Etablierte und Außenseiter - Elias, Norbert; Scotson, John L.

Norbert Elias John L. Scotson 

Etablierte und Außenseiter

Aus d. Engl. v. Michael Schröter
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Etablierte und Außenseiter

Die kleine Vorortsiedlung in den Midlands, von den Autoren Winston Parva genannt, ähnelt mit ihren rund 5000 Einwohnern unzähligen anderen Gemeinden in England. Es ist eine der typischen Arbeitersiedlungen der europäischen Industriereviere, in denen die traditionellen, die dörflichen Sozialstrukturen überlebten: enge Nachbarschaft, soziale Kontrolle und gegenseitige Solidarität. Die scheinbare Harmonie wird erst Ende der dreißiger Jahre zerstört, als jenseits der Bahnlinie ein neuer Ortsteil aus dem Boden gestampft wird. Die neuen Häuser beziehen vor allem Arbeiter aus anderen Regionen Englands und später Evakuierte aus dem zerbombten London. Obwohl ihre Bewohner in den gleichen Betrieben arbeiten, wachsen die beiden Ortsteile nicht zusammen. Die Neusiedler bleiben stets die Außenseiter, stigmatisiert und fremd. Unter den alten Bewohnern gelten sie als unsozial, kriminell, triebhaft. Hier nun setzt die Untersuchung ein.

In diesem Klassiker der Soziologie untersucht Elias eine englische Gemeinde in den Jahren 1958–60 und besonders die Spannungen zwischen den »Etablierten« und den neu Hinzugezogenen, den »Außenseitern«. Unter dem besonderen Blick von Elias wird die kleine englische Gemeinde zu einem Mikrokosmos, der eine große Bandbreite sozialer Figurationen deutlich werden läßt. Das Buch untersucht das Funktionieren von Stigmatisierung, Tabuisierung, Gerüchten, kollektiver Phantasien und Vorstellungen von »uns« und »den anderen«, die Spaltungen in der Gesellschaft unterstützen und verstärken. In einem einleitenden theoretischen Essay wird die globale Relevanz der lokalen Befunde entfaltet, werden aus der Untersuchung einer kleinen mittelenglischen Gemeinde die zentralen Probleme menschlichen Zusammenlebens erfaßt und faßbar gemacht.



Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • 6. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 315 S.
  • Seitenzahl: 315
  • Suhrkamp Taschenbücher Nr.1882
  • Best.Nr. des Verlages: 38382
  • Deutsch
  • Abmessung: 180mm x 108mm x 22mm
  • Gewicht: 197g
  • ISBN-13: 9783518383827
  • ISBN-10: 3518383825
  • Best.Nr.: 04520348
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.07.2002

Außenseiter über Außenseiter
Franz Kafka liefert ein Motto für Norbert Elias
Als im Jahr 1977 der achtzigjährige Norbert Elias den Theodor W. Adorno-Preis der Stadt Frankfurt erhielt, reagierte die soziologische Fachwelt mit Befriedigung und Erstaunen. Mit Befriedigung – denn durch die Verleihung des Preises wurde einem Gelehrten Gerechtigkeit zuteil, den die erzwungene Emigration aus Deutschland lange Zeit um die verdiente Anerkennung gebracht hatte. Mit Erstaunen – denn obwohl Adorno und Elias als junge Wissenschaftler in Frankfurt Nachbarn gewesen waren, war das Band zwischen ihnen weniger eng als zwischen den zwei Buchtiteln „Dialektik der Aufklärung” und „Über den Prozess der Zivilisation”. Und doch war es Adorno, der auch die Lebensleistung von Norbert Elias charakterisierte, als er die Quintessenz eigener Erfahrung als „Verschränkung von Outsidertum und unbefangener Einsicht” beschrieb.
„Unbefangene Einsicht” kennzeichnete Norbert Elias, der den großen Theoriegebäuden seines eigenen Faches und anderer Disziplinen skeptisch gegenüber stand und seinen Weg nicht ohne eine gewisse Bockigkeit als „self- made man” ging. Erst tat …

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Norbert Elias, geboren am 22. Juni 1897 in Breslau als Sohn von Hermann Elias (gest. 1940 in Breslau) und Sophie Elias (gest. 1941 in Auschwitz), verbrachte bis 1915 seine Kindheit in Breslau. Von 1915 - 1917 folgte die Einberufung zum Militär, Einsatz als Funker an der Westfront. 1918 Beginn des Doppelstudiums der Medizin und Philosophie in Breslau, je ein Semester in Freiburg und Heidelberg. Ab 1922 Tätigkeit in einer Breslauer Eisenwarenfabrik. 1923 Abschlussprüfungen in den Hauptfächern Philosophie und Psychologie sowie den Nebenfächern Chemie und Kunstgeschichte.
Seit 1924 Doktor der Philosophie (bei Richard Hönigswald).
1925 - 1930 Umzug nach Heidelberg;
1928 "Gesellenstück"; Teilnahme am Deutschen Soziologentag in Zürich
1930 - 1933
Wechsel zur Soziologie und "inoffizieller Assistent" von Karl Mannheim in Frankfurt. Habilitation: "Die höfische Gesellschaft" wird erst 36 Jahre später veröffentlicht.
1933 Flucht aus Deutschland, nach vergeblichen Bemühungen um eine Universitätsstelle in der Schweiz vorläufiges Exil in Paris. Beginn der Arbeit an "Über den Prozeß der Zivilisation" 1935.
Nach einem nochmaligen Besuch seiner Eltern Übersiedlung nach London

Das "magnum opus" blieb drei Jahrzehnte nahezu unbekannt.
1940/41 Interniert auf der Ilse of Man.
194

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