Die CIA-Lüge - Koch, Egmont R.
  • Gebundenes Buch

Jetzt bewerten

Guantanamo und Abu Ghraib sind nur zwei Namen, die für unfassbare Vorwürfe an die derzeitige US -Regierung wegen Menschenrechtsverletzungen stehen. Aber die brutalen Verhörmethoden der CIA lassen sich nachweislich bis zu Erkenntnissen aus Menschenversuchen des Dritten Reichs zurückverfolgen. Bis in die 60er Jahre hinein und auf deutschem Boden perfektionierte der amerikanische Geheimdienst die grausame Verhörpraxis der Nazis und schrieb sie in einem Folter-Handbuch fest, das heute wieder verstärkt Anwendung findet - ein Skandal von ungeahntem Ausmaß. In seinem aufwendig recherchierten,…mehr

Produktbeschreibung
Guantanamo und Abu Ghraib sind nur zwei Namen, die für unfassbare Vorwürfe an die derzeitige US -Regierung wegen Menschenrechtsverletzungen stehen. Aber die brutalen Verhörmethoden der CIA lassen sich nachweislich bis zu Erkenntnissen aus Menschenversuchen des Dritten Reichs zurückverfolgen. Bis in die 60er Jahre hinein und auf deutschem Boden perfektionierte der amerikanische Geheimdienst die grausame Verhörpraxis der Nazis und schrieb sie in einem Folter-Handbuch fest, das heute wieder verstärkt Anwendung findet - ein Skandal von ungeahntem Ausmaß. In seinem aufwendig recherchierten, schockierenden Report entlarvt der bekannte Fernsehjournalist und Buchautor Egmont R. Koch die Doppelmoral, mit der die USA gegen den weltweiten Terrorismus Krieg führen.
  • Produktdetails
  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 224 S., Fotos, Dok. u. Faks. auf 32 Taf.
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 410g
  • ISBN-13: 9783351026585
  • ISBN-10: 3351026587
  • Best.Nr.: 23280879
Autorenporträt
Egmont R. Koch, Jahrgang 1950, ist einer der erfahrensten und erfolgreichsten investigativen Journalisten Deutschlands. Nach dem Studium der Biochemie schrieb er 1978 zusammen mit dem damaligen Mitarbeiter des Umweltbundesamtes und späteren Hamburger Umwelt-Senator Fritz Vahrenholt den Öko-Bestseller "Seveso ist überall". Seit 1980 produziert er regelmäßig Fernsehdokumentationen für WDR und ZDF, die mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet wurden, darunter dem Grand Prix des Internationalen Fernseh-Festivals von Hiroshima 1991. Darüber hinaus hat Koch immer wieder mit Büchern Aufsehen erregt, u.a. mit der Enthüllung des Medizinskandals um "Böses Blut" (1990) und die Beziehungen der DDR-Untergrundwirtschaft zur bundesrepublikanischen Politik "Das geheime Kartell" (1992). Kochs Bücher wurden weltweit in zwölf Sprachen übersetzt.
Rezensionen
Besprechung von 26.05.2008
Gefahr des Abgleitens

