Der Völkermord an den Armeniern 1915/16 - Gust, Wolfgang (Hrsg.)

Wolfgang Gust (Hrsg.) 

Der Völkermord an den Armeniern 1915/16

Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amts

Hrsg. v. Wolfgang Gust
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Der Völkermord an den Armeniern 1915/16

Am 24. April 2005 jährt sich zum 90. Mal der Beginn des Völkermords an den Armeniern, den Elie Wiesel einen »Holocaust vor dem Holocaust« nannte. Bis heute wird er von der Türkei geleugnet, bis heute ist die Verstrickung des deutschen Kaiserreichs in den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts kaum bekannt.

Am 24. April 1915 ließ die jungtürkische Regierung des Osmanischen Reichs die gesamte armenische Elite in der Hauptstadt Konstantinopel verhaften. Gut die Hälfte der etwa 2 Millionen Armenier im Osmanischen Reich fiel Erschießungen und Todesmärschen zum Opfer. Kein fremder Staat war so nah am Geschehen wie das deutsche Kaiserreich, der wichtigste Alliierte der Türkei im Ersten Weltkrieg. Seine Missionare, Lehrer, Offiziere, Konsuln und Botschafter zeichneten die Details des Völkermords nach, einige seiner Offiziere nahmen auch aktiv an der Vernichtung der Armenier teil. Bis heute leugnet die Türkei, der Rechtsnachfolger des Osmanischen Reichs, offiziell den Genozid, noch heute weiß die deutsche Öffentlichkeit nur wenig über diesen unheimlichen Vorgänger der Shoah. Die in Der Völkermord an den Armeniern 1915/16 gesammelten, bis heute weitgehend unpublizierten Dokumente bieten Zündstoff für eine nicht nur im Hinblick auf die EU-Erweiterung äußerst brisante Diskussion und Lehrmaterial zu der Frage, ob der Holocaust ein Vierteljahrhundert später wirklich so unvorhersehbar war.


Produktinformation

  • Verlag: Zu Klampen
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 674 S.
  • Seitenzahl: 675
  • Deutsch
  • Abmessung: 249mm x 179mm x 49mm
  • Gewicht: 1395g
  • ISBN-13: 9783934920590
  • ISBN-10: 3934920594
  • Best.Nr.: 13850687
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 20.06.2005

Unbeschreibliches Elend
Das Wilhelminische Kaiserreich duldete 1915/16 den türkischen Völkermord an den Armeniern

Wolfgang Gust (Herausgeber): Der Völkermord an den Armeniern 1915/16. Dokumente aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes. Zu Klampen Verlag, Springe 2005. 675 Seiten, 39,80 [Euro].

Die deutsche Regierung wußte sehr genau Bescheid. Sie wußte von vorbeitreibenden Toten auf dem Euphrat, von "grauenvollen Leichenparaden", Verhören und Folter, Arbeitsbataillonen, Konzentrationslagern und Vergewaltigungen. Sie wußte von Frauen, die während der Deportationszüge Kinder bekamen und gezwungen wurden, sie unter Büschen abzulegen und weiterzulaufen; von Menschen, die auf den Märschen in die Syrische Wüste verhungerten; von den drei Zügen, die jede Woche mehr als 1500 Menschen aus Aleppo im Südosten des Osmanischen Reiches abtransportierten. "Es ist", schrieb der Konsul in Aleppo, Walter Rößler, im September 1915 an Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg, "ein Bild unbeschreiblichen Elends".

Diplomaten wie Rößler zeichneten dieses Bild für die Regierung in Berlin nach. Das Auswärtige Amt und der …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Eine "reiche Auswahl" von Dokumenten aus dem Politischen Archiv des deutschen Auswärtigen Amtes zum Völkermord an den Armeniern findet Rezensentin Florentine Fritzen in diesem Band. Wie berichtet, erhielt das Auswärtige Amt und der Reichskanzler in den ersten Jahren des Ersten Weltkriegs zahlreiche Berichte über den Völkermord an den Armeniern, die teilweise "ein Bild unbeschreiblichen Elends" zeichneten. Zugleich veranschauliche der Band die Mitverantwortung des Kaiserreichs am Völkermord. Die Dokumente waren laut Fritzen nicht für den Außengebrauch vorgesehen und sind daher "weitgehend unmittelbar und unverstellt". Die Texte findet sie oft "so anschaulich", "dass sie den Leser schaudern lassen". Fritzen hebt hervor, dass die deutsche Regierung 1915/16 entschlossen war, die Massaker des Verbündeten an den Armeniern zu dulden, und daher versuchte, Kritiker am Vorgehen der jungtürkischen Regierung möglichst kleinzuhalten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Wolfgang Gust, 1935 in Hannover geboren, studierte Romanistik und Betriebswirtschaft in Freiburg, Bonn, Toulouse und Hamburg. Im folgenden arbeitete er beim Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" als Redakteur für Wirtschaft und Ausland,als Leiter des Pariser Büros, als Stellvertretender Auslandschef und als Ressortleiter (SPIEGEL-BUCH) bis 1993. Im Anschluß daran übte er eine publizistische Tätigkeit aus.
Neben Veröffentlichungen in Zeitschriften und Periodika liegen auch Buch-Veröffentlichungen vor:
"Der Völkermord an den Armeniern" und "Die Tragödie des ältesten Christenvolks der Welt"

Leseprobe zu "Der Völkermord an den Armeniern 1915/16"

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