De Profundis - Jerofejew, Viktor

Viktor Jerofejew 

De Profundis

Erzählungen

Aus d. Russ. v. Beate Rausch
Gebundenes Buch
 
Führen wir nicht mehr
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De Profundis

"Ganz Moskau liebt Charms. Du hast schon das ganze Glas Pflaumenmus verputzt. Nur ein Restchen ist noch übrig. Nicht mehr als zwei Löffel. Kratz es aus. Laß das! Stopf dir nicht auch noch die Fleischklöpse rein! Reden wir über Katmandu. Schließlich schwebt diese nicht umsonst mit Moskau durch die Metro verbundene Stadt im Himalaja wie ein Loch im Kosmos."

Moskau, die Frauen, der ganz normale Irrsinn des postkommunistischen, neonationalen, knallreichen, mäusearmen Putin-Russland, aber auch Tibet, die Literatur, der Große Vaterländische Krieg: Über all das und noch viel mehr schreibt Jerofejew in diesem eleganten schmalen Band, der aufs Neue seine stilistische Brillanz unter Beweis stellt, aber auch seinen immer etwas anderen Blick. Die Erkenntnisse, die er unaufdringlich in seine Prosa streut, sind bestechend in ihrem Witz, in ihrer Originalität und Präzision. Viktor Jerofejew ist der große Chirurg der russischen Seele, seine Feder scharf wie ein Seziermesser.


Produktinformation

  • Verlag: Berlin Verlag
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 134 S.
  • Seitenzahl: 134
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 271g
  • ISBN-13: 9783827006370
  • ISBN-10: 3827006376
  • Best.Nr.: 20842844

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Enttäuscht zeigt sich Friedmar Apel von diesen Erzählungen Viktor Jerofejews, den er als Autor der romanhaften Doppelbiografie "Der gute Stalin" eigentlich schätzt. In vorliegendem Band aber bleibt Jerofejew Apels Erachtens weit hinter seinem Können, dem Einsatz von "feineren literarischen Mitteln" zurück. Zu wichtigtuerisch, geschwätzig und albern gerieren sich hier die Ich-Erzähler, als dass Apel daran Gefallen finden könnte. Vor allem aber stören ihn die zahlreichen wenngleich ironisch gemeinten Russland-Klischees, die Jerofejew mit Blick auf das internationale Publikum verbreitet. Zwar hält Apel das Buch stellenweise durchaus für witzig. Meistens aber scheint ihm das Buch, abgesehen von der Titelgeschichte, ziemlich "öde".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.01.2007

Moskau popelt in der Nase
Hure Babylon: Viktor Jerofejew verbreitet erzählend Klischees

Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir: Wer heute eine Erzählung und einen ganzen Band "de profundis" nennt, beschwört mit dem 130. Psalm notwendig die Kunst als Gedächtnis des Leidens - von der herzzerreißenden Kantate Bachs bis zur bitteren Ironie von Oscar Wildes Brief aus dem Zuchthaus, in dem sich der Dichter noch in der tiefsten Entwürdigung emphatisch zum Erscheinenden bekennt. Am Bewusstsein für das Leiden hat es in der dissidentischen russischen Intelligenz wahrhaftig nicht gefehlt; aus der Gegenwartsliteratur aber, wie sie nach der Wende mit Vladimir Sorokin, Viktor Jerofejew oder Ljudmila Petruschewskaja wie über Nacht zu internationalen Erfolgen gelangte, ist das melancholische Pathos Pasternaks oder der gravitätische Ernst Solschenizyns ganz verschwunden.

Auf die Absurditäten der neuen russischen Wirklichkeit reagierte sie in den neunziger Jahren mit Schockeffekten, die jede Tiefe negierten, und nicht selten mit spätpubertär anmutenden Albernheiten unter der Gürtellinie. Die kann Viktor Jerofejew auch kurz vor dem sechzigsten Lebensjahr …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.10.2006

Toter Hecht
Viktor Jerofejew in seinem Erzählband „De profundis”
Die Stadt breitet sich aus „wie eine Epidemie”. Moskau ist ein „Vielfraß, der wahllos alles verschlingt”. Die alten Stadtpläne stimmen nicht mehr. Unmöglich, sich hier zu orientieren: „Wir verwirren den Feind und verwirren damit teilweise uns selbst.” Von dieser allgemeinen Verwirrung, vor allem aber von seiner eigenen, legt Viktor Jerofejew in dem kleinen Erzählungsband „de profundis” Zeugnis ab. Auf Sinn oder Logik darf man dabei nicht hoffen. Der Leser muss bereit sein, durch eine Trümmerlandschaft zu spazieren. Allenfalls sexuelle Phantasien und männliche Prahlerei geben noch einen gewissen Halt.
Jerofejew fühlt sich wohl im Verfall. Wo keine Regeln mehr gelten, übernimmt der Erzähler die Macht. In der Geschichte „Wangenknochen und Nase und eine Schlucht” würgt er die Handlung mutwillig ab und setzt neu ein, zaubert ein Mädchen mit kupferroten Haaren aus dem Hut, zitiert eine Figur aus der „Rohfassung” herbei und lässt sie wieder verschwinden, oder fällt, wenn ihm alles zu unübersichtlich wird, einfach ins Delirium und erteilt sich die Lizenz zum …

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"Tolstoi hat bereits zu seiner Zeit die Auferstehung vorhergesagt, Viktor Jerofejew genügt das tolstoische Talent, um seine Auferstehung zu finden."
Viktor Jerofejew, 1947 in Moskau geboren, gilt als einer der führenden Autoren Russlands. Er schreibt regelmäßig für den New Yorker sowie für Geo, Die Zeit und die Frankfurter Allgemeine Zeitung.

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