In Giovanni Boccaccios "Il Decamerone", entstanden um
1350, zeigt sich in ebenso stilbildender wie berauschender Weise
die für die italienische Renaissance so typische sinnliche
Lebenslust. Ursprünglich enthält der Zyklus hundert Geschichten,
Parabeln und Fabeln, die sieben Frauen und drei Männer einander auf
ihrer gemeinsamen Flucht vor der Pest erzählen. Aus diesem zeitlos
reichen Novellenschatz hat der deutsche Dichter Klabund (1890-1928)
die dreißig schönsten Erzählungen ausgewählt und auf kongeniale
Weise ins Deutsche übertragen.
Giovanni Boccaccio, geb. 1313 als unehelicher Sohn eines Kaufmanns und einer Französin in Florenz, absolvierte in Neapel Kaufmannslehre und Studium. 1349 kehrte er nach Florenz zurück. 1350 lernte er Petrarca kennen; die beiden Wegbereiter der Renaissancekultur blieben eng befreundet und führten bis zum Tode Petrarcas eine anregende Korrespondenz. Neben seiner schriftstellerischen Arbeit war Boccaccio Botschafter des stadtstaates Florenz und humanistischer Gelehrter. Er starb 1375 auf seinem Landgut in Certaldo (Toskana).