Der patagonische Hase - Lanzmann, Claude

Claude Lanzmann 

Der patagonische Hase

Erinnerungen. Ausgezeichnet mit dem WELT-Literaturpreis 2010

Übersetzung: Barbara Heber-Schärer, Erich W. Skwara u. Claudia Steinitz
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Der patagonische Hase

Die hundert Leben des Claude Lanzmann

Claude Lanzmanns Film "Shoah" ist ein Meilenstein der Erinnerungskultur: auf unvergessliche Weise wird darin die Vernichtung der europäischen Juden dokumentiert. Mit seiner Autobiographie hat Lanzmann erneut ein bewegendes Werk geschaffen. Seine Erinnerungen umfassen das ganze 20. Jahrhundert, dessen Schrecken ebenso wie die Freiheitsmöglichkeiten. "Der patagonische Hase" ist ein außergewöhnliches Buch, das schon jetzt zu den Klassikern der Memoirenliteratur zählt.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 688 S. 190 mm
  • Seitenzahl: 688
  • rororo Taschenbücher Nr.62619
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 126mm x 40mm
  • Gewicht: 500g
  • ISBN-13: 9783499626197
  • ISBN-10: 3499626195
  • Best.Nr.: 33395887
"Ein epochales Meisterwerk! Es beschwört das vergangene Jahrhundert mit unvergleichlicher suggestiver Kraft." (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.09.2010

Der Tod, das Andenken, die Ausdauer
Eindringlich und voller Abenteuer: Die Lebenserinnerungen des französischen Publizisten und „Shoah“-Dokumentarfilmers Claude Lanzmann
Claude Lanzmann hat stets das Abenteuer gesucht. Kein Berg war ihm zu hoch, keine See zu tief, keine Wüste zu heiß. Der Tod erscheint ihm als etwas Schreckliches, aber er fasziniert ihn auch. Für einen Mann, der vor allem aus Zufall nicht schon als Jugendlicher von den Nazis ermordet wurde, ist das ungewöhnlich. Seine Memoiren, die jetzt in deutscher Übersetzung erscheinen, zeugen von einem élan vital , der beneidenswert ist. Sie sind mit Esprit geschrieben und mit Witz. Was die Darstellung erotischer Verwicklungen angeht, sind sie für französische Verhältnisse zurückhaltend.
Lanzmann wurde 1925 geboren. Der Antisemitismus, den er als Jugendlicher in Frankreich erlebte, konnte mit dem sprichwörtlichen jüdischen Selbsthass, unter dem er damals litt, durchaus konkurrieren. Die Ehe der Eltern war nicht gut. Seine Mutter soll ausgesprochen „jüdisch“ ausgesehen haben. Außerdem war sie dick. Claude Lanzmann genierte sich für seine Mutter, „deren gewaltige Umarmungen …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

"Unmöglich", "schockierend", "partiell verrückt" und "wunderbar": mit all diesen Vokabeln versucht Klaus Harpprecht, der Memoiren von Claude Lanzmann Herr zu werden. Denn dieses Buch schone seine Leser nicht, schreibt Harprecht. Schon im ersten Kapitel überfalle Lanzmann mit schlimmsten Szenen der Vollstreckung der Todesstrafe. Aber auch jedes weitere Kapitel sei "ein Drahtverhau, in dem Leichen hängen". Wenn die Sprache auf die Zeit der Resistance kommt, muss der Kritiker allerdings seufzend konstatieren, dass die schwankende, ja moralisch fragwürdige Haltung des mit Lanzmann eng befreundeten Paares Sartre-Beauvoir zum Stalinismus seinen Schatten auch auf Lanzmann werfe. Doch auch andere Schattenseiten dieser Biografie bleiben für Harpprecht grundsätzlich nebensächlich angesichts von Leben und Werk Claude Lanzmanns. Den Titel der Biografie versuchte er umsonst zu entschlüsseln, die Übersetzung ist, wie er schreibt, eine "bewundernswerte Leistung".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.09.2010

Nie hat die Zeit aufgehört, nicht zu vergehen
Eine Hymne an das Denken, die Philosophie und die Kunst: Ein Besuch bei Claude Lanzmann, dessen Erinnerungen morgen erscheinen

Eine Minute und neunundzwanzig Sekunden, das ist die erste wichtige Zeitspanne dieses Buches. Die Jungs müssen wach werden, dann ihre kleine Schwester wecken. Sie müssen zu ihren Sachen finden, die sie am Abend zuvor in der Reihenfolge ausgelegt haben, in der man sie anzieht, in völliger Dunkelheit. Und keinen Mucks. Die Dielen der alten Treppe sind gegen jedes Knarzen präpariert, jedes Türschloss wurde geölt. Dann in den Garten, ohne einen Ast zu streifen, ohne zu stolpern. Ganz durch bis zum Versteck, dem tiefen Loch ganz hinten unter den Büschen. Lautlos hinein, alles versiegeln. Bis das Licht einer Taschenlampe die Höhle erhellt. Doch da steht kein Deutscher, sonst würde die Geschichte hier schon enden. Da steht Lanzmann père und verkündet den Prüfbericht: Ihr habt geraschelt. Ihr habt getuschelt. Ihr wart nicht schnell genug. Neunundachtzig Sekunden vom Tiefschlaf bis ins Versteck, das war der Standard. Er sagt: Die Deutschen haben Hunde.

Nacht für Nacht …

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Claude Lanzmann, geboren 1925 in Paris, studierte Philosophie und war Lektor an der Freien Universität Berlin. Als Journalist reiste er unter anderem nach China und Korea und engagierte sich gegen den Algerienkrieg. Seine Dokumentarfilme "Pourquoi Israel" (1972) und "Shoah" (1985) machten ihn weltberühmt. Er ist Ehrendoktor der Hebräischen Universität Jerusalem und der European Graduate School. Claude Lanzmann lebt in Paris.

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