Einsamkeit und Sex und Mitleid - Krausser, Helmut

Helmut Krausser 

Einsamkeit und Sex und Mitleid

Roman

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Einsamkeit und Sex und Mitleid

Vincent ist Callboy, aber an Weihnachten sitzt er alleine in der Kneipe. Als die dichtmacht, lässt er sich zu Hause eine Badewanne ein. Beim Einsteigen wird er von einer Einbrecherin überrascht. Die beiden freunden sich an.
Helmut Kraussers neuer Roman bringt zusammen, was nicht zusammengehört: Die unterschiedlichsten Menschen streifen durch Berlin, begegnen sich, kommen einander nah - immer auf der Suche nach dem Glück. Helmut Krausser verknüpft ihre Geschichten zu einem Netz, aus dem es kein Entkommen gibt.
Ein Kind wird entführt, eine mitternäch liche Hochzeit improvisiert, ein Genickschuss erkauft, der Prophet Jesaja predigt auf dem Kreuzberg und alles ist auf ungeahnte Weise miteinander verbunden.' Einsamkeit und Sex und Mitleid' spielt auf der Klaviatur des scheinbaren Zufalls, mischt Melodram, Ironie, Suspense und Lakonik zu einem bizarren Panorama, zu einem überwältigenden Kaleidoskop des Lebens.


Produktinformation

  • Verlag: Dumont Buchverlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 223 S.
  • Seitenzahl: 224
  • Deutsch
  • Abmessung: 215mm x 148mm x 24mm
  • Gewicht: 396g
  • ISBN-13: 9783832180928
  • ISBN-10: 3832180923
  • Best.Nr.: 26327664
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.09.2009

Wen die Lieblingsratte beißt
Helmut Krausser schreibt einen Episoden-Roman über die Nachtseite von Berlin
Wenn ein Autor in der ersten Zeile von einer Gastwirtschaft spricht und also die Bedeutung dieses Ambientes für sein Werk hervorhebt, so schaue man genau darauf, mit welchem Begriff er sie einführt, denn es wird einem viel über das nun Kommende verraten. Ist es eine Kneipe und haben wir also die Romantik des Kiezes zu erwarten? Eine Osteria und folglich die Toscana-Fraktion am Ruder? Eine Taverne? Eine Kaschemme? Kaschemme wäre schon ziemlich übel, denn es bewiese, dass jener Autor vor lauter Gebärde nicht richtig hinschaut. Aber bei Helmut Krausser kommt es noch schlimmer. Sein erster Satz lautet: „Die Spelunke am Viktoriapark machte um neunzehn Uhr dicht.”
Nun kann man von der Berliner Gastronomie halten was man mag, aber es gibt hier jedenfalls keinen Seehafen, und das Milieu der Schatzinsel gedeiht hier nicht. Und auch nicht das Milieu, in dem der einsame Privatdetektiv seine Kreise zieht. Dieses klingt noch auf derselben Seite an, denn aus der Spelunke tretend widerfährt dem Helden Folgendes: „Die Aussicht, auf irgendeiner Sammelstelle für …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Frank Schäfer mochte den neuen Roman von Helmut Krausser, wenn auch mit ziemlichen Abstrichen. Denn so sehr er in diesem Buch Kraussers Souveränität als Erzähler schätzt, beim Lesen immer wieder auch den Spaß spüren kann, den dieser Autor beim Entwerfen seiner Charaktere hatte - insgesamt haftet dem Buch aus Sicht des Kritikers etwas Unfertiges und oft auch Schematisches an. Allzu deutlich spüre man, dass Kraussers Figuren als Exempel für ein bundesdeutsches Panorama konzipiert sind. Auch die "Rollenprosa" der Dialoge klingt im Kritikerohr nicht immer überzeugend, was dem Roman insgesamt ein "akutes Glaubwürdigkeitsproblem" einhandelt, wie Schäfer meint, der immer wieder das Gefühl nicht los wird, einer "wenn auch dramaturgisch virtuosen" Fiktion aufzusitzen. Am besten könnte er sich das Buch noch als Berliner Version von Robert Altmans "Short Cuts" nach Raymond Carver, also verfilmt vorstellen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 27.11.2009

Ekki, mach mir den Caligula

Wo das Prekäre endet und der Trash beginnt: Helmut Kraussers wilder Berlin-Reigen ist ein Sittenbild der Verwahrlosung voller Hardcore-Komik.

Von Wolfgang Schneider

Wie hört es sich an, wenn Dr. Stern, unterwegs mit seiner Geliebten Carla, einen athletischen Jungtürken beim Warten auf die Trambahn provoziert? "Weiterhin will ich Ihnen mitteilen, dass es mir missfällt, wenn Sie hier vor die Bank, neben unsere Füße, ein Spuckpfützchen machen." Der Angesprochene reagiert wie erwartet: "Was willste, Alder? Willste Ärger? Oder was?" Der Wortwechsel eskaliert, bis Ümal Nurbekoglu zuschlägt. "Stern wich geschickt aus, den Rest erledigte Carla. Sie war amtierende Berliner Kickbox-Vize-Landesmeisterin." Solche Gefährtinnen mögen sich gestandene Akademiker erträumen, wenn in manchen Berliner Straßenzügen die Nacht beginnt (auch wenn diese Szene ausnahmsweise in Bielefeld spielt).

Helmut Kraussers neuer Roman ist eine Berliner Seifenoper. So wie in echten Seifenopern die Schauspieler immer lächerlich überdeutlich agieren und mit Ausrufezeichen grimassieren, arbeitet auch Krausser mit dem Überpointierten …

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"Wenn Sie keine Hemmungen davor haben, am Strand laut lachen zu müssen, dann ist dieses Buch die perfekte Sommerlektüre." JUDITH STARKE, BUCHHANDLUNG VOGEL FREIBURG

Petri liest das Buch völlig unaufgeregt, dabei aber nicht einfach nivellierend, sondern fein nuancierend und den Personen und jeder Pointe ihre spezifische, aber eben nur sehr leichte Eigenart gebend. Sehr hörenswert, breit empfohlen. Quelle: ekz-Informationsdienst
Helmut Krausser, geb. 1964 in Esslingen war u.a. Spieler, Nachtwächter, Zeitungswerber, Opernstatist, Sänger in einer Rock`n`Roll-Band und Journalist. (Halb-)freiwillig verbrachte er ein Jahr als Berber. Nebenbei studierte er provinzialrömische Archäologie. Er schrieb Erzählungen, Theaterstücke und ein Opernlibretto. Sein Roman 'Fette Welt' wurde von Jan Schütte mit Jürgen Vogel in der Hauptrolle verfilmt.

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