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Kurzgeschichten und Kurzporträts, Anekdoten und Zitate sind es, mit denen der Autor ein ungewöhnliches, ein wenig despektierliches, aber doch liebevoll koloriertes Bild einer Familie zeichnet, deren Schicksal und Schicksale auch heute noch die Gemüter bewegen. Der bekannte Pathologe un Bestsellerautor Hans Bankl erzählt mit gewitzten Pointen und geschliffenen Worten von zahlreichen skurrilen und merkwürdigen Seiten der Habsburger. Von der Landesmutter Maria Theresia über den für seine Pedanterie bekannten Kaiser Franz Joseph bis hin zur unsterblichen Sisi. Einst mühsam vertuschte Befunde un…mehr

Produktbeschreibung

Kurzgeschichten und Kurzporträts, Anekdoten und Zitate sind es, mit denen der Autor ein ungewöhnliches, ein wenig despektierliches, aber doch liebevoll koloriertes Bild einer Familie zeichnet, deren Schicksal und Schicksale auch heute noch die Gemüter bewegen.

Der bekannte Pathologe und Bestsellerautor Hans Bankl erzählt mit gewitzten Pointen und geschliffenen Worten von zahlreichen skurrilen und merkwürdigen Seiten der Habsburger. Von der Landesmutter Maria Theresia über den für seine Pedanterie bekannten Kaiser Franz Joseph bis hin zur unsterblichen Sisi. Einst mühsam vertuschte Befunde und Befindlichkeiten der Vergangenheit legt Hans Bankl mit Vergnügen hier bloß.
  • Produktdetails
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15360
  • Verlag: Goldmann
  • Seitenzahl: 156
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 156 S.
  • Deutsch
  • Abmessung: 18, 5 cm
  • Gewicht: 138g
  • ISBN-13: 9783442153602
  • ISBN-10: 3442153603
  • Best.Nr.: 14133076

Autorenporträt

Univ. Prof. Dr. Hans Bankl habilitierte 1972, 31-jährig, zum damals jüngsten Dozenten Österreichs. Ab 1977 war er Vorstand des Pathologischen Institutes eines großen Krankenhauses.

Rezensionen

Besprechung von 09.04.1999
Der Schlagfluß nach dem Siegesmahl
Habsburgs Erstgeborene hatten einiges an ihrem Glück zu kauen: Zwei Studien zum Erzhaus Österreich

Es gibt Menschen, die das Verlangen verspüren, sich fortzupflanzen, Kinder in die Welt zu setzen und ihnen dieses Verhalten vorzuleben, damit auch ihre Kinder das Verlangen verspüren, eine Partnerschaft zum Zwecke der Fortpflanzung einzugehen, Kinder in die Welt zu setzen und so weiter. Gemeinhin nennt man das den Generationszyklus.

Wenn aus dem Verlangen Pflicht wird, spricht man von dynastischem Verhalten. Was dabei alles passieren oder, konkreter, auch schiefgehen kann, wollen zwei Bücher auf völlig unterschiedliche Weise vorführen. Zunächst ist da Andreas Hanserts Werk "Welcher Prinz wird König?" Am Beispiel des sich selbst gern so nennenden Erzhauses Österreich, also der Habsburger, zwischen 1273, dem Jahr, als mit Rudolf I. der erste Vertreter dieser Familie auf den Königsthron gelangte, und 1793, als mit Marie Antoinette das erste Mitglied dieser Familie hingerichtet wurde, untersucht der als Kulturhistoriker der Stadt Frankfurt bekannt gewordene Autor das Problem des Generationswechsels im allgemeinen. Der Ansatz ist ein sozialwissenschaftlich-historischer. Wie er selbst betont, kommt es ihm gar nicht so sehr auf die konkrete Familie Habsburg an, sondern er will vielmehr zeigen, daß in der Herkunft eines jeden Menschen etwas von Erwählung liegt. So ist der Titel des Werkes auch ein wenig ironisch z verstehen.

Diese Stilebene, die unter anderen Umständen auch als ein wenig anbiedernd aufgefaßt werden könnte, vermeidet der Autor des zweiten Buches gleich ganz und verlegt sich aufs andere Extrem: Er bedient die Vorliebe der allgemeinen Leserschaft für Tratsch und Klatsch. Hans Bankl, der in Niederösterreich seit langen Jahren Vorstand der pathologischen Abteilung des Landeskrankenhauses ist, wurde einer breiteren Öffentlichkeit durch seinen Auftritt in der legendären Fernsehserie "Phettbergs nette Leit Show" bekannt und erklärte sich daselbst als Atheist. Aber immerhin ist der Mann Professor, da ist das etwas anderes.

