Der Schriftsteller als Politiker - Sabin, Stefana

Stefana Sabin 

Der Schriftsteller als Politiker

Theodor Herzl und das zionistische Engagement

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Der Schriftsteller als Politiker

Der Zionismus als Projekt literarischer Imagination und nicht als Projekt praktischer Politik. Theodor Herzls (1860-1904) Karriere könnte man wie einen Entwicklungsroman erzählen: Ein junger Mann zieht in die Hauptstadt und macht dort Erfahrungen, die sein Denken so verändern, dass er schließlich die Welt verändert. Oder man könnte einen Bildungsroman erzählen: Ein Wiener Kaffeehausliterat wird zum engagierten Schriftsteller und dann zum politischen Führer einer weltumspannenden Bewegung, deren Folgen noch immer Schlagzeilen machen. Tatsächlich war Theodor Herzl - gebürtiger Ungar, österreichischer Staats­angehöriger und deutscher Bildungsbürger - ein säkularer assimilierter Jude, der seine literarischen Ambitionen mit politischen Mitteln verwirklichte. Denn Herzl begriff den Antisemitismus seiner Zeit als ein national-politisches Problem, das nach einer national-politischen Lösung verlangte. Diese Lösung fand er im zionistischen Projekt, das er in Propagandaschriften mit großem rhetorischen und narrativen Geschick artikulierte. Diese Schriften, vielfach übersetzt und in vielen Auflagen erschienen, wurden zu den folgenreichsten Veröffentlichungen der europäisch-jüdischen Geschichte - und Herzl selber wurde zu einem der bedeutendsten engagierten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Zum 150. Geburtstag Theodor Herzls am 2. Mai 2010.


Produktinformation

  • Verlag: Wallstein
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 32 S. m. 6 Abb.
  • Seitenzahl: 32
  • Göttinger Sudelblätter
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 128mm x 8mm
  • Gewicht: 63g
  • ISBN-13: 9783835306547
  • ISBN-10: 3835306545
  • Best.Nr.: 27984639
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.05.2010

Theodor Herzls Wink aus dem Ghetto

In der "Traumdeutung" erinnert Sigmund Freud an einen Traum von der "Sorge um die Zukunft der Kinder, denen man ein Vaterland nicht geben kann". Den Tagrest zur "Judenfrage" verdankte sich dem Schauspiel "Das neue Ghetto", das Freud 1897 in Wien aufgeführt sah. Ein jüdischer Rechtsanwalt versucht sich darin im Duell gegen antisemitische Beschimpfungen eines Rittmeisters zu verteidigen. Doch er wird tödlich verwundet und kann nur noch mit Bühnenpathos seinen letzten Wunsch verkünden: "Ich will - hinaus! Hinaus - aus - dem Ghetto!"

Der Verfasser des Stücks war der Rechtsanwalt Theodor Herzl, der wie Freud in der Wiener Berggasse wohnte, nur ein paar Häuser entfernt. In einem Essay zu seinem 150. Geburtstag am 2. Mai entwickelt die Journalistin Stefana Sabin jetzt knapp Herzls Wegweisung aus dem Ghetto ("Der Schriftsteller als Politiker". Theodor Herzl und das zionistische Engagement. Wallstein Verlag, Göttingen 2010. 32 S., br., 9,90 [Euro]). Dabei war besonders ein Ereignis für den ungarischen Juden mit österreichischer Staatsbürgerschaft und deutscher kultureller Prägung entscheidend: Die Affäre um Alfred …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Voll des Lobes ist Oliver Pfohlmann angesichts von Stefana Sabins instruktivem Essay über den Schriftsteller und Journalisten Theodor Herzl, den Urvater des modernen politischen Zionismus. Mit Interesse liest der Rezensent nicht nur, dass Herzls Vorstellungen vom jüdischen Staat in Palästina "völlig säkular" waren und sich vor allem auf wirtschaftlichen Fortschritt konzentrierten. Er erfährt zudem zu seiner Überraschung, dass der Schriftsteller insbesondere in seinem Roman "Altneuland" von 1902 als Vorreiter des sozialistischen Realismus zu erkennen ist, wie die Autorin einleuchtend darlege.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Wie sehr sich Theodor Herzl als Schriftsteller gesehen hat - und wie naiv er als Politiker war - dafür liefert der gerade in seiner Knappheit überaus gelungene Essay ein besonders eindrucksvolles Indiz: Für den von ihm erträumten jüdischen Staat hatte er ein Nationaltheater vorgesehen - aber ausdrücklich keine Armee.« (Sabrina Adlbrecht, ORF, 28.04. + 30.04.2010) »Stefana Sabin in ihrem erhellenden, kenntnisreichen Essay über den Begründer des modernen politischen Zionismus (...).« (Oliver Pfohlmann, Neue Zürcher Zeitung, 6.7.2010)
Stefana Sabin, geb. 1955 in Bukarest, Studium der Literaturwissenschaft in Frankfurt, Haifa und Los Angeles. Dozentin für Literatur an den Schulen des Deutschen Buchhandels in Seckbach, Chefredakteurin der Zeitschrift »Büchner«, Herausgeberin mehrerer Anthologien zeitgenössischer Prosa, Autorin von Biographien und kulturkritischen Essays. Organisierte das Adorno-Jahr 2003 im Auftrag der Stadt Frankfurt, z.¿Zt. Mitarbeiterin im Feuilleton der »Neuen Zürcher Zeitung«. Im Wallstein Verlag erschienen Die Welt als Exil (2008)

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