Wer erinnert sich eigentlich noch an den Regierungsstandort Bonn?
Zehn Jahre nach dem Umzug der Regierung in das glanzvoll
hergerichtete Berlin verblaßt zunehmend die Erinnerung an das
Intermezzo Bonn, trotzdem es beinahe ein halbes Jahrhundert lang
Bestand hatte. Das Bundeshaus, der "Lange Eugen" oder gar
das ominöse "Wasserwerk" - nicht nur die heutige junge
Generation kennt all dies nur noch vom Hörensagen. Am Beginn der
"Bonner Republik" stand der Umbau der ehemaligen
Pädagogischen Akademie, 1930 im Bauhausstil entworfen, zum
Regierungssitz. Die Pläne dazu stammten von dem Architekten Hans
Schwippert (1899 - 1973). Unter der Direktive des Düsseldorfer
Wiederaufbauministeriums gelang es Schwippert und seinem
Mitarbeiterstab, das Gebäude in der Rekordzeit von acht Monaten
grundlegend umzugestalten. Dabei folgte er seiner Vorstellung einer
hellen, offenen Architektur, mit der die Arbeit des Parlaments
buchstäblich ins Licht der Öffentlichkeit gerückt werden sollte. In
Hans Schwipperts architektonischem Konzept für den Sitz des Ersten
Deutschen Bundestages ist - wie in kaum einem anderen Bauprojekt
dieser Jahre - der politische und gesellschaftliche Zeitgeist der
Nachkriegsära verdichtet. Es verband eine den wirtschaftlichen
Verhältnissen geschuldete Sparsamkeit der Mittel mit einem
Bekenntnis zu den sachlichen Prinzipien des Internationalen Bauens,
durch die der Parlamentssitz zum Aushängeschild eines weltoffenen,
gewandelten Deutschland werden sollte.