Hansert widmet sich den Stammbäumen der Habsburger aus anderen, für ihn naheliegenden Gründen. Sie sind bis ins dreizehnte Jahrhundert zurück vollständig dokumentiert und enthalten alle für seinen Forschungsaspekt relevanten Ansatzpunkte. Besonders wichtig erscheint in dem Zusammenhang schon die erste Einschränkung, daß nämlich nur die aus einer Ehe entsprossenen Kinder in die Untersuchung einbezogen werden, denn als Generationszyklus legt Hansert zwar prinzipiell Geburt - Gattenwahl - Tod fest, dies aber eben nur in den engen Bahnen der Kernfamilie oder Triade Mutter - Vater - Kind, wie er es nennt.

In der erzkatholischen Familientradition der Habsburger war an eine Thronfolge durch Illegitime ohnehin nicht zu denken. Genau durch diese Einengung unterlaufen dem Autor aber hin und wieder auch böse Schnitzer, wenn er aus diesen sicher nicht einmaligen, aber doch herausgehobenen Umständen Verallgemeinerungen herleitet. Daß er dieses Problem hin und wieder auch erkennt, macht sein Werk allerdings doch lesenswerter, als es die zahlreichen Stammtafeln und Tabellen beim ersten Durchblättern vermuten lassen. Ein netter Einfall, daß das Buch, getreu dem Anspruch des Adels auf blaues Blut, in blauer Schrift gedruckt erscheint.

Darüber hinaus dilettiert Hansert auch auf dem Gebiet der Biologie, wagt sich allerdings nie so weit vor, daß er seine Behauptungen nicht allgemein verständlich genug hielte, um sie in seinen sozialwissenschaftlich-historischen Gesamtzusammenhang einpassen zu können. Bisweilen gelingt es ihm auch, durch neue oder neu interpretierte Denkansätze zu beunruhigen. Noch selten zuvor wurde so drastisch vor Augen geführt, was die erzwungene Heiratspolitik für merkwürdige Blüten treiben kann. Ehe wurde schon immer, und hier kann man wie so oft auf Max Weber zurückgreifen, als Ausschließungsgrund für die nicht einer solchen Gemeinschaft Entstammenden (als Hausgenossen, Marktgenossen, Kultgenossen und so weiter) verstanden und implementiert, ist also mehr gesellschaftliche Angelegenheit als bloße Beziehung zwischen Individuen. Und wenn somit das Biologische und das Soziale eine unauflösliche Einheit bilden, so gelingt es doch dem Sozialen oft, die rein biologischen Bedingungen zu beherrschen.

Denn, und dies kann man getrost als Binsenweisheit ansprechen, kein Individuum kann alle potentiellen Möglichkeiten ausschöpfen, die für eine Gattenwahl (damit ist in diesem Zusammenhang immer die Zeugung von Nachkommenschaft gemeint) in Frage kämen. Nicht nur rein geographische Hindernisse stehen dem entgegen, auch andere Barrieren (kulturelle, sprachliche, religiöse) sind bis heute dominant. Nach Untersuchungen von Françoise Zonabend umfaßt dieser Kreis auch heute für jeden Menschen nur etwa dreihundert bis zweitausend Personen, wenn man nicht in einer Massenzeremonie der Mun-Sekte einem Partner vermittelt werden will.

Nun sollte man meinen, daß gerade in geographischer Hinsicht einem Herrscherhaus sich weniger Hindernisse auftun, ja, je weiter entfernt die Partner hergeholt werden, desto besser. Paradoxerweise führte aber gerade die potentielle Vielzahl möglicher Heiratskandidaten bei den Habsburgern zu keiner Erleichterung, sondern zur Einengung der Auswahl. Denn mit den einen konnte oder wollte man aus politischen oder sonstigen Erwägungen nicht, mit den anderen durfte man aus standesdünklerischen Überlegungen keine Ehe eingehen. Persönliche Gründe spielten vorerst sowieso keine Rolle, konnten aber eben dadurch in der Hochzeitsnacht und später zu gravierenden Problemen führen. Sehr schön arbeitet dies Hansert an den Beispielen Joseph II. und Marie Antoinette heraus.

