Als wir träumten - Meyer, Clemens

Clemens Meyer 

Als wir träumten

Roman. Ausgezeichnet mit dem Rheingau Literaturpreis 2006, dem Mara-Cassens-Preis 2006 und dem Clemens-Brentano-Förderpreis 2007

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Als wir träumten

Sie träumen vom Aufstieg ihrer Fußballmannschaft, von einer richtigen Liebe und davon, dass irgendwo ein besseres Leben wartet. Rico, Mark,Paul und Daniel wachsen auf im Leipzig der Nachwendejahre, in einem Viertel, dessen Mittelpunkt die Brauerei ist. Jede Nacht ziehen sie durch die Straßen. Sie feiern, sie randalieren, sie fliehen vor den Glatzen, ihren Eltern und der Zukunft. Sie kämpfen mit Fäusten um Anerkennung und schlagen die Zeit tot. Sie saufen, sie klauen, sind cool und fertig und träumen vom eigenen Leben. Alle ihre Fluchtversuche enden auf den Fluren des Polizeireviers Südost.Leidenschaftlich, wild und mutig verspielen sie ihr Leben in einer aussichtslosen Rebellion. Darum lassen einen die Bilder des nächtlichen Leipzig, die Boxkämpfe, die Hoffnungslosigkeit und die Hoffnung dieses Romans nicht mehr los.


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 517 S.
  • Seitenzahl: 528
  • Fischer Taschenbücher Bd.17305
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 124mm x 33mm
  • Gewicht: 405g
  • ISBN-13: 9783596173051
  • ISBN-10: 3596173051
  • Best.Nr.: 21477817
»Selbstverständlich ist Meyer viel zu jung. Aber so ist das mit guten Schriftstellern. Sie tauchen plötzlich auf und die ergrauten Kollegen kratzen sich am Kopf: Wieso kann der eigentlich schon so viel?« (Sten Nadolny)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.03.2008

DIE STADT IM ROMAN

Düsseldorf: Aufstieg und Fall einer Anwaltsfamilie im neureichen Prada-Milieu von Düsseldorf schildert Martin Walser in seinem Roman "Der Lebenslauf der Liebe". Es ist die Geschichte von Susi Gern, einer alternden Frau auf der Suche nach Liebe. Dieser Düsseldorfer Lebenslauf ist aber auch eine Gesellschaftssatire, die in einer anderen Stadt so nicht spielen könnte.

Martin Walser, Lebenslauf der Liebe, Frankfurt, Suhrkamp, 10 Euro.

Berlin: Robert Gernhardt, der Frankfurter Lyriker, hat seine Hauptstadtgedichte in den 90er Jahren für die Berliner Seiten der Frankfurter Allgemeinen geschrieben. Beobachtungen vom Potsdamer Platz stehen da neben ironischen Beschreibungen Berliner Lebensart. Der Grundton der Gedichte ist Zuneigung. Hier ein kurzer Auszug:

In der großen Stadt Berlin

kommst Du auf die Kosten:

Wenn der Westen es nicht bringt,

gibt's ja noch den Osten.

Robert Gernhardt, Berliner Zehner - Hauptstadtgedichte, Fischer, Frankfurt, 8 Euro.

Berlin: In seinem Roman "Herr Lehmann" entführt Sven Regener, Sänger der Band "Element of Crime", den Leser in die kleine Welt …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.04.2006

