Der Sage nach steht der Stechlinsee mit der gesamten Welt in
Verbindung, und wenn sich irgendwo ein außergewöhnliches
Naturphänomen ereignet, zeigt sich hier ein Zeichen davon. An
diesem See lebt, plaudert und stirbt der alte Herr von Stechlin,
und die Ereignisse am See geben tatsächlich wie in einem Brennpunkt
die Geschehnisse weiter Umkreise, in der Stadt und in der
Gesellschaft, wieder; das Vergangene mischt sich mit dem Neuen, der
vergessene Ort in der Mark Brandenburg wird von den sozialen
Veränderungen eingeholt. In den Gesprächen zwischen Alten und
Jungen, zwischen Landbewohnern und Städtern entfaltet sich so das
gesellschaftliche Panorama der Zeit um die Wende zum 20.
Jahrhundert, ohne Kommentare und Wertungen vorzugeben. Die
Fontane'sche Ironie und psychologische Präzision zeichnen
gesellschaftlich geschaffene Individuen, die entweder gegen ihre
Menschlichkeit kämpfen oder sie trotz der Zwänge zu bewahren
versuchen. Mit seinem ganz eigenen Ton, der dialogisch die
Voraussetzungen und Folgen der Ereignisse schildert, die selbst
Leerstellen bleiben, und mit seiner Haltung, die gesellschaftliche
Regeln kritisiert, aber nicht ausdrücklich verwirft, hat Theodor
Fontane einen der großen, nicht unumstrittenen Gesellschaftsromane
des 19. Jahrhunderts verwirklicht, der an die Humanität appelliert.
Theodor Fontane (1819-98) ist der bedeutendste Erzähler des literarischen Realismus. Der gelernte Apotheker machte mit 30 Jahren das Schreiben zum Beruf, zunächst als Journalist und Theaterkritiker. Erst spät begann er erfolgreich Romane und Erzählungen zu schreiben. Seine Romane und Novellen, die vielfach verfilmt wurden, zählen zu den meistgelesenen Klassikern des 19. Jahrhunderts.
2 Marktplatz-Angebote für "Der Stechlin" ab EUR 4,00
Sitemap: 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20