickte und das Eisen ein Stück vom Huf hebelte. Mit einem kräftigen Ruck zog er es vollends herunter. Er säuberte den Huf und feilte den seitlich ausgefransten Rand glatt. Jos gelang es kaum, das Bein zu halten, das schwer an seinen Armen hing. Auf den schmerzenden Schenkel wollte er es nicht ablegen.

Ein junger Bursche, kaum zwei Jahre älter als Jos, bog von der Hörrleingasse in den Hof der Schmiede ein. Er war schwer beladen, schleppte einen prall gefüllten Rucksack und trug ein kleines Fässchen in den Armen. Auf seiner Stirn glänzte der Schweiß. Mit einem Stöhnen ließ er das Fass zu Boden sinken.

Der Schmied trat zu ihm. "Hast du alles bekommen, Jacob?"

Der junge Mann nickte.

Meister Eßwurm hob seine fleischige rote Hand und schlug dem Gesellen ins Gesicht. "Und warum hat das so lang gedauert?"

Jacobs Wange glühte, seine Kiefermuskeln zuckten, aber er antwortete mit gesenktem Blick. "Der Kohlenhändler war nicht an seinem Stand, und dann musste ich noch warten, bis der Altreuß Eure Stiefel fertig hatte."

"Und dann hast du dir noch den einen oder anderen Becher Wein gegönnt?", fragte sein Meister.

Der Geselle verneinte, doch Jos sah, wie sich nun auch die andere Wange verräterisch rötete.

"Nun, wenigstens hast du den Wein bekommen." Der Schmied leckte sich über die Lippen. "Ein vorzüglicher Tropfen von den besten Südhängen über Würzburg. Wollt Ihr ihn versuchen, Herr?", fragte er den Edlen.

Der nickte und trat an den einfachen Holztisch auf der anderen Seite des Hofes, zu dem der Geselle das Fässchen jetzt trug. Jacob lief, zwei Becher zu holen, während der Meister sich daran machte, das Fass zu öffnen.

Jos stand noch immer mit dem Huf in den Händen da. Seine Arme schmerzten und brannten. Er sah Hilfe suchend zu Sara hinüber, die nach wie vor mit ihrem Bündel auf der Gasse stand, aber die zuckte mit den Schultern. Jos ließ den Pferdehuf langsam nach unten sinken.

"Das würde ich nicht machen, wenn ich du wäre", sagte der Geselle und grinste ihn an. Aber warum denn nicht? Der Meister arbeitet doch gerade gar nicht am Eisen. Er trinkt bereits den zweiten Becher Wein!"

Der Geselle nickte. "Ja, das kann dauern."

"Also dann", sagte Jos und stellte den Huf auf dem Hofpflaster ab. "Warum sollte ich die ganze Zeit aufhalten, bis mir die Arme am Boden hängen?"

Der Bursche grinste nur noch breiter. "Es ist deine Haut."

Jacob hatte den Mund noch nicht geschlossen, da stand Meister Eßwurm schon neben Jos. Seine Wangen glühten noch mehr als zuvor und seine Augen waren gerötet. Er hob die Pranke und schlug Jos so hart ins Gesicht, dass er noch einmal nach hinten fiel und mit dem Hinterkopf an die Wand stieß.

"Ich habe dich gewarnt." Jos hörte die Stimme des Gesellen durch das Rauschen in seinen Ohren.

"Was fällt dir ein?", brüllte der Meister. "Bursche! Habe ich 'ablassen' gesagt? Hä? Hast du auch nur ein Wort aus meinem Mund vernommen, das dir erlaubt hätte, den Huf abzustellen?"

"Nein", antwortete Jos kleinlaut. Er rappelte sich auf, klopfte sich den Staub vom Kittel und wischte sich das Blut ab, das aus seiner Nase rann. "Ich dachte nur, wenn Ihr mit dem edlen Herrn Wein trinkt, dann kann ich solange ..."

"Du sollst nicht denken! Du sollst tun, was der Meister befiehlt. Wenn du jetzt schon aufbegehrst, dann kann ich dich nicht gebrauchen. Scher dich davon!"

"O bitte, nein", rief Jos aus. "Ich möchte so gern die Arbeit des Hufschmieds erlernen. Ich werde mich anstrengen und gehorchen, ich schwöre es!"

Ein Kichern von der Gasse her ließ ihn den Kopf wenden. Nun stand ein alter Mann an Saras Seite, der die Szene anscheinend beobachtet hatte, schwer auf zwei Krücken gestützt.

"Die Arbeit des Hufschmieds erlernen?", wiederholte er mit krächzender Stimme. "Bei dem dort?" Er lachte verächtlich und ließ seine wenigen Zahnstumpen sehen. "Der Pferdeschinder kann dir höchstens beibringen, wie man einen Gaul schnellstmöglich zugrunde richtet!"

Meister Eßwurm stürmte auf den Alten zu und packte ihn am Ärmel. "Mach dein Schandmaul zu und verschone uns mit deinem stinkenden Atem", schimpfte er. "Geh zu deiner Sippe, wo du hingehörst!" Er stieß den alten Mann von sich, sodass der gestürzt wäre, hätte Sara ihn nicht rechtzeitig am Ellenbogen gepackt.

Der alte Mann nickte ihr zu. "Ich danke dir, schönes Kind." Er ließ seinen Blick ungeniert an der jungen Magd herabwandern, und offensichtlich gefiel ihm, was er sah: Sara war für ein Mädchen groß gewachsen, hatte eine mit Sommersprossen besprenkelte Nase, weizenblonde Zöpfe und eine schlanke Taille.

"Meister Ruprecht Buchner", stellte er sich vor, ehe er sich wieder an den Schmied wandte. Mit unsicheren Schritten tastete er sich auf den Hof vor und hob das abgezogene Hufeisen auf, das vom Schemel gefallen war, als der Schmied Jos geohrfeigt hatte. Der Alte wog das Eisen in der Hand und betrachtete es aufmerksam.

"Und, weißt du schon, warum die Stute lahmt?"

Meister Eßwurm zuckte mit den Schultern. "Vernagelt scheint sie nicht, was ich so gesehen habe. Muss was mit ihren Beinen sein. Vielleicht hat sie sich gezerrt."

"Es ist der Huf!", sagte der Alte bestimmt. "Das sieht man, wenn sie auch nur einen Schritt tut - ich meine natürlich, wenn man etwas von Pferden versteht!""Mach dich nicht so wichtig", fuhr ihn Meister Eßwurm an. "Gar nichts siehst du. Der Huf ist völlig in Ordnung."

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