Die Bilder und Berichte aus Guantánamo und Abu Ghraib haben gezeigt, dass der Kampf gegen den Terrorismus an seinen Rändern in Menschenquälerei ausarten kann. Wenn solche Folterpraktiken publik werden, büßt dieser Kampf einen Teil seiner moralischen und politischen Legitimation ein. Der Schluss liegt nahe, dass es so etwas wie eine Gefahr des Abgleitens in Rache und Gewaltpraktiken gibt, wenn man es mit Gefangenen feindlicher Gruppierungen zu tun hat. Dass derlei Verfehlungen relativ rasch publik werden, kann man als einen der vielen Vorzüge der Demokratie gegenüber anderen Herrschaftsformen bezeichnen. Egmont R. Koch hat immer wieder auf krasse Missstände hingewiesen und darauf, wie ihre Verursacher sie vertuschen oder verharmlosen. Dieses Buch gehört nicht zu seinen besten. Das liegt am Aufbau und daran, dass er einen Teil der hier veröffentlichten Informationen schon einmal publiziert hat. Koch kann sich nicht recht entscheiden, ob er den Schwerpunkt auf die Folterpraktiken der CIA nach dem 11. September 2001 legen soll und auf den empörenden Eiertanz amerikanischer Politiker, die bestimmte Folterpraktiken genehmigten und gleichzeitig deren Anwendung leugneten. Oder ob er lieber die Geschichte der wissenschaftlichen und pseudowissenschaftlichen Folterforschung beschreiben soll, die in den letzten Jahrzehnten von der CIA gefördert und bezahlt wurde. Die Gleichsetzung von KZ-Folterexperimenten und solchen Forschungen schießt trotz einiger personeller Kontinuitätslinien im Übrigen weit übers Ziel hinaus. (Egmont R. Koch: Die CIA-Lüge. Folter im Namen der Demokratie. Aufbau Verlag, Berlin 2008. 224 S., 19,95 [Euro].)

WILFRIED VON BREDOW

Alle Rechte vorbehalten. © F.A.Z. GmbH, Frankfurt am Main
…mehr
Besprechung von 26.01.2009
Foltern für die Freiheit
Abu Ghraib und Guantanamo sind keine Ausnahmefälle
Was dieses Buch enthüllt, ist eine Schmach für die USA, ein wahrhaft erschreckender Befund. Denn Egmont R. Koch weist anhand akribischer Quellenarbeit nach, dass es sich bei den Folterungen in Abu Ghraib und Guantanamo nicht um bedauerliche Einzelfälle und Entgleisungen handelt. Denn diese Fälle stellen nur einen Bruchteil der Menschenrechtsverletzungen dar, die sich die USA in ihrem „Krieg gegen den Terror” geleistet haben, sodass der 83-jährige ehemalige Präsident Jimmy Carter meinte: „Unser Land hat erstmals in meinem Leben die Prinzipien der Menschenrechte aufgegeben.”
Sollte jemand die PR-Sprüche der mittlerweile abgetretenen Regierung von George W. Bush je geglaubt haben („Diese Regierung foltert nicht!”), so wird er nun gründlichst eines Besseren belehrt. Koch führt den Nachweis, dass „kreative Verhörtechniken” – Bushs Terminus für physisches und psychisches Foltern – nach dem 11. September 2001 systematisch und in großem Stil in Gefängnissen und Lagern gegen (vermeintliche) Terroristen angewandt wurden: Scheinertränken, totale Isolation, Schlafentzug, Hängefolter, Drogeneinsatz – alles mit Wissen und Billigung der US-Regierung. Dienlich war dabei ein Folterhandbuch der CIA mit dem Codenamen „Kubark”, das Diktaturen und Geheimdienste in aller Welt benützen.
Kochs Recherchen ergaben, dass allein 2002 die CIA Hunderte Verdächtige in Lager und Gefängnisse rund um den Globus verschleppt hat; in Länder, die zur „Kooperation” bereit waren und „deren Geheimpolizei sich mit Folter bestens auskennt”, schreibt er, etwa Saudi-Arabien und Pakistan. Etliche Inhaftierte in den „geheimen CIA-Gulags” wurden zu „Geistergefangenen” ohne offizielle Registriernummern gemacht, „um spätere Nachforschungen des Roten Kreuzes unmöglich zu machen”. Sollten diese ghost detainees „bei Folterungen ums Leben kommen, ließen sich Leichen und Spuren leicht beseitigen”.
