Wem, wie Stefan Zweig, das Buch "Eingang zur Welt" ist,
kann im eigenen Schaffen sich nicht genügen, er braucht die Bücher
der anderen und die Auseinandersetzung mit vielem von dem, was vor
ihm geschrieben wurde, und dem, was zugleich mit dem Eigenen
entsteht. Vorbilder sind zu bekennen, Kollegen zu beachten. Stefan
Zweig war, nach eigener Aussage, "ein ungeduldiger und
temperamentvoller Leser", den "jede Weitschweifigkeit,
alles Schwelgerische und Vage-Schwärmerische, alles Undeutliche und
Unklare, alles Überflüssig-Retardierende in einem Roman, einer
Biographie, einer geistigen Auseinandersetzung irritierte".
Seinen Leseeindruck hat er zumeist unmittelbar - teils spontan in
Rezensionen, teils wohldurchdacht in Einleitungen - je nach
Einschätzung der Tagesaktualität oder der Weiterwirkung eines
Buches formuliert. Aus der Fülle dieser Texte wurde eine möglichst
repräsentative Auswahl getroffen, die nach Nationalliteraturen und
innerhalb dieser nach historischen Daten geordnet ist. Denn nur
durch das Zusammenziehen einzelner Äußerungen über Klassiker und
deren Interpreten sowie über Zeitgenossen, über Bücher deutscher
oder französischer, englischer, russischer Autoren läßt sich ihre
Rezeption durch Stefan Zweig, ihre gelegentliche Auswirkung auf
seine eigenen Werke, relativ deutlich konturieren, sein
literarisches Interessenfeld sich aufzeigen.
Stefan Zweig (1881-1942) wuchs als Sohn einer jüdischen Kaufmannsfamilie in Wien auf. Er schrieb Gedichte, Novellen, Dramen und Essays, die 1933 der Bücherverbrennung der Nazis zum Opfer fielen. Er lebte von 1919 bis 1934 in Salzburg, emigrierte von dort nach England und 1941 nach Brasilien. Sein episches Werk machte ihn ebenso berühmt wie seine historischen Miniaturen und die biographischen Arbeiten. Am 23. Februar 1942 schied er in Petrópolis, Brasilien, freiwillig aus dem Leben.
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