So - Zähringer, Norbert

Norbert Zähringer 

So

Roman

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So

"Als hätten die Marx Brothers einen Roman geschrieben" - Süddeutsche Zeitung



Cordt Gummer wird zum Leiter einer Bankfiliale im Osten Berlins ernannt. Die Zweigstelle entpuppt sich als Baucontainer auf dem Gelände einer abgewickelten Glühlampenfabrik. Die Kunden bleiben aus, seine einzige Angestellte meldet sich krank, und ihm wird die Wohnung gekündigt. Bald haust er im Container. Während er seinen Chefs "blühende Landschaften" vorgaukelt, muss er sich gegen zudringliche Kleinsparerinnen, eifersüchtige Berufsboxer und einen Bankräuber wehren, der unbemerkt einen Tunnel zu ihm gräbt. Eine Großstadt-Robinsonade, die uns die Gegenwart zeigt, wie sie ist: so.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 396 S.
  • Seitenzahl: 400
  • rororo Taschenbücher Nr.24290
  • Deutsch
  • Abmessung: 190mm x 116mm x 27mm
  • Gewicht: 360g
  • ISBN-13: 9783499242908
  • ISBN-10: 3499242907
  • Best.Nr.: 20754353
"Als hätten die Marx Brothers einen Roman geschrieben" (Süddeutsche Zeitung)

kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Der Osten Berlins nach der Wende ist Schauplatz für die Geschichte eines resignierten Bank-Filialleiters, der in einem Wellblechcontainer auf Kunden wartet. Er lernt Willy Bein kennen, dessen Leben nicht mehr in Ordnung ist, seit die Glühbirnenfarbik, in der er jahrelang als Maschinist arbeitete, geschlossen hat. Zu den beiden gesellen sich ein gealterter Terrorist, der immer eine Waffe in der Manteltasche trägt, ein verschreckter Bankdirektor und die lebenshungrige Valeska. Während der Terrorist von maoistisch motivierten Attentaten träumt und der Filialleiter auf Valeska trifft, gräbt Willy Bein, von chronischen Geldsorgen geplagt, einen Tunnel zum Bankcontainer. Zähringer entwickelt mit üppig wuchernder Fantasie und Mut zu menschlichen Abgründen liebenswerte Figuren am Rande der Skurrilität. Sie alle verbindet ein "quälender Überdruss, weil es nichts gab, woran (ihnen) auf längere Sicht gelegen war". Der Autor erzählt von Menschen, die sich nach einem besseren Leben sehnen, ohne Pathos und in schnörkelloser Sprache, dafür mit viel Sinn für Humor und Liebe zur detaillierten Beobachtung. Der Debütroman des Wahl-Berliners ist eine komplexe, aber teilweise verworrene Komposition. Er fordert die Aufmerksamkeit des Lesers - und hat sie durchaus verdient. (mt)

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Nicht nur den kürzesten Titel, sondern auch "eines der charmantesten Bücher der Saison", findet Rezensent Martin Ebel, habe der Romandebütant Zähringer hier vorgelegt. Ein Roman über das Geld, aber nicht das Kapital an sich, sondern über die Menschen und Einrichtungen, "die von ihm regiert" würden: vom Bankdirektor über den Filialleiter bis zum Bankräuber, "das spekulierende Damenkränzchen und den geschassten Börsenmakler nicht zu vergessen." Dabei habe der Autor eine "wilde" Erzähltechnik gewählt, und der "der wühlende Leser" könne selbst "bei größter Geduld" hier keine Ordnung erkennen. Nie wisse man, wo es lang- oder hingehe. Ständig gingen "gerade erst eingeführte Personen" oder "vielversprechende Motive" auf der "ungepflasterten Landstraße des Erzählens" wieder verloren. Aber dem Rezensenten hat gerade das große Spaß gemacht. Mit einiger Hingabe bemüht er sich dann doch um eine stringente Inhaltsangabe. Gibt schließlich dem "jungen Autor" doch die ein oder andere Mahnung mit auf den Weg. Und ist trotzdem rundum zufrieden.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 30.06.2001

