Das ausgelöschte Gesicht - Younas, Fakhra; Doni, Elena

Das ausgelöschte Gesicht

Die wahre Geschichte einer Frau aus Pakistan. Nachw. v. Tehmina Durrani

Fakhra Younas Elena Doni 

Aus d. Italien. v. Sabine Schulz
Broschiertes Buch
 
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Das ausgelöschte Gesicht

Brisant und zutiefst bewegend - ein Schicksalsbericht

Eine junge Frau klagt an - und macht Mut zum Leben

2001 trifft die junge Pakistani Fakhra Younas in einer Spezialklinik in Rom ein. Sie hat kein Gesicht mehr: Die Nase, ein Auge, ein Ohr sind verätzt, der Hals durch das Narbengewebe versteift. Ihr Mann hatte sie mit Säure übergossen, weil sie der täglichen Hölle aus Eifersucht und Gewalt entflohen war. Doch er konnte Fakhras Streben nach Freiheit nicht brechen. Tapfer kämpft Fakhra für ein neues Gesicht und erhebt ihre Stimme für tausende Frauen, die ein ähnliches Schicksal erlitten haben und vergessen in Armut leben.

Säureattentate zur Wiederherstellung der 'Ehre' nehmen weltweit erschreckende Ausmaße an!

"Ein erschütternder Bericht!" La Repubblica


Produktinformation

  • Verlag: Blanvalet
  • 2008
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 226 S.
  • Seitenzahl: 226
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.36697
  • Deutsch
  • Abmessung: 18, 5 cm
  • Gewicht: 195g
  • ISBN-13: 9783442366972
  • ISBN-10: 3442366976
  • Best.Nr.: 23817271
Elena Doni ist in Italien eine bekannte Journalistin und Autorin mehrerer Sachbücher u. a. zur Situation unterdrückter Frauen in der Welt.

Leseprobe zu "Das ausgelöschte Gesicht"

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Leseprobe zu "Das ausgelöschte Gesicht" von Fakhra Younas; Elena Doni

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Es war unerträglich heiß an jenem Morgen in Karachi. Auf einmal fühlte ich eine Hitze, wie ich sie noch nie erlebt hatte. Und ich sah nichts mehr, ich konnte die Augen nicht mehr öffnen, sie waren fürchterlich geschwollen.

Irgendwann merkte ich, dass mir die Kleider vom Körper gefallen waren und ich nackt war: Als mein Mann eingetreten war, war ich doch angezogen gewesen, und jetzt hatte ich nichts mehr am Leibe. Ich schrie und rief um Hilfe, während ich die Treppe hinauflief, um jemand von den anderen zu rufen. Ich merkte, dass mir jemand ein Tuch übergeworfen hatte, an der Stimme hörte ich, dass es ein Kind war. Da verstand ich, dass etwas Schreckliches passiert war, aber was ich nicht wusste: Es war Säure, die meine Kleider aufgelöst hatte und mir jetzt das Gesicht, die Brust, die Arme zerfraß.

An jenem Morgen war Bilal, mein Ehemann, in Schwarz gekleidet und in Begleitung dreier Bodyguards, in mein altes Haus gekommen, in dem ich wieder wohnte, seitdem ich beschlossen hatte, mich scheiden zu lassen. Ich war gerade erst aufgewacht und lag ausgestreckt auf dem Bett. Er hatte sich mir genähert, hatte meinen Kopf gepackt und ihn fest nach hinten gehalten: Ich dachte, er wollte mir etwas zu trinken geben, aber er schüttete mir Wasser über das Gesicht. Oder jedenfalls glaubte ich zuerst, es wäre Wasser, weil es erst nicht wehtat. Ich dachte nicht an Säure, zwar hatte ich ein paarmal gerüchteweise von Frauen gehört, die mit Säure übergossen oder mit Kerosin angezündet worden waren (das wir zum Kochen verwenden): Dabei gibt es in meinem Land so viele von ihnen, Tausende, man weiß gar nicht, wie viele, weil die Familien sich schämen, davon zu berichten, und die Frauen sich schämen, nach draußen zu gehen und im Verborgenen leben oder als Bettlerinnen auf der Straße landen.

