Kaum ein anderer Herrscher hat in solchem Maße das Bild seiner
Epoche geprägt, wie dies dem Sonnenkönig gelang. Seine Frauen,
seine Kriege und seine einzigartige Schloßanlage Versailles haben
ihn dem kollektiven Gedächtnis Europas unauslöschlich eingeprägt.
Uwe Schultz, einer der besten Kenner des absolutistischen
Frankreichs, legt nun eine historisch fundierte und glänzend
geschriebene Biographie Ludwigs XIV vor.
Mit Ludwig XIV (1638-1715) erreicht das Zeitalter des Absolutismus
seinen Höhepunkt. Staat und Herrscher verbinden sich zu einer
Einheit, die der König als Grundlage seiner unbedingten
Machtstellung begreift: "L`état c`est moi." In der neuen
Biographie von Uwe Schultz wird Ludwig XIV durchaus nicht als
scharfsinniger Staatslenker geschildert, wohl aber als ein kühler
und erfolgreicher Taktiker der Macht. Beispielsweise geht der König
mit rücksichtsloser Härte gegen allzu mächtige Minister,
erfolgreiche Militärs oder Andersgläubige vor, wenn es ihm die
Staatsraison zu erfordern scheint. Die Staatsraison aber dient der
Größe Frankreichs, die identisch ist mit der königlichen Größe,
seiner Gloire. Ihr wird auch das Wohl des Volkes vollständig
untergeordnet, und diesem höchsten politischen Ziel bleibt das
persönliche Glück seiner Familienmitglieder und ihm engvertrauter
Menschen am Hofe unterworfen - nicht zuletzt jenes der Frauen in
seiner Umgebung.
Den französischen Adel bindet Ludwig XIV mit nicht enden wollenden
Lustbarkeiten in Versailles - doch nur, um ihn beständig unter
Kontrolle zu halten. So erscheint der Glanz, der sich von diesem
Schloß über ganz Europa ausbreitet, bei näherem Hinsehen als der
Glanz einer gut funktionierenden royalen Machtmaschine.
Ausstattung/Bilder: 2006. 441 S. m. 20 SW- u. 1 Farbabb.
Seitenzahl: 432
Deutsch
Abmessung: 225mm x 148mm x 34mm
Gewicht: 700g
ISBN-13: 9783406549892
ISBN-10: 3406549896
Best.Nr.: 20849882
Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension
Elegant geschrieben findet Rezensent Rudolf Walther diese Biografie des französischen Königs Ludwig XIV. Sie liefert, wie man lesen kann, ein ausgesprochen facettenreiches Bild von Charakter und Lebensverhältnissen dieses berühmten Königs. Besonders das erzählerische Talent des Autors macht die Lektüre immer wieder zu einem Genuss, unter anderem auch deshalb, weil Uwe Schulz dem Rezensenten zufolge auch reichlich zeitgenössischen Hofklatsch einfließen lässt. So ganz ist der Rezensent mit dem Buch trotzdem nicht froh geworden. Denn vor lauter Klatsch und Tratsch kommen aus seiner Sicht Analysen der "intellektuellen Strukturen und Umbrüche" dieser Zeit etwas zu kurz, und wird das Buch seinem Untertitel "Ludwig XIV und seine Zeit" nicht im mindesten gerecht.
Uwe Schultz, Dr. phil., war von 1976 bis 1994 Leiter der Hauptabteilung Kulturelles Wort beim Hessischen Rundfunk in Frankfurt am Main. 1966 erhielt er den Kurt-Magnus-Preis der Deutschen Rundfunkanstalten, 1999 den Preis des deutsch-französischen Kulturrats für Essayistik. Er arbeitet heute freiberuflich in Paris.
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