Koch geht auch den historischen Wurzeln der offiziell stets bestrittenen Folterpraxis nach und landet beim Nationalsozialismus. Die Amerikaner engagierten nach dem Krieg einige von Hitlers Experten, etwa den Chemiker Friedrich Hoffmann oder Walter Schreiber, der für Menschenversuche in KZs verantwortlich war. Sie halfen den USA zur Zeit des Kalten Kriegs, einen politisch-militärisch-wissenschaftlichen Komplex der Folterforschung aufzubauen. Regierung, CIA, Armee, Krankenhäuser und Hochschulen arbeiteten am „Manhattan-Projekt der Verhaltensmanipulation” (Koch) zusammen, um herauszubekommen, wie Menschen zu willenlosen Werkzeugen gemacht werden können. So wurde an Patienten, ohne sie aufzuklären, mit Psychodrogen herumexperimentiert, zum Teil mit tödlichem Ausgang. Ferner ließ die CIA mittels Gehirnoperationen erforschen, ob sich damit „das Gedächtnis auslöschen lässt, damit sich Gefangene nicht an ihre Folter erinnern”.
Was zunächst als Forschung zur Abwehr kommunistischer Foltermethoden legitimiert wurde, wandten CIA und Pentagon bald selbst aktiv an: im Spionagekrieg mit der Sowjetunion, im Koreakrieg oder in Vietnam, wo die CIA 1967 im Rahmen der Operation „Phoenix” Verhör- und Foltertechniken einsetzte, denen laut Koch „Tausende (möglicherweise mehr als zwanzigtausend) Vietnamesen zum Opfer fielen” – meist Zivilisten, die man der Konspiration mit den Kommunisten verdächtigte. Der ehemalige „Phoenix”-Officer Barton Osborne berichtete später: „Ich wüsste von keinem Häftling, der während der Durchführung all dieser Operationen ein Verhör überlebt hätte. Sie starben alle.” Dass die Leichen spurlos zu entsorgen waren, ergab sich für die CIA-Leute aus den Verhaltensempfehlungen des Kubark-Folterhandbuchs. Disposal of the bodies nannte man das.
Dieses Buch ist schockierend, die realistisch-brutalen Schilderungen von Gefolterten sind kaum zu ertragen, aber nötig, um Empörung über das Unrecht zu erzeugen, das Bushs Regierung zu verantworten hat. Koch glaubt, dass es dem abgewählten US-Präsidenten, seinem Vize und dem Verteidigungsminister „wohl auch um Rache” ging und sie deshalb im Krieg gegen den Terror auf die harte Tour setzten, „auch um den Preis, amerikanisches Gesetz zu brechen und das weltweite Ansehen des Landes zu ramponieren”. Nun will Barack Obama die USA als moralisch-politische Führungsmacht rehabilitieren. Ob das gelingen kann? NIKOLAUS GERMAN
EGMONT R. KOCH: Die CIA-Lüge. Folter im Namen der Demokratie. Aufbau-Verlag, Berlin 2008. 224 S., 19,95 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung exklusiv über www.sz-content.de
…mehr

Perlentaucher-Notiz zur Süddeutsche Zeitung-Rezension

Nikolaus German kann es nicht fassen. Egmont R. Kochs Enthüllungsbuch über die Folterpraktiken der Bush-Regierung jagt dem Rezensenten Schauer über den Rücken. Die realistischen Schilderungen von Folteropfern der CIA findet er hart an der Grenze des Erträglichen, wenngleich nötig, so räumt er ein, um das Unrecht des Bush-Regimes öffentlich zu machen. Zweifel an der Authentizität der Befunde hinterlässt der Band indessen kaum. Die Quellenarbeit des Autors erscheint German akribisch genug, um dem Verdikt zu trauen, es handele sich bei Abu Ghraib keinesfalls um einen Einzelfall, sondern bloß um die Spitze des Eisbergs. Hilfreich findet German, dass Koch nach den historischen Wurzeln der Folterpraxis gräbt und dem Leser Verbindungslinien zum Nationalsozialismus aufzeigt. So erscheinen die von Bush und seinen Schergen geduldeten beziehungsweise initiierten Schrecken beinahe folgerichtig.

© Perlentaucher Medien GmbH