Ich hörte ganz deutlich, wie einer der Männer in seiner Begleitung fragte: "Sollen wir sie töten?", und Bilals Antwort: "So ist es genug." Ich weiß nicht, warum sie mein Leben geschont haben. Oft denke ich, dass sie es nur deshalb taten, um mich noch mehr zu bestrafen.

Ich bekam Angst, als meine Augen so stark zuschwollen, dass ich sie nicht mehr aufbekam. Aber ich war weit davon entfernt zu begreifen, was mir zugestoßen war. Mein einziger Gedanke war, wie heiß es doch war. Es war an jenem Morgen unerträglich heiß in Karachi. Oder vielleicht war es im Auto, das die ganze Zeit in der Sonne gestanden hatte, auch besonders heiß: Ich hielt diese Hitze nicht mehr aus. Meine Schwester weinte, ich nahm ihre Hand und fragte: "Warum weinst du?" Kiran war damals achtzehn Jahre alt, zwei Jahre jünger als ich, und war gerade schwanger mit ihrem ersten Sohn. Sie ist ein Engel: Sie hat einen starken Charakter, aber ein gutes Herz. Sie war wie eine Mutter für mich, solange ich im Krankenhaus lag.

Von jenem ersten Tag habe ich nur Erinnerungsbruchstücke, wie Standbilder aus einem Film, durcheinandergewirbelte, vernebelte Bildfetzen. Vielleicht deshalb, weil sie mir sofort eine Spritze gegeben haben, als sie mich auf die Bahre gelegt hatten, und ich schlief ein bisschen, und als ich wieder aufwachte, waren viele Leute um mich herum, viele Freunde, und alle sagten mir: "Bleib stark, du hältst durch." Ich konnte nichts sehen, ich hörte nur ihre Stimmen, meine Mutter war auch da, sie weinte, küsste mich und sagte: "Bleib stark." Warum denn? Ich wollte nur wieder gehen und ein neues Leben anfangen, jetzt, wo ich von Bilal losgekommen war. Dann wurde mir auf einmal sehr kalt, ich zitterte, auch meine Zunge war stark geschwollen, ich konnte nicht mehr sprechen, ich hatte sehr hohes Fieber.

Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, ich hatte kein Zeitgefühl mehr. Ich weiß jetzt, dass ich drei Monate auf der sterilen Station lag, aber mir kam es vor wie eine Woche. Die Schmerzen waren fürchterlich, sie verschwanden nur, wenn sie mir eine Spritze in die Vene gaben, die sie "King" nannten. Manchmal hintergingen sie mich auch und taten nur so, als würden sie mir eine King geben, und ich brüllte und heulte und nannte sie Lügner.

Als ich schon eine gewisse Zeit im sterilen Raum lag, bemerkte ich allmählich einen grässlichen Gestank. Es war mein eigenes Fleisch, das da verweste. Das begriff ich aber erst, als eines Tages der Doktor kam und sagte, ich solle duschen. Wieso duschen, dachte ich. Es geht mir so schlecht, ich habe Fieber, ich kann mich nicht auf den Beinen halten. Aber der Arzt meinte das als Befehl und ließ mir von den Krankenschwestern helfen: Und unter dem fließenden Wasser spürte ich die Fetzen meines faulenden Fleisches vom Körper fallen. Erst da begriff ich endgültig, was mir zugestoßen war.

Im sterilen Raum gab es auch noch andere Verbrennungsopfer. Eines Tages trafen sehr viele ein: Es hatte einen Unfall gegeben, und ein Auto hatte Feuer gefangen. Mehrere Mitglieder einer Familie wurden eingeliefert, darunter ein zwölfjähriges Mädchen, das immer nach seiner Mutter fragte, die aber leider schon tot war. Ich sagte zu meinem Bruder, der mich oft besuchen kam: "Tina (ein Kosename), geh zu dem Mädchen, sag ihr, dass ihre Mama im unteren Stockwerk liegt, nimm ihre Hand und streichle sie ein bisschen." Und er tat es und machte Späße mit dem Mädchen und brachte sie zum Lachen, denn er war ein lieber Junge. Ich sage er war, weil Tanvir nicht mehr da ist, er ist letztes Jahr an einer Überdosis gestorben. Es gibt viel zu viele Drogen in Pakistan. Du fragst danach, und sie geben dir was, oder nein, sie bringen dir das Zeug an die Haustür.

