Napoleon - Dufraisse, Roger

Roger Dufraisse 

Napoleon

Revolutionär und Monarch, eine Biographie

Übersetzer: Gangloff, Suzanne Annette
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Napoleon

Der Band besticht durch Sachlichkeit, Übersicht und Verläßlichkeit. Besonderes Gewicht legt der Autor auf das Verhältnis Napoleons zur Revolution, auf die allmähliche Verflechtung der Revolutionsentwicklung mit der Karriere des jungen Bonaparte. Dufraisse läßt deutlich werden, wie es Napoleon gelingt, die Revolution zu beenden, zugleich ihre Errungenschaften zu bewahren und teilweise in dauerhafte gesetzliche Form zu gießen.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf den von Napoleon für Frankreich geschaffenen Institutionen der Verwaltung des Bildungswesens, der Wirtschaft und des Rechts. Schließlich widmet sich der Autor ausführlich der Überforderung der französischen Kräfte seit 1808, der Ausbeutung der Verbündeten, der Kontinentalsperre sowie den Ursachen des Sturzes von Napoleon.


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 2000
  • 2000.
  • Ausstattung/Bilder: 181 S. m. 12 Bildtaf.
  • Seitenzahl: 181
  • Beck'sche Reihe Bd.1352
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 126mm x 14mm
  • Gewicht: 186g
  • ISBN-13: 9783406421525
  • ISBN-10: 3406421520
  • Best.Nr.: 08634672
Dufraisse

Leseprobe zu "Napoleon" von Roger Dufraisse

"Fünftes Kapitel

Rückschläge und Sturz

Napoleon scheiterte; innerhalb von nicht ganz zwei Jahren wurde er besiegt von der Koalition der englischen Oligarchie mit den absolutistischen Monarchien des Kontinents, vom Nationalgefühl der unterdrückten Völker, von der Kriegsmüdigkeit der französischen Öffentlichkeit und vom Verrat der Hauptnutznießer seines Regimes. Er war erfolglos im Wirtschaftskrieg, und die militärischen Rückschläge zwangen ihn in die Knie.
Im Jahre 1810 war Napoleon knapp 40 Jahre alt, und selbst die schmeichelhaftesten Portraits der anerkanntesten Maler lassen die Aufgedunsenheit seiner Züge erkennen, die ihm eine Ähnlichkeit mit gewissen römischen Kaisern der Spätzeit verleiht. Dennoch war er keineswegs verbraucht; er ertrug den russischen Winter und die physische Belastung des Rückzugs sehr gut, aber er war nicht mehr der unermüdliche Arbeiter, der kein Innehalten kannte und nicht wußte, was Ruhe für ihn und die anderen bedeutete. Dieser Übermensch, der s eine ganze Zeit den Staatsgeschäften widmete, verbrachte nunmehr, während der "Kriegspause" von 1810/1811, ganze Tage bei seiner jungen Gemahlin und seinem Sohn. Seine geistigen Fähigkeiten blieben intakt und ließen ihn nicht im Stich, aber weniger denn je gab er zu, sich irren zu können. Er suchte die Gründe für seine Irrtümer in den Umständen oder in anderen Menschen, nicht aber in seinen eigenen Überlegungen - eine Sturheit, die ihm zum Verhängnis werden sollte.
Die öffentliche Meinung:
Abkehr und Widerstand
Zu den Ursachen für Napoleons letztliches Scheitern ist alles zu rechnen, was die Gleichgültigkeit und Lossagung immer weiterer Kreise der Öffentlichkeit sowohl in Frankreich als auch außerhalb verstärkte.
"Ich habe die kleine Literatur auf meiner Seite und die große gegen mich", sagte Napoleon im Hinblick auf Madame de Stael und Chateaubriand. Das stimmte nur zum Teil, denn außerhalb Frankreichs hatte er bedeutende Schriftsteller und Publizisten auf seiner Seite; Goethe und He rder - Gegner der jakobinischen Diktatur -, die eine Erneuerung Deutschlands durch die Fürsten erwarteten, verfolgten Napoleons Laufbahn mit Interesse. In den Kreisen der Intellektuellen Frankreichs machten die Talentiertesten und die Belesensten, der Legitimist Chateaubriand und die Liberalen Madame de Stael und Benjamin Constant, Napoleon die autoritäre Entwicklung seines Regimes zum Vorwurf und traten für die Grundfreiheiten und für das Eigentum ein. Der Kaiser ersparte ihnen weder Schikanen noch Verdruß; aber er war klug genug, sie nicht zu Märtyrern zu machen.
Außerhalb Frankreichs äußerte sich die Opposition der Intellektuellen nicht immer nur im Rahmen gesellschaftlicher Zusammenkünfte. Dort wurde der Widerstand ebensosehr von der Feindseligkeit gegen den kaiserlichen Despotismus gespeist wie vom beleidigten Nationalgefühl. In den Ländern des Rheinbunds und von den Kathedern seiner Universitäten Heidelberg und Jena verurteilten die Vertreter der konservativen und nationalistisc hen Romantik, August Wilhelm und Friedrich Schlegel, Novalis und Johann Joseph Görres, Napoleon als Unterdrücker der deutschen Nation und riefen alle Deutschen über die sie noch trennenden Grenzen hinweg zum Kampf gegen ihn auf. Im napoleonischen Deutschland wurde die Opposition ferner genährt durch die Schriften des nach Wien geflohenen Friedrich Gentz, durch die 1807 und 1808 von Johann Gottlieb Fichte in Berlin gehaltenen "Reden an die deutsche Nation" und die Aufsätze "Geist der Zeit" von Ernst Moritz Arndt. Die Tatsache, daß Madame de Stael gemeinsam mit Friedrich Gentz, einem der wildesten Gegner der Revolution, Intrigen ausheckte, zeigt, wozu sich Menschen aus Haß gegen Napoleon hinreißen ließen.
Weder im Kaiserreich noch in den Ländern des Familiensystems ist es Napoleon jemals gelungen, die oberen Schichten der Gesellschaft dauerhaft an sich zu binden. In Frankreich fühlte sich die alte Aristokratie zwar geschm

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