Die kranken Habsburger - Bankl, Hans

Die kranken Habsburger

Befunde und Befindlichkeiten einer Herrscherdynastie

Hans Bankl 

 
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Die kranken Habsburger

Kurzgeschichten und Kurzporträts, Anekdoten und Zitate sind es, mit denen der Autor ein ungewöhnliches, ein wenig despektierliches, aber doch liebevoll koloriertes Bild einer Familie zeichnet, deren Schicksal und Schicksale auch heute noch die Gemüter bewegen.

Der bekannte Pathologe und Bestsellerautor Hans Bankl erzählt mit gewitzten Pointen und geschliffenen Worten von zahlreichen skurrilen und merkwürdigen Seiten der Habsburger. Von der Landesmutter Maria Theresia über den für seine Pedanterie bekannten Kaiser Franz Joseph bis hin zur unsterblichen Sisi. Einst mühsam vertuschte Befunde und Befindlichkeiten der Vergangenheit legt Hans Bankl mit Vergnügen hier bloß.


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 156 S.
  • Seitenzahl: 156
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15360
  • Deutsch
  • Abmessung: 18, 5 cm
  • Gewicht: 138g
  • ISBN-13: 9783442153602
  • ISBN-10: 3442153603
  • Best.Nr.: 14133076
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.04.1999

Der Schlagfluß nach dem Siegesmahl
Habsburgs Erstgeborene hatten einiges an ihrem Glück zu kauen: Zwei Studien zum Erzhaus Österreich

Es gibt Menschen, die das Verlangen verspüren, sich fortzupflanzen, Kinder in die Welt zu setzen und ihnen dieses Verhalten vorzuleben, damit auch ihre Kinder das Verlangen verspüren, eine Partnerschaft zum Zwecke der Fortpflanzung einzugehen, Kinder in die Welt zu setzen und so weiter. Gemeinhin nennt man das den Generationszyklus.

Wenn aus dem Verlangen Pflicht wird, spricht man von dynastischem Verhalten. Was dabei alles passieren oder, konkreter, auch schiefgehen kann, wollen zwei Bücher auf völlig unterschiedliche Weise vorführen. Zunächst ist da Andreas Hanserts Werk "Welcher Prinz wird König?" Am Beispiel des sich selbst gern so nennenden Erzhauses Österreich, also der Habsburger, zwischen 1273, dem Jahr, als mit Rudolf I. der erste Vertreter dieser Familie auf den Königsthron gelangte, und 1793, als mit Marie Antoinette das erste Mitglied dieser Familie hingerichtet wurde, untersucht der als Kulturhistoriker der Stadt Frankfurt bekannt gewordene Autor das Problem des Generationswechsels im …

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Univ.Prof. Dr. Hans Bankl habilitierte 1972, 31-jährig, zum damals jüngsten Dozenten Österreichs. Ab 1977 war er Vorstand des Pathologischen Institutes eines großen Krankenhauses. Von ihm stammen zahlreiche wissenschaftliche Veröffentlichungen.

Leseprobe zu "Die kranken Habsburger"

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Leseprobe zu "Die kranken Habsburger" von Hans Bankl

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Der Familienbetrieb funktionierte sieben Jahrhunderte lang Von König Rudolf I. (geb. 1218) bis zur Abdankung Kaiser Karls I. (1918) vergingen genau 700 Jahre. In dieser Zeit folgten 24 Generationen von Habsburgern aufeinander, und rund 400 Personen erreichten das Erwachsenenalter. Fünf regierende Herzöge, vier Könige und eine Königin in der österreichischen Hauptlinie und 18 Kaiser sind für eine Familie unerreichter Weltrekord.

Der Stammbaum der Habsburger gleicht - wenn man es sportlich sieht - einem Riesenslalom. Betrachtet man jeweils die Familienoberhäupter bzw. die Herrscherpersönlichkeiten, so existiert keine einheitliche Generationenfolge, sondern es ergibt sich ein verwinkeltes Muster von Haupt- und Nebenlinien, ausgestorbenen Familienzweigen, Einspringen von Neffen und Cousins, Bruderzwisten und schließlich dem Ende der Familie im Mannesstamm mit Maria Theresia.

Das Phänomen der Familie Habsburg liegt aber zweifellos darin, daß sie erst dann richtig groß und bedeutsam wurde, als es sie eigentlich nicht mehr gab. Maria Theresia nahm für die Familie den Doppelnamen Habsburg-Lothringen an, und schon ging es weiter. Dieser neue Start fiel nicht schlecht aus. Maria Theresia hatte 16 Kinder, und ihr zweitältester Sohn, später Kaiser Leopold II., brachte es ebenfalls auf 16 legitime Nachkommen, die außerehelichen waren ja ohne Bedeutung. Durch jene, welche ein heiratsfähiges Alter erreichten, konnten locker mit halb Europa verwandtschaftliche Beziehungen eingegangen werden. Von seinem Bruder Joseph II. wurde Leopold daher als "trefflicher Bevölkerer" bezeichnet.

"Tu felix Austria nube" war kein friedlich-frommer Spruch, sondern beinharte Heiratspolitik.

Die Habsburger haben alles erreicht, was die Weltgeschichte zu bieten hat, aber auch vieles wieder verloren. Nur eines gelang niemandem aus der Familie - den Beinamen "der Große" zu erlangen. Kaiser Karl der Große war ein Karolinger und Franke, Zar Peter der Große war ein Romanow und Russe, König Friedrich der Große war ein Hohenzollern und Preuße, aber es gibt keinen Habsburger "der Große". Das schmerzt. Man kann sich allerdings nur schwerlich einen Franz Joseph den Großen vorstellen.

