Die Köpfe der Hydra - Wajsbrot, Cécile

Cécile Wajsbrot 

Die Köpfe der Hydra

Eine Geschichte

Übersetzung: Brigitte Große
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Die Köpfe der Hydra

Mit außergewöhnlichem Gespür für Innenwelten erzählt Cécile Wajsbrot die Geschichte einer Frau, die in der Betreuung ihrer kranken Angehörigen sich selbst abhandenzukommen droht. Sie evoziert die schmerzhafte Umkehrung der Familienverhältnisse, einer Eltern-Kind-Relation unter vertauschten Vorzeichen. Von den Verlusten des Kriegs und der Erfahrung materieller Not verschont geblieben, muss diese Generation doch mit einem ganz ähnlichen Schmerz leben: zu sehen, wie die Eltern ihr Wissen, ihr Gedächtnis, ihre Sprache, ihre Persönlichkeit verlieren. Lebenden Toten gleich irren sie durch unsere Welt und haben sich doch für immer aus dieser verabschiedet. Ein einfühlsamer, zutiefst berührender Bericht über die Macht familiärer Bande, den kräftezehrenden Kampf gegen die Hydra Alzheimer und damit auch das Ringen um das eigene Leben.


Produktinformation

  • Verlag: Matthes & Seitz Berlin
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 187 S.
  • Seitenzahl: 187
  • DAAD Spurensicherung Bd.23
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 128mm x 20mm
  • Gewicht: 295g
  • ISBN-13: 9783882215816
  • ISBN-10: 388221581X
  • Best.Nr.: 34571628

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Besondere Dringlichkeit verleiht diesem sich in die Konjunktur der Demenz-Literatur einreihenden Buch von Cecile Wajsbrot laut Jörg Magenau vor allem seine persönliche Note und die jüdische Familiengeschichte der Autorin. Indem Wajsbrot rückhaltlos subjektiv ihren ermüdenden Alltag mit gleich mehreren demenzkranken Familienmitgliedern schildert und zugleich ihre Rolle als das Familiengedächtnis bewahrende Nachfahrin entwirft, überfordert sie den Rezensenten allerdings auch ein bisschen. Magenau hat es vornehmlich mit Stimmungen zu tun, wo er sich sprachliche Präzision in der Beschreibung eines so schwer fassbaren Phänomens gewünscht hätte.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 31.03.2012

Wenn sein Leben überläuft und alles flutet

Cécile Wajsbrot hat ein Buch über die Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters geschrieben. Es handelt nicht von Versöhnung, Sinn oder Liebe, sondern von Müdigkeit, Trostlosigkeit und Einsamkeit.

Es geschieht selten, dass man einer Schriftstellerin begegnet, deren neues Buch gerade erschienen ist und die, spricht man sie darauf an, sagt: "Was ich weiß, ist, dass ich dieses Buch lieber nicht geschrieben hätte."

Doch genau das sagt Cécile Wajsbrot. Und zwar nicht nur, weil es natürlich für alle Beteiligten schöner gewesen wäre, wäre ihr Vater nicht an Alzheimer erkrankt, hätte er einfach weiter in seiner Pariser Wohnung leben können, wo ihn die lieben Menschen seines Lebens, seine Töchter, seine Ex-Frau, seine Brüder und Schwestern hätten besuchen können, bis ans Ende seiner Tage. Aber so kam es nicht. Stattdessen bekam er Alzheimer, eine Krankheit, von der die Französin Cécile Wajsbrot schreibt, dass ihre "metaphysische Eigenheit im Rückzug aus der Welt besteht, wenn sie nicht vielleicht sogar letztlich darauf zielt, dass man alle Last ablegt, sich keine Sorgen mehr macht und alles anderen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.05.2012

Wie überlebt man
sein Überleben?
Cécile Wajsbrots Buch über
ihren Alzheimer-kranken Vater
Bücher über Demenz haben Konjunktur. Das liegt nicht nur daran, dass Alzheimer in der alternden Gesellschaft ein weit verbreitetes Phänomen geworden ist, sondern auch an der Symbolkraft dieser Krankheit. Eine Gesellschaft, die Individualität, Freiheit und Selbstbestimmung als ihre wichtigsten Werte feiert, begegnet ihrem größtmöglichen Schrecken, wenn das Ich im Vergessen verschwindet. In der Konfrontation mit Alzheimer stellt sich die Frage nach dem, was eine Person ausmacht, auf radikale und ziemlich deprimierende Weise. Soll das Funktionieren der Hirnzellen, Nerven und Transmitterstoffe wirklich alles gewesen sein?
Die französische Schriftstellerin und Übersetzerin Cécile Wajsbrot gibt diesen Fragen eine noch größere Dringlichkeit. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden, aufgewachsen in einer polnischstämmigen jüdischen Familie in Frankreich, hat das Bewahren und Weitergeben der Erinnerung für sie unmittelbare Notwendigkeit. In ihrem neuen Buch „Die Köpfe der Hydra“ berichtet sie von der Alzheimer-Erkrankung ihres Vaters, vom Schlaganfall …

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Cécile Wajsbrot, geb. 1954 in Paris, studierte Literaturwissenschaften, arbeitete anschließend als Französischlehrerin und Rundfunkredakteurin. Heute lebt sie als freie Schriftstellerin abwechselnd in Paris und Berlin.

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