Dieser sterile Raum war traurig, weil sie alle starben, und morgens sagten die Schwestern immer: "Den muss man auch wegschaffen." Einen nach dem anderen schafften sie sie alle fort, auch das Mädchen.

Die Ärzte waren überzeugt, dass auch ich irgendwann "wegzuschaffen" sein würde. Sie dachten, ich würde noch zwei oder drei Tage leben, mehr nicht, weil die Säure auch auf meine Brust geflossen war, und wenn sie bis in die Atemwege dringt, erstickt man. Also sagten die Ärzte zu meiner Mutter, sie sollte Nauman, meinen Sohn, mitbringen, damit er sich von mir verabschieden konnte. Als er mich sah, sagte er gar nichts, er weinte nicht, aber als er hinausging, flüsterte er seiner Großmutter ins Ohr: "Die ist nicht meine Mutter." Danach ließen sie ihn immer draußen im Korridor, und ich sprach mit ihm durch ein Fensterchen und hatte ihm den Rücken zugewandt, damit er mein mit Verbänden bedecktes Gesicht nicht sah.

Am ersten Tag war es so, als wäre ich da und gleichzeitig doch nicht. Ich hörte alles, was die anderen sagten, aber ich konnte fast nicht sprechen und mich kaum bewegen. Ich habe noch nicht einmal gemerkt, dass ich eine spontane Fehlgeburt hatte, das haben sie mir hinterher erzählt. Den Schmerz, den habe ich gespürt. Als ob man mich durch den Fleischwolf drehen würde. Ein Schmerz, der sich unmöglich beschreiben lässt: Es war, als sei ich verrückt geworden, ich beschimpfte alle fürchterlich, und es war mir alles völlig egal, die guten Menschen, die ins Krankenhaus kamen, um sich zu erkundigen, wie es mir ging, und auch die Blumen, die mir Bilal andauernd schickte. Hinterher haben sie mir erzählt, dass meine Cousine Nazia, die häufig zu Besuch kam, um meine Hand zu halten und mich zu trösten, draußen auf dem Flur in Tränen ausbrach und schrie: "Gott, lass Fakhra sterben."

Aber die Ärzte sagten: "Fakhra ringt mit dem Tod", und wunderten sich, dass ich immer weiter lebte. Daraufhin sagten sie, dass ich offensichtlich ein sehr starkes Mädchen war. Vor dem Unfall jedoch galt ich als zart, ich fühlte mich oft geschwächt und fürchtete mich vor allem. Ich weiß nicht, was mich hat überleben lassen, ich glaube, es war irgendeine Zauberkraft. Auch deshalb, weil ich manchmal selbst sterben wollte.Das Atmen war für mich schrecklich anstrengend, weil ich keine Nase und auch keine Lippen mehr hatte, ich konnte nichts herunterschlucken und hatte überall Schmerzen. Eines Tages sagte ich einem Doktor, dass ich sterben wollte.


Kundenbewertungen zu "Das ausgelöschte Gesicht" von "Fakhra Younas; Elena Doni"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen   sehr gut)
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Bewertung von schatzibaby aus Deutschland am 26.07.2009   gut
mir hat das buch gefallen, allerdings konnte man sich nur schwer hineinversetzen wie schlimm ihre verätzungen waren weil sie selber sich anscheinend nicht im spiegel betrachtete, die sachen die man aber wusste waren heftig

2 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Dem Autor für die Bewertung danken
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Bewertung von Martina Kley aus Ober-Olm am 10.01.2009   ausgezeichnet
Das Buch ist einfach super, ich habe es in ein paar Tagen durchgelesen. Ich kann es nur empfehlen.

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