Die Welt ist flüssig
Glasauge, sei wachsam! Norbert Zähringers Debütroman "So" macht das Büro zum Straflager · Von Martin Ebel

Ein Roman, sagt Stendhal in einer berühmten Definition, ist ein Spiegel, der sich eine Landstraße entlang bewegt; mal reflektiert er das Blau des Himmels, mal den Dreck am Straßenrand. Der Romancier trägt den Spiegel nur, es wäre verfehlt, ihm die dargestellten Gegenstände vorzuhalten. Bei Norbert Zähringer ist der Romancier, wie er im letzten Satz verrät, ein schlafender Pförtner und der Roman ein offenes Glasauge, an dem die Jahre vorbeiziehen. Eine mutwillige Poetik, mit der Zähringer, Jahrgang 1967, seinen Erstling "So" abschließen - und so zugleich jede erzählerische Haftung ausschließen will.

Nun: ein Glasauge mag unschuldig sein; der Autor, der es seinem Erzähler einsetzt, ist es nicht. Auch eine Ästhetik des laisser-faire, gerade wenn sie so gut zur Freihandelsthematik des Romans paßt, stellt eine künstlerische Grundsatzentscheidung dar. Zähringer hat gewählt: das wilde Erzählen, den kühnen Rösselsprung, kreuz und quer, schräg und kehrt, rückwärts seitwärts ran an Figuren und Themen, …

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Norbert Zähringer wurde 1967 in Stuttgart geboren. Er lebt in Berlin. "So" ist seine erste Veröffentlichung.

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Kundenbewertungen zu "So" von "Norbert Zähringer"

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Bewertung von Kissss aus Kirchheim/Teck am 11.04.2012 ***** sehr gut
Die mit großspuriger Geste des Direktors der VERBAG-Bank eingeweihte Filiale auf dem ehemaligen Gelände einer Glühlampenfabrik in einem heruntergekommenen Stadtteil Berlins erweist sich als bloßer Container. Cordt Gummer stellt den neuen Filialleiter, der sogar über eine Angestellte und einen Azubi verfügt, welche sich jedoch sehr schnell quasi in Luft auflösen. Gummer bleibt allein, erfindet Kunden, um seine Stelle behalten zu können und muss sich eines hartnäckigen Bankräubers erwehren...

"Als hätten die Marx Brothers einen Roman geschrieben", so die Süddeutsche Zeitung. Zähringers Protagonisten mögen wohl ziemlich absonderlich sein, aber während ich in den Marx Brothers Vertreter des Slapsticks vermute, schreibt der Autor über Deutschland und seine Banken, wie sie sich ihm darstellen und zwar mit einem höheren Anspruch als die der Leinwandfiguren. Zähringers Welt ist kalt und beziehungslos, hat aber das Potential zum Absurden. Dabei ist dieses Buch kein Schenkelklopfer, sondern nimmt sich auf feine Art des Zynismus des Geldgeschäftes an, bei dem Menschen entlassen und gutgehende Fabriken des Profites wegen eingestampft werden.
Auch die Protagonisten sind Opfer dieser Entwicklung und irren ziellos und allein durch ein verändertes Berlin, welches nichts mehr anzufangen weiß mit "Verlierern". Das ist deprimierend, aber aufgrund der skurrilen Begebenheiten und ebensolchen Gesprächen erträglich und irgendwie nett, als würde man mit ein paar alten Bekannten zusammensitzen. Leider bleiben sie schemenhaft und etwas unwirkllich, ebenso wie das ganze Drumherum.
Daher würde ich sagen, dass man für diese Lektüre einen Hang zum Spielerischen braucht, da Zähringer munter in der Zeit herumspringt, von der Gegenwart zum Mittelalter und zurück und viele einzelne Geschichten miteinander verwoben sind, von denen anfangs gar nicht klar ist, wie sie eigentlich zusammenhängen. Auch lässt sich dieser Roman keinem spezifischen Genre zuordnen. Ist es Unterhaltung, Drama, Krimi oder alles zusammen?

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