Das Strudelloch - Granauskas, Romualdas

Romualdas Granauskas 

Das Strudelloch

Roman

Übersetzung: Rom, Gisela
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Das Strudelloch

Ein wichtiges Alterswerk des großen Meisters der litauischen Literatur: eine bewegende Geschichte um Ausgeliefertsein und Hoffnung, um Schuld und Schicksal.

Romualdas Granauskas gilt als einer der bedeutendsten litauischen Autoren, als "Wortmagier", der in seinen Werken die Archetypen des kollektiven Unbewussten freilegt und das reale Handlungsgeschehen mystisch-sprachgewaltig überhöht.
In "Das Strudelloch" erzählt er über das Leben von Gaucys Jiuozapas, der abseits der Zivilisation in einem kleinen Dorf am Waldrand zwischen Landstraße und Eisenbahngleisen aufwächst. Gaucys ist ein Träumer, der die Natur liebt und nur wenige Freunde hat. Aber für die ist er der verlässlichste Mensch der Welt. Später, in der Stadtschule, öffnet sich ihm eine neue Welt, er entdeckt das Lesen und träumt von der Universität. Aber der Tod seines besten Freundes wirft Gaucys vollkommen aus der Bahn, er fühlt sich mitschuldig, auch wenn niemand ihm Vorwürfe macht.
Gaucys meldet sich bei einem Bau- und Montagewerk in Klaipeda. Was er dort erlebt, gleicht einem Alptraum. Das Wohnheim ist eher eine Baracke: Gewalt, Diebstahl, Alkohol und allumfassende Rechtlosigkeit haben sämtliche menschlichen Beziehungen, sogar die zwischen den Geschlechtern und zu Kindern, verroht und zerstört. Auch Gaucys hat seinem Schicksal wenig entgegenzusetzen, er ist wie gefangen in einem Zirkel von Schuld und Hilflosigkeit, aus dem es kein Entkommen gibt.


Produktinformation

  • Verlag: Wallstein
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 240 S.
  • Seitenzahl: 247
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 130mm x 23mm
  • Gewicht: 355g
  • ISBN-13: 9783835304802
  • ISBN-10: 3835304801
  • Best.Nr.: 29750002

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Die beklemmenden Verhältnisse und die Ausweglosigkeit der sozialistischen Tristesse in der litauischen Hafenstadt, in der Romualdas Granauskas' Roman "Das Strudelloch" spielt, haben Sabine Doering zugesetzt. Der litauische Autor schildert in der Geschichte seines Helden, der sich schuldig am Tod seines Jugendfreundes fühlt und auch später im Leben nicht sein Glück findet, nicht allein das graue Alltagsleben unter sowjetischer Herrschaft in einem an Dickens oder Zola erinnernden eindrücklichen Realismus. Genauso wendet er sich den existentiellen Themen wie Liebe, Freundschaft und Schuld zu, wobei in seinem Roman keinerlei metaphysische Rettung für seine unglücklichen Protagonisten aufscheint, wie die Rezensentin feststellen muss. Dabei bleibe Granauskas aber ein empathischer und zugewandter "Beobachter" ohne zynische Anwandlungen, auch wenn er seine Figuren in eine hoffnungslose Zukunft entlässt, so Doering gefesselt.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.10.2011

Flitterwochen in Einheitsgrau
Eine menschenverachtende Utopie: Romualdas Granauskas erzählt vom Alltag im Litauen der fünfziger Jahre

Jorsas heißt ein Getränk, das zwei Vorzüge besitzt: Es ist billig, und es verspricht rasches Vergessen. Gemischt wird es zu gleichen Teilen aus Wodka und Bier, und man muss es schnell trinken, damit der Alkohol sofort in den Kopf steigt. So lernt es jedenfalls Gaucys Jiuozapas, der nach dreijährigem Militärdienst eine Arbeitsstelle in Klaipeda gefunden hat. Tagsüber steuert er einen Kipplaster mit Sand und Kies zu verschiedenen Baustellen, abends sitzt er im schäbigen Wohnheim zusammen mit den russischen Zimmergenossen, die ihm das Rezept für den schnellen Rausch verraten.

Außer dem Alkohol und der sexuellen Lust, die ebenso günstig zu haben ist wie der Wodka, gibt es für die jungen Männer in der großen Hafenstadt an der Ostsee wenig Abwechslung. Der Roman, dessen Original 2003 erschien, führt uns in das Litauen der fünfziger und frühen sechziger Jahre, das tief im Schatten der sowjetischen Herrschaft liegt. Die Intelligenz des Landes wurde nach Kriegsende deportiert, auf dem Land errichtet man …

Weiter lesen

»Granauskas stimmt an keiner Stelle große emotionale Töne an, die Dialoge dieser einfachen Leute sind aber um Herzenswärme bemüht. Trotz aller Armut und harter Arbeit stellt der Autor seine Handelnden in den Einklang mit der Natur.«(Armin Friedl, Stuttgarter Nachrichten, 5.10.2010) »Spannende Lektüre aus einer fremden Welt.«(Bettina Hesse, WDR 5, 18.09.2010)»»Das Strudelloch« ist kein leichter Roman, kein geschmeidiger und auch kein sozialromantischer. Aber ein starkes Stück Literatur«(Christine Hamel, Bayerischer Rundfunk, 13.11.2010) »»Das Strudelloch« beschreibt die litauische Wirklichkeit beklemmend präzise.«(Matthias Koeffler, BuchMarkt, März 2011)
Romualdas Granauskas, geb. 1939, arbeitete als Redakteur bei Zeitungen und Zeitschriften, Rundfunkkorrespondent, Lehrer und Schmied. Er veröffentlicht seit Mitte der fünfziger Jahre Erzählungen, Novellen, Romane und Theaterstücke. Granauskas erhielt 2000 den Nationalen Kultur- und Kunstpreis.

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