Aber dafür hat die Namensgebung der Geschichte anderes gefunden:
Herzog Albrecht II., "der Lahme", der sogar ins Ehebett getragen werden mußte.

Herzog Albrecht IV., "das Weltwunder", der verwunderliche Abenteuer auf einer Pilgerreise nach Jerusalem erlebte.

Erzherzog Philipp I., "der Schöne", verheiratet mit Johanna von Kastilien-Aragonien, "der Wahnsinnigen".

Kaiser Maximilian I., "der letzte Ritter", ein genialer Heiratspolitiker.

Kaiser Franz II./I., "der Gute", der das Heilige Römische Reich Deutscher Nation auflöste.

Kaiser Ferdinand I., "der Gütige", ein großteils freundlicher Epileptiker.

1918 endete die Herrschaft des Hauses Habsburg-Lothringen in Österreich. Das Verhältnis zwischen der Republik und der Familie regelt das Habsburger-Gesetz von 1919. Damit wurden alle Herrscherrechte, sonstigen Vorrechte und Titel des Hauses Habsburg-Lothringen aufgehoben. Alle Mitglieder des Hauses, die nicht auf die Herrschaftsrechte verzichteten und sich nicht als getreue Staatsbürger der Republik bekannten, wurden des Landes verwiesen. Das hofärarische Familienvermögen mit Ausnahme des persönlichen Privatvermögens wurde konfisziert. Rückforderungsprozesse sind derzeit noch anhängig.

Sie sahen einander alle ähnlich Es gab intelligente und weniger gescheite Habsburger, tatkräftige politische Talente und weltfremde Träumer, hin und wieder auch einen Irren - in ihrem Aussehen aber waren sie einander fast alle ähnlich: Ein zu großer Unterkiefer stand vor, der Schädel war schlank und hoch, die lange Nase hatte oft einen Höcker. Durch die volle Unterlippe entstand ein charakteristischer Gesichtsausdruck mit vorgeschobenem Kinn und leicht geöffnetem Mund. Objektiv beurteilt waren es keine schöne Menschen, aber dafür häufig Kaiser.

Karl V. (1500-1558), der Kaiser, in dessen Reich die Sonne nie unterging, soll anläßlich eines Ausrittes in Spanien einen besonders mutigen Bauern zu einem Zuruf animiert haben: "Eure Majestät, schließen Sie bitte Ihren Mund, die Fliegen in unserem Land sind sehr unverschämt." Aber gerade das konnte der römisch-deutsche Kaiser und spanische König nicht, denn sein Unterkiefer ragte zu sehr vor.

Das Vorstehen der zu großen Kinnpartie führte zu einem Überbiß der unteren Schneidezähne. In der medizinischen Fachsprache nennt man so etwas Progenie. Bulldoggen und Boxer-Hunde haben dies nicht selten. Diese Anomalie ist bei Mensch und Tier erblich.

Wann tauchte dieses Gesichtsmerkmal bei den Habsburgern erstmals auf? Wir sind auf diverse Porträts angewiesen. Solche aber sind unzuverlässig, denn kaum ein Künstler riskierte es, ein Gesicht unvorteilhaft abzubilden. Da trotzdem viele eindeutige Bilder erhalten sind, ist die Schlußfolgerung erlaubt: Die Herren sahen wirklich so aus, vielleicht noch ärger. Jeder Versuch einer Verschönerung hätte sie unerkennbar gemacht.

Ob die heroischen Porträts von Rudolf I., dem Stammvater, authentisch sind, ist fraglich. Bei seinem Sohn Albrecht I. ist die typische Unterkieferform jedoch bereits eindeutig erkennbar, und das Merkmal blieb von damals an viele Jahrhunderte erhalten.

Die österreichische wie auch die spanische Linie zeigten fast stereotyp die gleiche Gesichtsform. In Spanien starben die Habsburger im Jahre 1700 aus, im darauffolgenden Spanischen Erbfolgekrieg ging das Land an die Bourbonen. In Österreich verschwand die Habsburgerlippe mit Maria Theresia; sie hatte durchaus ebenmäßige Gesichtszüge.

Charakteristisch für die Familie Habsburg-Lothringen wurde ein anderes Merkmal: ein schmales, langes Gesicht, dazu eine hohe Stirn und ein manchmal, wie z.B. bei Ferdinand I., dem Epileptiker, wasserkopfartig ausladender Gehirnschädel. Da die Verwandtenehen weiterhin intensiv betrieben wurden, die Hauptlinie der Familie allerdings mehrfach von einem Zweig zu einem anderen wechselte, ist diese Kopfform zwar bis heute für Habsburg typisch, hat sich aber nicht dominierend durchgesetzt.

Wie krank waren die Habsburger?

Nicht mehr und nicht weniger als die anderen Leute in den jeweiligen Zeitepochen auch. Nur betraf es die Mitglieder des Herrscherhauses, und daher war es interessant.

Ein Problemfeld war die Ernährung. Im Gegensatz zu vielen ihrer Untertanen mußten die Herrscher und ihre Familien zwar nicht hungern, sie aßen und tranken vielmehr allerlei durcheinander, die Nahrung war aber oftmals verdorben. Auch hygienische Gebote kannte man bis in die Neuzeit kaum. Am häufigsten waren daher Infektionskrankheiten. Man darf nicht vergessen, daß die Kunst der Ärzte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts eher dürftig war; beliebte Therapiemaßnahmen wie etwa der Aderlaß endeten nicht selten mit dem Tod des Patienten. Dies war beispielsweise bei Kaiser Leopold II. der Fall.

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