Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft - Pfaller, Robert

Robert Pfaller 

Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft

Symptome der Gegenwartskultur

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Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft

Vieles, was noch vor wenigen Jahren als mondän galt wie z.B. das Rauchen, wird in unserer heutigen Kultur als schmutziges, gesundheitsgefährdendes Ärgernis thematisiert. Früher wurden solche Praktiken kulturell aufgehoben, indem man sie in einen Rahmen des »Heiligen« stellte. Gegen dieses »Heilige« macht nun eine Vernunft Front, die sich als »rein« versteht und die Welt entzaubern möchte.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • 2008
  • 3. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 333 S. m. Fotos.
  • Seitenzahl: 333
  • Fischer Taschenbücher Bd.17729
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 123mm x 22mm
  • Gewicht: 250g
  • ISBN-13: 9783596177295
  • ISBN-10: 3596177294
  • Best.Nr.: 23319645

Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Äußerst interessiert ist Paul-Philipp Hanske den erhellenden Auslassungen von Robert Pfaller zum allgemeinen Lustverfall der heutigen Zeit gefolgt und nimmt dem Autor den Ärger, der aus den Ausführungen spricht, ohne weiteres ab. Die These des Autors, dass mit zunehmender Säkularisierung, der Ablehnung von Ritualen und der narzisstischen Hinwendung zum eigenen Ich Lust zunehmend "wegrationalisiert" werde, findet der gefesselte Rezensent durchaus bedenkenswert und eine Debatte wert. Seine Freude an diesem Band trübt allerdings ein wenig, dass sich der  Kulturwissenschaftler Belege für seine Position ausschließlich aus der Kunst bezieht. Dabei sei doch gleichzeitig - neben einer neuen "Prüderie" und der "Skepsis" gegenüber dem Heiligen - in der Populärkultur ein "Boom von Pornografie" zu beobachten, argumentiert Hanske, der dieses Phänomen als die Rückseite  "derselben Medaille" liest. Dass sich der geschulte Psychoanalytiker aber an diesem Zusammenhang von "Pornografie und Prüderie" so gar nicht interessiert zeigt, sei erstaunlich, bedauert der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.01.2009

Alles viel zu prüde hier
Wo bleibt die Lust? Robert Pfaller erklärt die Ödnis der Gegenwartskultur
Unsere Aufmerksamkeitsökonomie verlangt, dass so gut wie jedes populäre Sachbuch mit einer Prise persönlicher Aufregung gewürzt sein muss. Dem Wiener Kulturwissenschaftler Robert Pfaller nimmt man die Aufregung, mit der er „Das schmutzige Heilige und die reine Vernunft” geschrieben hat, aber auch ab. Er ärgert sich gewaltig über eine Kultur, die ihm persönlich Lust verweigert – da sie so langweilig wie seit Jahrzehnten nicht mehr sei.
Verfallstheorien haben von Haus aus einen konservativen Einschlag – Robert Pfaller jedoch bedient sich parasitär des Genres: Indem er behauptet, dass es nicht in Richtung gesellschaftlicher Verwahrlosung dahingehe, sondern in Richtung einer allgemeinen Prüderie. Er beginnt seine Kulturanalyse mit der zunächst evidenten Beobachtung, dass im Augenblick eine vielfältige Tilgung von „Schmutz” im Gange ist: das Rauchen wird im Namen der Gesundheitspolitik tabuisiert (dem Alkoholgenuss steht Ähnliches bevor), Sprache wird von politischen Unkorrektheiten gesäubert und Sexualität taucht in der seriösen Kultur meist …

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Robert Pfaller, geb. 1962, studierte Philosophie in Wien und Berlin und war nach Gastprofessuren in Chicago, Berlin, Zürich und Straßburg Professor für Kulturwissenschaft und Kulturtheorie an der Kunstuniversität Linz. Seit 2009 ist er Professor für Philosophie an der Universität für angewandte Kunst Wien.

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