Gelinde gesagt problematisch wird es allerdings ab dem Zeitpunkt, wo der Autor versucht, nicht nur ins Allgemeine, sondern ein bißchen sogar in die Zukunft zu schauen. Das Extrembeispiel einer Fürstenfamilie mag zwar in abgemilderter Form das universelle Problem der Vielfalt der menschlichen Population spiegeln, doch die Frage, ob die Verweigerung der Hervorbringung von Nachkommenschaft tendenziell mit der traditionellen Benachteiligung der Frau und weiblicher Kinder (durch die medizinische Technologie ist ja eine Beeinflussung des Geschlechts der Nachkommenschaft nicht mehr ausgeschlossen) in engen Zusammenhang zu bringen ist und ob sich daraus auch noch eine generelle Aussage über alle Möglichkeiten der Geburtenkontrolle ableiten läßt, sollte nicht im Rahmen einer solchen historischen Untersuchung angegangen werden. Gewiß, die Frage zu stellen ist erlaubt, läßt aber doch den schalen Nachgeschmack einer Überrumpelung zurück.

Gar nicht überrumpelt fühlt man sich hingegen von den "Kranken Habsburgern". Schon der Umschlag weist dies als ein Buch "zum Schmökern, Schmunzeln und Schenken" aus, trotzdem wird man mit mehr als nur angehäuften Anekdoten erfreut. Dem Verfasser gelingt es tatsächlich, ohne besonderen historischen Anspruch, eine interessante, wenn auch, dem Beruf Bankls geschuldet, ein wenig morbide anmutende Chronik der Habsburger zu präsentieren. Was bei Hansert und seinen Prinzen nicht ins Programm paßt, wird bei Bankl genüßlich ausgewalzt. Hier rückt man die skurrilen und bisweilen auch gefährlichen Mitglieder der Familie ins rechte Licht. Peinlich war es zum Beispiel, "wenn ein Geisteskranker wie etwa Rudolf II. mit seinem geistesarmen Bruder Matthias jahrelang Streit hatte und die beiden sich nur gegenseitig ärgerten". Typisch hingegen schien eine ausgeprägte Freßlust, was einige Mitglieder des Herrscherhauses ins frühe Grab gebracht haben dürfte; bisweilen hat es das ja auch.

Gar nicht anekdotenhaft hingegen wird der Autor, wenn er zu den jeweiligen Personen deren Krankheitsbilder oder Todesursachen näher untersucht. Hier spricht er ganz als Mediziner, aber doch für den Laien, der immerhin seit Jahren sein Stammpublikum bildet ("Die Krankheiten Ludwig van Beethovens", "Die Reliquien Mozarts" oder "Der Pathologe weiß alles . . . aber zu spät" sind nur drei seiner veröffentlichten Titel). Die Erziehungsmethoden waren grausam bis pathologisch (dem Herzog von Reichsstadt, dem Sohne Napoleons, wurde mit schwerem Kerker gedroht, wenn er nicht "gut tut") und führten zu zahlreichen Neurosen der erwachsenen Habsburger. Bekanntestes Beispiel ist wohl der gewalttätige Irre, Kronprinz Rudolph.

Außerdem gelingt es Bankl auch, das Erstgeburtsrecht gegen das Gottesgnadentum auszuspielen. Oftmals war der älteste Sohn nicht der geeignetste (beispielsweise war der Kurzzeitkaiser von Mexiko, Maximilian, seinem älteren Bruder, dem Langzeitkaiser Franz Joseph, in allen Belangen überlegen). Und sogar Kaiserin Sisi stürzt er von den Podesten, die ihr die Gegenwart errichtet hat. Nicht nur, daß sie eine relativ unbeliebte Egoistin war, sie hatte auch zahlreiche Nummernkonten in der Schweiz.

Und zu guter Letzt werden auch zahlreiche harmlose Irre erwähnt, so der jüngste Bruder Franz Josephs, Ludwig Viktor, in Wien auch als Luzivuzi bekannt, der als homosexueller Transvestit seit einem größeren öffentlichen Skandal lebenslänglich auf einem Schloß versteckt gehalten wurde. Ein Schelm, wer Schlechtes dabei denkt, denn so dekretierte schon Kaiser Joseph II.: "Kritiken, wenn es nur keine Schmähschriften sind, sie mögen nun treffen wen sie wollen . . ., sollen . . . nicht verboten werden, da es jedem Wahrheitsliebenden eine Freude sein muß, wenn ihm solche auf diesem Wege zukommen." MARTIN LHOTZKY

Andreas Hansert: "Welcher Prinz wird König?" Die Habsburger und das universelle Problem des Generationswechsels. Eine Deutung aus historisch-soziologischer Sicht. Michael Imhof Verlag, Petersberg 1998. 270 S., 10 Tafeln, geb., 49,80 DM.

Hans Bankl: "Die kranken Habsburger". Befunde und Befindlichkeiten einer Herrscherdynastie. Verlag Kremayr & Scheriau, Wien 1998. 157 S., 11 Stammbäume, geb., 29,80 DM.

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