In Schmutz und Dreck Dinge finden, die leuchten
Von wegen neue Bürgerlichkeit: Die deutsche Literatur begibt sich in die sozialen Randzonen und entdeckt die Helden der Unterschicht
Eigentlich beginnen alle großen Leipziger Straßen in der Mitte der Stadt. Von da aus führen sie schnurgerade in alle Himmelsrichtungen und jeweils tief in die Peripherie hinein. Je weiter sie sich dabei vom Zentrum entfernen, desto schwächer werden sie. Steht am Anfang noch Haus neben Haus und findet sich ein Geschäft neben dem anderen, so lösen sich die Straßen, ganz wie Strahlen der Sonne, immer weiter auf, bis die Löcher zwischen den Häusern schließlich größer sind als diese selbst und aus dem Körper der Stadt längst sanft eine Landschaft geworden ist.
An solch einem ausfransenden Ende wohnt Clemens Meyer. Hier schrieb er sechs Jahre lang an seinem Roman „Als wir träumten” (erschienen im S. Fischer Verlag). Er blickt von seiner Wohnung aus auf eine riesige, wilde Brache, an deren Ende die Umrisse einer stillgelegten Fabrik zu sehen sind. Im Haus links davon wohnt keiner mehr, der Bauch des Gebäudes ist mit Plakaten verklebt, in den Stockwerken darüber schauen …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Recht unausgegoren scheint Rezensentin Dorothea Dieckmann dieser Roman über eine Jugend im Leipzig der Nachwendezeit, den Clemens Meyer vorgelegt hat. Dabei bestreitet sie keineswegs, dass der junge Autor schreiben kann. Sie hält ihm nur vor, nicht gelernt zu haben, Unnötiges wegzulassen. Die 518 Seiten des Romans sind für sie mindestens 300 zuviel. Der im jugendlichen Kleinkriminellenmilieu zwischen Schule und Strasse, illegaler Disco und Swingerclub, Knast und Kneipe angesiedelte Roman liest sich für Dieckmann wie eine locker verbundene Sammlung von Kurzgeschichten. Eine große erzählerische Gesamtkomposition kann sie beim besten Willen nicht erkennen. Dennoch gibt es auch Lob: die Kapitel über den ehemaligen Stasi-Werklehrer oder den Außenseiter mit der Hasenscharte etwa bestechen nach Ansicht Dieckmanns durch "intensive szenische Porträts". Geradezu "atemberaubend" findet sie schließlich das Kapitel "In der Silberhöhe", in dem betrunkene Stammtischler dem kleinen Daniel die Festnahme seines Vaters kundtun.

© Perlentaucher Medien GmbH
Clemens Meyer, geb. 1977 in Halle/Saale, lebt in Leipzig. Nach dem Abitur arbeitete er als Bauhelfer, Möbelträger und Wachmann. Von 1998 bis 2003 studierte er am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. 2002 erhielt er ein Literatur-Stipendium des Sächsischen Ministeriums f. Wissenschaft und Kunst, 2001 gewann der den MDR-Literaturwettbewerb, 2003 belegte er den 2. Platz. Er veröffentlichte in Zeitschriften und Anthologien, u.a. eine Erzählung in »Der wilde Osten«, Fischer Taschenbuch Verlag 2002.

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Bewertung von Polar aus Aachen am 08.11.2007 ***** sehr gut
Clemens Meyer ist ein Glücksfall für die deutsche Literatur. Er schert sich nicht um die literarhistorische Tradition der Nachkriegszeit, er verfällt nicht der Dreiecksbeziehung des "ich habe eine große Liebe, aber sie geht mit einem anderen ins Bett" oder puscht Geschichten mit tiefgründigem philosophisch Aufgewärmten, auch sucht man vergeblich nach Esoterischem, nach Mainstream. Meyer schaut sich um, erzählt von dem, was er sieht. Das geht weit über den Bukowski-Kosmos der individuellen Verweigerung hinaus. Saufen ist nicht Lebenszweck, saufen tun alle, schlagen tun alle. Is so. Wenn schon alles den Bach runtergeht, dann wenigstens cool bleiben. Clemens Meyer besitzt die Sprache, um davon zu erzählen, wie man von der Zeit überrollt wird, nicht dagegen ankommt und trotzdem nicht depressiv wird. Solange ich schreie, lebe ich. Ob Leipzig begreift, daß hier ein Autor einen Roman über eine Stadt geschrieben hat, wie Thomas Mann es für Lübeck in seiner Zeit getan hat? Thomas Mann ist das nicht zu hoch gegriffen, werden die Literaturschergen fragen. Was sonst vermag gute Literatur, als ihre Zeit einzufangen? Zahnlos kommt der Autor dabei nicht daher. Er besitzt ein hohes Tempo und den notwendigen Humor, über seine Helden zu lachen. Gut so, Clemens Meyer.

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